Der neunte Teil der Geschichte
Prolog
Manchmal müssen wir etwas tun, das falsch ist, um das Richtige zu tun. Manchmal zahlen wir einen hohen Preis dafür. Manchmal ist er das wert.
Joskas Verkauf
In der Nacht hatte Usagi einen seltsamen Traum. Er kauerte im Schatten der Hildebron-Strasse nahe beim Fünferplatz. Es war lange nach Sonnenuntergang, wohl auch schon nach Mitternacht. Schritte näherten sich und er duckte sich noch tiefer in den Schatten.
Eine Gestalt ging vorbei, sah sich immer wieder um. Usagi folgte ihr lautlos durch die Stadt. Wer auch immer es war, er kannte sich gut aus. Ein paar mal hätte Usagi ihn beinahe verloren und einmal rettete ihn nur seine Unverfrohrenheit, als die Gestalt plötzlich zurückkam und er freundlich grüssend an ihr vorbeiging. Er sah das Gesicht, aber er erkannte es nicht.
Fast zwei Stunden später verschwand die Person in einem Haus. Es war das Haus des Sklavenhändlers Kenga.
Der nächste Morgen brachte trübes Wetter. Dicke Regenwolken hingen am Himmel und Usagi blieb erst einmal liegen. Bis zum Verkauf von Joska hatte er noch ein paar Stunden Zeit, also ging er zuerst ins Datennetz. So gut er konnte, erinnerte er sich an das Gesicht von seiner zweiten Sklavin, aber der Computer konnte nichts finden. Er würde das Gleiche nochmal versuchen, wenn er sie das nächste mal traf. Dann würde seine Erinnerung besser sein.
Der Name Kenga dagegen lieferte ein umfangreiches Dossier. Kenga schien der hiesige Hikiji zu sein. Er hatte seine Hände in allerlei schmutzigen Geschäften, aber war geschickt genug, sich bisher jeder Anschuldigung entziehen zu können. Zu seinen Vertrauten gehörte eine Person, die Usagi wiedererkannte: Es war die Person, die er in seinem Traum gesehen hatte.
Anscheinend eine Art Bote für besondere Botschaften wie Bestechungsgelder oder Erpressung. Usagi erinnerte sich an seinen Traum. Sein Name war Turnak Jezko. 'Aber mit wem hat er sich auf dem Fünferplatz getroffen?'
Mit Herrn Lero, dem Bediensteten der Stadt, der die Stadtwache unter sich hatte. Und er hatte sich nicht getroffen, sondern er würde sich heute Nacht mit ihm treffen.
Usagi stellte fest, je mehr er sich erinnerte, desto mehr fiel ihm ein. Als würde jede Erinnerung eine weitere erzeugen. Er rief Käl an.
"Ja?"
"Ich hatte heute Nacht einen seltsamen Traum", begann Usagi und berichtete, was er erlebt hatte oder würde.
"Bist Du Dir sicher, dass es so passieren wird?"
Usagi zögerte mit der Antwort. Er war sich wirklich sicher, aber das war unmöglich! 'Woher sollte ich wissen, was geschehen würde?'
Als Käl sein Zögern bemerkte, präzisierte er seine Frage. "Du bist Dir sicher, aber Du denkst jetzt, dass das nicht sein kann?"
"Ja", gab Usagi überrascht zu. "Du kennst das?"
Durch die Bildverbindung sah Käl ihn nachdenklich an. "Moment." Käl las irgend etwas im Netz und kam dann zurück.
"Es handelt sich wahrscheinlich um einen Traum, den Dir Ookaa'h geschickt hat."
"Mir?" fragte Usagi überrascht zurück. Aber Pau hatte ja erwähnt, dass Ookaa'h sich für ihn interessierte. 'Sollte ich mich jetzt freuen oder damit anfangen mir Sorgen zu machen?'
"Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass sie sich mit jemanden in Verbindung setzt, der noch nicht dafür ausgebildet ist", gab Käl zu, "aber Ookaa'h hält sich selten an die Vorstellungen, die wir uns von ihr machen."
"Was soll ich nun tun?" fragte Usagi zurück.
"Gibt es denn viele Möglichkeiten?"
Nein, eigentlich gab es die nicht. Sein Problem war eher, wie er das Ganze Hauptmann Kaut verkaufen sollte. Er seufzte, bedankte sich bei Käl und beendete die Verbindung.
Nachdenklich betrachtete er das Bild von Jezko. Ob Kenga für die Entwicklung dieser Zivilisation genauso wichtig war, wie Hikiji?
Wohl nicht, sonst hätte Ookaa'h ihm wohl keine Handhabe gegen ihn in die Hand gegeben. 'Oder soll ich lernen, zurückhaltend mit derlei Informationen umzugehen? Warum hat die Göttin keine Gebrauchsanweisung mit diesem Wissen mitgegeben?'
Bevor er in seinen Körper zurückkehrte, suchte er noch nach Hauptmann Kaut (ein kleines Dossier mit wenigen interessanten Informationen in der Zusammenfassung). Ausserdem bat er Tep, ihm 200 Taler zu schicken.
Rufe klangen an sein Ohr, das jetzt wieder arbeitete. Er fuhr auf.
"Was ist mit ihm?" rief jemand auf dem Gang.
"Herr? Was ist mit euch? Geht es euch nicht gut?" fragte Karla völlig aufgelöst.
"Nein", gab Usagi überrascht zurück, "es ist alles in Ordnung."
Er stand auf und entriegelte die Tür. Draussen stand der Wirt, sichtlich beunruhigt. "Herr Miyamoto? Geht es euch gut?" fragte er nervös.
"Ja", gab Usagi ruhig zurück, "vielen Dank. Es ist alles in Ordnung."
"Gut", sagte der Wirt erleichtert, "als eure Sklavin um Hilfe rief, da befürchteten wir schon das Schlimmste!"
"Ah!" machte Usagi und lachte erleichtert, "ich habe nur ein wenig meditiert! Dann bin ich immer völlig weggetreten und reagiere nicht, wenn man mich anspricht. Ich hätte meine Sklavin darauf aufmerksam machen sollen. Es tut mir Leid, dass ich ihnen so einen Schrecken eingejagt habe."
Lächelnd schluckte der Wirt die glatte Lüge. "Gut, gut. Ich will euch dann nicht mehr länger belästigen", sagte er mit einer Verbeugung und wandte sich zum Gehen.
"Ich danke für eure Besorgnis", sagte Usagi lächelnd und schloss die Tür wieder.
"Herr?" fragte Karla immer noch sehr besorgt.
"Es ist gut", beruhigte Usagi sie, während er den Schlüssel zu ihrer Kette holte, "ich habe nur meditiert. In dem Zustand bin ich nicht ansprechbar."
"Ja, Herr", sagte Karla nicht ganz überzeugt. Frauen schienen noch einfacher als Männer zu merken, wenn er log. 'Oder ich sehe es ihnen vielleicht nur eher an, als meinen Geschlechtsgenossen.'
"Möchtet ihr, dass ich euch nun waschen helfe?" fragte sie als nächstes.
Widerstand war zwecklos.
Sie stellte sich als geschickt und sehr gründlich heraus.
Während sie ihn wusch, erkundigte er sich, wie sie ausgebildet worden war. Bereitwillig gab sie Auskunft.
"Mir wurde beigebracht zu Kochen und mich in einem Haushalt nützlich zu machen. Ich kann alleine einkaufen und mit Geld umgehen. Bitte stillhalten, Herr. Ausserdem wurde ich in Liebeskünsten ausgebildet."
'All das für fünf Taler und intelligent ist sie auch noch', dachte Usagi und fragte sich, wo der Haken war.
'Ist sie wirklich nur der Lockvogel dafür gewesen, den anderen Sklaven zu verkaufen oder war da mehr?' dachte er, während sie ihn massierte.
"Karla?"
"Ja, Herr?"
"Wisst ihr, warum ihr zusammen mit der anderen Sklavin verkauft worden seid?"
Usagi konnte spüren, wie sie die Massage kurz unterbrach. Wahrscheinlich wahr sie zusammengezuckt. "Nein, Herr", log sie.
