Usagi Yojimbo and Pau Tai Teil 9: Der Sklavenmarkt

Der achte Teil der Geschichte

Prolog

Dieser Teil der Geschichte ist Fritz gewidmet, der mir in einem Rollenspiel einen Sklaven aufgehalst hat. Danke :-)

Berichte

Im Laufe der nächsten Tage lernte Usagi den Menschen hinter dem Sklaven Tep kennen. Zu Usagis grosser Überraschung stellte sich Tep als hochgebildet und klug heraus. Lächelnd gestand er sich ein, dass Käls Vergleich zwischen dem Sklaven und einer Geisha mehr Substanz hatte, als er jemals vermutet hätte.

Weil Tep feststellte, dass es Usagi gefiel, wenn er eine eigene Meinung hatte, brachte er das Kunststück zustande, gleichzeitig eine Meinung zu haben und unterwürfig zu sein. Als Usagi seine unterschwellige Ablehnung gegen Sklaverei realisiert hatte und nun sorgfältig zwischen Sklaverei im allgemeinen und Tep im besonderen unterschied, wurde auch Teps Verhalten viel ruhiger und ausgeglichener.

Seit Kindheit an hatte Usagi gelernt seine Gefühle zu unterdrücken oder zumindest nicht nach aussen zu zeigen. Die Veränderungen, die Pau bei ihm bewirkt hatte, hatten das zum Teil aufgelöst, aber unbewusst war Usagi bei Tep wieder in die alten Verhaltensmuster gefallen.

Seine Versuche, seine Abneigung nicht zu zeigen, um Tep nicht zu verletzen, hatten am Ende nur dazu geführt, dass der einfühlsame Tep verwirrt worden war. Obwohl Usagi sich sicher war, dass man ihm seine Gefühle nicht angesehen hatte, hatte Tep seine Ablehnung gespürt und buchstäblich alles getan, um sie zu überwinden.

Am Ende war es aber Usagi gewesen, der sich hatte ändern müssen und als er es getan hatte, war auch seine Beziehung zu dem Sklaven viel angenehmer geworden.

Tep stellte sich als interessanter und angenehmer Gesprächspartner heraus, mit dem man über alles sprechen konnte. Mit wenigen Worten konnte er Usagi zum Lachen bringen oder sehr nachdenklich machen. So wie eine hervorragend ausgebildete Geisha.

Tep widersprach Usagi nie und doch verstand er es, seinen Standpunkt zu vertreten. Fasziniert beschäftigte sich Usagi mit diesem Phänomen. Er erkannte, dass es Teps Fähigkeit sich zu unterwerfen war, die es ihm ermöglichte immer neue Wege zu finden, seinem Herrn etwas beizubringen.

In gewisser Weise war dies die Antwort auf Paus Strategie jemanden immer dort anzugreifen, wo man es nicht erwartete und auf diese Weise die errichteten Verteidigungsstellungen zu umgehen.

Tep war auch nie dort, wo man ihn vermutete. Immer, wenn Usagi ihn in einem Gespräch attackierte, fand er keinen Widerstand vor. Sein sorgfältiger Plan stellte sich als Makulatur heraus. Jetzt hatte er aber schon Energie darauf verwendet, an diesen Punkt zu gelangen, während Tep ihm nur ausgewichen war und ihn jetzt von einem anderen Punkt aus beobachtete.

Auf diese Weise verausgabte sich Usagi, bis er aufgeben musste. Oder er fand Widerstand und musste, während er schon triumphierte, feststellen, dass er nur dort war, wo Tep ihn hatte haben wollen.

So lernte Usagi jemanden kennen, der unterwürfig und demütig war und dennoch seine Ziele erreichte.

Nachdem Usagi sich dafür entschieden hatte, Tep so zu akzeptieren, wie er war, wurde Tep innerhalb weniger Tage zu einem Schatten von Usagi. Er las Usagis Wünsche buchstäblich von seinen Augen ab. Es war ein furchtbar bequemes Leben und Usagi begann sich tatsächlich Sorgen zu machen, dass er seine Fähigkeit zu Überleben verlieren könnte, so wie Pau ihn gewarnt hatte.

Käl stellte sich da völlig anders dar. Er war ein Charakter mit Ecken und Kanten, so wie Gen. Usagi war sich nicht sicher, ob Käl das nur vortäuschte, so wie Pau es tat, oder ob er wirklich noch so ungehobelt war. Auf der einen Seite schien er ein so grober Klotz zu sein, auf der anderen Seite stellte Usagi fest, dass Käls Einfühlungsvermögen das von Tep noch bei weitem überstieg.

Das war nicht verwunderlich, denn Käl war nun schon seit mehr als 3000 Jahren ein Schüler von Pau Tai.

Alleine schon zu akzeptieren, einem Wesen gegenüber zu sitzen, das schon gelebt hatte, bevor es auf Japan eine Zeitrechnung gegeben hatte, war eine Herausforderung.

Auch Käl zeigte sich freigiebig mit seinem Wissen. Usagi erfuhr, wie Käl das erste Mal auf Pau Tai getroffen war und einige von den Geschichten, die Pau ihnen erzählt hatte, aus einer anderen Perspektive.

"Und so wurde ich zu einem der grössten Kämpfer, die es jemals gegeben hat", schloss Käl seine Geschichte.

"Du hast Deine Ansprüche einfach weit gesenkt", sagte Usagi amüsiert.

"Ja", stimmte Käl ein und lachte.

"Aber nicht einfach", fuhr er ernst fort. "Man muss seine Ansprüche aufgeben, um frei zu sein. Wenn Du nichts mehr willst, dann kannst Du alles, was man Dir antun könnte, mit einem Schulterzucken abstreifen."

"Erst, wenn Du nichts mehr haben willst, kann man Dir auch nichts mehr wegnehmen."

Usagi stellte sich dies als das nächste Ziel, dass er erreichen wollte. Er wusste nicht, wie lange es dauern würde, aber nun hatte er ja Zeit.

Durch Käls Andeutungen neugierig gemacht, lernte Usagi mit der Technik seiner neuen Umgebung umzugehen, damit er die Berichte lesen konnte, die Pau geschrieben hatte. In den nächsten Tagen und Wochen sass er häufig auf seiner Terrasse, trank Tee oder einen von den vielen leckeren Fruchtsäften, die Tep für ihn zauberte, und las über sich und die Leute, die er gekannt hatte, während Tep sich an seiner Seite zusammenrollte und schlief.

Pau hatte eine unglaubliche Menge an Wissen über ihn und seine Beziehungen zusammengetragen. Die Übersicht, die er in der Station gesehen hatte, mit den ganzen Gesichtern und ihren Verbindungen, war tatsächlich nur eine Übersicht gewesen. Usagi hatte Zugriff auf die Lebensgeschichten von über 15'000 Personen, ihre Vorlieben und Abneigungen, Freunde und Feinde, Stärken und Schwächen. Was sie wann getan hatten, Zukunftsprognosen zum Teil über Jahrhunderte.

Paus Berichte gingen auch weit in die Vergangenheit. Anscheinend stand die Welt, auf der Usagi geboren worden war, schon seit einigen Jahrtausenden unter Beobachtung. Erst vor etwa 400 Jahren hatte Pau sich persönlich eingeschaltet. Usagi fand seinen Stammbaum und die Korrekturen, die Pau daran vorgenommen hatte.

Offensichtlich hatte Pau seine Geburt schon Jahrhunderte vorher geplant und vorbereitet. Viele Einwohner seines Dorfes waren ausgesucht und ebenfalls verändert worden. Leute aus anderen Dörfern waren bewegt worden, in Usagis Dorf umzuziehen, Wanderer und Flüchtlinge hatten sich niedergelassen oder Dorfbewohner waren getötet oder vertrieben worden.

Und dann waren da noch Informationen, die Pau mit einem Warnhinweis versehen hatte.

"Bitte diese Information erst lesen, wenn Du dazu bereit bist", stand da.

Usagi war inzwischen weise genug, um die Warnung ernst zu nehmen.

Manche Berichte waren voll von diesen Hinweisen. Praktisch alles, was mit dem Schwert Kusanagi(1) zu tun hatte, war damit versehen. Sorgfältig bemühte sich Usagi nicht darüber nachzudenken, was das bedeuten könnte.

1. Grasscutter, siehe Usagi Yojimbo - Grasscutter und Usagi Yojimbo - Grasscutter II

Die Berichte über Jei dagegen waren frei zugänglich und enthielten eigentlich kaum Warnungen. Fasziniert lernte Usagi den Samurai kennen, der Jei einmal gewesen war. Er fand eine Karte, auf der man jederzeit den aktuellen Standort von Jei ersehen konnte. Die Karte hatte auch eine Funktion, mit der man sehen konnte, wo Jei überall gewesen war. Man konnte beliebige Zeitpunkte in der Vergangenheit ansehen oder eine Übersicht bekommen, wo Jei sich besonders häufig aufhielt.

Usagi fand auch einen Bericht, in dem beschrieben stand, was Jeis Fähigkeit eigentlich war. Jei konnte einem Lebewesen die Lebenskraft entziehen. Das war der Grund, warum es einem in seiner Gegenwart immer kalt war. Jei verwendete diese Energie, um selbst unsterblich zu sein. Aber seine eigentliche Fähigkeit bestand darin, die Seele eines Lebewesens aufzunehmen.

Im Gegensatz zu Pau integrierte Jei diese aber nicht in sein Bewusstsein, sondern sperrte sie quasi ein. Als Usagi Jei mit Hilfe von Kusanagi getötet hatte, hatte Jei für kurze Zeit die Kontrolle über dieses Seelengefängnis verloren und viele der gefangenen Seelen waren entkommen.

Glücklicherweise hatte Jei in der Vergangenheit häufig Leute getötet und ihre Seelen aufgenommen, die nicht wirklich böse gewesen waren. Dadurch hatte Usagi mit seinem Sieg keine Katastrophe ausgelöst. Dennoch waren einige ziemlich üble Zeitgenossen entwichen und nicht in der Hölle angekommen. Es stand zu vermuten, dass sie irgendwann und irgendwo wiedergeboren werden würden.

Trotz allem zog Pau in seinem Berichten eine positive Bilanz. In einem weiteren Bericht fand Usagi Pläne und Ideen, wie Jei verbessert werden könnte, zusammen mit deren Vor- und Nachteilen. Einige davon hatte Pau bereits umgesetzt, als sie sich gegenseitig geheilt hatten.

Als Usagi sich daran erinnerte, fragte er sich unwillkürlich, was aus den anderen Teilnehmern der Aufstellung geworden war. Er suchte den entsprechenden Bericht heraus und folgte den Verweisen auf die Teilnehmer.

Keiko und Neko waren tot, getötet von Banditen. Usagi seufzte und trauerte um das Ehepaar. Er hatte sie gemocht und Tomoe ebenso. Wenigstens hatten sie nach der Heilung eine glückliche Zeit gehabt. Eigentlich aus reiner Neugierde fragte Usagi ab, wieviel Zeit zwischen der Heilung und ihrem Tod gelegen hatte.

Das Ergebnis: Zwei Tage.

Usagi starrte auf das Pad. Er ging an das Ende des Berichts über das Leben der beiden und fand einen Verweis auf einen weiteren Bericht, in dem Pau seine Gründe dafür darlegte, warum er nichts unternommen hatte. Dort lernte Usagi eine weitere Facette des Zustandes kennen, in dem man nichts mehr verlangte.

Pau hatte sorgfältig abgewogen, welche Vor- und Nachteile es hätte, wenn er das Leben der beiden gerettet hätte. Die Nachteile hatten überwogen, also hatte er nichts getan. Fassungslos las Usagi, dass die beiden sehr glücklich gestorben waren. Es war nicht so, dass Pau herzlos oder kalt war. Aber er konnte das Schicksal von anderen so akzeptieren, wie es war. Ohne selbst etwas zu wollen.

Nachdenklich legte Usagi sein Pad beiseite, nippte an seinem Tee, blickte in die Illusion des Sonnenuntergangs und hing seinen Gedanken nach.

TAURUS

Nachdem Usagi Tep so akzeptieren konnte, wie er war, bat er Käl ihm die TAURUS zu zeigen. Inzwischen hatte Usagi herausgefunden, dass die TAURUS ein Raumschiff war, wenn auch ein ungewöhnliches. Von einem Schiff hätte Usagi z.B. erwartet, dass es sich bewegte, aber die TAURUS blieb normalerweise lange an einem Ort. So lange, dass es sich für die meisten seiner Bewohner praktisch überhaupt nicht bewegte.

Auch war es ziemlich gross. Die TAURUS hatte einen Durchmesser von fast 3'100 Ryo(2) und war damit quasi ein künstlich geschaffener Planet. Und zudem noch hohl. Die meisten seiner 800 Trilliarden Bewohner lebten unter der Oberfläche in von ihnen selbst gestalteten Lebensbereichen.

2. Ca. 12'000km

Käl führte Usagi durch einige, welche von Lebewesen bewohnt wurden, die ihm so ähnlich waren, dass keine Schwierigkeiten zu erwarten waren. Usagi würde z.B. keine besondere Ausrüstung benötigen, um dort atmen zu können, die Schwerkraft würde erträglich sein und die Umgangsformen würden ihm normal erscheinen.

Das erste, was Usagi bei diesen Ausflügen lernte, was die ungeheure Vielfalt an verschiedenen Lebensformen, die die Schöpfung hervorgebracht hatte. Er lernte, dass seine Welt eigentlich eine Ausnahme war und die meisten Welten irgendwann eine einzige oder vielleicht zwei dominierende Lebensformen hervorbrachten. Bei ihm hatten viele verschiedene Formen gleichzeitig überlebt und das war ungewöhnlich.

Usagi vermutete, dass dies mit ein Grund für Paus Interesse an seiner Welt war, aber Käl mochte das nicht bestätigen.

Von vielen Lebensformen waren Vertreter auf der TAURUS zu finden, aber so wie Käl ihm versicherte, beileibe nicht von jeder. So war Usagi z.B. der einzige Vertreter seiner Art. Dennoch und sogar obwohl Usagi sich auf Käls Rat hin auf Bereiche der TAURUS beschränkte, die für ihn vertraut erscheinen würden, sah er an jedem Tag mehr verschiedene Lebensformen, als er sich jemals hätte vorstellen können.

Häufig lief Usagi gar nicht herum, sondern setzte sich einfach in eines der vielen Cafés, bestellte sich etwas zu trinken und beobachtete die Leute, die vorbeiliefen. Es war ungeheuer faszinierend für ihn, all diese Vielfalt zu bewundern.

Käl störte sich nicht daran. Geduldig setzten Tep und er sich mit Usagi hin und beantworteten seine Fragen, wenn Usagi etwas gesehen hatte, was trotz allem aus der Menge herausstach.

Manchmal kamen auch Leute zu ihnen und fragten, ob sie sich zu ihnen setzen dürften. Dann unterhielten sie sich oder tranken einfach zusammen etwas. Es kamen eigentlich fast nie Leute, die mit Käl oder Tep sprechen wollten. Die meisten schienen sie gar nicht zu kennen.

"Es ist nicht so, dass Pau sich hier verstecken würde oder etwas in der Art", erklärte Käl. "Viele Informationen über ihn, seine Fähigkeiten und dergleichen, sind frei zugänglich. Aber wie Du ja selbst sehen kannst, ist es sogar für einen Unsterblichen schwierig, hier einen Überblick zu bewahren. Ich vermute, dass selbst Pau nur einen winzigen Bruchteil aller Lebewesen kennt, die hier leben."

"Hat Pau den überhaupt ein Interesse an den Lebewesen, die hier leben?"

Käl gab nicht sofort eine Antwort. "Ich vermute es, aber sicher bin ich mir da auch nicht. Die TAURUS ist das Werk von Pau, daher gehe ich davon aus, dass er sich schon für die Leute interessiert, die hier leben. Aber auf der anderen Seite ist er meistens unterwegs und kümmert sich kaum um das, was hier an Bord passiert."

"Wie alt ist Pau jetzt eigentlich? Ein Roboter in der Mondstation hat mir erzählt, dass er sicher älter als 80'000 Jahre sei."

"Das kommt wohl darauf an, was Du als Pau definierst", begann Käl. "Pau besteht ja aus vielen Bewusstseinen und die meisten davon sind sehr viel älter als die 96'000 Jahre des Bewusstseins, welches sich selbst Pau Tai nennt bzw. Pau Tai."

"Es nennt sich Pau Tai bzw. Pau Tai?"