'Soll ich sie zwingen? Sie ist mein Eigentum, ich habe das Recht dazu. Oder würde ich sie nur unnötig quälen, um meine Neugierde zu befriedigen?'
Er setzte sich auf und sah sie an. Wie üblich blickte sie demütig zu Boden, aber es war eine furchtsame, ausweichende Demut.
"Ihr habt Angst vor dieser Frage", stellte er fest. Sie antwortete nicht.
"Warum?" bohrte er nach.
Sie brach in Tränen aus.
Wortlos griff Usagi nach einem Handtuch, legte es sich auf die Schulter und schloss sie in die Arme. Sie wehrte sich etwas, aber ohne Kraft.
"Karla", flüsterte er in ihr Ohr, "habt Vertrauen zu mir."
Und er wurde belohnt, wenn auch nicht so, wie er erwartet hatte.
"Es tut mir Leid, Herr, ich bin euch keine gute Sklavin", weinte sie.
"Bisher", antwortete Usagi ernst, "sehe ich keinen Grund zur Klage."
"Ich war einsam. Bitte bestraft mich nicht", flehte sie. Usagi antwortete nicht. Wenn es nicht bis zum Schluss seine eigene Entscheidung blieb, dann würde die Entscheidung am Ende keine Bedeutung für sie haben. Wenn sie den Eindruck gewann, dass sie ihn manipulieren konnte, dann würde sie kein Vertrauen zu ihm fassen können.
"Es war dunkel, ich hatte Angst und er auch. Sie hatten ihr so furchtbare Dinge angetan", schluchzte sie.
"Wir trösteten uns gegenseitig."
"Kenga war ausser sich."
"Wir hatten Todesangst."
"Sie schleiften ihn weg."
"Kenga drohte, er würde mir etwas viel Schlimmeres als Talia antun, wenn ich darüber sprechen würde."
"Bitte, Herr, gebt mich nicht zurück", flehte sie weinend.
Usagi versuchte aus dem unzusammenhängenden Bericht etwas sinnvolles herauszulesen. Anscheinend hatten die Sklaven mitansehen müssen, wie seine andere Sklavin ausgepeitscht worden war. In der Nacht darauf hatte sie mit einem anderen Sklaven geschlafen, weil sie so viel Angst hatten. Kenga war das aus irgendeinem Grund nicht recht gewesen und er hatte sie bedroht. Ihm fehlten noch zwei Teile, dann war das Puzzle vollständig.
"Talia ist der Name der anderen Sklavin?"
Sie nickte und die Tränen flossen immer weiter.
"Warum störte Kenga, dass ihr mit einem anderen Sklaven zusammen wart?"
Wieder antwortete sie nicht. Sanft nahm er ihren Kopf in die Hände, damit sie ihn ansehen musste.
"Karla", versprach er feierlich, "ich verspreche alles in meiner Macht stehende zu tun, damit weder ihr noch Talia Kenga jemals wieder in die Hände fallt."
Sie nickte dankbar, aber hörte immer noch nicht auf zu weinen.
"Warum, Karla?" fragte er unerbittlich.
"Bitte, Herr, nicht ...", flehte sie.
"Karla, vertraut mir. Warum?"
Er konnte sehen, dass sie ihren ganzen Mut zusammennehmen musste. "Ich sollte unberührt verkauft werden", heulte sie auf. "Bitte Herr, ich flehe euch an, gebt mich nicht zurück!"
"Ihr hättet dann einen viel besseren Preis erzielt", verstand Usagi endlich. 100 Taler, die Kenga hatte auf die Liste setzen lassen.
Zwei Sklavinnen, wertvolle noch dazu, hatten sich in einer Nacht an dem geizigen Händler gerächt. Es war so komisch, Usagi musste trotz ihrer Tränen lachen. Das musste Kenga wirklich getroffen haben.
Leider hatte eine davon einen furchtbaren Preis dafür zahlen müssen. Usagi beschloss, dass es sehr teure 100 Taler für Kenga werden würden.
"Karla", sagte er sanft, "ich werde mein Versprechen halten."
Dann nahm er ihren Kopf nochmal und küsste sie leicht auf die Stirn. "Danke, dass ihr mir vertraut habt."
Er wartete noch ein Weile, dass sie sich beruhigte, aber langsam ging ihm die Zeit aus. "Karla, wascht euch bitte, wir müssen noch jemanden aus den Klauen von Kenga retten."
Sie nickte schniefend und wusch sich die Tränen aus dem Gesicht, während Usagi das durchweinte Handtuch weglegte und seine Schulter mit einem frischen Handtuch trockenrieb.
Dann zog er seine frischgewaschenen Kleider an und sie liessen sich vom Wirt eine Kleinigkeit zubereiten, die sie unterwegs essen würden. Wie von Usagi bestellt, lag in seinem Zimmer inzwischen ein Beutel mit 200 Talern bereit. Er holte ihn, während Karla mit dem Essen unten wartete.
Gemeinsam gingen sie auf den Markt. Karla schien es jetzt besser zu gehen, aber auf den Markt zurückzukehren, belastete sie sehr. Usagi überlegte, sie zurückzuschicken, aber sie immer zu behüten, würde ihr auch schaden. Also achtete er nur darauf, ob es ihr zuviel wurde.
Sie kamen rechtzeitig beim Platz der Freiheit an. Anscheinend wurden heute einige Sklaven verkauft, welche Verbrechen begangen hatten.
Usagi konnte Joska noch im Hintergrund stehen sehen. Seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten, hatte er sich nicht verändert. Noch immer sah er aus wie ein lebender Toter. Teilnahmslos starrte er auf den Boden.
Sein Anfangsgebot war 20 Taler. Usagi wartete erst einmal ab, bis sich die Spreu vom Weizen getrennt hatte. Bei 33 Talern gab es nur noch eine andere Partei, die mitbot. Usagi hob die Hand für 34 Taler.
Überraschend tauchte Hauptmann Kaut neben ihm auf. "Hauptmann Kaut! Ich hatte nicht erwartet euch hier zu treffen", begrüsste Usagi ihn freundlich, aber er schien schlechte Laune zu haben.
"Herr Miyamoto", grüsste er düster. Die andere Partei bot 35 Taler und Usagi hob die Hand für 36.
"Wieviel steht auf der Liste?" fragte Usagi.
Kaut blickte ihn überrascht an und dachte kurz nach. "120 Taler, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Davon sind 21 bereits getilgt, durch das Geld, welches Joska bei sich hatte und etwas wird noch durch seine Besitztümer hereinkommen, die nächsten Monat versteigert werden."
Düster blickte Kaut auf die andere Partei. "Wieviel habt ihr?"
"Mehr als genug", versicherte Usagi.
"Gut", sagte Kaut fast erleichtert.
Usagi hob die Hand für 38 Taler. "Wer sind diese Leute?"
Kaut verzog unwillig den Mund. "Mitglieder der Stadtwache", sagte er missmutig.
"Kollegen von Sergeant Trimol", vermutete Usagi und Kaut seufzte.
Nachdenklich blickte Usagi zu ihnen herüber. Sie schienen nicht glücklich zu sein, dass er mithalten konnte.
"Tut ihr mir einen Gefallen?" fragte Usagi.
"Wenn es nichts ungesetzliches ist", brummte Kaut.
"Würdet ihr die anderen bitten, bis 100 Taler mitzubieten?"
"So viel haben sie nicht", antwortete Kaut.
"Ich aber. Geht schon", forderte Usagi ihn auf und hob die Hand für 40 Taler.
Kaut runzelte die Stirn, machte sich aber auf den Weg. Die anderen hatten währenddessen angefangen zu diskutieren. 40 Taler war wohl alles gewesen, was sie hatten.
Während der Auktionator versuchte jemand anders für 41 Taler zu finden, trat Kaut zu ihnen. Überrascht und ablehnend blickten sie ihn an. Er sagte etwas und kurz darauf hob tatsächlich einer die Hand für 41 Taler.
Der Auktionator blickte verwirrte von dem Bieter zu Usagi, denn er hatte natürlich gesehen, wie Kaut hinübergelaufen war, akzeptierte das Gebot aber.
"45 Taler", rief Usagi, um die Sache etwas voranzubringen, sonst standen sie ja morgen noch hier.
Wie abgesprochen passten die anderen bei 100 Talern und Usagi erwarb Joska für 105 Taler.
Er gab Karla den schweren Geldbeutel und wies sie an, für ihn zu bezahlen und Joska und das restliche Geld danach zu ihm zu bringen. Dann ging er zu seinen Mitbietern.
"Guten Tag Hauptmann Kaut, meine Herren", begrüsste er sie entspannt.
"Guten Tag", erwiderten sie den Gruss zurückhaltend.
"Mein Name ist Usagi Miyamoto und wenn es ihnen nichts ausmacht, dann würde ich gerne noch ein paar Worte mit ihnen wechseln."
Sie zögerten, nickten aber dann.
"Ich nehme an, dass sie mir nicht sagen wollen, aus welchem Grund sie ein Interesse daran hatten, diesen Sklaven zu erwerben", vermutete Usagi.
"Das ist unsere Sache", wurde er erwartungsgemäss abgewiesen.
"Natürlich", stimmte er sofort zu und sie entspannten sich wieder etwas. Sie fragten sich jetzt sicher, worauf er hinauswollte.
"Ich bin aber trotzdem neugierig", fuhr Usagi fort und sie gingen wieder auf Abstand, "was für ein Mensch Sergeant Trimol war. Vielleicht können wir gemeinsam zu Mittag essen und ihr erzählt mir etwas über ihn?"
Hoffnung glomm in ihnen auf. Vielleicht liess er sich ja überreden und überliess ihnen Joska, wenn auch nur für eine kleine Weile, damit sie ihren ursprünglichen Plan doch durchführen konnten.
"Ich würde euch ja einladen", lächelte Usagi, als würde er von all dem nichts mitbekommen, "aber ich fürchte, es würde einen schlechten Eindruck machen, wenn ein unbescholtener Bürger der Stadt Mitglieder der Stadtwache zum Essen einladen würde."
"Nun", sagte einer von ihnen nicht gänzlich abgeneigt, "das sollte kein Problem sein. Schliesslich haben wir ja jetzt etwas Geld übrig."
"Wunderbar", freute sich Usagi, "ich muss nur noch eine Kleinigkeit bei Händler Kenga erledigen, dann können wir essen gehen. Werdet ihr uns die Ehre erweisen, Hauptmann?"
Kaut zog eine Augenbraue hoch, hatte aber ebenfalls angebissen. Er nickte kurz und musste zugeben, er war tatsächlich neugierig, was Usagi vorhatte.
Kurz darauf kam Karla mit Joska an einer Kette zurück. Joskas Vater begleitete die Sklavin. Mit steinernem Gesicht blieb er vor Usagi stehen.
"Guten Tag, Herr Miyamoto", begrüsste er ihn reserviert.
"Herr Joska", grüsste Usagi zurück.
"Ihr wisst, dass ihr einen Verbrecher und Mörder erworben habt?"
"Ja, das ist mir bekannt."
"Gut. In diesem Fall bleibt mir nur, euch zu wünschen, dass dieser Sklave euch keine Schwierigkeiten bereiten wird."
"Ich danke euch", antwortete Usagi, während er überlegte, warum Joskas Vater dies sagte.
"Eine Frage, Herr Joska?"
"Ja?" antwortete Joskas Vater, der schon halb am gehen war.
"Was macht ihr hier?"
Missmutig verzog Lamar Joska sein Gesicht. "Dies ist mein Stand", erklärte er. "Ihr habt diesen Sklaven bei mir erworben und wie bei allen besonderen Verkäufen kümmere ich mich persönlich um den Käufer."
'Der arme Mann hat seinen eigenen Sohn verkaufen müssen', dachte Usagi entsetzt und hoffte, dass man nicht zu viel von seinen Gedanken in seinem Gesicht sah.
"Herr Joska", sagte er ernst, "morgen wird ein viel schönerer Tag sein, als heute."
Herr Joska starrte ihn an. Bevor er ihn noch einmal darum bitten konnte, keinen Unsinn anzustellen, hob Usagi beruhigend die Hand.
"Ich werde nichts tun, was nicht jeder unbescholtene Bürger dieser Stadt tun würde", versprach er mit einem hinterhältigen Lächeln.
Herr Joska runzelte die Stirn, sagte aber nichts mehr.
"Auf Wiedersehen, Herr Joska. Ich verspreche, dass ich mich gut um meine Sklaven kümmern werde", verabschiedete sich Usagi.
"Herr Miyamoto", nickte Joskas Vater und ging endgültig.
Ein wenig traurig blickte Usagi dem Mann nach. Dann riss er sich zusammen und ging mit den anderen Acht zu Kenga.
"Gibt es etwas, dass ich wissen sollte?" fragte Kaut unterwegs reserviert.
"Ja", sagte Usagi, "ich würde es euch gerne später erzählen."
"Nun gut", akzeptierte Kaut etwas unwillig. Es war ihm offensichtlich unangenehm, zu Kenga zu gehen.
"Möchtet ihr hier warten?" bot Usagi ihm an.
Kaut schüttelte den Kopf. Diese Genugtuung wollte er Kenga nicht bieten; selbst dann nicht, wenn dieser gar nichts davon mitbekommen sollte.
Der Assistent von Kenga war sichtlich überrascht ihn wiederzusehen.
"Womit kann ich euch dienen, mein Herr?" fragte er unbehaglich.
"Guten Tag. Ich wollte euch nur mitteilen, dass mein Heiler mir erst in zwei Tagen sagen kann, wieviel die Behandlung kosten wird", sagte Usagi freundlich.
"Oh, äh, ah ja? Nun, das ist selbstverständlich kein Problem. Kommt einfach wieder, wenn ihr eine Rechnung erhalten habt", stotterte der Assistent.
Währenddessen sah sich Usagi scheinbar desinteressiert um. Dort hinten stand Herr Jezko. Er blickte zu ihnen herüber und runzelte die Stirn. 'Hatte da eben einer der Männer der Stadtwache mit den Schultern gezuckt?' wunderte sich Usagi.
"Gut, gut", fuhr Usagi höflich fort. "Was mir noch aufgefallen ist ..."
Sofort stieg die Nervosität des Assistenten wieder. "Ja mein Herr?"
"Was war es noch?" tat Usagi als müsse er überlegen, während der Assistent schwitzte.
"Ah ja, richtig, heute morgen habe ich festgestellt, dass meine Sklavin hier keine Jungfrau mehr ist!" sagte Usagi als wäre es ihm just wieder eingefallen.
Kauts Blick löste sich von der Menge und richtete sich auf den Assistenten, als wäre er ein unangenehmes Insekt, das gerade über sein Frühstück lief. Usagi lächelte freundlich.
"Aber ich bin sicher, dass euer Verkäufer das laut und deutlich erwähnt hat", fuhr Usagi fort. Aus irgendeinem Grund wurde der Assistent trotzdem immer nervöser.
"Und ich es nur nicht mitbekommen habe", lachte Usagi. "Sicherlich würdet ihr eine so wichtige Information nicht verschweigen, nicht wahr?"
"Sicherlich nicht", stammelte der Assistent. Er schluckte hart. "Gibt es irgendetwas, dass wir euch als Entschädigung anbieten könnten? Vielleicht eine andere Sklavin? Ihr könnt euch auch selbst davon überzeugen, dass mit ihr alles ... in Ordnung ist."
"Oh", machte Usagi, und tat, als müsse er darüber nachdenken. "Nein, ich bin sehr zufrieden mit meinem Kauf, bis vielleicht auf die Sache mit meiner anderen Sklavin, aber darüber reden wir ja noch in zwei Tagen", drohte er unverhohlen, "ausser, ..."
"Ja?" röchelte der Assistent.
"Vielleicht solltet ihr beim nächsten mal ... deutlicher auf etwas in der Art Hinweisen. Ich bin ja manchmal etwas begriffsstutzig", lachte Usagi heiter, "aber ich habe mich doch ein wenig gewundert, dass mir bei diesem Kauf gleich zwei wichtige Informationen nicht aufgefallen sind." Noch immer lächelte er freundlich, während das Gesicht des Assistenten ganz grau geworden war.