Käl lachte. "Da spielt uns die Technik wieder einen Streich. Wenn Pau eine fremde Welt besucht, dann wählt er normalerweise einen Namen, der dort kein Aufsehen erregt. In Deinem Fall nannte er sich Pau Tai, aber er hat hier natürlich einen anderen Namen. Diesen habe ich verwendet, aber die automatischen Übersetzer haben ihn in den Namen übersetzt, den Du kennst. Also hast Du gehört, wie ich offensichtlich zweimal den gleichen Namen ausgesprochen habe."

"Wie heisst er denn hier?"

"Hier auf der TAURUS kennen ihn alle als Philmann Dark."

"Viman Daka?"

Käl lachte wieder. "Da er Deine Gedanken lesen kann, wird er wohl wissen, dass er gemeint ist, aber bei allen anderen solltest Du bei Pau Tai bleiben."

Etwas anderes beschäftigte Usagi. "Der Name ist viel länger und komplizierter als Pau Tai. Aber wenn Du redest, dann höre und sehe ich keinen Unterschied. Und bei Tep auch nicht. Ich würde erwarten, dass ich sehe, dass ihr etwas anderes sprecht, als ich höre."

"Mein Mund ist gar nicht in der Lage Laute zu erzeugen, die Du hören könntest. Also öffne ich ihn nur einen Spalt und übertrage meine Gedanken an die Station, die dann die Illusion erzeugt, als würde ich wirklich sprechen. Tep dagegen hat einfach Deine Sprache gelernt. Er redet wirklich Japanisch."

Usagi blickte mit neuer Hochachtung zu dem Sklaven hinunter, der sich vor ihm auf dem Boden zusammengerollt hatte. Sofort blickte Tep auf: "Herr?"

"Du hast meine Sprache gelernt?"

"Ja, Herr. Es macht mich zu einem besseren Diener von euch."

Usagi musste lachen. "Wie lange habt ihr denn dafür gebraucht?"

Jetzt war Käl an der Reihe über Usagis Gesichtsausdruck zu lachen, als der Sklave antwortete: "Vier Tage, Herr."

"Vier Tage? Ich habe Jahre dafür gebraucht!"

Käl erlöste den Sklaven von einer Antwort: "Tep ist unglaublich anpassungsfähig. Er kann nicht nur in kürzester Zeit Sprachen lernen, sondern auch die notwendigen Gesten und die Körpersprache, die man unbewusst erwartet."

Usagi fuhr Tep mit den langen Haaren auf seinem Handrücken über den Kopf und der Sklave erschauerte wohlig. Mit einem zufriedenen Lächeln rollte er sich wieder zusammen.

"Tep steckt voller Überraschungen", stelle Usagi fest, "aber das hätte ich mir ja denken können. Selbst wenn Pau nur wenig Interesse an den Leuten hat, die hier auf der TAURUS leben, so gilt das sicher nicht für die Personen, die in seinem Haus leben."

Mit einer fast menschlichen Geste nickte Käl zustimmend. "Um auf Deine Frage von vorher zurückzukommen: Wie alt Pau nun wirklich ist, weiss niemand so genau. Ich würde vermuten, dass er fast so alt ist, wie das Universum selbst, denn er stellt die erste Priester-Linie dar."

"Was ist das?"

"Die Priester von Ookaa'h sind alle unsterblich. Einer der Nachteile der Unsterblichkeit ist, dass man sich mit der Zeit immer weiter von seinen Mitmenschen entfernt."

Usagi nickte. Das hatte er sich auch schon überlegt.

"Auf der einen Seite ist das sinnvoll, weil man sonst sein ganzes, langes Leben damit verbringt, um die Freunde zu trauern, die man immer verliert. Aber das dehnt sich auch auf andere Ebenen aus. Am Ende verliert man einfach das Interesse an den Dingen, die für einfache Lebewesen mit einer beschränkten Lebenserwartung eine Rolle spielen."

"Das führt natürlich zu Spannungen, aber die sind nicht das eigentliche Problem. Schwierig wird es, wenn man die Lust verliert, auf andere Rücksicht zu nehmen, weil sich die eigenen Interessen einfach so weit weiterentwickelt haben, dass es praktisch keine Berührungspunkte mehr mit Normalsterblichen gibt."

"Man verliert den Kontakt zu Realität", warf Usagi ein.

Käl schüttelte den Kopf. "Eigentlich ist es so, dass diese Wesen die Realität direkter wahrnehmen, als wir. Sie sehen die Welt, wie sie wirklich ist und nicht so, wie wir sie sehen wollen. Tatsächlich sind wir es, die nur wenig Kontakt zur Realität haben, aber das macht nichts."

"Einfach ausgedrückt ist es Dir dann zu dumm, zum hunderttausendsten Mal einer heranwachsenden Generation von Sterblichen ein bisschen Vernunft beizubringen. Andere Dinge, wie z.B. die eigene geistige Entwicklung werden wichtiger. Man verliert die Fähigkeit mit normalen Lebewesen zu kommunizieren, weil die Dinge, die einen beschäftigen, jenseits des Verständnisses aller anderen Lebewesen liegen."

"Man hat eine neue Ebene des Bewusstseins erlangt, etwas näher an einem Gott, wenn Du so willst, aber sich auch von den einfachen Lebewesen entfernt."

"Ist man dann nicht sehr einsam?" fragte Usagi.

"Eigentlich nicht, denn nicht nur Pau macht diese Entwicklung durch, sondern noch 801 andere Priester von Ookaa'h und dazu kommen natürlich noch alle diejenigen, die es aus eigener Kraft schaffen. Vielleicht kann er nicht mehr mit so vielen Leuten reden, aber die Gesprächspartner sind viel interessanter."

"In den nächsten zwanzig- bis dreissigtausend Jahren wird Pau diesen Schritt tun und für uns unerreichbar werden."

"Und die Bewusstseine vor Pau haben das gleiche getan", dachte Usagi laut mit.

"So ist es", bestätigte Käl. "Tatsächlich bezieht Pau einen grossen Teil seiner Macht und die Fähigkeit komplexe Sachverhalte zu durchblicken, von diesen höher entwickelten Bewusstseinen. Diese können mit ihm kommunizieren, da er selbst ja auch schon fast eine höhere Form des Bewusstseins darstellt."

"Darum wirkt er manchmal so seltsam", vermutete Usagi.

"Genau."

"Aber selbst jemand, der solche Fähigkeiten hat, macht noch Fehler", fügte Usagi mit einer gewissen Erleichterung hinzu.

"Bist Du sicher?" fragte Käl. "Ich hatte eher den Eindruck, dass jeder Fehler, den er bisher gemacht hat, sich am Ende als sorgfältig geplant und ausgeführt herausgestellt hat."

"Aber zurück zum Thema. Eine Priester-Linie ist eine Folge von Priestern, die sich durch ihre Unsterblichkeit immer weiter von der Realität, die wir wahrnehmen, entfernt haben. In der Regel kommunizieren diese Wesen nur noch mit ihresgleichen oder vielleicht noch mit den Wesen auf der nächsthöheren oder -niedrigeren Entwicklungsstufe."

"So entsteht eine lange Reihe von Priestern, die alle unter dem gleichen "Namen" auftreten, aber eigentlich immer wieder jemand anders sind."

"In diesem Fall stellt Pau die älteste Linie dar, die erste. Er war der erste Priester von Ookaa'h in einer Zeit, die so lange zurückliegt, dass Pau sich wahrscheinlich selbst nicht mehr daran erinnern kann."

"Eine nette Pointe zu dem Thema ist, dass Ookaa'h eigentlich der Name von Pau ist."

Usagi blickte Käl verwirrt an und dieser lachte. "Für eine Gottheit hat ein Name keine Bedeutung, denke ich. Als sie das erste Mal Kontakt mit Pau bzw. damals eben Ookaa'h aufnahm, hatte sie noch keinen Namen, weil sie selber keine Verwendung dafür hatte und noch niemand sonst ihr einen gegeben hatte."

"Pau nannte eine Göttin nach sich selbst?" lachte Usagi.

"Wahrscheinlich war er zu faul sich einen anderen Namen auszudenken", schmunzelte Käl.

"Also ist Pau das aktuelle Bewusstsein, welches im Moment die erste Priester-Linie von Ookaa'h repräsentiert", fasste Usagi zusammen.

"Ja."

"Was ist mit den anderen Linien?"

"Auf Deinem Pad kannst Du Informationen über die anderen Priester finden."

"Kann man sie treffen?"

"Nun, sie halten nicht gerade Jahrestreffen ab, aber es ist auch nicht unmöglich. Am einfachsten ist es, damit zu Pau zu gehen, weil alle Priester immer wissen, wo die anderen sich aufhalten."

"Nun", antwortete Usagi, "in meinem speziellen Fall muss ich wohl erst einen anderen Priester finden, um Pau zu lokalisieren ..."

"Auch wieder wahr."

"Etwas anderes. Ich konnte in meinen Unterlagen keinen Hinweis finden, warum Pau mich als Schüler haben wollte."

"Ja", gab Käl zu, "das ist mir auch aufgefallen. Ich habe ja schon weit mehr von den Informationen über Dich gelesen als Du selbst, aber zu diesem Thema schweigt Pau sich aus."

"Wieso hast Du mehr gelesen als ich?"

"Naja, wenn bei Dir steht "Bitte noch nicht lesen", dann steht bei mir "Bitte Usagi noch nicht erzählen". Tatsächlich habe sogar ich zweimal eine Warnung gefunden, bestimmte Informationen nicht zu lesen."

"Und hast Du?"

"Ich bin zwar impulsiv, aber ich weiss auch, dass Pau seine Warnungen eher zu selten als zu häufig ausspricht."

Dem konnte sich Usagi nur anschliessen.

"Und Pau hat keine Nachricht für mich hinterlassen? Nicht etwas in der Art, dass ich bestimmte Übungen machen soll oder etwas anderes?"

"Er hat wohl nicht damit gerechnet, dass Du so schnell mit Tep klarkommen würdest."

Sie blickten sich an und schüttelten gleichzeitig den Kopf.

"Wohl kaum", lachte Usagi und Käl stimmte ein.

"Nun, in dem Fall lautet Deine nächste wichtige Aufgabe wohl, zu lernen etwas mit Deiner Zeit anzufangen. Kannst Du rechnen?"

Usagi nickte.

Käl legte den Kopf zu Seite. "Das würde mich jetzt aber wundern. Für die meisten Rechenarten, die ich verwende, gibt es in Deiner Sprache nicht einmal ein Wort!"

"Zum Beispiel?" fragte Usagi leicht indigniert.

Käl nahm ein Pad hervor und zeichnete ein Quadrat und dann eine Verbindung zwischen zwei gegenüberliegenden Ecken. "Wenn alle Seiten 1 Ken(3) lang sind, wie lang ist dann die Diagonale?"

3. 1 Ken sind 1.8m

"Ungefähr 1.5 Ken."

"Und wie lang ganz genau?"

"Nun ...", zögerte Usagi.

Käl machte eine allumfassende Geste. "Wenn Du so etwas wie dieses Raumschiff bauen musst, dann ist ungefähr nicht mehr gut genug. Tep, Usagi benötigt eine grundlegende Schulung in den Bereichen Mathematik und Physik."

Sofort war der Sklave wach. "Ja, Herr. Ich werde alles Nötige vorbereiten."

"Wieso stört es Dich eigentlich nicht, wenn Du ständig geweckt wirst?" fragte Usagi verwundert. "Wenn man mich aus dem Schlaf reisst, dann bin ich spätestens nach dem dritten Mal so genervt, dass ich denjenigen, der mich weckt, umbringe."

"Ich schlafe nicht, Herr, ich bewege mich nur nicht."

"Und wann schläfst Du dann?"

"Nie, Herr."

"Er braucht keinen Schlaf wie Du", erklärte Käl. "Du musst ruhen, um die Erlebnisse des Tages zu verarbeiten und neues Wissen aufzunehmen. Bei Tep geschieht das die ganze Zeit nebenbei, daher muss er nie schlafen."

"Ah ja, so wie bei Pau", sagte Usagi.

"Ja. Du solltest auch noch die Sprache Standard lernen, damit Du das andere Wissen leichter aufnehmen kannst."

"Es wird leichter, je mehr ich lerne?"

"Bis zu einem gewissen Grad, ja. Du kannst Dir Dinge besser merken, wenn Du sie mit bereits vorhandenem Wissen verbinden kannst. Daher ist es sinnvoll, nicht nur das zu lernen, was Du lernen musst oder willst, sondern auch andere Dinge, zu denen Du schon Beziehungen hast."

"Durch die zusätzlichen Querverbindungen bleibt das Wissen besser haften."

Das Unerträgliche Paradies

Also lernte Usagi erst einmal zu Lernen und erschloss sich die Wunder der Wissenschaft. Er lernte hinter die Dinge zu sehen, die er als einfacher Ronin schlicht hingenommen hatte. Nachdem die Schulungsgeräte das Wissen in sein Gehirn übertragen hatten, halfen Tep und Käl ihm, es anzuwenden.

Mit Käls Hilfe lernte er Fluggleiter und einfache Raumschiffe fliegen, was viel einfacher war, als er gedacht hatte. Praktisch alles an diesen Fluggeräten war automatisiert und er musste nur ungefähr sagen, was er wollte. Im Laufe der Zeit brachte Käl ihm aber auch bei, wie man selbst flog. Das war zwar kein Vergleich zu dem Fliegen, was er mit Pau erlebt hatte, aber es hatte seinen eigenen Reiz.

Er hatte viel Spass in einem virtuellen Kampfgleiter über die zerklüftete Oberfläche eines Planeten zu rasen und gegen oder mit Käl Scheingefechte auszutragen oder den Aufbau einer Zivilisation zu simulieren.

Keine materielle Not leiden zu können, hatte seine Vorteile. Es gab immer genug zu Essen und die Nahrung war immer von hervorragender Qualität. Wenn er etwas haben wollte, so konnte es in wenigen Augenblicken für ihn hergestellt werden.

Trotzdem ging ihm die Warnung von Pau Tai nicht aus dem Kopf. Wenn er nicht vorsichtig war, dann würde er hier seine Fähigkeit verlieren, sich ausserhalb dieses Paradieses zu bewegen.

Als er es nicht mehr aushielt, sprach er mit Käl darüber: "Das bereitet mir inzwischen grosse Sorgen."

Käl blickte ihn aus seinen klugen Augen an: "Und?"

"Was soll ich tun?"

"Was möchtest Du tun?"

"Ich weiss nicht", sagte Usagi unschlüssig.

"Wie soll ich Dir einen Rat geben, wenn Du nicht weisst, was Du willst?"

Usagi verzog das Gesicht. "Nun, ich sollte vielleicht mal wieder ein wenig nach "draussen" gehen."

"Und warum tust Du das dann nicht?"

"Zu viele Optionen. Wohin sollte ich gehen?"

"Mal wieder Zuhause vorbeischauen und Hallo sagen?"

"Das könnte ich tun", sagte Usagi nachdenklich, "aber irgendwie ..."

"Dein eigentliches Problem ist, dass Du Dir langsam nutzlos vorkommst."

Usagi nickte. "Ich häufe sinnlos Wissen an. Was nützt das, wenn ich es nicht anwenden kann?"

"Dann musst Du Dir eine Aufgabe suchen."

"Aber was? Ich könnte so viel tun!"

"Etwas, das Dir etwas bringt. Das Dich weiterbringt. Hast Du Dich inzwischen mit dem Gedanken angefreundet, dass es immer Sklaverei geben wird?"

Usagis Körperhaltung sprach Bände. "Wohl nicht", gab er zu.

"Was hälst Du davon, daran zu arbeiten."

"Ich will nicht", lehnte Usagi ab.

Käl war geduldig.

"Ich sollte wohl", gab Usagi zu.

Käl nickte. "Vor ein paar Tagen sind wir einem Paar Tsykotallar begegnet. Deine Reaktion war noch nicht optimal."

"Optimal?" ereiferte sich Usagi. "Was der Eine dem Anderen angetan hat, war abscheulich! Demütigend und abstossend! Es war ..."

Käl sagte nichts, sass nur da, bis Usagi sich wieder beruhigt hatte. Usagi schloss die Augen und alle Kraft schien aus ihm herauszufliessen. "Ich kann das nicht akzeptieren."

"Du willst nicht", korrigierte Käl sanft. "Und solange Du solches Verhalten aus tiefster Seele ablehnst, kannst Du nicht helfen. Vor dem Verständnis ..."

"... kommt die Akzeptanz", vervollständigte Usagi den Satz mit Käl. "Ich denke, Du hast recht. Da gibt es noch etwas zu tun."

"Also, jetzt wissen wir, was Du tun willst. Bleibt das wo und wie."

"Ich würde gerne mal einen anderen Planeten sehen."

"Gut. Am besten suchen wir etwas heraus, was nicht zu unterschiedlich zu Deiner eigenen Welt ist, sonst müsstest Du erst langwierig an die neue Umgebung angepasst werden."

"Gibt es so etwas?"

"Das würde ich ohne zu überlegen bejahen. Das Universum ist wirklich gross, Usagi."

"Dann bleibt nur die Frage, ob es hier Informationen über diese Welt gibt."

"Da würde ich normalerweise zögern, aber ... zufälligerweise", er betonte das Wort, "hat Pau mir eine Liste von Welten hinterlassen, die in Frage kommen."

"Ah so. Dann ist ja gut."

"Richtig. Und als was willst Du gehen?"

Darauf wusste Usagi erst einmal keine Antwort.

"Als Besitzer von Sklaven, als hoher Herr, als Ronin, als Sklave oder Sklavenhändler?" zählte Käl einige Möglichkeiten aus.

"Als Sklave? Du machst wohl Witze!"

Käl war völlig ernst. "Ich habe mich selbst schon mehrmals als Sklave verkaufen lassen."

Gleichzeitig abgestossen und fasziniert musste Usagi Käl bitten, mehr zu erzählen.

"Wie Du war ich ein stolzer Kämpfer, für den der Gedanke an Sklaverei unerträglich war. Also trat Pau als Sklavenhändler auf und verkaufte mich mehrmals an verschiedene Leute."

"Mehrmals", sagte Usagi tonlos.

Käl nickte. "Es klingt wirklich schlimmer, als es war", begann er und hielt inne. "Nein, es war schon furchtbar."

"Aber auch sehr interessant. Ich habe einige Leute kennengelernt, die wirklich interessant waren. Als Kämpfer war ich es gewohnt, Härten zu ertragen, aber manche Leute haben mich an meine Grenzen gebracht."

Käl lachte mit der Erinnerung. "Aber am schlimmsten waren tatsächlich nicht diejenigen, welche mich demütigen wollten, denn damit kam ich gut klar. Folter und Schmerz machen mir nicht viel aus."

"Der Schlimmste war aber ein Philosoph", präzisierte er.

"Ein Denker?"

"Ja. Ein Freund von ihm hatte mich gekauft und weil ich einigermassen klug war, verschenkte er mich an ihn. Das war an und für sich in Ordnung. Leider war der Philosoph extrem vergesslich, unordentlich und zerstreut. Das hat mich in den Wahnsinn getrieben."

"Ständig hat er irgendwas gesucht und als wir es gefunden hatten, hatte er schon wieder vergessen, warum er es eigentlich gesucht hat! Bis ich gelernt hatte, damit umzugehen, das war hart."

Usagi lachte nicht. Zu gut konnte er Käl nachempfinden.

"Ich blieb bis zu seinem Tod. Das war eigentlich der Mensch, an dem ich lernte, jemanden zu akzeptieren, wie er ist. Heute weiss ich, wie wichtig diese Lektion war und dafür bin ich dankbar."

Usagi schüttelte den Kopf. "So weit bin ich wohl noch nicht. Ich denke, ich werde als ich selbst gehen, mir einen Sklaven kaufen und dann sehen, was passiert."

"Ein Ronin, der Sklaven erwirbt, wird aber unnötiges Aufsehen erregen. Ausserdem musst Du Dir noch überlegen, welche Sicherheitsvorkehrungen Du treffen willst."

"Sicherheitsvorkehrungen?"

"Naja, wenn Du unerwarteterweise in Schwierigkeiten geraten solltest", begann Käl und Usagi lachte nur, "dann möchtest Du vielleicht eine Möglichkeit, um uns um Hilfe bitten zu können."

"Das macht Sinn."

"Du hast verschiedene Optionen. Du kannst z.B. eine Automatik einsetzen, die Dich automatisch zurückholt, wenn etwa Dein Herzschlag aussetzt. Oder Tep kann Dich die ganze Zeit überwachen. Ich würde nicht empfehlen, einen Sender oder etwas in der Art mitzunehmen, weil solche Geräte die Tendenz haben, im ungünstigen Augenblick verlorenzugehen oder auszufallen."

"Ausserdem musst Du Dir überlegen, ob Du auf das Wissen hier zugreifen willst und falls ja, wie. Oder ob Du überhaupt selbst gehen willst. Du könntest z.B. eine Marionette schicken."

"Eine Marionette?"

"Eine Puppe, die von hier aus ferngesteuert wird. Dein Körper verlässt also die TAURUS nie. Du hast nur das Gefühl, es zu tun. Dann ist es egal, ob die Marionette zerstört wird und man kann ihr z.B. ein anderes Aussehen geben oder nützliche Extras wie z.B. die Fähigkeit zu fliegen einbauen."

"Und was passiert mit meinem Körper?"

"Er kommt in einen Fernsteuerungstank. Das funktioniert so ähnlich, wie ein Heiltank, aber es gibt zusätzliche Anschlüsse, damit Du den Eindruck hast, Dich tatsächlich in der Marionette zu befinden."

"So als ob ich träumen würde?"

"Ja, der Fernsteuerungstank verwendet tatsächlich die biologischen Vorgänge des Traumes, um seine Funktion zu erfüllen. Der Unterschied ist einfach, dass alles, was in Deinem Traum passiert, tatsächlich passiert und zwar in der Realität der Marionette, während Dein Körper hier in Sicherheit ist."

"Und die Nachteile?"

Käl überlegte. "In Deinem Fall jetzt keine. Die Distanz spielt sowieso keine Rolle, aber in einer hochtechnisierten Umwelt könnte es zu Störungen in der Fernsteuerung kommen oder die Umwelt könnte herausfinden, dass es sich bei Dir nur um eine Marionette handelt und dann herausfinden wollen, was es damit auf sich hat. Aber auf einer Welt, so wie Du sie besuchen willst, gibt es praktisch keine Nachteile."

"Gut. Ich möchte nämlich noch keine grossen Veränderungen an mir selbst vornehmen wie etwa die Implantate, die Tep in sich trägt. In diesem Fall scheint eine Marionette die beste Lösung zu sein."

Zusammen mit Tep bereitete Usagi alles vor. Ein paar Körperzellen wurden entnommen, um damit mehrere Körper zu züchten, der seinem aktuellen Körper exakt entsprechen würden, damit er sich nicht erst lange an das neue Körpergefühl würde gewöhnen müssen. Fasziniert hatte Usagi jeden Tag die Fortschritte in den Heiltanks, in denen die Körper gezüchtet wurden, beobachtet. Nach knapp drei Wochen stand der erste neue Körper zur Verfügung.

Der einzige echte Unterschied war, dass der neue Körper keine Grosshirnrinde hatte, also auch kein eigenes Bewusstsein. In einer komplizierten Operation wurde an dieser Stelle der Empfänger der Fernsteuerung installiert. Als einzige Zugeständnisse hatte er einen Übersetzer in seinen neuen Körper integrieren lassen, damit er die Sprache nicht extra lernen und später wieder vergessen musste. Ausserdem waren seine Knochen viel stabiler, als normal. Ansonsten hatte Usagi den Körper der Marionette so belassen, wie er selbst war.

Schliesslich lag der neue Körper, von unsichtbaren Kraftfeldern gehalten, in einem leeren Heiltank in der Nähe des Fernsteuerungstanks. Fasziniert strich Usagi durch das Fell des neuen Körpers. Der Körper atmete und er hatte die Augen offen, aber es war kein Leben in ihnen. Die automatischen Reflexe waren eintrainiert worden, so dass er genauso reagieren würde, wie Usagis eigener Körper. Tatsächlich zog die Marionette selbstständig den Arm weg, wenn man sie zwickte. Es war unheimlich.

Usagi gab seine Kleidung einem Roboter und stieg in den Fernsteuerungstank. Tep aktivierte die Automatik und Usagi schlief friedlich ein, um kurze Zeit später wieder aufzuwachen. Er starrte an die Decke. Rechts in seinem Blickfeld stand Tep, lächelnd wie immer.

Usagi horchte in sich hinein, konnte aber keinen Unterschied zu vorher ausmachen. Vorsichtig versuchte er sich aufzurichten. Wie man ihn gewarnt hatte, war die Reaktion des Körpers seltsam schwammig. Zusammen mit Tep machte er, immer noch gehalten von Kraftfeldern, eine Reihe von Übungen, um die Feedback-Schleifen der Fernsteuerung an sich und den Körper anzupassen.

Kurze Zeit später konnte er ohne Hilfe stehen und umhergehen. Er ging zu dem Fernsteuerungstank und betrachtete sich selbst, angeschlossen an das Lebenserhaltungssystem des Tanks. Es war ein seltsames Gefühl, sich selbst zu sehen. Zu wissen, dass derjenige, aus dessen Augen man blickte, nicht man selbst war und doch diesen Körper als den eigenen anzusehen.

Usagi verbrachte noch zwei Tage damit, Übungen zu machen, damit er sicher sein konnte, dass sein neuer Körper ihn nicht unerwartet im Stich lassen würde. Ausserdem probierte er den virtuellen Modus des Fernsteuerungstanks aus, der es ihm erlauben würde, sich aus dem Körper zurückzuziehen und sich im Netzwerk der TAURUS zu bewegen, um z.B. mit Tep oder Käl zu sprechen oder Wissen abzurufen.

In den drei Wochen, die er auf den Körper der Marionette gewartet hatte, hatte Usagi sich eine Zielwelt ausgesucht und sich darüber informiert. Alle wichtigen Informationen hatte er sich eingeprägt und sich im Netz ein paar Markierungen gesetzt, so dass er schnell auf weitere Informationen zugreifen konnte, falls er noch etwas benötigte.

Wie er es schon bei Pau gesehen hatte, wurde sein eigener Gesichtsausdruck seltsam abwesend, wenn er sich aus dem Körper zurückzog und ins Netz tauchte. Er hatte damit ein wenig experimentiert und seinen Körper in seine Wohnung bewegt und war dann von dort aus ins Netz gegangen, hatte eine der Kameras in seiner Wohnung ausgewählt und sich selbst beobachtet.

Natürlich konnte er den Körper in diesem Zustand nicht bewegen, aber es war eine interessante Erfahrung an drei Orten gleichzeitig zu sein.

Endlich waren alle Vorbereitungen getroffen und Usagi konnte aufbrechen. Das Ferntransportsystem der TAURUS brachte ihn mit einem Pferd und seiner Ausrüstung in die Nähe eines Dorfes auf der Zielwelt. Der Planet hiess einfach Welt oder Tschular in der Sprache der Bewohner des Kontinents, auf den er wollte.

Wie er nicht anders erwartet hatte, gab es weder beim Transport Probleme noch mit der Steuerung der Marionette danach. Usagi hatte in seinem Physikkurs zwar gelernt, dass die Übertragung von Informationen mit zunehmender Strecke immer länger dauerte, aber Käl hatte ihm erklärt, mit welchem Trick die Fernsteuerung arbeitete, um dieses Problem zu umgehen. Das war Usagi zu hoch gewesen und er hatte irgendwann lachend abgewunken.

Geschickt sass er auf und lenkte sein Pferd auf die Strasse und dort in die Richtung der Stadt, in die er wollte. Auf der Strasse war etwas Verkehr. Wenn er auf andere Reisende traf, dann begrüsste man sich höflich, aber er fand niemanden, bei dem er Lust verspürt hätte, ein Gespräch anzufangen und einen Stück des Weges mit ihm zurückzulegen.

Stattdessen erfreute er sich an dem Gefühl den Wind in seinem Fell zu spüren, natürliche Luft zu atmen und reale Weite zu sehen. Auch wenn er in Wirklichkeit gar nicht fort war. Als er ein paar Stunden später in einem Gasthaus ankam, hatte er vom ungewohnten Reiten Rückenschmerzen(4) und er würde zum Abendessen ein Kissen bestellen(5).

4. Die Marionette war besser, als ihm lieb war!
5. Um darauf zu sitzen! Nicht etwa, um es zu essen ...

Das Pferd und eine kleine Münze wanderten in die Hände eines erfreuten Stalljungen, der schwor, sich gut um das Tier zu kümmern.

Die Gaststube war gross und gemütlich. Flackerndes Licht von Öllampen erhellte die Tische und in einem grossen Topf über einem Kaminfeuer kochte eine Suppe, deren Geruch Usagi das Wasser im Munde zusammenlaufen liess. Mit dem Inhaber wurde er schnell einig und seine Habseligkeiten wurden auf sein Zimmer gebracht. Es waren einige anderen Gäste anwesend, die ihn wegen seinem schneeweissen Fell interessiert betrachteten, wenn sie den Eindruck hatten, er bemerke es nicht.

Usagi nahm seine Mahlzeit alleine ein, und er war nicht einmal unglücklich darüber. Das Leben auf der TAURUS hatte bereits seinen Tribut gefordert. Es waren keine Katastrophen; nur Kleinigkeiten. Die Suppe war, nach dem wohltemperierten Essen auf der TAURUS, unerwartet heiss, so dass er sich fast die Zunge verbrannte. In den ganzen Wochen und Monaten, die er auf der TAURUS gewesen war, hatte er niemals Muskelkater oder sonstige Schmerzen gehabt, selbst wenn er in einem Kampfgleiter in einem simulierten Gefecht kräftig durchgeschüttelt worden war.

Die Temperaturen waren immer angenehm gewesen, nicht mal zu warm und dann wieder zu kalt wie hier. Er vermisste das fliessende, warme Wasser und feuchtes Toilettenpapier.

Glücklicherweise wurden viele von seinen kleinen Patzer als das übliche Verhalten eines hohen Herrn abgetan. Dennoch ärgerte sich Usagi, wie schnell er sich an das problemlose Leben in der TAURUS gewöhnt hatte. In Zukunft musste er dafür sorgen, dass er dort weniger Zeit verbrachte, sonst würde er sich irgendwann gar nicht mehr herauswagen.

Am nächsten Morgen machte er sich auf den Weg in die Stadt. Wie er erwartet hatte, hatte er vom Reiten gestern einen Muskelkater. Aber sich einen Tag auszuruhen würde auch nicht helfen. Als er gegen Abend bei der Stadt ankam, gab es das nächste Problem.

Erst nach langen Diskussionen liess ihn die Stadtwache mit seinen Schwertern die Stadt betreten. Anscheinend gab es immer wieder Probleme mit betrunkenen jungen Herren. Aus den Informationen, die in der TAURUS zur Verfügung gestanden hatten wusste Usagi, dass es hier so etwas wie den Stand des Samurai nicht gab. Entsprechend zurückhaltend nahm die Stadtwache seinen Schwur auf, seine Waffen nicht einzusetzen. Ehre war hier wohl mehr ein Wort als eine Lebensweise.

Eine freundliche Wache in der Stadt, die gleichwohl unauffällig auf seine Waffen blickte, wies ihm den Weg zu einer Herberge, die sauber, gut und trotzdem nicht allzu teuer war. Wiederum hatte Usagi Glück, denn sie war nicht voll belegt. Nach einem einfachen, aber guten Nachtmahl ging Usagi sofort ins Bett.

Der nächste Tag brachte schönes Wetter und die Erkenntnis, dass er wohl langsam wieder in seine alte Form zurück fand. Nach dem Frühstück und einem warmen Bad ging es ihm recht gut und er beschloss, sich ein wenig in der Stadt umzusehen.

Im Gegensatz zu den Städten, die er in seiner Heimat gesehen hatte, war diese Stadt eng gebaut, die Strassen schmal, verwinkelt und dunkel. Aber es gab eine Kanalisation, so dass sie erstaunlich sauber war. Auch die Einwohner waren überwiegend freundlich, wenn auch immer in Eile. Er war etwas kleiner als der Durchschnitt und mit seinem schneeweissen Fell zog er immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich.

Dennoch wurde er zweimal von der Stadtwache angehalten, deren Fragen er offen und höflich beantwortete. Nachdem sich die Wachen davon überzeugt hatten, dass er keine direkte Gefahr für die Öffentlichkeit darstellte, durfte er weitergehen.

Auf der Terrasse eines Gasthauses, das nahe der Spitze eines Hügels errichtet worden war, ass er zu Mittag. Von hier aus hatte man einen hervorragenden Blick über weite Teile der Stadt. In Gedanken verglich er sie mit Edo. Wo Edo prächtig, weitläufig und offen war, war diese Stadt einfach und eng. Aber Edo war auch kalt und unpersönlich gewesen und die Pracht häufig nur oberflächlich. Diese Stadt hatte mehr Herz und von hier aus konnte man es spüren.