"Ich bin aber davon überzeugt, dass das jetzt das letzte war, was ich übersehen habe, nicht war? Ist etwas nicht in Ordnung? Ihr seht aus, als wäre euch nicht gut?"
"Doch, doch, es war mir schon heute morgen beim Aufstehen nicht wohl", stammelte der Assistent. "Es ist uns immer eine Freude, wenn unsere Kunden zufrieden sind. Ich hoffe sie bald wieder hier begrüssen zu können", verabschiedete er sich etwas zu hastig und lief weg.
Kaut sagte nichts, aber seine Mundwinkel zuckten verdächtig.
"Gibt es etwas, mit dem ich euch helfen kann?" fragte eine freundliche Stimme.
Usagi drehte sich zu ihr um. Dort stand ein Mann mittleren Alters, etwas zu dick und lächelte ihnen zu. Herr Jezko stand dicht hinter ihm und brachte das Kunststück fertig, Usagi, seine Begleiter und die anderen Leute auf dem Stand im Auge zu behalten. Er war hart und kalt, ein Killer.
Der Mann war Kenga. Usagi hasste ihn auf den ersten Blick. Der warnende Blick, den Kenga Karla zuwarf, entging ihm nicht.
"Wir sind uns noch nicht vorgestellt worden?" erkundigte sich Usagi reserviert.
"Verzeiht", sagte Kenga mit der langjährigen Erfahrung eines Schleimers und verbeugte sich höflich, "Mein Name ist Taruso Kenga und dies ist mein Verkaufsstand. Darf ich fragen, wer ihr seid?"
"Mein Name ist Usagi Miyamoto", stellte Usagi sich vor, "ich bin ein einfacher Reisender und bin in die Stadt gekommen, um mir einen Sklaven zu kaufen."
"Wie ich sehe, habt ihr Gefallen daran gefunden", lächelte Kenga.
"Ja", gab Usagi zu, "ich habe festgestellt, dass es mir etwas nützt."
Damit konnte Kenga nichts anfangen und er ging über die Aussage hinweg. "Ich habe gesehen, wie ihr mit meinem Assistenten gesprochen habt, bevor dieser sich so unhöflich verabschiedet hat", Kenga runzelte die Stirn und blickte in die Richtung, in die der Assistent verschwunden war. "Kann ich euch weiterhelfen?"
"Vielen Dank für euer Angebot", antwortete Usagi, "aber wir hatten tatsächlich schon alles besprochen, was es zu besprechen gab."
"Sehr schön. Es freut mich, wenn wir sie zufriedenstellen konnten. Sollten wir noch etwas für euch tun können, dann lasst es entweder mich oder einen meiner Assistenten wissen."
"Das werde ich", versprach Usagi, "Händler Kenga, es war mir eine Ehre euch einmal persönlich kennenzulernen, nachdem ich schon so viel von euch gehört hatte."
"Nur Gutes, hoffe ich", lachte Kenga scheinbar gutmütig und ohne einen Seitenblick auf Kaut, "Herr Miyamoto, ich wünsche euch alles Gute."
Nachdem Usagi gegangen war und Kenga mit Jezko alleine war, wo sie niemand hören konnte, wies er Jezko an, Usagi heute Nacht zu töten.
"Vorher oder hinterher?"
Kenga dachte kurz nach. "Nach eurem Treffen", entschied er.
Joskas Strafe
Draussen auf der Strasse blieb Usagi stehen und wandte sich an Karla. Er nahm ihre Hände in die seinen und blickte sie direkt an.
"Karla, bitte seht mich an", bat er. Sie hob den Kopf, vielleicht nicht mehr ganz so furchtsam wie am Anfang.
"Karla, ich danke euch. Ihr wart sehr tapfer dort drinnen und habt mir sehr geholfen", dankte Usagi ihr ernst.
"Danke, Herr", antwortete sie etwas verwirrt, aber auch erfreut ihrem Besitzer gefallen zu haben.
Nachdenklich ging Kaut ein Stück neben ihm. "Ich hatte selten so viel Spass", gestand er.
"Ich weiss", antwortete Usagi. "Ich habe einen Rat für euch: Greift nie dort an, wo man euch erwartet und wenn man euch angreift, dann seid nie dort, wo man es vermutet."
"Diesen Rat habe ich schon gehört", sagte Kaut.
"Es mangelt euch am Sinn für seine Anwendung", fuhr Usagi fort. "Seht ihr, mein Verhalten gegenüber dem Assistenten war in jeder Hinsicht einwandfrei. Es war der Assistent, der die ganze Zeit verzweifelt in seiner Verteidigungsstellung auf den Angriff gewartet hat und als dieser nicht kam, da wurde ihm immer unwohler, denn er war ganz sicher, dass etwas kommen musste."
"Er hat sich selbst gequält. Wenn euch jemand demütigen will, dann seid nett, freundlich und zuvorkommend. Er wird dann annehmen, dass er einen Fehler gemacht hat und vielleicht wirklich einen Fehler machen, den ihr dann für euch nutzen könnt."
Kaut schmunzelte. "Ich werde darüber nachdenken", versprach er.
"Kommt, ich zeige euch ein Restaurant, von dem aus man einen herrlichen Blick über die Stadt hat", wechselte Usagi das Thema.
Der Kellner freute sich sichtlich, Usagi wiederzusehen. Die Sklaven wurden in ein abgesondertes Abteil geführt, damit sie beim Essen nicht störten, was Usagi bedauerte, aber akzeptierte.
Zwei Tische wurden zusammengeschoben und sie nahmen Platz. Nach dem Essen sassen sie bei einem guten Krug Wein beisammen und bereitwillig erzählten die Männer von ihrem toten Kameraden. Wie viel Spass sie mit ihm gehabt hatten. Immer, wenn sie ein Missgeschick von ihm erzählten, für welches er offiziell hätte bestraft werden müssen, hörte Kaut unauffällig weg.
"Einen Toast, auf die Stadtwachen, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um uns Bürger zu schützen", sprach Usagi und sie stiessen gemeinsam an.
Als sie am Nachmittag wieder aufbrachen, waren die Wachen schon ein ganz klein wenig angeheitert und sehr viel lockerer als am Morgen. Das war gut, denn was Usagi vorhatte, würde ihnen helfen, aber nicht gefallen. Wenn sie entspannt waren, würde das die Sache für ihn erleichtern.
Zusammen gingen sie noch bei der Heilerin vorbei. Usagi liess die erleichterte Karla zusammen mit den anderen auf der Strasse zurück und ging mit Joska an seiner Kette ins Haus.
"Guten Tag Heilerin", begrüsste er die alte Frau. "Wie geht es ihr?"
"Besser. Kommt, ich bringe euch zu ihr", antwortete sie nach einem langen Blick auf Joska.
Ihr Gesicht war jetzt ganz entspannt. Edel sah es aus, und würdevoll mit dem kurzen, schwarzen Fell. Ihr gesamter Oberkörper war bandagiert und ein Teil der Beine.
"Seht sie euch an, Joska", befahl Usagi hart. Teilnahmslos hob Joska den Blick. "Sie ist ein weiteres Resultat eurer Gedankenlosigkeit."
Es war nicht auszumachen, ob Joska ihn gehört hatte.
"Hauptmann Kaut, gibt es hier einen Ort, wo man Sklaven auspeitschen lassen kann?" fragte Usagi, als er das Haus wieder verliess.
"Ja", sagte Kaut abwesend, während er einige Personen beobachtete, die ihm aufgefallen waren.
"Wo?"
Inzwischen hatte die Frage Kauts Bewusstsein erreicht. Er runzelte die Stirn und blickte Usagi an. "Warum?"
"Ihr werdet es verstehen, wenn wir diesen Ort wieder verlassen", versprach Usagi.
Kaut dachte einen Moment darüber nach. "Kommt", sagte er dann.
"Herr?" fragte Karla besorgt.
"Karla, ich möchte euch bitten, heute noch einmal tapfer zu sein", sprach Usagi zu ihr.
"Ja, Herr", sagte sie nicht ganz beruhigt.