Der Kellner, die ihn bediente, stellte sich als üppige Informationsquelle über die Stadt heraus. Ausführlich erklärte er Usagi was wo war, welche Sehenswürdigkeiten er sich ansehen sollte und welche den Blick nicht wert waren. Er wusste erstaunlich viel über die Geschichte der Stadt und einzelner Teile davon. So war es spät am Nachmittag, als Usagi sich auf den Rückweg machte.

Als er beim Abendessen sass, sah er sich seine Mitbewohner erstmals genauer an. Die ganze Zeit alleine in der Stadt umherzuziehen war nicht nach seinem Geschmack. Nach dem Essen nahm er sich seinen Weinkrug und ging zu ein paar Personen, um ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Schliesslich blieb er bei einem jungen Herrn hängen, der aus einer der kleineren Adelsfamilien stammte. Sein Name war Tredamus Joska

Zwischen den Worten hörte Usagi heraus, dass er sich mit seiner Familie nicht so gut verstand. Offensichtlich hatte es in der Vergangenheit einige Meinungsverschiedenheiten gegeben und nun war er in die Stadt gekommen, um etwas Abstand zu gewinnen.

"Und was führt euch hierher, Herr Usagi?" fragte Joska und trank einen Schluck.

"Ich bin hierher gekommen, um auf dem Sklavenmarkt einen Sklaven zu erwerben", antwortete Usagi ehrlich.

Mit offener Ablehnung starrte Joska ihn an. "Nun", sagte er abweisend, "ich halte Sklaverei ja für etwas abscheuliches."

Usagi lächelte über die Reaktion, weil er selbst genauso reagiert hatte. "Noch eine Gemeinsamkeit von uns beiden", prostete er Joska fröhlich zu. Es war sehr angenehm, mit Leuten umgeben zu sein, für die es normal war, ihre Gefühle offen zu zeigen.

Das verwirrte Joska offensichtlich und er runzelte die Stirn. "Aber wenn ihr die Sklaverei doch ablehnt, warum wollt ihr dann einen Sklaven kaufen?"

"Das ist eigentlich ganz einfach und doch schwer zu erklären. Im Moment lehne ich die Sklaverei und alles, was damit zusammenhängt, ab. Das bedeutet, wenn ich mich damit beschäftigen muss, muss ich erst einmal meine Ablehnung überwinden."

"Das kostet Kraft und führt auch dazu, dass ich mich nicht frei entscheiden kann. Also habe ich beschlossen, mich damit gezielt zu beschäftigen, so dass ich meine allgemeine Ablehnung überwinden und mich den wirklichen Probleme dahinter beschäftigen kann."

"Wie meint ihr das?" fragte Joska verwirrt. "Was könnte schlimmer sein, als jemanden zu gehören?"

"Das dachte ich auch", gab Usagi zu, "aber es stellte sich heraus, dass ich mich irrte. Ich lernte Tep kennen." Er trank einen Schluck und fuhr fort.

"An Tep habe ich gelernt, dass es nicht sie Sklaverei selbst ist, die ein Problem darstellt, sondern die Menschen, die damit zu tun haben. Am Ende macht es kaum einen Unterschied, ob man ein Sklave ist oder nicht, wenn der Herr ungerecht ist."

"Pah", machte Joska, "ein Sklave kann nicht davonlaufen, wenn er nur ein wenig an seinem Leben hängt."

"Das stimmt", gab Usagi zu, "aber wenn der Herr gerecht und weise ist, dann muss er das auch nicht."

"Davon war aber nicht die Rede!" wehrte Joska ab. "Wir sprachen davon, was passiert, wenn der Herr ungerecht und gemein ist! In diesem Fall kann ein Diener gehen, aber ein Sklave nicht."

"Das sehe ich nicht ganz so und der Stallbursche hier würde mir sicher zustimmen, dass es so einfach nicht ist", argumentierte Usagi. "Sicher, er darf gehen, wenn er will und die Stadtwache wird nicht versuchen ihn einzufangen und zu töten, aber die Ursache des Problems ist nicht die Sklaverei, sondern der gemeine Herr."

"Denkt ihr tatsächlich, dass ihr die Menschen ändern könnt?" fragte Joska aufgebracht. "Wenn es keine Sklaverei gäbe, dann gäbe es das ganze Problem überhaupt nicht."

"Es gibt sie aber und ich habe nur wenig Hoffnung, dass sich das in naher Zukunft ändern wird", widersprach Usagi.

"Nun, dann möchte ich euch sagen, dass ich mich mit einigen Gleichgesinnten zusammengetan habe, um genau das zu erreichen", antwortete Joska reserviert.

"Oh, gut", sagte Usagi. "Ich hoffe, dass dort einige Leute dabei sind, die etwas zu sagen haben, sonst wird dabei nicht viel herauskommen."

"Wie meint ihr das?"

"Nun, wenn ihr nur eine Gruppen von jungen Leuten seid, dann werden die Reichen und Mächtigen euch ignorieren. Am Ende sind es nicht die einfachen Leute, sondern die Herrscher, die Veränderungen durchsetzen."

Joska lachte humorlos. "Seht ihr diese Stadt? Ihr Reichtum kommt hauptsächlich vom Sklavenhandel. Keiner der Reichen und Mächtigen würde uns unterstützen."

"In diesem Fall werdet ihr nichts erreichen", sagte Usagi eindringlich.

"Wir können doch nicht einfach dasitzen und nichts tun!" ereiferte sich Joska. "Die Situation ist unerträglich!"

"Für Euch."

"Für jedermann!"

"Nein", schüttelte Usagi den Kopf. "Sie ist für euch unerträglich. Alle anderen finden sie gut, denn darum ist sie ja so, wie sie ist."

"Das stimmt nicht!"

"Gut, ich werde versuchen es anders zu erklären. Nehmen wir an, dass morgen ein Gesetz erlassen wird, dass den Handel mit Sklaven verbietet."

"Schön wärs."

"Nur einmal angenommen. Was würde dann passieren?"

"Das Problem wäre endlich aus der Welt."

"Seid ihr euch da sicher? Was passiert dann mit den ganzen Sklaven, die auf dem Weg hierher sind? Man wird sie sicher nicht zurückbringen. Ich würde vermuten, dass man sie einfach tötet."

"Das wäre ja entsetzlich", stöhnte Joska.

"Es wäre noch grausamer, sie am Leben zu lassen!"

"Ihr seid ja verrückt!"

"Tatsächlich? Was sollten die Sklaven denn tun, wenn man sie freiliesse? Wohin sollten sie gehen? Sie haben kein Geld, sprechen die Sprache nicht, haben manchmal nicht einmal einen Beruf erlernt", sagte Usagi. "Seht ihr, die Situation für euch ist ganz einfach. Ihr habt Geld, wohnt in einer bequemen Herberge und stellt euch vor, dass ist bei jedermann so."

"Aber das ist es nicht. Sklaven haben nichts. Sie freizulassen bedeutet, dass sie entweder verhungern oder betteln oder stehlen müssen. Wenn ihr etwas tun wollt, dann kauft alle Sklaven und bringt sie zurück nach Hause. Oder kauft sie, bringt ihnen einen Beruf bei, damit sie sich selbst ernähren können und lasst sie dann frei."

"Aber einfach nur den Sklavenmarkt zu stürmen und dann zu hoffen, dass das etwas ändert, wird nur grosses Unglück über alle bringen."

Am Verhalten von Joska merkte Usagi, dass er einen wunden Punkt getroffen hatte. 'Die hatten das doch nicht etwa wirklich vor?' dachte Usagi entsetzt.

"Herr Joska", sagte Usagi langsam, "was auch immer ihr vorhabt, bedenkt bitte, was es für andere bedeuten würde. Solltet ihr Gewalt anwenden, dann wird ganz sicher Blut fliessen und zwar nicht nur eures, sondern auch das von Unschuldigen."

"Es gibt keine Unschuldigen in dieser Stadt", sagte Joska abweisend. "Gute Nacht, Herr Usagi."

Seufzend rieb sich Usagi die Stirn, nachdem Joska gegangen war. Er hoffte wirklich, dass Joska und seine Freunde nichts Dummes anstellen würden. Er lachte trocken. Zu hoffen, dass Joska keine Dummheit begehen würde, war wie darauf zu hoffen, dass Wasser nach oben floss. Leider hatten so impulsive junge Männer wie er die Gabe immer den grösstmöglichen Schaden anzurichten.

Er verabschiedete sich vom Wirt, ging nach oben in sein Zimmer und dort ins Bett. Bevor er einschlief, verliess er die Marionette und ging ins Netz der TAURUS. Dort erinnerte er sich an das Bild von Joska und der Computer las es aus seinen Gedanken. Mit dem Namen liess er das Netz durchsuchen, in der vagen Hoffnung, dass das Netz etwas über ihn zu Tage fördern würde. Schliesslich wurde auch diese Welt von Pau Tai überwacht.

Ausser seinem Namen und einigen Daten wie Alter und ein paar Bildern, war nur wenig über Joska zu finden. Aber auch dort stand schon, dass Joska impulsiv und unüberlegt handelte. 'Klingt vertraut', dachte Usagi, der sich an seine eigene Jugend erinnerte. 'Ich frage mich nur, ob er schon heute Nacht in Schwierigkeiten gerät oder bis zum Sonnenaufgang damit wartet ...'

Über Joskas Vater Lamar war mehr zu finden. Wie Usagi nicht anders erwartet hatte, waren der Vater und Joska grundverschieden. Der Vater war ein Realist, aber auch jähzornig. Dass die beiden sich nicht mochten, verwunderte Usagi daher nicht. Je mehr er las, desto mehr gewann er aber den Eindruck, dass Joska vielleicht doch nicht so oberflächlich war, wie der zuerst gedacht hatte.

Nachdem, was hier stand, hätte er erwartet, dass Joska seinem Vater viel mehr Ablehnung entgegenbrachte, als er in ihrem Gespräch erfahren hatte, denn sein Vater verdiente sein Geld damit, den Sklavenmarkt hier zu beliefern.

Innerlich seufzend kehrte Usagi in die Marionette zurück und schlief ein.

Als es an die Tür klopfte, war er sofort wach. Wenigstens seine Instinkte arbeiteten einwandfrei und verlässlich. Sein Zeitgefühl sagte ihm, dass er etwa vier Stunden geschlafen hatte.

"Ja?" rief er.

"Ich bin es!" klang Joskas Stimme durch die Tür. "Ich muss dringend mit euch sprechen! Bitte lasst mich ein!"

Also waren die Schwierigkeiten noch schneller eingetreten, als Usagi insgeheim befürchtet hatte. Er griff nach seinem Schwert, zog es aber noch nicht. Dann öffnete er die Tür.

Sofort trat Joska ein. Er hielt seinen Arm und Usagi roch Blut. Joskas Gesicht war kalkweiss und der Blick unstet. Usagi nahm ihn sanft an der Hand und führte ihn zu einem Stuhl. Nachdem Joska sass, sah sich Usagi die Wunde an. Sie war nicht tief, blutete aber stark. Falls Joska verfolgt wurde, würden seine Verfolger bald hier sein. Seine Schwertscheide war leer.

"Was ist passiert?" fragte Usagi ruhig, während er in seinen Satteltaschen nach Verbandsmaterial suchte.

"Wir waren ... Sklaven ... sie wollten nicht mit uns kommen ... Geschrei ... Wachen ... Paller tot ... Blut ... überall Blut ...", stammelte Joska während Usagi die Wunde reinigte und ihn verband. Sein Zustand hatte zumindest den Vorteil, dass er keine Schmerzen zu spüren schien.

Also hatte Joska tatsächlich versucht, einige Sklaven zu befreien und war nicht nur am Widerstand der Sklaven gescheitert, sondern es waren auch Wachen auf den Plan getreten. Usagi trat ans Fenster und blickte vorsichtig hinaus. Wenn ihn nicht alles täuschte, dann folgten dort unten einige Mitglieder der Stadtwache einer frischen Blutspur.

'Ob Joska in seinem Zustand daran gedacht hat, sein Blut zumindest im Gebäude mit seinem Mantel aufzufangen?' überlegte Usagi ruhig. 'Kaum. Was soll ich nun tun? Wird die Stadtwache mir glauben, wenn ich sage, dass ich Joska erst seit heute Abend kenne?'

Während Usagi noch nachdachte, was für Optionen er hatte, klopfte es bereits erneut an der Tür.

"Wer ist dort?" fragte er nach einem Moment.

Joska starrte mit weit aufgerissenen Augen auf die Tür, als wäre es die Pforte zur Hölle.

"Hier ist die Stadtwache! Öffnen Sie sofort die Tür."

"Ich komme", sagte Usagi und ging zur Tür. Flehend, aber ohne etwas zu sagen, blickte Joska ihn an. Sein Schwert nahm Usagi mit sich; nicht auszudenken, was Joska in seinem Zustand damit anrichten könnte.

Usagi legte die Hand auf die Klinke und wechselte gleichzeitig in den Zustand der Tai Chi Kampftechnik. Äusserlich unverändert trat er auf den Gang hinaus und schloss die Tür hinter sich. Der Hauptmann der Wache, der etwas neben der Tür stand und eigentlich eintreten wollte, als sie sich öffnete, ging überrascht einen Schritt auf Abstand.

"Was kann ich für euch tun?" erkundigte sich Usagi ruhig. Die Zeit lief.

"Wir haben Grund zu der Annahme, dass sich ein gefährlicher Verbrecher hier versteckt hält", spulte der Hauptmann automatisch seinen Satz herunter.

"In diesem Raum", antwortete Usagi, "befindet sich ein Herr, den ich heute Abend beim Abendessen kennengelernt habe, und was auch immer heute Nacht passiert ist, er ist sicher nicht gefährlich, zumal er verletzt und unbewaffnet ist und vor Angst kaum sprechen kann."

Die Augen des Hauptmanns wurden zu schmalen Schlitzen. "Verletzt und unbewaffnet, sagt ihr?"

"Nun, dann handelt es sich sicher um den Mann, der ein Mitglied der Stadtwache getötet hat", fuhr er kalt fort. "Gebt den Weg frei!"

Unberührt wog Usagi seine Chancen ab. 'Die paar Mitglieder der Wache in diesem schmalen Gang zu besiegen, wäre keine Problem, aber was würde ich gewinnen?' Wenn das stimmte, was der Mann sagte, dann war Joska verloren. Und wenn es nicht stimmte, so waren Joskas Chancen ebenfalls schlecht, sobald die Wachen ihn einmal mitgenommen hatten. Aber wenn Usagi jetzt Blut vergiessen würde, dann würde es Joska nur noch mehr Schaden.

Er versuchte den Hauptmann abzuschätzen. 'Wie weit kann ich gehen?'

Wortlos hielt er dem Hauptmann sein Schwert hin, mit dem Griff voran. "Ich möchte gerne versuchen zu helfen, diese Sache ohne weiteres Blutvergiessen zu beenden", bot er an. "Werdet ihr mir das gestatten?"

Der Hauptmann entspannte sich ein wenig. Er fasst das Schwert an der Scheide statt am Griff an, was Usagi als gutes Zeichen wertete. "Ich wäre euch sehr verbunden", gab er sein Einverständnis.

Usagi verbeugte sich leicht und ging in sein Zimmer zurück. Die Tür schloss er bis auf einen Spalt. Trotzdem war fraglich, ob er noch etwas erreichen konnte.

Joska war fort. Das Fenster stand offen, die Satteltaschen waren durchwühlt worden und sein Wakizashi(6) hatte Joska wohl ebenfalls begleitet.

6. Das kurze Schwert eines Samurai

Innerlich fluchend, eilte Usagi zum Fenster und blickte hinaus. Das Dach hatte eine beängstigende Schräge, aber für jemanden, der verzweifelt war, wohl nicht abschreckend genug.

"Joska ist fort", rief Usagi und schwang sich aus dem Fenster.

Während er versuchte, irgendwo Halt zu finden, hatte man ihn unten auf der Strasse entdeckt. Rufe hallten herauf und die Tür flog auf. Professionell verteilten sich die Wachen im Raum und der Hauptmann kam zum Fenster geeilt.

"Wo wollt ihr hin?"

"Ihm nach, retten, was zu retten ist", sagte Usagi durch zusammengebissene Zähne. Da er noch nicht hatte kämpfen müssen, tickte die Uhr langsam, aber trotzdem unaufhaltsam.

Ein Ruf von unten und Usagi sah den Schatten gegen den dunklen Himmel. Nur die Götter wussten, wie er dort hinauf gekommen war. Aber weiter kam er wohl nicht. Wie zwei winzige Monde starrten Joskas Augen auf die Strasse, drei Stockwerke unter ihnen, hinunter.

Aber dann verliess ihn sein Glück und er stürzte. Haltlos polterte er das Dach hinunter und sein Schrei gellte durch die Nacht. Emotionslos suchte Usagi eine Chance und fand sie. Winzig, aber machbar.

Der Hauptmann musste wohl geahnt haben, dass er etwas vorhatte, denn seine Hand versuchte nach Usagi zu greifen, aber dieser war schon abgesprungen, parallel zur Dachkante, auf den fallenden Körper zu.

Nur dank seiner übermenschlich schnellen Reflexe in diesem Zustand war Usagi in der Lage, eine Hand von Joska zu packen. Das Dach war uneben, aber nicht genug. Keine Chance sich irgendwo festzuhalten und den Sturz zu stoppen. Bis auf die Dachrinne.

Joska schrie nochmal auf, als Usagi seinen verletzten Arm packte und versuchte, sich mit den Füssen in die winzige Rinne zu stemmen. Zumindest dieser Teil seines Planes ging auf. Mit einer einzigen, fliessenden Bewegung riss er den schreienden Joska herum und schleuderte ihn in Richtung Fenster, wo der Hauptmann immer noch stand.

Dann gab die Dachrinne nach und Usagi fiel. "Usagi!" schrie Joska in den Armen des Hauptmanns und einer Wache, "Usagi!"

Die Strasse unten war entsetzlich weit weg. 'Beim nächsten Mal sollte ich vielleicht doch ein Flugaggregat mitnehmen oder zumindest etwas, das den Sturz dämpfen kann,' dachte Usagi, während er fiel.

So blieb ihm nur, sich im Flug zu drehen, damit er mit den Füssen voran aufschlagen würde. Mit seinen Reflexen im Moment, konnte er sich vielleicht abrollen und dem Sturz so etwas von seiner Wucht nehmen.

Zumindest seine Knochen hielten dem Aufprall stand. Durch seinen aktuellen Zustand spürte er keinen Schmerz, aber das würde sich gleich ändern. Er wappnete sich, so gut er konnte und verliess den Zustand der Tai Chi Kampftechnik.

Es war erstaunlich erträglich. Das Abrollen hatte wohl den erhofften Erfolg gebracht und er wurde nicht ohnmächtig, sondern lag nur regungslos auf dem Rücken.

Gesichter erschienen, von flackerndem Schein der Fackeln mit seltsam lebendigen Schatten durchsetzt. Eine Wache beugte sich zu ihm herunter und er sah ihre Überraschung, als sie feststellte, dass er noch lebte.

"Meine Satteltaschen", presste Usagi heraus.

"Er lebt!" rief die Wache. "Er lebt noch!"

Von oben rief Joska immer noch seinen Namen, dann wurde er wohl vom Fenster weggezerrt.

"Könnt ihr euch bewegen?" fragte die Wache besorgt.

"Meine Satteltaschen", bat Usagi nochmals, "bringt sie mir."

"Er möchte, dass ihr seine Satteltaschen mit herunterbringt!" rief die Wache.

Inzwischen waren einige Leute erwacht und Fenster öffneten sich.

Kurze Zeit später traf der Hauptmann mit dem weinenden Joska unten auf der Strasse ein. Der Wirt kam gelaufen, wurde aber von den Wachen zurückgehalten.

"Ich habe nur wenige gesehen", sprach der Hauptmann, als er neben Usagi in die Hocke ging, "die so etwas getan und überlebt haben. Was braucht ihr?"

"Braune Flasche."

"Diese?" hielt der Hauptmann die Flasche hin.

"Ja."

Vorsichtig half der Hauptmann Usagi seinen Kopf zu heben und einen Schluck zu trinken. Wie Käl versprochen hatte, wirkte das Schmerzmittel schnell. Es tat immer noch weh, aber war nun problemlos zu ertragen. Dafür blieben seine Gedanken klar.

Als die Schmerzen endlich nachgelassen hatten, wälzte Usagi sich herum und suchte eine Phiole mit dem Medikament heraus, das seinem Körper helfen würde, sich zu erholen. Mit steifen Fingern steckte er sie in das Inhalationsgerät, wie Käl es ihm gezeigt hatte und atmete es ein. Es musste husten, als die Dämpfe seine Lunge erreichten, aber das Schmerzmittel hielt ihn wach.

Mit einem Seufzer setzte Usagi sich hin und atmete tief durch, während das Medikament seine Wirkung tat.

"Ihr hättet uns da oben im Gang alle töten können", sagte der Hauptmann leichthin.

"Ich vergiesse nicht sinnlos Blut", antwortete Usagi, als er sich dazu wieder in der Lage fühlte.

"Ihr seid ein ungewöhnlicher Mann. Wie ist euer Name?"

"Usagi Miyamoto."

"Ihr kommt von weither?"

Usagi nickte. "Sehr weit."

"Habt ihr vor, die Stadt in den nächsten Tagen zu verlassen?"

"Ich werde in den nächsten Tagen kaum mein Bett verlassen", versuchte Usagi einen kleinen Scherz und der Hauptmann lächelte tatsächlich.

"Kann ich etwas für euch tun, Herr Miyamoto?"

"Vielleicht können ein paar eurer Männer mir helfen, wieder ins Bett zu kommen", sagte Usagi mehr im Scherz, aber der Hauptmann nickte.

"Was passiert jetzt mit ihm?"

Der Hauptmann blickte zu dem heulenden Joska, der vor zwei Wachen auf der Strasse hockte und sein Gesicht in seinen Händen barg. "Sobald wir herausgefunden haben, was geschehen ist, werden wir ihn entweder freilassen oder als Sklaven verkaufen, um so den Schaden wieder auszugleichen, den er angerichtet hat."

"Danke", sagte Usagi, "es wäre Schade, wenn ich dieses Opfer umsonst gebracht hätte. Achtet ihr bitte ein wenig auf ihn?"

Abschätzend blickte der Hauptmann Usagi an. "Ich werde sehen, was sich tun lässt. Seid ihr sicher, dass er unschuldig ist?"

"Er ist harmlos", antwortete Usagi. "Falls er wirklich jemanden getötet hat, dann sicher ohne Vorsatz."

"Manchmal täuschen wir uns in anderen."

"Ja."

"Wie kann ich euch finden?" fragte Usagi nach einer kurzen Pause.

"Kommt zur Stadtwache und fragt dort nach Hauptmann Kaut."

"Gute Nacht, Hauptmann Kaut."

"Gute Nacht, Herr Miyamoto." Der Hauptmann winkte einigen seiner Leute, die Usagi tatsächlich recht sanft wieder in sein Bett halfen.

Der Sklavenmarkt

Als er wieder erwachte, ging es ihm sehr gut. Zumindest, wenn man es damit verglich, wie er sich nach so einer Anstrengung sonst schon gefühlt hatte. Zu seiner freudigen Überraschung lag sein Daisho(7) auf dem Tisch.

7. Zusammengehörendes Paar von Schwertern

Er ass einen von den Energieriegeln und legte sich wieder hin. Als er wieder erwachte, war es schon später Nachmittag. Das Medikament hatte wahre Wunder bewirkt. Er war nur etwas steif, aber fast schmerzfrei. Ein warmes Bad half ihm, sich weiter zu entspannen und beim Abendessen ging es ihm schon fast wieder gut.

Der Wirt blickte mehrmals nervös zu ihm herüber und einige der Gäste ebenfalls. Usagi gab nicht viel darauf, sondern ass in Ruhe eine kräftige Suppe.

Als er das Gasthaus am nächsten Morgen verliess, sprach ihn der Wirt kurz an, schien aber nicht den Mut zu haben, auszusprechen, was ihn bewegte.

"Es ist mir sehr peinlich", gestand er, "und noch mehr euch damit zu belästigen."

Usagi ahnte, um was es ging. "Ich vermute", half er dem armen Mann, "dass die Rechnung von Herrn Joska noch nicht beglichen ist."

Betreten sah der Wirt zu Boden. "Es ist keinesfalls so, dass ich euch darum bitten möchte, seine Rechnung zu bezahlen! Aber wenn ihr Herrn Joska das nächste Mal seht, wäre ich euch sehr dankbar, wenn ihr ihn darauf ansprechen könntet", bat der Wirt.

"Natürlich", versprach Usagi sehr zur Erleichterung des Wirts, "ich werde sehen, was sich tun lässt."

Auf der Strasse überlegte Usagi, was er nun tun sollte. 'Zuerst zur Stadtwache? Oder zuerst versuchen, mit Joskas Vater zu sprechen?'

Er entschied sich für die Wache. Sollte Joska unschuldig sein, dann musste er gar nichts unternehmen. Ausserdem war Joskas Vater vielleicht gar nicht hier und selbst wenn er mit ihm sprechen musste, war es besser, wenn er wenigstens schon etwas wusste.

Also begab sich Usagi zur Stadtwache und wurde dort an einen Stellvertreter von Hauptmann Kaut verwiesen. Dieser erklärte ihm die Situation.

"Die Untersuchung läuft noch. Allerdings haben die drei Begleiter von Sergeant Trimol sehr belastend gegen Herrn Joska ausgesagt und ich denke nicht, dass das Ergebnis sein wird, dass er unschuldig ist."

"Was wird mit ihm geschehen, sollte er schuldig befunden werden?"

"In diesem Fall sehen unsere Gesetze vor, dass er seine Bürgerrechte verliert und als Sklave verkauft werden soll, damit so zumindest ein Teil des Schadens, den er angerichtet hat, bezahlt werden kann. Das gilt selbstverständlich nur für die materiellen Schäden. Der Verlust, den die Kameraden und die Familie des Opfers erlitten haben, wird dadurch natürlich nicht aufgewogen."

"Ist es möglich, mit Herrn Joska zu sprechen?"

"Natürlich", stimmte der Stellvertreter sofort zu und rief eine Wache, die Usagi zu den Gefängniszellen brachte. Usagi bedankte sich und folgte der Wache, um sich Joskas Version der Geschichte anzuhören.

Joska war alles andere als glücklich, Usagi zu sehen. Er kam Usagi wie eine wandelnde Leiche vor. Stockend berichtete er davon, was geschehen war. Seine Version der Geschichte deckte sich mehr oder weniger mit der, die der Hauptmann Usagi bereits erzählt hatte.

Joska erwähnte nichts von anderen Leuten, die ihn begleitet hatten und Usagi drang nicht in ihn. Der junge Mann beteuerte, dass es ein Unfall gewesen war und er weder den Mann der Wache umbringen, noch Usagis Leben in Gefahr hatte bringen wollen.

"Es wäre besser gewesen, wenn ihr mich hättet fallen lassen", sagte er hoffnungslos.

"Hättet ihr das tun können?" fragte Usagi statt einer Antwort.

Blicklos starrte Joska an die Decke und antwortete nicht mehr. Usagi schüttelte den Kopf und rief die Wache, damit sie ihn hinaus liess.

Dem Hauptmann teilte Usagi dann mit, dass Herr Joska beim Wirt des Rosengarten noch eine Rechnung offen hatte. Dieser wies Usagi an, den Wirt zu ihm zu schicken, damit er die Forderung in die Liste aufnehmen konnte. Wenn Joska versteigert werden würde, würden die Forderungen auf dieser Liste mit dem Geld, das er einbrachte, beglichen werden.

Usagi bedankte sich und ging. Draussen erkundigte er sich nach dem Sklavenmarkt und begab sich dorthin.

Er konnte Joska gut verstehen, um so mehr, als er die unmenschlichen Verhältnisse sah, in denen die Sklaven auf ihren Verkauf warteten. Wie Vieh. Sicher, es mochte auch hier solche wie Tep geben, für die ein solches Leben erstrebenswert war. Aber Usagi glaube es nicht.

Hier hob die Sklaverei ihr hässliches Haupt. Und wahrscheinlich sah man die schlimmsten Dinge gar nicht, weil es die Käufer abgeschreckt hätte.

Auf dem Markt fragte Usagi sich zum Haus der Joskas durch. Das Haus war gross und vornehm und lag etwas abseits des Marktes in einem anderen Stadtteil.

Ein normaler Diener öffnete. "Willkommen. Was kann ich für euch tun?"

"Mein Name ist Usagi Miyamoto", stellte Usagi sich vor. "Vor ein paar Tagen habe ich die Bekanntschaft von Herrn Tredamus Joska gemacht." Sorgfältig registrierte er das leichte Zusammenzucken des Dieners bei der Erwähnung des Namens.

"Ich bin gekommen, um seinem Vater zu berichten, dass sein Sohn im Gefängnis sitzt, damit er informiert ist und tun kann, was auch immer er für richtig hält."

"Sehr wohl. Herr Joska hält sich leider im Moment in der Stadt auf und wird erst heute Abend zurück sein. Wünschen Sie zu warten oder können wir sie irgendwo erreichen?"

"Ich bin in der Herberge Rosengarten untergekommen, solltet ihr mich sprechen wollen. Tredamus befindet sich im Moment im Gewahrsam der Stadtwache."

"Die Herberge Rosengarten liegt beim Westtor?"

"Ja."

"Ich werde meinem Herrn alles ausrichten", versprach der Diener reserviert.

Usagi bedankte sich und ging. 'Was nun?' fragte er sich. Aber er war ja mit einem Ziel hierher gekommen. Also ging er auf den Sklavenmarkt zurück.

Er hielt es nur eine kurze Zeit aus, dann musste er weg von diesem Elend. Es war grauenhaft, das zu sehen und nichts tun zu können. Usagi hasste es mehr als alles andere, hilflos zu sein.

Deprimiert ging er in das Gasthaus auf dem Hügel, aber weder der Kellner noch der Ausblick konnten etwas an seinem Gemütszustand ändern.

Als die meisten anderen Gäste gegangen waren und es ruhiger wurde, fragte der Kellner, ob er sich setzen dürfe. Abwesend nickte Usagi.

"Wollt ihr darüber sprechen?"

Usagi seufzte. "Ich war auf dem Sklavenmarkt."

"Warum?"

"Weil ich die Sklaverei ablehne."

"Ihr seht mir nicht wie jemand aus, der sich gerne selbst quält."

Usagi musste leise lachen. "Nein, bin ich wohl nicht."

"Also, warum?"

"Es ist nicht so einfach zu erklären. Ein Freund hat mir einen Sklaven überlassen. Aus Versehen habe ich den Armen furchtbar gequält. Ich wollte einfach nicht akzeptieren, dass er ein Sklave ist. Dass das sein Leben ist. Weil ich es nicht wollte, dass es so ist."

Nach einer kurzen Pause fuhr Usagi fort: "Ich konnte meinen Willen nicht unterordnen. Ich habe ihm das angetan, weil ich ihm helfen wollte. Er hat sehr darunter gelitten und ich auch."

"Ihr wollt verhindern, dass euch so etwas noch einmal passiert", vermutete der Kellner.

"Ja", antwortete Usagi, "das darf nicht noch einmal passieren."

"Aber warum quält ihr euch dann?"

"Ich suche einen Weg."

"Wisst ihr, was meine Mutter immer gesagt hat? Sie sagte, dass die Menschen zu viel mit ihren Mitmenschen leiden statt mit ihnen zu fühlen. Weniger Mitleid und mehr Mitgefühl."

Usagi runzelte die Stirn. "Wie meint ihr das?"

"Im Moment empfindet ihr Mitleid. Ihr leidet mit den armen Geschöpfen, die zum Wohle der Stadt auf dem Markt feilgeboten werden. Aber euer Leiden ändert nichts. Ihr fühlt euch nur schlecht."

"Mitgefühl zu empfinden," fuhr der Kellner fort, "würde euch erlauben, die Situation der Sklaven zu sehen, sie als das wahrzunehmen, was sie ist, aber ihr würdet nicht darunter leiden. Ihr wärt in der Lage etwas zu tun, weil ihr eure Kraft nicht darauf verschwenden würdet, euch selbst zu quälen."

"Hmmm", machte Usagi und sah nachdenklich auf die Stadt, die friedlich in der Nachmittagssonne dalag. "Darüber muss ich nachdenken."

"Ein Stück Kuchen dazu?"