Als sie ankamen, war Usagi etwas enttäuscht. Er wusste nicht genau, was er erwartet hatte, aber das Gebäude unterschied sich nur durch seine Grösse von anderen. Vielleicht hätte es düsterer aussehen sollen oder etwas in der Art. Auch das Hinweisschild am Eingang war zumindest für ihn sehr unauffällig. "Sklaventraining" stand darauf.
Kaut führte in ins Innere, wo sie von einem normalen Angestellten in Empfang genommen wurden.
"Womit kann ich ihnen dienen?" fragte er Usagi höflich, nachdem er die Mitglieder der Stadtwache kurz gemustert und als Nicht-Kunden eingestuft hatte.
Usagi stellte sich kurz vor. "Was genau ist dies hier?" fragte er dann.
"Wir bilden Sklaven aus, Herr Miyamoto. Wenn sie einen Sklaven besitzen und dieser muss z.B. Kochen können, dann können sie ihn bei uns vorbeibringen und wir bringen ihm die notwendigen Fertigkeiten bei."
Usagi musste lachen. Unwillkürlich hatte er sich vorgestellt von Kaut an einen Ort gebracht zu werden, wo tausende von Sklaven schreiend an die Wände gekettet waren und von finsteren Gestalten gequält wurden. Natürlich gab es so etwas nicht. Sklaven waren wertvolle Einrichtungsgegenstände und sie zu vervollkommnen machte viel mehr Sinn als unvollkommene Sklaven zu töten.
"Verzeihung", sagte er, als er sich wieder unter Kontrolle hatte, "ich hatte etwas völlig Anderes erwartet." Er räusperte sich.
"Ich möchte diesen Sklaven", er wies auf Joska, "auspeitschen lassen. Ist das hier möglich?"
Der Angestellte war überrascht. "Nun, natürlich haben wir auch die Möglichkeiten einen Sklaven, der sich nicht wunschgemäss verhält, zu bestrafen, aber darf ich vorher vorschlagen, es mit anderen Massnahmen zu versuchen?" bot er an.
"Ich bin mir über die Ursachen und Konsequenzen meines Wunsches im klaren", antwortete Usagi ruhig. Nicht kalt oder bittend. Der Angestellte sollte den Eindruck bekommen, dass Usagi wusste, was er tat und wollte.
"Nun, wenn ihr es ausdrücklich wünscht, Herr Miyamoto", antwortete der Angestellt nun deutlich unwillig, "auch das lässt sich einrichten."
"Gut. Können wir sofort damit beginnen?" fragte Usagi ernst.
"Ich werde mich erkundigen. Bitte warten sie hier."
Karla war bleich geworden. Die Hand, in der sie die Kette von Joska hielt, zitterte und die Kette klirrte leise.
"Karla, vertraut mir bitte", sagte Usagi sanft, "und gebt mir die Kette."
Sie rührte sich nicht, sondern schüttelte nur langsam den Kopf. Ihre Augen waren weit aufgerissen und voller Angst.
"Ihr habt eure Sklaven nicht gut im Griff", kam eine spöttische Stimme von einem der Wachen.
Kaut und Usagi fuhren herum. Kauts Blick hätte töten können, aber es war Usagi, vor dem die vorlaute Wache zurückwich. "Wie ich meine Sklaven behandle", sagte er kalt und abweisend, "ist allein meine Entscheidung. Wenn euch das stört, so steht es euch frei, uns zu verlassen."
Verängstigt entschuldigte sich der Wachmann und Usagi drehte sich wieder zu Karla um.
"Karla, ihr drei seid mein Eigentum. Was mit euch geschieht obliegt allein meiner Verantwortung. Sollte Joska heute sterben oder Talia, so ist es meine Verantwortung. Du kannst nichts daran ändern, denn Du hast weder das Recht noch die Möglichkeiten dazu."
"Alles, was Du tun kannst, ist mir zu Vertrauen, so wie Du mir heute morgen vertraut hast."
Er streckte nicht die Hand aus und setzte sie auch nicht anderweitig unter Druck. Er verstand sie gut, auch bei ihm erregte Joskas Zustand Mitleid. Aber er musste jetzt ein Opfer bringen, oder noch grösseres Leid würde folgen.
Sie schloss die Augen und hielt ihm die Kette hin. Sie konnte es nicht mit ansehen, aber sie ordnete sich immer noch sanftestem Druck unter. Gut. Usagi nahm die angebotene Kette und wartete, dass sie sie losliess.
"Ich ...", begann sie und brach wieder ab. "Ich möchte das nicht tun müssen, Herr."
"Ich auch nicht", gab Usagi zu, "aber es ist notwendig."
"Ja, Herr", sagte sie traurig und gab die Kette auf.
"Danke, Karla", sagte Usagi aufrichtig. "Ich möchte, dass Du daran denkst, dass Du für nichts, was ab jetzt geschieht, verantwortlich bist. Es ist jetzt meine Entscheidung und meine Verantwortung und ich werde damit leben müssen. Dich trifft keine Schuld."
"Ja, Herr", sagte sie traurig.
Inzwischen war der Angestellte mit einem weitere Mann zurückgekommen. Dieser war recht muskulös und machte einen abschreckenden Eindruck. Usagi vermutete, dass er die Bestrafungen durchführte.
Seine Vermutung wurde bestätigt. Nachdem sie sich vorgestellt hatten, wurden sie in einen Kellerraum geführt. Auf Usagis Wunsch blieb Karla bei Kaut zurück. In seinem Gefolge freuten sich die Wachen schon auf das, was jetzt kommen würde.
Eine dicke Tür schirmte den Raum ab. Selbst laute Geräusche in seinem Inneren würden kaum in den Gang davor dringen. Man bot einen Heiler an und Usagi akzeptierte. Sie versammelten sich und Joska wurde angekettet. Teilnahmslos liess er alles mit sich geschehen und Usagi betete, dass das so blieb.
Dann war alles vorbereitet und der Auspeitscher wählte eine Peitsche von einem Gestell an der Wand und begab sich auf seine Position. Die Wachen grinsten voller Vorfreude. Nun endlich würden sie die Rache für ihren toten Kameraden bekommen.
"Wie viele?" fragte der Auspeitscher ruhig. Wie Usagi war er jemand, der gelernt hatte, unangenehme Dinge zu tun, ohne daran zu zerbrechen. Er würde seine Sache gut machen, aber das konnte Usagi nicht brauchen.
Usagi streckte die Hand aus. "Gebt mir die Peitsche", befahl er.
"Es ist besser ...", begann der Auspeitscher, aber Usagi schnitt ihm das Wort ab.
"Ich weiss was ihr sagen wollt. Er könnte daran sterben. Gebt sie mir."
Das war es nicht gewesen, was der Mann hatte sagen wollen. Eine Peitsche war eine gefährliche Waffe. Es war leicht, sich damit selbst schwer zu verletzen. Aber das konnte Usagi jetzt auch nicht gebrauchen.
Da Usagi sich entschieden zu haben schien, rollte der Auspeitscher die Peitsche wortlos zusammen und übergab sie Usagi.
Usagi hielt sie hoch. "Wer zuerst?" fragte er ruhig. Die Wachen johlten. Joska regte sich nicht.
Nach kurzer Diskussion konnte sich einer durchsetzen. Grinsend kam er herüber und die anderen feuerten ihn an. Dem Heiler war sein Unbehagen deutlich anzusehen, nur der Auspeitscher war die Ruhe selbst.
"Ich möchte dass alle anderen draussen warten", entschied Usagi.
Enttäuschung machte sich breit. Aber schliesslich hatte er Joska gekauft und sie bekamen ihr Vergnügen umsonst. So fügten sie sich. Der Heiler wollte protestieren, wurde aber vom Auspeitscher mit nach draussen gezogen. Usagi hätte seinen linken Arm darauf verwettet, dass der Mann wusste oder zumindest ahnte, was er vorhatte.
Und Joska stand immer noch mit hängendem Kopf da, als würde das alles jemand anders passieren.
Die Wache, welche sich als erste an Joska delektieren durfte, machte sich bereit.
"Nur eine Kleinigkeit noch", begann Usagi.
Eine Weile später ging die Wache mit sehr nachdenklichem Gesicht aus dem Raum. Er stellte sich zu dem Auspeitscher und dem Heiler und reagierte nicht auf die Fragen seiner Freunde.