Usagi musste lachen. "Nein, aber ein Tee wäre gut. Wenn ihr wollt, nehmt euch selbst einen Kuchen und setzt ihn auf meine Rechnung."

"Gnade Herr", jammerte der Kellner etwas übertrieben, "wir müssen sowieso alles aufessen, was nicht verkauft werden kann."

Gegen seinen Willen fühlte Usagi sich besser. 'Mitgefühl', dachte er und nippte an seinem Tee, 'mehr Mitgefühl.'

Als er abends beim Essen sass, trat ein vornehm gekleideter Diener in die Gaststube und ging zum Wirt, der ihn zu Usagi führte.

"Herr Miyamoto?"

"Das bin ich", antwortete Usagi. Das Wappen wies den Diener als einen Angestellten der Familie Joska aus.

"Mein Name ist Tear Kulong und ich stehe im Dienst der Familie Joska. Mein Herr lässt euch seine Grüsse ausrichten und bedankt sich dafür, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, ihn über das Schicksal seines Sohnes zu informieren."

"Ich danke euch."

"Weiterhin lässt mein Herr euch ausrichten, dass er morgen gerne mit euch zu Abend essen würde, falls sich das einrichten liesse."

"Diese Einladung ist eine grosse Ehre für mich", antwortete Usagi förmlich, aber nicht ganz korrekt für diese Welt. Der Diener blinzelte überrascht, fing sich aber sofort wieder.

"Bitte richtet eurem Herrn aus, dass ich gerne kommen werde," fuhr Usagi fort.

"Sehr wohl", verneigte sich der Diener. "Dürfen wir euch eine Kutsche anbieten?"

Die Aussicht, nach dem Essen nicht hierher zurücklaufen zu müssen, hatte etwas verlockendes. "Das wäre sehr angenehm."

"Sehr wohl. Ich wünsche euch noch einen schönen Abend."

"Danke sehr", antwortete Usagi und der Diener ging.

Am nächsten Tag hielt Usagi es viel besser auf dem Markt aus. Es war immer noch furchtbar anzusehen, aber er bemühte sich, sich nicht schlecht zu fühlen oder verantwortlich, für das, was hier getan wurde.

Und er lernte einen Trick. Als er sah, dass ein Assistent eines Händlers einen Sklaven auspeitschen wollte, trat er zu ihm und fragte nach dem Weg. Er gab sich etwas begriffsstutzig und so dauerte es eine ganze Weile, bis der Assistent es ihm erklärt hatte.

Danach hatte der Assistent aber vergessen, dass er den Sklaven bestrafen wollte. Dieser hatte sich inzwischen aufgerappelt und tat natürlich alles, damit der Assistent sich nicht erinnerte. So verhinderte Usagi die Misshandlung des Sklaven und er war ein wenig stolz auf sich.

Er hatte jemandem, nein, eigentlich zwei Menschen geholfen, ohne Gewalt einsetzen zu müssen. Pau Tai hatte diesen Trick auch verstanden, aber er war viel subtiler gewesen. Jetzt begann Usagi zu verstehen, was Pau damit gemeint hatte, als er gesagt hatte, er habe Fürst Hikiji nur eine Alternative aufgezeigt, als dieser Usagis Heimatdorf hatte niederbrennen wollen.

Viel lockerer ging Usagi nun über den Markt und er sah sich jetzt auch nicht mehr die Sklaven an, sondern die Nicht-Sklaven. Sehr zu seinem Unbehagen musste er feststellen, dass es sich dabei nicht etwa um Monster handelte, sondern um ganz normale Leute.

Er sah nur selten, dass sich jemand vorsätzlich an einem Sklaven vergriff oder weil es ihm einfach Spass machte. Der Sklavenhändler, der dort gerade einen Sklaven anbot, hätte auch Gemüse verkaufen können. Wieder war es er selbst gewesen, der sich ein Bild der Realität gemacht hatte und dadurch die Realität nicht hatte sehen können.

Nachdenklich geworden, ging Usagi weiter, bis sein Blick zufällig auf einen Stand fiel, wo Frauen verkauft wurden. Sofort malte er sich in seiner Fantasie aus, wie geifernde Männer sie sich kauften, um sie nach Hause zu bringen und dort zu misshandeln.

Spontan stellte er sich in die Menge.

Es stellte sich heraus, dass viele der Käufer selbst Frauen waren, die Diener für sich selbst kauften. Ein Mann ging mit einer Sklavin vorbei und unterhielt sich mit einem Freund, wie er sich schon über das glückliche Gesicht seiner Frau über die Neuerwerbung freuen würde.

Beschämt sah Usagi zu Boden und nicht nur, weil die Sklavin keine Kleidung trug.

Er wollte schon gehen, um sich in Ruhe mit dieser neuen Erkenntnis zu beschäftigen, als zwei Sklavinnen auf einmal angeboten wurden. Die Jüngere von beiden war sehr hübsch und fast noch ein Kind. Was Usagis Interesse weckte war aber die Andere. Zum Einen war es sehr ungewöhnlich, dass zwei Sklaven zusammen angeboten wurden. Und die zweite Sklavin trug Kleidung. Ausserdem hatte sie etwas an sich, was Usagi niemals bei einem Sklaven erwartet hätte.

Ein Preis wurde genannt. Usagi konnte nicht einschätzen, ob er hoch oder niedrig war, aber anscheinend waren auch andere Käufer misstrauisch, wo der Haken bei der Sache war, denn niemand hob die Hand.

Der Händler setzte sein gewinnenstes Lächeln auf und pries die Vorzüge der beiden Sklavinnen in höchsten Tönen. Noch immer zeigte niemand Interesse.

Seufzend und jammernd, dass er sich selbst in den Ruin trieb, setzte der Händler den Preis ein wenig herab. Und als das nichts half, noch mehrmals.

Als Usagi schätze, dass der Händler soweit war, aufzugeben und einfach einen neuen Sklaven holen zu lassen, hob er die Hand.

Anscheinend waren noch andere zum gleichen Schluss gekommen und plötzlich gab es mehrere Gebote. Langsam stieg der Preis wieder. Usagi amüsierte sich prächtig.

Die Schau des Händlers zu sehen und wie die Leute darauf reagiert hatten, liess ihn fast vergessen, an was für einem Ort er war. 'Kein Ort so grauenhaft, als dass man dort nicht etwas finden könnte, das einem das Herz erfreut', dachte Usagi für sich und hob erneut die Hand.

Für etwas mehr als das Anfangsgebot erstand er seine ersten Sklaven. Usagi hatte keine Ahnung, was er mit ihnen anfangen sollte, aber er würde sich der Herausforderung stellen und daran wachsen.

'Und wer weiss, vielleicht seine Sklaven ebenfalls. Das wäre doch etwas,' dachte er bei sich.

Ein Assistent kam zu ihm herüber, um die Zahlungsmodalitäten zu klären. Usagi leistete die übliche Anzahlung und erhielt ein Dokument, welches ihn zum Besitzer der beiden Sklaven machte. Es wurde vereinbart, dass er morgen früh den Rest begleichen würde.

Die beiden Sklavinnen wurden gebracht und Usagi konnte sich seinen neuen Besitz zum ersten Mal aus der Nähe ansehen. Beides waren Katzen, aber während die Jüngere ein orange und weiss gestreiftes Fell hatte, war das Fell der anderen pechschwarz, zumindest an den Stellen, die er sehen konnte. Die Jüngere war vielleicht gleich gross wie Usagi oder nur wenig kleiner, die Ältere dagegen überragte ihn um einen ganzen Kopf. Und seine Vermutung bestätigte sich.

Er hätte sein Leben darauf verwettet, dass die zweite Sklavin keine war. Usagi hatte keine Ahnung, was sie war, aber eine Sklavin war sie ganz sicher nicht. Kein Sklave hatte so einen Gesichtsausdruck.

Aber da war noch mehr. Während der Assistent aus irgendeinem Grund nervös wurde, stand Usagi da und überlegte, was ihm aufgefallen war. Die bekleidete Sklavin bewegte sich seltsam steif. Usagi zählte eins und eins zusammen.

"Seht mich bitte an", bat er die zweite Sklavin mit normaler Stimme.

Ihr Gesicht war eine Maske. Keine Spur von Demut, Resignation oder sonst irgendeines Gefühls im feinen Fell ihres Gesichts. Ihre Schmerzen sah man nur in den Augen. Sie war vor kurzen ausgepeitscht worden und trug Kleidung, damit man das nicht sofort sah.

"Ist etwas nicht in Ordnung?" fragte der Assistent jetzt sichtlich nervös.

"Ist es üblich, dass Sklaven bekleidet verkauft werden?" erkundigte sich Usagi freundlich.

"Äh", machte der Assistent.

"Ich hatte nicht den Eindruck, dass das üblich ist", fuhr Usagi fort.

"Nun, es gibt hier sehr viele Sklavenhändler und wir haben uns überlegt, wie wir uns von den anderen abheben können", stammelte der Assistent eine hastig zurechtgezimmerte Lüge. Usagi hatte einen Heidenspass damit, ihn dafür zu quälen, was der Frau angetan worden war.

"Ist es nicht so, dass es verboten ist, einen Sklaven zu verkaufen und die Käufer nicht vorher auf eventuell vorhandene ... gesundheitliche Probleme hinzuweisen?"

"Nun, natürlich ..."

"Natürlich nur, wenn sie dem Händler bekannt sein sollten, selbstverständlich", vervollständigte Usagi den Satz freundlich.

"Es würde dem Ruf ja enorm schaden, wenn sich herausstellen sollte, dass ihr, sagen wir, einfach nur so als Beispiel, eine Sklavin verkauft hättet, ohne den Käufer darauf hinzuweisen, dass sie vor kurzem, sagen wir, vielleicht ... ausgepeitscht worden ist?" zog Usagi die Daumenschrauben gnadenlos an.

Der Mund des Assistenten öffnete und schloss sich, aber er brachte kein Wort heraus.

"Aber ich bin mir sicher, so etwas würdet ihr nie tun."

"Würden wir nicht", stammelte der Assistent.

"Ich bin sicher, mein Freund Hauptmann Kaut von der Stadtwache hätte überhaupt kein Verständnis für so etwas."

"Kaut. Stadtwache."

Usagi sagte nicht mehr, sondern verfluchte sich selbst, dass er sich so hatte hinreissen lassen. Er wusste ja nicht, warum die Frau bestraft worden war. Oder ob der Assistent etwas damit zu tun hatte oder es gar hätte verhindern können.

"Was wollt ihr?" ächzte der Assistent.

"Ich werde meinen neuen Besitz zu einem Heiler bringen und ihr werdet das bezahlen", sagte Usagi ruhig.

"Natürlich", willigte der Assistent sofort ein, "die Zufriedenheit des Kunden ist unser oberstes Ziel."

"Es ist nicht nötig, dass ihr uns eine Rechnung zeigt", fügte er hastig hinzu. "Schliesslich seid ihr ja ein Ehrenmann und euer Wort genügt uns", erstattete er Usagi quasi den Rest des Kaufpreises.

Usagi nickte kurz und ging. Der Assistent musste sich erstmal setzen. Er blickte zum Händler herüber, dem dieser Stand gehörte. Dieser machte ein unglückliches Gesicht.

Draussen sah sich Usagi mit mehreren Problemen auf einmal konfrontiert. Er trug Stiefel, aber die Füsse der Frauen waren ungeschützt. Da sie sich nicht weit von ihm entfernen würden, musste er darauf achten, wo Unrat auf der Strasse lag.

Ausserdem musste er abwägen, ob er zuerst Kleider für die nackte Sklavin erwerben sollte, um sie nicht unnötig zu demütigen oder sich zuerst um die Wunden der bekleideten Sklavin kümmern sollte. Zu beidem musste er erst einmal herausfinden, wo sich ein Kleiderhändler und ein Heiler befanden.

Dann war da noch die Frage der Namen. Und das zufriedene Lächeln im Gesicht der zweiten Sklavin behagte ihm ebenfalls nicht.

Während er sich auf der Strasse umsah, sagte er beiläufig: "Falls ihr lächelt, wegen dem, was ich dem Händler angetan habe, dann muss ich euch sagen, dass ich das nicht gutheisse."

Er drehte sich zu der Sklavin um und sah sie direkt an. Obwohl sie den Blick auf den Boden gerichtet hatte, konnte er ihr Gesicht gut erkennen. Endlich einmal ein Vorteil kleiner zu sein.

"Verzeiht, Herr", sagte sie in einem Tonfall, den sie wohl für demütig hielt. Wieder war keine Regung in ihrem Gesicht abzulesen und die Stimme war kontrolliert ruhig. Trotzdem war Usagi sicher, dass sie wütend war.

'Ist sie nun wütend auf mich oder sich selbst?' fragte sich Usagi. 'Sie hat sich gut unter Kontrolle. Um das so gut zu können, muss sie eine lange und gute Ausbildung genossen haben. Wer ist sie?'

Er konnte das Rätsel hier nicht lösen und beschloss, jemanden von der Stadtwache zu suchen. Sicher konnten sie ihm einen Heiler nennen. Danach würde er einen Kleiderhändler suchen.

Kauts Heiler

Kurz spielte er mit dem Gedanken, sich und die beiden Sklavinnen auf die TAURUS versetzen zu lassen, damit sich Tep dort um die Verletzungen der Sklavin kümmern konnte, aber er wollte das hier ohne Hilfe von aussen durchziehen. Ständig auf die Annehmlichkeiten der TAURUS zurückzugreifen würde seinen Vorsatz seine Unabhängigkeit zu bewahren, schnell aushöhlen. Selbst wenn der Grund ein so guter war.

Aber wo würde er aufhören? Er hätte sich einen Kampfgleiter holen können und diese Stadt hier in wenigen Minuten dem Erdboden gleichmachen können. Oder die Händler zwingen, die Sklaven freizulassen.

'Mitgefühl, kein Mitleid. Helfen statt selbst zu leiden.'

Er konnte sein Glück kaum fassen, als er ein paar Strassen weiter auf Hauptmann Kaut traf, der mit einigen Männern unterwegs war.

"Hauptmann Kaut", rief Usagi erfreut und der Hauptmann blieb stehen und sah sich zu ihm um.

"Was für eine freudige Überraschung euch wiederzusehen", begrüsste ihn der Hauptmann. "Wie ich sehe, geht es euch bereit wieder gut."

"Ja", bedankte sich Usagi, "der Sturz von Dach lief sehr glimpflich ab."

"Ich muss zugeben, dass ich in höchster Sorge war, als ich euch regungslos auf der Strasse liegen sah, nachdem ihr Joskas Leben gerettet hattet."

"Ich danke euch", verneigte sich Usagi leicht, "und hätte da eine Frage."

"Ja?"

"Kennt ihr einen guten Heiler?"

"Nachwirkungen?"

Usagi schüttelte den Kopf. "Nein, ich bin wieder vollkommen gesund. Aber ich möchte, dass er sich diese Sklavin ansieht."

Kaut runzelte die Stirn. "Ist etwas mit ihr nicht in Ordnung?"

"Ich habe für beide 15 Taler bezahlt", antwortete Usagi geheimnisvoll.

"Wo?" fragte Kaut nun sichtlich verärgert. "Etwa bei Händler Kenga?"

Usagi nickte und Kaut schnaubte.

"Oder sagen wir, ich habe bisher 5 Taler bezahlt und von den restlichen 10 Talern wird Händler Kenga nur das sehen, was der Heiler nicht haben will", sagte Usagi süffisant.

Kaut betrachtete die beiden genauer. "Sagen wir, Kenga hat nicht unbedingt einen guten Ruf", sagte der Hauptmann missmutig.

"Was ihr nicht sagt", meinte Usagi sarkastisch.

"Wollt ihr Anzeige gegen ihn erstatten?" fragte Kaut und seine Stimme klang deprimiert.

"Würde das etwas nützen?"

"Ich müsste sie entgegennehmen und ihr nachgehen", erklärte Kaut.

"Also würde es nicht viel nützen", folgerte Usagi.

Kaut antwortete nicht und Usagi fuhr fort. "Sagen wir, für 5 Taler für die beiden, ist Kenga bereits bestraft, soweit es mich betrifft."

Kaut lachte. "Heute ist doch ein schöner Tag! Ich hätte nicht zu hoffen gewagt, dass ich es noch erleben darf, dass jemand Kenga übervorteilt! Kommt, ich bringe euch zu einem Heiler."

"Was führt euch eigentlich hierher?" erkundigte sich Usagi.

"Ah ja, da ist ja noch die Sache mit Joska für den ihr euch einsetzt, wie ich gehört habe", antwortete Kaut, während sie gingen.

"Ich habe nur mit ihm gesprochen", sagte Usagi ruhig.

"Und mit seinem Vater."

"Ja, ich habe die Leute bemerkt, die mir ... unauffällig gefolgt sind", antwortete Usagi.

Kaut lachte in sich hinein und fragte: "Tatsächlich? Warum habt ihr euch ihnen dann nicht entzogen?"

"Weil ich euch vertraue."

Das brachte Kaut zum Verstummen. "Ihr steckt voller Überraschungen", sagte er schliesslich nachdenklich.

"Das höre ich öfters", antwortete Usagi höflich. "Was ist nun mit Joska?"

"Das Urteil wurde gefällt. Er ist schuldig und wird übermorgen hier verkauft werden."

"Ich verstehe", antwortete Usagi ein wenig traurig. "Es ist schade zu sehen, wie ein junges Leben in einer Nacht zugrunde gehen kann."

Seltsam blickte Kaut ihn an. "Ja", antwortete er langsam.

"Wo?" fragte Usagi so beiläufig, wie er konnte, aber damit liess sich Kaut natürlich nicht täuschen.

In Gedanken versunken, ging Kaut eine Weile neben ihm. "Auf dem grossen Stand am Platz der Freiheit, übermorgen Nachmittag", antwortete er schliesslich.

"Ein seltsamer Name für einen Ort auf einem Sklavenmarkt."

"Die Freiheit des einen ist die Versklavung des anderen", antwortete Kaut mit einem seltsamen Unterton in der Stimme.

Schweigend gingen sie ein Stück, gefolgt von den Kauts Männern und seinen beiden Sklavinnen.

"Ich habe eine Frage an euch", begann Kaut schliesslich.

"Ja?"

"Warum habt ihr die beiden Sklavinnen gekauft?"

"Ist es noch weit? Das lässt sich nämlich nicht mit ein, zwei Worten erklären."

Kaut nickte. "Wir haben Zeit."

Usagi suchte nach Worten. "Ich habe einen Freund, dem ich vertraue. Vielleicht mehr vertraue, als irgendjemand sonst, einschliesslich mir selbst."

"Er hat mich foltern lassen, hat mich an meine Grenzen gebracht. Dennoch bin ich ihm dankbar dafür. Versteht ihr das?"

Kaut schüttelte den Kopf.

"Ich bin daran gewachsen, versteht ihr? Er hat mir gezeigt, was ich alles überstehen kann, wenn ich nur will. Er hat mir alles genommen und dafür erhielt ich mich selbst. Die Fähigkeit ich selbst zu sein oder zumindest zu wissen, dass ich irgendwann einmal ich selbst sein könnte."

"Fahrt fort."

"Ich kann den Gedanken an Sklaverei nicht ertragen."

"Also kauft ihr Sklaven."

"Ich kann die Sklaverei nicht ändern. Ich kann aber ein paar wenige Sklaven kaufen und ihnen ein würdiges Leben bieten."

Kaut blickte ihn an. "Denkt ihr, das macht einen Unterschied?"

"Ja, es macht ganz sicher einen Unterschied. Auf alle Sklaven gesehen, die hier jemals verkauft werden, wird er winzig sein, aber er wird immer da sein."

"Ich kann die Sklaverei nicht abschaffen," fuhr Usagi fort, "die Händler nicht zwingen etwas anderes zu tun, die Sklaven nicht freilassen, die Gesetze nicht ändern. Also tue ich einfach das, was ich kann. Es mag nicht viel sein, aber es ist etwas, das Sinn macht und die Welt ein ganz kleines bisschen besser."

"Niemand muss dafür sterben und wenn ich Erfolg habe, dann wird vielleicht nicht einmal jemand dafür leiden müssen", schloss Usagi.

Kaut lachte leise und schüttelte den Kopf über den seltsamen Hasen, der neben ihm ging.

"Als ich euch das erste Mal traf, da hätte ich mein Leben darauf verwettet, dass ihr niemals einen Sklaven halten würdet", sagte Kaut.

"Ihr habt mich richtig eingeschätzt", antwortete Usagi schlicht. "Ich habe zwei Menschen ohne Rechte erworben, an denen ich lernen will, die Verantwortung, die ich habe, nicht zu missbrauchen."

Kaut lachte auf und wies auf ein Haus. "Wir sind da. Kommt," lud er Usagi ein, nachdem er seine Männer instruiert und fortgeschickt hatte.

Kaut führte ihn ins Innere. "Der Heiler hier arbeitet häufig für mich, wenn meine Leute verletzt sind."

Das kam Usagi seltsam vor. 'Würde es nicht mehr Sinn machen, wenn er im Haus der Stadtwache untergebracht wäre und nicht so weit davon entfernt?'

Vor einer Tür blieb Kaut stehen und klopfte. Eine weibliche Stimme antwortete: "Moment!"

Eine alte, gebückte Frau öffnete. "Kaut? Kommt", bat sie sie herein.

Ihr Körper mochte gebeugt sein, aber Usagi entging ihr scharfer Blick nicht, mit dem sie sie alle musterte. Vor allem ihn.

"Er ist ein Freund von mir", sagte Kaut, "und er möchte, dass ihr euch diese ... Sklavin hier anseht."

"Ich verstehe", sagte die Heilerin langsam und sah Usagi nochmals mit ihrem stechenden Blick an.

"Bitte tut es nicht für mich", sagte Usagi, als die Heilerin sich der Sklavin zuwandte, "tut es für sie."

Der Kopf der Heilerin ruckte zu ihm herum: er hatte sie erreicht. "Wie ist euer Name, Freund?" fragte sie deutlich sanfter.

"Usagi Miyamoto."

"Bitte setzt euch, Kindchen", wies die Heilerin die Sklavin an. Das Gesicht der Sklavin zuckte, als sie mit Kindchen angeredet wurde, aber sie sagte nichts.

"Ihr kommt von weit her?" fragte die Heilerin Usagi.

"Weiter," antwortete Usagi schlicht.

"Hmmm", machte die Heilerin, während sie die Sklavin so drehte, dass Sonnenlicht auf ihren Rücken fiel.

"Habt Ihr ihr das angetan?"

"Nein", sagte Usagi, "ich habe sie gerade in diesem Zustand erworben."

"Sie, hmm? Wo?"

"Kenga", antwortete Kaut.

"Kenga." Die Heilerin sprach den Namen wie einen Fluch aus.

"Das scheint ein bekannter Name zu sein", sagte Usagi amüsiert.

"Daran ist nichts komisch", wies die Heilerin ihn zurecht.

"Vielleicht doch", sagte Usagi in keinster Weise beunruhigt. "Seht ihr, eure Behandlung wird 10 Taler kosten."

"Was meine Behandlung kostet, entscheide immer noch ich."

"Nun, in diesem Fall könnte es sein, dass ihr eine Ausnahme macht."

"Tatsächlich."

Usagi nickte. "Wenn sie weniger kostet, dann müsste ich morgen zu Kenga gehen und ihm die Differenz auszahlen."

Er tat übertrieben nachdenklich. "Ich frage mich, was passieren würde, wenn sie mehr als 10 Taler kostet? Ob ich dann morgen zu Händler Kenga gehen und noch etwas mehr von meinem Geld zurückfordern kann?"

Kaut brüllte vor Lachen bei der Vorstellung und selbst die Heilerin konnte nicht ganz ernst bleiben.

Allerdings blieb ihnen ihr Lachen im Halse stecken, als die Sklavin ihr Kleid ablegte.

Usagi war drauf und dran, seinen Vorsatz zu opfern und sich hier und sofort vor den Augen der anderen auf die TAURUS versetzen zu lassen.

"Könnt ihr ihr helfen?" fragte er mit belegter Stimme.

Stumm ging die Heilerin zu einem Regal in dem viele Töpfe mit Kräutern standen. Sie wählte einen davon aus und entnahm ihm einige unscheinbare getrocknete Blätter einer unbekannten Pflanze.

"Kaut das bitte. Nicht schlucken", wies sie die Sklavin an.

Zögernd griff die Sklavin zu und kaute dann gehorsam. Es schien ihr nicht besonders gut zu schmecken.

Die Heilerin wandte sich wieder dem zerstörten Rücken zu.

Ein leises Schluchzen erinnerte Usagi, dass sie nicht alleine waren. Er fuhr herum und sah das Gesicht der jungen Sklavin, die zitternd dastand und auf das starrte, das Menschen einander antun konnten.

Die Heilerin, Kaut und Usagi hatten dergleichen schon gesehen, aber was für eine Wirkung musste es auf diese junge Frau haben?

Sanft nahm Usagi sie bei den Hand. "Kommt", sagte er sanft und führte sie zur Tür. Sie konnte den Blick nicht abwenden und stolperte ungeschickt hinter Usagi her.

"Ja", sagte die Heilerin, als sie in der Tür standen, "und vielleicht sogar besser, als ihr das könntet."

'Wie meint sie das?' fragte sich Usagi. "Ich würde sie gerne in eurer Obhut lassen, während wir beide noch etwas einkaufen."

Die Heilerin nickte. "Das ist eine gute Idee. Kommt in zwei Tagen wieder."

Usagi schob die Sklavin aus der Tür in den Gang, damit sie das nicht mehr sehen musste. "Es spielt keine Rolle, was es kostet", sagte er ernst.

"Ich weiss", antwortete die Heilerin und lächelte tatsächlich, "macht euch keine Sorgen."

Usagi versuchte sich an einem Lächeln, aber es misslang kläglich. "Danke."

"Nun geht schon."

Usagi nickte und trat ebenfalls in den Gang, gefolgt von Kaut. Die Sklavin kauerte am Boden und weinte haltlos. Wortlos nahm Kaut seinen Umhang ab und wickelte sie darin ein. Dann hob er sie auf, als würde sie nichts wiegen und winkte Usagi mit dem Kopf, ihm zu folgen.

Im Hinterhof des Hauses stand ein grosser Baum mit einer Bank darum und davor war ein Brunnen. Sie setzten sich und Usagi nahm die schluchzende Frau in seine Arme. Steif sass Kaut daneben.

"Das wird Kenga mir büssen", schwor Kaut nach einer Weile.

"Ich frage mich", sagte Usagi leise und nachdenklich, "warum er sie immer noch verkauft hat. Ich meine, er musste doch wissen, dass praktisch kein Käufer so etwas hinnehmen würde."

"Kenga ist gierig und leider gibt es Personen hier in der Stadt, die ihre schützende Hand über ihn halten. Sicher, der Käufer hätte sich beschwert, aber mir wären die Hände gebunden gewesen. Er hätte die Sklavin zurückgenommen, den Kaufpreis erstattet und sie einfach am nächsten Tag noch einmal angeboten."

"Ausserdem dürft ihr nicht vergessen, dass es auch einige Personen gibt, denen es Spass macht, einen Sklaven zu quälen", sagte Kaut bitter und die Kleine schluchzte wieder auf.

"Schhh", machte Usagi und wiegte sie in seinen Armen. Unangenehm drückte der Sklavenring um ihren Hals gegen seine Schulter.

Unangenehm blickte Kaut auf das, was er angerichtet hatte. Er stand auf und verabschiedete sich: "Ich muss weiter. Aufgaben warten auf mich."

"Kaut", rief Usagi ihm hinterher und der Hauptmann drehte sich steif um, "versprecht mir, dass ihr vor morgen früh nichts unternehmt."

"Was?"

"Versprecht es mir, oder ich werde euch nicht gehen lassen", forderte Usagi ernst.

Kaut starrte ihn an, als hätte er plötzlich zwei Köpfe. Dann gab er auf und seine Schultern sanken herab. "Gut, ich will tun, was ihr verlangt."

"Ich bringe euch euren Mantel morgen früh bei der Stadtwache vorbei. Vielleicht habe ich dann etwas für euch, dass keine weiteren Leben kosten wird", versprach Usagi im Gegenzug.

Kaut nickte und ging. Lange Zeit erfüllte das Schluchzen der jungen Frau den Hof.

Als leise Schritte sich näherten, blickte Usagi nur kurz auf. Die alte Heilerin setzte sich vorsichtig neben sie auf die Bank und hielt Usagi wortlos eine Schale mit einer trüben Flüssigkeit hin.

Sachte nahm Usagi den Kopf der Sklavin und hielt sie so, dass sie ihn ansehen konnte. "Bitte", sagte er sanft, "trinkt das. Es wird euch helfen."

Er nahm die Schale entgegen und half der Sklavin trinken. Sie hustete und sank dann wieder in seine Arme. Dankbar gab Usagi die Schale zurück und tatsächlich, nach kurzer Zeit ging ihr Atem ruhiger und sie hörte auf zu zucken.

"Wie geht es ihr?"

"Sie schläft jetzt", wich die Heilerin aus.

"Gut."

"Ihr seid ein seltsamer Mann, Herr Miyamoto."

"Das höre ich heute nun schon zum zweiten Mal", lächelte Usagi.

Leider kehrte mit der Ruhe auch die Sklavin zurück. Irgendwann wurde ihr bewusst, was sie tat und erschreckt versuchte sie sich von Usagi zu lösen.

"Seht mich bitte an", bat Usagi.

In ihren Augen war deutlich der Tumult an Gefühlen in ihrem Inneren zu sehen. "Geht es euch wieder besser?" fragte er sanft.

"Ja, Herr", log sie.

"Es tut mir Leid, dass ihr das mit ansehen musstet. Es war mein Fehler", entschuldigte Usagi sich ernsthaft und brachte die junge Sklavin nur noch mehr in Verlegenheit.

Bedauernd liess er sie los. Sie war leider noch nicht soweit, als dass sie in ihm mehr hätte sehen können als ihren Besitzer. Sofort wickelte sie sich aus dem Mantel, legte ihn sorgfältig zusammen und neben Usagi auf die Bank. Dann setzte sie sich mit demütig gesenktem Blick neben ihm auf den Boden.

Es machte Usagi traurig, dass sie sich wieder so weit von ihm entfernte, aber ihm war klar, dass jedes Wort von ihm in dieser Situation sie nur noch mehr verwirrt hätte.

Seufzend wandte er sich zu der Heilerin um. Diese lächelte unerwarteterweise. "Danke", sagte sie.

"Ich danke euch", antwortete Usagi.

"Ihr mögt keine Sklavenhalter", fuhr er fort.

Die alte Frau lachte leise. "Tja, ich schätze, ich mag einfach niemanden, der Schwächere quält."

"Dann besteht ja noch Hoffnung für mich."

Nachdenklich blickte die alte Frau ihn an. "Seit ich euch kenne, denke ich, dass vielleicht sogar noch Hoffnung für diese Stadt besteht."

Usagi zog ein sauberes Tuch aus einer seiner Taschen und reichte es der Sklavin. "Geht bitte zum Brunnen und wascht euch", bat er.

"Sofort, Herr!" Die Sklavin nahm das Tuch entgegen und sprang fort. Usagi sah ihr nach; sie war wirklich sehr schön.

'Was wohl Tomoe zu ihr sagen würde?' dachte er bei sich und lächelte.

"Die beiden werden es gut bei euch haben, wenn ihr die richtige Balance zwischen Strenge und Güte finden könnt", sagte die Heilerin.

Usagi verstand, was sie meinte. "Es ist fast so, wie Kinder aufzuziehen", dachte er laut, während die Sklavin sich wusch. Die Sonne glänzte vorteilhaft in ihrem Fell.

"Kinder, die die Hölle durchgemacht haben", sagte die Heilerin.

"Ja", stimmte Usagi zu, "zumindest aus unserer Sicht. Darüber dürfen wir aber nie vergessen, dass sie auch eigene Bedürfnisse und einen eigenen Willen haben, der sich von dem unterscheidet, was wir denken und wollen."

"Damit habt ich sicher recht", sagte die Heilerin zufrieden. "Wir sehen uns in zwei Tagen."

"Ja", sagte Usagi lächelnd. "Wartet! Wisst ihr zufälligerweise, wo man hier Kleider kaufen kann?"

Die Heilerin lachte, wie über einen guten Witz. "Nun, ich habe nur wenig Verwendung für schöne Kleider, aber ich habe gehört, dass man in der Nähe des Tiefenbrunnenplatzes so etwas bekommen kann."

"Herr?"

Usagi wandte sich seiner Sklavin zu, die zurückgekehrt war. "Ich weiss noch nicht einmal euren Namen", sagte er zu der vor ihm kauernden Sklavin.

"Ich habe noch keinen Namen, Herr", antwortete die Sklavin demütig. Das schien eine universelle Formel zu sein, denn auch Tep hatte genauso reagiert.