Etwas verunsichert ging der nächste in den Raum. Joska hing immer noch da, wie sie ihn verlassen hatten. Er schnaubte. Der andere war ein Weichei gewesen. Er würde es diesem gemeinen Mörder zeigen! Wortlos reichte Usagi ihm die Peitsche und wartete, bis er bereit war.
"Nur eine Kleinigkeit noch", sagte er langsam.
Der letzte der Fünf traute sich fast nicht mehr in den Raum. Noch immer war Joska unberührt. Die Wache starrte Usagi an und die Peitsche in seiner Hand, als ob er sterben müsste, wenn er sie berührte. Regungslos wartete Usagi, bis er sich entschieden hatte, sein Glück zu versuchen und die Peitsche genommen hatte.
"Nur eine Kleinigkeit noch", sagte er langsam.
"Ja?" fragte die Wache nun gar nicht mehr so euphorisch.
"Es ist nichts schlimmes", lächelte Usagi freundlich., aber das half der Wache offensichtlich nicht.
"Ich möchte, dass ihr vorher zu Joska hingeht und ihm zehn Atemzüge lang in die Augen seht", bat Usagi. "Danach könnt ihr tun, wozu immer ihr Lust habt."
Wie die anderen, rollte er die Peitsche misstrauisch wieder ein und ging mit ihr zu Joska hinüber. Keine der Wachen hatte sie Usagi gegeben, alle hatten wohl befürchtet sie nicht mehr wiederzubekommen, wenn sie es getan hätten. Fast hätte Usagi sich darüber amüsiert, aber es war ein sehr trügerischer Pfad, den er ging und ein Fehltritt konnte einer Wache und Joska das Leben kosten.
Selbst dann, wenn sie den Raum danach noch aus eigener Kraft verlassen könnten.
Wortlos packte die Wache Joska an den Haaren und blickte stumm in das teilnahmslose Gesicht. Und sah den Preis, den Joska für seinen Fehler gezahlt hatte. Zehn lange Atemzüge lang.
Es gab nichts mehr, das man hätte bestrafen können, Joska war schon so gut wie tot.
Wie die anderen kam er wortlos zurück, gab Usagi die Peitsche, ohne ihn dabei anzusehen, und verliess den Raum.
Usagi atmete erleichtert auf. Damit war der einfache Teil zumindest schon geschafft. Die Wachen waren gerettet, nun musste er nur noch Joska ins Leben zurückholen.
Pau hätte wahrscheinlich nur ein paar Worte sagen müssen, aber Usagi konnte das nicht. Mittlerweile waren der Auspeitscher und der Heiler in den Raum getreten. Um die Lippen des Auspeitschers spielte ein kurzes Lächeln, während der Heiler ganz offensichtlich erleichtert war.
Unschlüssig drehte Usagi die Peitsche in der Hand. Ihm wurde klar, dass der Grund für sein Zögern nicht der war, dass er nicht sicher war, das Richtige zu tun, sondern, dass er Karla schützen wollte. 'Kaut wird mich verstehen, aber Karla? Wird sie es verkraften?'
Er ging zum Auspeitscher und gab ihm die Peitsche zurück. Dieser lächelte nicht mehr. Er hatte Usagis Gesichtsausdruck gesehen und machte sich wortlos bereit.
"Aber ... ich dachte ...", begann der Heiler überrascht.
"Manchmal muss man jemandem schaden, um ihm helfen zu können", antwortete Usagi, während er zu Joska ging, "wie, wenn ihr eine Pfeilspitze aus dem Körper schneidet. Es ist eine weitere Wunde, aber er würde ohne sie sterben."
Vor Joska blieb er stehen und sah ihm ins Gesicht, das bald lebendig werden würde, wenn auch aus einem grausamen Grund.
"Für die tote Wache", sagte er ruhig und nickte.
Gegen Joskas Schrei war der Knall der Peitsche erstaunlich leise gewesen. Etwas Blut traf Usagi am Kopf, aber er beachtete es nicht. Sorgfältig beobachtete er Joska und die Veränderung, die der Schmerz in ihm bewirkte. Zuviel und er würde endgültig zerbrechen. Zuwenig und er würde nicht genug Nutzen daraus ziehen können.
"Für das, was ihr damit Talia angetan habt", fuhr er fort und nickte.
Zur ersten Wunde kam eine zweite und Joskas Schrei brach ab, als der Schmerz zunahm, nur um noch lauter zurückzukehren. Noch nicht genug und Usagi war bereits am Ende seiner Kraft. Bald würde er es nicht mehr fertig bringen, das Kommando nochmals zu geben, selbst wenn es nötig sein sollte.
"Für den Missbrauch meines Vertrauens", sagte er und nickte.
Wieder wurde der Wehrlose grausam misshandelt und es war seine Schuld. Er hatte einen ehernen Grundsatz gebrochen, niemals einen Wehrlosen zu verletzen und damit eine Grenze für immer überschritten. Klein schien der Preis zu sein, den Joska im Vergleich zahlen musste und er schämte sich für diesen Gedanken.
Er dankte den Göttern, als Joska sein Selbstmitleid aufgab und um sein Leben kämpfte. Noch einmal zu nicken hätte ihn mehr gekostet, als er in der Lage gewesen wäre zu zahlen.
Joskas Schrei brach ab, als er endlich ohnmächtig wurde. Usagi stand schwankend da, ihm war übel. Es ekelte ihn vor sich selbst. Das gute Mittagessen kam ihm wieder hoch und er kotzte sich aus. Er würgte noch lange nachdem sein Magen leer war. Wollte sich nicht beruhigen.
Jemand hielt ihm eine furchtbar riechende Sache vor die Nase und das brachte ihn zur Besinnung. Der Auspeitscher hielt ihn in seinen Armen und der Heiler steckte das Fläschchen mit Riechsalz wieder weg.
Der Auspeitscher half ihm auf einen Stuhl zu sitzen, der in der Nähe bereitstand. Wahrscheinlich für Leute wie ihn, die während einer Bestrafung ohnmächtig wurden.
"Geht es wieder?" fragte der Auspeitscher besorgt.
Usagi nickte. "Danke. Joska?"
"Er wird es überleben, aber sich lange daran erinnern."
"Gut", sagte Usagi erschöpft, "das war es, was ich erreichen wollte."
"Danke", fügte er hinzu.
Der Heiler blickte auf den blutüberströmten Rücken des Sklaven, während der Auspeitscher ihn vorsichtig herunternahm. "Ihr seid ein seltsamer Mann, Herr Miyamoto."
"Steht das auf meiner Stirn", fragte Usagi zurück, "oder warum höre ich das andauernd?"
"Möchtet ihr, dass wir ihn behandeln?"
"Nein", Usagi schüttelte den Kopf, "ich habe da schon jemand."
"Gut, wohin sollen wir ihn dann bringen?"
Usagi nannte ihm die Adresse der Heilerin. Der Heiler war überrascht. "Seid ihr sicher, dass sie ihn annehmen wird? Normalerweise erlaubt es Heilerin Lahmar keinem Sklavenhalter ihre Räume zu betreten."
Usagi nickte. Er war sich sicher. "Eine andere Sklavin von mir ist bereits dort. Sie wurde auch ausgepeitscht."
"Von Kenga", beantwortete er die unausgesprochene Frage und nahm dankbar eine Schöpfkelle mit Wasser entgegen.
"Ich sehe mich genötigt mich zu wiederholen", sagte der Heiler, "ihr seid wirklich ein seltsamer Mann."
Usagi seufzte. "Auch seltsame Männer leiden darunter, wenn sie etwas so Grausames tun müssen."
"Ja", gab der Heiler zu, "aber das ist auch gut so."
Usagis Rache
Die Wachen draussen waren immer noch sehr nachdenklich und tatsächlich erschreckt, als sie Joska sahen, wie er blutend aus dem Raum getragen wurde, nachdem der Heiler seine Wunden notdürftig versorgt hatte.
"Ähm, Herr Miyamoto", begann der Mutigste von ihnen.
"Manchmal", erklärte Usagi ihnen, "erscheint es, als hätte sich die Welt gegen uns verschworen, als wäre jeder ein Feind. Wenn man uns etwas genommen hat, das uns lieb und teuer war."