"Wie hat man euch den bisher gerufen?" fragte Usagi amüsiert, weil er sich daran erinnerte, wie umständlich er Tep seinen Namen hatte entlocken müssen.

Das schien die Sklavin fast zu überfordern. Als Usagi schon fast so weit war zu akzeptieren, dass er sich einen Namen ausdenken musste, sagte sie: "Man hat mich Karla genannt, Herr."

Sie hielt den Kopf immer noch gesenkt, aber Usagi konnte einen Moment sehen, wie sie nach ihm schielte, um seine Reaktion auf diesen mutigen Vorstoss zu sehen. Und auch, wie sie sofort zu Boden blickte, als sie sah, dass er es bemerkt hatte.

"Gut, Karla soll es dann sein", akzeptierte Usagi gelassen.

"Wir müssen Kleidung für euch besorgen", fuhr er fort.

"Herr?" fragte sie.

"Ihr möchtet doch Kleider tragen?"

"Äh, ja, Herr, aber ...", und der Mut verliess sie wieder.

"Ja, Karla?" ermutigte Usagi sie.

"Eure Schulter ist etwas schmutzig, Herr,", platzte sie fast heraus nur um sofort erschreckt über sich selbst zusammenzuzucken.

Usagi zog seine Jacke aus und und betrachtete die Schulter, wo Rotz und Wasser dabei waren, langsam einzutrocknen. "Tatsächlich", gab er unschlüssig zu.

"Bitte, Herr, darf ich sie reinigen?" schlug die Sklavin eifrig vor.

"Oh, sicherlich", dankte Usagi und gab ihr die Jacke. Sie riss sie ihm fast aus der Hand und eilte zum Brunnen, um die Spuren ihres Zusammenbruchs zu beseitigen.

Entspannt sass Usagi auf der Bank und sah ihr zu. Er sah das Spiel ihrer Muskeln, als sie mit dem Eimer Wasser holte. Ihr Hinterteil, das sich ihm entgegenreckte, während sie die Jacke säuberte.

Gewaltsam riss er seinen Blick und seine Gedanken los und versuchte etwas anderes in dem auf einmal winzigen Hof zu finden, das er anstarren konnte.

Irgendwann war sie fertig und breitete die Jacke neben seinem Taschentuch aus, damit sie ebenfalls in der Sonne trocknen konnte. Wieder setzte sie sich demütig neben ihn auf den Boden. Wie Tep.

Er überlegte, ob er sie bitten sollte, etwas über sich zu erzählen. 'Aber was? Wahrscheinlich werden die meisten Fragen über ihre Familie oder ihre Heimat nur Wunden aufreissen', vermutete er.

Über die andere Sklavin zu fragen, würde wohl einen noch schlimmeren Effekt haben. Also erzählte er etwas über sich selbst. "Mein Name ist Miyamoto Usagi", stellte er sich vor.

"Ja, Herr", antwortete sie, obwohl sie ihn ja schon gehört hatte.

"Ich war einst ein einfacher Krieger", begann Usagi und erzählte ihr etwas aus seinem Leben. Aufmerksam hörte sie ihm zu und vielleicht verschwand ein winziger Teil der Distanz zwischen ihnen, während er sprach.

Sie lachte sogar mit ihm, wenn er eine lustige Begebenheit erzählte. Viel zu schnell war die Jacke trocken.

Draussen auf der Strasse war das aber sofort wieder vorbei. Unterwürfig folgte die Sklavin ihrem Besitzer. Usagi seufzte innerlich, aber er hatte ja Zeit.

Nach kurzer Zeit hatten sie den Tiefenbrunnenplatz gefunden, der seinen Namen von einem uralten Brunnen hatte, der angeblich so tief war, dass eine Münze, die man hinein warf, nie unten ankam.

Viele Händler hatten ihre Geschäfte in der Nähe, Stoffhändler und Schneider und auch solche, die fertige Kleidung anboten. Usagi besah sich einige Auslagen und kaufte unterwegs zwei Portionen warme Kaulas, denn er war inzwischen schon ziemlich hungrig und die Sklavin wahrscheinlich auch, wenn sie sich auch nichts anmerken liess.

Zumindest war sie mit ihrer Portion schon fertig, während er kaum bei der Hälfte angekommen war. "Ich bin satt, möchtet ihr noch etwas?" bot er ihr seinen Rest an.

"Gerne, Herr", bedankte sie sich.

Usagi ging langsam weiter, damit sie in Ruhe essen konnte. Ihre Manieren waren nicht zu beanstanden. Sorgfältig achtete sie darauf, dass kein Saft in ihr Fell lief und leckte sich immer wieder die Lippen sauber, so dass man nur an den Kaulas, die in ihren Händen immer weniger wurden, sehen konnte, dass sie tatsächlich ass.

"Sucht ihr etwas Bestimmtes, Herr?" fragte eine freundliche Stimme.

Usagi sah in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war und fand einen Händler, der freundlich lächelte und sich tief verbeugte. "Tatsächlich scheine ich etwas gefunden zu haben", lächelte Usagi zurück.

"Und welche meiner Waren und Dienstleistungen hat euer Auge eingefangen?"

"Eure Freundlichkeit", lachte Usagi. Ein Blick auf seine Sklavin verriet ihm, dass sie mit dem Essen fertig war. "Ich benötige Kleidung für sie."

"Sicherlich, Herr, und zu welchem Zweck?"

Die Frage traf Usagi etwas unvorbereitet. "Nun", sagte er zögernd, "ich bin häufig auf Reisen, dass heisst ich benötige einen Satz haltbare Reisekleidung und heute Abend bin ich bei Familie Joska eingeladen, daher wäre ein schönes Kleid angebracht."

Der Nachmittag verging wie im Flug. Usagi konnte sich kaum entscheiden, Karla sah in jedem Kleid hinreissend aus. Schliesslich überliess er ihr die Entscheidung und das schien, wie bei Tomoe auch schon, das Richtige zu sein.

Während der Schneider die notwendigen Anpassungen vornahm, probierte Karla verschiedene Schuhe aus, die ein Schuster vorbei brachte, der wohl ein Freund des Schneiders war.

Nachdem auch davon zwei Paar ausgesucht waren, war Usagi an der Reihe. Schliesslich konnte er sich in diesen einfachen Kleidern nicht bei den Joskas blicken lassen. Wie schon bei Tomoe stellte Usagi auch bei Karla fest, dass sie keinen Spass verstand, wenn es darum ging, sich angemessen zu repräsentieren.

Zudem stellte Karla sich als sehr praktisch veranlagt heraus, vor allem, als sie anfing um den Preis zu feilschen, den Usagi ohne mit der Wimper zu zucken bezahlt hätte. Am Ende bezahlte er knapp mehr als die Hälfte dessen, was der Schneider ursprünglich verlangt hatte und dieser schien es nicht sehr übel aufzunehmen.

Zumindest bedankte er sich immer noch freundlich und wünschte ihnen lachend einen schönen Abend, als sie am frühen Abend sein Geschäft verliessen.

Leider war jetzt keine Zeit mehr, den hässlichen Stahlring um Karlas Hals durch etwas ansprechenderes zu ersetzten. 'Ausser ...'

Zufrieden gingen sie zum Rosengarten. Unterwegs erstand Usagi noch ein rosa Halstuch, welches exquisit zu den Farben ihres Fells passte.

Im Rosengarten angekommen, teilte er dem Wirt nur kurz mit, dass er heute nicht hier essen würde, dann gingen sie direkt auf sein Zimmer. Die neugierigen Blicke der Gäste und des Wirts ignorierte er geflissentlich.

Im Zimmer angekommen, bat er Karla sich zu setzen und die Augen zu schliessen. "Ich habe noch eine Überraschung für euch", sagte er geheimnisvoll. Folgsam kam sie seinem Befehl nach.

Usagi lehnte sich an die Wand, damit er nicht umfiel und wechselte ins Netz der TAURUS um mit Tep zu sprechen. In hastigen Worten erklärte er, was er wollte. Tep versprach sich sofort darum zu kümmern.

Usagi kehrte in seinen Körper zurück und musste nur kurz warten, bis die Markierung eines Transferfeldes in der Luft erschien. Er hielt seine Hände darunter, damit das, was gleich hier erscheinen würde, nicht zu Boden fiel.

Lautlos erschienen ein silberner Ring und eine kleine Desintegratorfräse und Usagi fing beides geschickt auf. Er legte den flexiblen Ring, auf dem sein Name in geschwungenen Buchstaben eingraviert war, auf den Tisch.

Die Fräse war bereits von Tep eingestellt worden, Metall aufzulösen und er brauchte sie nur anzusetzen, den Knopf zu drücken und über die Breite des Sklavenrings zu ziehen. Karla zuckte kurz, als er den Ring berührte, öffnete die Augen aber nicht.

Mit einem leisen Quietschen öffnete Usagi den Ring und legte ihn und die Fräse beiseite. Das Fell darunter sah nicht so schlimm aus, wie er befürchtet hatte. Anscheinend war der Ring trotz seiner Farbe sauber gewesen und die Kanten abgerundet. Trotzdem band er das Halstuch um ihren Hals und legte ihr dann den neuen Ring mit seinem Namen an.

Mit einem leisen Klicken verschwand die Lücke, als Usagi beide Enden in Kontakt brachte, wie Tep ihm versprochen hatte. Zufrieden betrachtete Usagi sein Werk.

Sanft nahm er ihre Hand, half ihr auf und führte sie zum Spiegel. "Seht es euch an", flüsterte er in ihr Ohr.

Ihr Blick zeigte ihm, dass es das wert gewesen war, seine Vorsätze einmal aufzugeben.

"Es ist wunderschön", hauchte sie und berührte den glänzenden Ring, der flexibel über ihre Schultern fiel, "ich danke euch, Herr."

"Es freut mich, dass es euch gefällt", sagte Usagi glücklich.

Sie gingen nach unten in die Gaststube, um auf die Kutsche zu warten.

Die alten Kleider von Usagi und der Mantel des Hauptmanns wanderten in die Hände einer Magd, die versprach sie bis zum nächsten Tag zu waschen. Ausserdem wies Usagi den Wirt an, ein weiteres Bett in seinem Zimmer herzurichten, als sich herausstellte, dass alle anderen Zimmer schon belegt waren.

Als Karla die Stube betrat, hingen nicht wenige Blick an ihr. Usagi bestellte etwas zu trinken für sie beide, um die Wartezeit zu verkürzen.

Joskas Vater

Die Kutsche war gross und der Fahrer fuhr umsichtig. Nach erstaunlich kurzer Zeit kamen sie beim Besitz der Familie Joska in dieser Stadt an. Ein Diener öffnete die Tür der Kutsche und geleitete sie ins Haus.

Herr Lamar Joska empfing sie mit seiner Frau in einem grossen, hell erleuchteten Saal des Hauses. Aufmerksam registrierte Usagi die Tatsache, dass, obwohl Herr Joska ein Sklavenhändler war, im Haus keine Sklaven zu sehen waren.

Reserviert und kühl empfing Herr Joska sie und Usagi realisierte, dass es seine Frau gewesen war, die ihn eigentlich eingeladen hatte. Wahrscheinlich wusste sie nichts über ihren Sohn, denn sicher hatte der Vater nicht zugelassen, dass der Name der Familie unnötig in den Schmutz gezogen wurde, indem etwa er, seine Frau oder sonst jemand aus dem Haushalt den Sohn im Gefängnis besuchte.

"Seid willkommen in meinem Haus, Herr Miyamoto."

"Vielen Dank für die Einladung, Frau und Herr Joska. Es tut mir sehr Leid, dass sie durch einen so traurigen Grund erfolgt ist", verbeugte sich Usagi und seine Sklavin knickste, wobei sie sorgfältig darauf achtete, dass sie sich tiefer verbeugte als er.

'Wie hatte Pau gesagt? "Immer dort angreifen, wo man es nicht erwartet."' Auf vieles war Herr Joska vorbereitet gewesen, aber wohl nicht auf eine Entschuldigung.

"Wir danken für eure Anteilnahme", sagte er nach einer kurzen Pause und nicht mehr ganz so abweisend.

"Bitte kommt, das Essen wartet bereits."

Auf dem Weg und während des Essens unterhielten sie sich über Kleinigkeiten. Ob Usagi eine angenehme Reise gehabt hatte, wie ihm die Stadt gefiel und dergleichen.

Höflich antwortete Usagi, während Frau Joska wie auf Kohlen sass. Als sie beim Nachtisch angekommen waren, fand Usagi, dass es Zeit war, über wichtigere Dinge zu sprechen.

"Wenn es euch nichts ausmacht, dann würde ich euch gerne erzählen, wie ich euren Sohn kennengelernt habe", bot er an.

"Nun", zögerte Herr Joska aber nicht völlig abweisend.

"Ich bin sicher, dass es eurer Frau nichts ausmacht, wenn wir hier über ihn sprechen", überrumpelte Usagi ihn.

"Nein, sicher nicht", antwortete Herr Joska überrascht.

"Ich bin vor vier Tagen hier in diese Stadt gekommen, um einen Sklaven für mich zu erwerben", begann Usagi seinen Bericht.

"Am ersten Tag war ich nach der Reise so erschöpft, dass ich sofort ins Bett gefallen bin, kaum dass ich gegessen hatte", lachte er.

"Am zweiten Tag habe ich mich in der Stadt umgesehen, aber alleine ist das nicht sehr erbaulich. Also habe ich mir am Abend die anderen Gäste im Rosengarten angesehen und mich ein wenig mit einigen von ihnen unterhalten."

"Dabei habe ich Herrn Joska kennengelernt. Er war mir ein angenehmer, sympathischer und intelligenter Gesprächspartner. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass er sehr stark darunter litt, wenn er mit ansehen musste, wie jemand anders in seinen Augen misshandelt wird. Er schien sehr empfindsam zu sein."

"Wir trennten uns für die Nacht. Mitten in der Nacht klopfte euer Sohn dann an meine Tür. Ich liess ihn ein. Er war verletzt und ausser sich. Ich verband seine Wunde, die nicht sehr schlimm war, nur stark blutete. Kurze Zeit später traf eine Abordnung der Stadtwache im Rosengarten ein, um euren Sohn zu verhaften."

"Ich sprach mit ihnen, um herauszufinden, was geschehen war, denn Joska war ausserstande gewesen, mehr als ein paar Worte zu stammeln. Da ich wusste, wie empfindsam er ist, nahm ich an, dass er in irgendeine Sache hineingeraten war, die ihm über den Kopf gewachsen ist."

"Die Stadtwache teilte mir mit, dass Joska angeblich in einen Kampf verwickelt gewesen war, bei dem ein Mitglied der Wache getötet worden war. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass ich Joska nicht etwa jemandem übergeben würde, der ihn, ohne nach weiteren Beweisen für seine Schuld zu suchen, töten würde, ging ich in meinen Raum zurück. Aber Joska war geflohen."

"Er versuchte über das Dach zu entkommen, was aber misslang. Er stürzte ab und nur mit viel Glück konnte ich ihn fangen, bevor er drei Stockwerke tief auf die Strasse stürzte."

"Danach nahm die Stadtwache ihn mit. Zwei Tage später besuchte ich euren Sohn im Stadtgefängnis. Inzwischen hatten sich die Beweise für seine Schuld erhärtet und heute morgen habe ich zufällig erfahren, dass er in zwei Tagen auf dem Sklavenmarkt verkauft werden soll, um damit die Schäden zu bezahlen, die er angerichtet hat."

"Als ich euren Sohn zuletzt sah, war er am Leben, aber er macht sich grosse Vorwürfe für das, was in jener unglückseligen Nacht geschehen ist", beendete Usagi seinen Bericht.

Frau Joska entschuldigte sich hastig und eilte aus dem Raum, bevor jemand ihre Tränen sah.

"Es tut mir Leid, ...", entschuldigten sich die beiden Männer gleichzeitig und brachen wieder ab. Eine peinliche Pause folgte.

"Gehen wir nach nebenan", bot Herr Joska schliesslich an.

"Möchtet ihr mit mir alleine sprechen?" bot Usagi an.

Joska blickte die Sklavin an, als sähe er sie zum ersten Mal. "Sie stört mich nicht."

Nebenan war ein kleiner Raum mit vielen Büchern an den Wänden und einem warmen Kaminfeuer. Zwei Sessel standen dort und eine niedrige, gepolsterte Bank für seine Sklavin. Klaglos liess sie sich nieder, während sich die beiden es bequem machten.

"Raucht ihr?"