"Aber", fuhr er fort, "wir sollten immer zögern unsere Seelen dem gleichen Teufel zu opfern, der für unser Leid verantwortlich ist."
Das brachte sie zum Verstummen.
Oben wartete Kaut und Karla. Schweigend grüssten die Wachen ihren Vorgesetzten und gingen dann nach Hause. Als Karla Usagis Zustand sah, da schrie sie auf und lief zu ihm. Besorgt blickte sie ihn an. Dann bemerkte sie, dass Joska nicht kam. Ihre Besorgnis wurde zu Entsetzen.
"Er lebt Karla", sagte Usagi schnell, "er lebt. Er ist nur leicht verletzt und wird leben."
Kaut machte ein finsteres Gesicht und blickte zum Ausgang, wo seine Leute verschwunden waren. Es war leicht seine Gedanken zu erraten.
"Nein Kaut, ich."
"Warum?" fragte Kaut wirklich überrascht. Karla schluchzte auf und ging wieder auf Distanz. Das war vielleicht das Schlimmste.
"Sonst wäre er gestorben. So ist er nur verletzt, wird aber leben", sagte Usagi erschöpft. "Kommt, gehen wir zu Lahmar. Sie kann jetzt etwas tun."
Der Angestellte nannte einen Preis von knapp fünf Talern, den Usagi ohne Zögern zahlte oder besser von Karla zahlen liess.
Joska wurde auf die Ladefläche eines Pferdewagens geladen, der mit Stroh ausgelegt war. Karla sass vorne, damit sie die blutdurchtränkten Verbände nicht die ganze Zeit ansehen musste und Usagi streckte sich neben Joska aus, um sich ein wenig zu erholen.
Tatsächlich nickte er ein und wurde von Kaut unsanft geweckt, als sie angekommen waren. Zusammen mit dem Fuhrmann trugen sie Joska hinein.
Lahmar war gerade damit beschäftigt eine ärmlich aussehende Frau zu behandeln, die sich hastig verabschieden wollte, als sie den jungen Mann hineintrugen, aber die Heilerin warf nur einen Blick auf ihn und wies sie an, sich wieder zu setzen.
Usagi entliess den Fuhrmann, nicht ohne ihm ein paar Münzen für seine Mühen zu geben. Dann stellte sich die Frage, ob er draussen warten sollte oder hier. Diese Entscheidung wurde ihm abgenommen, als Lahmar der Frau einige Kräuter und Anweisungen gab, wie diese einzunehmen seien.
Die Frau ging und Lahmar kam zu ihnen an den Behandlungstisch, auf dem der regungslose Joska lag.
"Ihr?" fragte sie kurz angebunden.
"Ja", nickte Usagi.
Sie ging zu ihren Kräutern und Essenzen und kam mit ein paar Blättern zurück. Usagi war überrascht, als sie die Blätter ihm in die Hand drückte, aber er schob sie ohne zu Zögern in den Mund und kaute darauf, wie sie es verlangte.
Sie schmeckten leicht süss und vertrieben schnell den schlechten Geschmack, den er im Mund hatte.
"Warum ich?" fragte er kauend.
"Ihr seid im Moment am schlechtesten dran", antwortete die alte Frau trocken.
"Und was Dich betrifft Kindchen", sagte sie zu Karla, "Du solltest Deinem Besitzer dankbar sein. Was er heute für euch beide getan hat, war mehr, als irgendjemand sonst auf dieser Welt für euch auf sich genommen hätte."
"Ja, Heilerin", sagte Karla demütig, wieder ganz die abgekapselte Sklavin, als die Usagi sie erworben hatte.
"Verdammt nochmal!" rief die Heilerin und alle duckten sich plötzlich vor der wütenden Frau, die mühelos den Raum auszufüllen schien. "Seht ihn euch an! Könnt ihr euch wirklich vorstellen, dass er Joska das angetan hat, wenn er einen anderen Weg gewusst hätte?"
"Er hat euch und Joska heute zweimal das Leben gerettet und das meine ich ganz wörtlich!"
"Und sechs Männern der Stadtwache", warf Kaut fast beiläufig ein.
So schnell wie sich Lahmar aufgeregt hatte, so schnell beruhigte sie sich wieder. "Karla, wenn ihr auch keinem anderen Menschen auf dieser Welt vertraut, so vertraut ihm", sagte sie eindringlich und Karla brach wieder in Tränen aus.
Seufzend schloss Usagi seine sensible Karla in die Arme und liess sie weinen.
"Es tut mir Leid Herr, dass ich so eine schlechte Sklavin bin", schluchzte sie. "Es tut mir so Leid."
Lahmar gab ihr wieder etwas von den beruhigenden Tee, damit sie sich nicht völlig in Tränen auflöste.
"Dafür bist Du eine umso bessere Karla", sagte Usagi sanft in ihr Ohr, nachdem die Tränen wieder versiegt waren.
Und Karla, die selbst so wenig hatte, schenkte ihm einen Kuss, den Usagi dankbar annahm, denn er kam von ihr selbst.
"Ich werde euch etwas davon abfüllen und mitgeben", sagte die Heilerin resolut. "Es ist nicht gut, wenn sie zuviele Schmerzen auf einmal von ihrer Seele wäscht."
Kaut verabschiedete sich. "Ich sollte nicht so viel Zeit mit euch verbringen", sagte er, aber er lächelte dabei.
"Gibt das Gerede?"
"Nein", schüttelte Kaut lachend den Kopf, "es ist nicht gut für meine Nerven! Da verfolge ich doch lieber irgendwelche Verrückten, die des Nachts unsere Stadt unsicher machen!"
"Dann solltet ihr das tun", sagte Usagi lächelnd. "Vielleicht heute kurz nach Mitternacht auf dem Fünferplatz?"
Kaut runzelte die Stirn. "Kenga?"
Usagi schüttelte den Kopf. "Nur Herr Jezko und Herr Lero."
Kauts Augen leuchteten auf. "Seid ihr sicher?"
"Nehmt einen Zeugen mit, dem man glauben wird", wich Usagi aus.
"Einen wichtigen Zeugen?"
"Kann nicht schaden", grinste Usagi.
"Ich werde eine Menge Ärger bekommen, falls etwas schief läuft", überlegte Kaut.
"Manchmal muss man etwas riskieren."
"Ich wünsche noch einen schönen Tag", verabschiedete sich Hauptmann Kaut sichtlich besser gelaunt.
"Das wünsche ich ihnen auch. Und Vorsicht mit Herrn Jezko."
"Macht euch da keine Sorgen", lachte der Hauptmann, als er den Raum verliess.
Lahmar blickte Usagi und wieder hatte der Hase den Eindruck, dass sie mehr wusste, als sie eigentlich hätte wissen können.
"Was mache ich mit den Blättern?"
"Dort ist ein Eimer. Und Talia ist wach."
Usagi spuckte die schalen Blätter aus. "Kann ich sie sehen?"
"Sie ist euer Eigentum und ihr wisst, wo sie ist", wies die Heilerin ihn zurecht.
Usagi setzte seine unschuldigste Miene auf. "Ich wollte nur verhindern, dass Hauptmann Kaut euch morgen wegen der Tötung eines unschuldigen Hasen verhaften muss", behauptete er treuherzig.
Lahmar lachte und begann sich um Joska zu kümmern. "Verschwindet schon!"
Talia blickte auf, als sie durch die Tür traten. Als sie Usagi erkannte, zögerte sie einen Moment, versuchte dann aber doch aufzustehen um ihren Besitzer korrekt zu begrüssen.
"Lasst nur", sagte Usagi leichthin. Inzwischen schien die Welt locker und leicht zu sein. 'Was waren das für Blätter gewesen?'
Er liess sich auf einen Stuhl fallen und streckte die Beine aus. Ohne Aufforderung begann Karla ihn zu massieren und er genoss es, während er sich erholte.
"Wie geht es euch jetzt?" fragte er Talia.
"Viel besser Herr, Danke", sagte sie ruhig.
"Wie ist euer Name?"
"Wie immer ihr ..." Er winkte ab. "Talia."
"Gut. Was könnt ihr?"
Darüber musste Talia anscheinend erst einmal nachdenken. "Ich kann drei Sprachen sprechen und in einer lesen und schreiben. Ich verstehe mich darauf, Verhandlungen und Leute zu führen." Sie brach ab.
Sehr ungewöhnlich für einen Sklaven nicht aus dem Schlaf seine Fähigkeiten und Kenntnisse herunterbeten zu können.
"Das bedeutet, dass ihr auch Personen gut einschätzen könnt", folgerte Usagi.
Sie zögerte. "Ja, Herr."
"Und, wie schätzt ihr mich ein?"
Wieder zögerte sie. Nicht, weil sie erst nachdenken musste, sondern weil ihr die Konsequenzen ihrer Antwort klar waren. Sie sprach nur selten ohne ihre Worte vorher genau abzuwägen. 'Jemand, der es gewohnt ist dem anderen zu sagen, was er hören will, um zu bekommen, was man selbst will. Eine Fürstin oder Herrscherin', dachte Usagi, während er sie aus halbgeschlossenen Augen ansah.
"Ihr seid von niedrigem Stand. Ein Kämpfer oder Soldat. Ihr seid älter als man euch ansieht. Reichtum und Macht bedeuten euch nichts. Ihr seid auf der Suche nach Wissen und Erfahrung und seid es gewohnt hinter die Dinge zu sehen", zählte sie schliesslich auf.
'Getroffen', dachte Usagi und nickte.
"Ihr habt mich erworben, weil ihr fasziniert von mir wart. Ihr fragt euch, wer ich wirklich bin, denn ihr wisst, dass ich kein Sklave bin. Ihr verachtet Leute wie Kenga und sucht die Nähe von Personen wie dem Hauptmann der Stadtwache."
"Weiter", forderte Usagi sie auf.
"Meine Fähigkeit in euch zu lesen, wie in einem offenen Buch, fasziniert euch und ihr habt keine Angst. Ihr habt noch nicht entschieden, was mit mir geschehen soll. Wenn ich von euch fordern würde, dass ihr mich freilassen sollt, würdet ihr meine Forderung nicht rundweg ablehnen, aber Bedenkzeit ausbitten. Ich kann aber nicht sagen, wie ihr euch entscheiden würdet. Und ob die Antwort auf die Frage, wer ich bin, einen Einfluss auf eure Entscheidung haben würde."
"Ich denke", sagte Usagi halb amüsiert, "es wird interessant werden zu versuchen, die Dinge vor euch zu verbergen, von denen ich nicht will, dass ihr sie wisst."
"Das wird euch kaum gelingen", antwortete sie.
"Das würdet ihr auch sagen, wenn dem nicht so wäre", begann Usagi. "Ihr seid rücksichtslos gegen andere und auch gegen euch selbst. Wenn ihr euch einen Vorteil davon versprecht, dann werdet ihr Anderen ohne zu Zögern schaden."
"Gewalt und Schmerz bedeuten euch nur wenig, aber die Demütigung, als Sklave in die Fremde verkauft zu werden, hat auch getroffen. Ihr sinnt auf Rache, aber ihr verzehrt euch nicht danach. Sobald derjenige, der euch etwas angetan hat, bestraft ist, vergesst ihr ihn und kehrt zu eurem normalen Leben zurück."
Sie antwortete nicht, aber Usagi war sich sicher, dass er sie richtig einschätze. Solange sie ihm so sehr ausgeliefert war, würde sie keine Vorteile darin sehen, sich ihm anzuvertrauen. Das war kein Stolz, sondern einfache, kalte Berechnung. Sie hatte nur wenige Dinge, mit denen sie mit ihm Handeln konnte und diese würde sie nur gegen einen anderen, nach Möglichkeit noch grösseren Vorteil eintauschen.
"Genauso, wie ich mich frage, wer ihr seid, fragt ihr euch, wer ich bin und woher ich komme. Ihr werdet alles Wissen, dass ihr über mich bekommen könnt, sorgfältig prüfen, um darin eine Handhabe gegen mich zu finden, die ihr einsetzen werdet, wenn ihr euch einen Vorteil davon versprecht."
"Ihr habt Lahmar vorsichtig über mich ausgehorcht, aber nichts von ihr erfahren. Alles, was ihr mir bisher gesagt habt, habt ihr in den wenigen Stunden selbst herausgefunden, in denen wir zusammen waren."
"Ihr betrachtet euch nicht als mein Eigentum und werdet euch mir nur so weit beugen, wie ihr es für opportun haltet. Ihr habt ein Ziel. Ihr wollt das zurück, was man euch genommen hat und ihr werdet alles tun, um es zu erreichen."
"Ihr seid von mir so fasziniert, wie ich von euch und ihr überlegt, ob ich nützlich für euch sein könnte, euer Ziel zu erreichen", schloss Usagi seinen Vortrag.
"Wollt ihr mir sagen wer ihr seid oder hofft ihr darauf, dass diese Information morgen einen besseren Preis bei mir erzielt?"
Sie lachte leise. "Findet es selbst heraus. Ich bin sicher, ihr könnt das tun, wenn ihr wollt."
Sie hatte ihn. Natürlich wollte er es wissen und wenn sie nicht gerade eine beliebige, unbedeutende Fürstin war, dann würde er im Netz der TAURUS etwas über sie finden, aber er war nicht glücklich darüber, dass sie ihn zwang, etwas von seinen Fähigkeiten preiszugeben.
Dann schalt er sich einen Narren. Es konnte ihm egal sein. Sein Aufenthalt auf dieser Welt würde nicht lange dauern und was auch immer sie herausfand, es würde in einigen Jahrhunderten vergessen sein. Ausserdem konnte er in einem beliebigen anderen Körper jederzeit zurückkehren. Und auf der anderen Seite würde sie es sowieso irgendwann herausfinden und jetzt hatte er einigermassen kontrollierte Bedingungen.
Der eigentliche Grund war ein anderer. Sie war sein Sklave und nun hatte sie ihn herausgefordert. Wenn er nachgab, dann gestand er ihr Macht über ihn zu. Wenn er nicht nachgab, dann hätte sie das Gleiche erreicht: Sie hätte verhindert, dass er seine Neugierde befriedigen konnte. Und sie hätte ebenfalls Macht über ihn.
"Ich kann das so nicht akzeptieren", sagte er abweisend.
Sie lächelte. "Von einer Sklavin zu etwas gezwungen zu werden, stört euch."
"Es stört mich, von irgendjemand zu etwas gezwungen zu werden, dem ich nicht vertrauen kann."
Ihr Lächeln verschwand. "Ja", sagte sich nachdenklich, während sie ihre Optionen abwog. 'Er ist mehr, als er zu sein scheint. Kann ich es mir wirklich leisten ihn gleich zu Beginn zu verärgern?'
"Mein vollständiger Name ist Th'alia Sulenka Marna Tschutsdara", lenkte sie schliesslich ein.
"Ich bin", fuhr sie fort und er hob die Hand. Sie brach ab und wartete auf seinen Schritt.
"Karla, ich werde kurze Zeit meditieren, so wie heute morgen. Haltet ihr bitte meinen Kopf?" wandte er sich an seine Sklavin, die ihn immer noch massierte, aber inzwischen ziemlich besorgt aussah.
"Ja, Herr", sagte sie und nahm seinen Kopf vorsichtig.
Usagi wechselte ins Netz. Der Name förderte sofort ein Dossier. Usagi las die Zusammenfassung und die Zusammenfassungen von einigen Dossiers, die damit verknüpft waren.
Dann kehrte er zurück und richtete sich wieder auf. Er lächelte Karla an und sie lächelte zurück. Fasziniert hatte Talia den Vorgang beobachtet.
"Das sah aus wie Zauberei, aber ihr seid kein Zauberer", dachte sie laut.
"Jemand, der mehr von Zauberei versteht als ich, hat mir diese Fähigkeit gegeben", erklärte Usagi.
"Königin Th'alia", sprach er sie mit ihrem richtigen Titel an. Karla schrie überrascht auf.
"Euer Bruder Kh'oon hat euch in die Sklaverei verkauft, um selbst den Thron besteigen zu können. Er ist von korrupten und zum Teil sogar unfähigen Beratern umgeben, die euer Reich mehr schlecht als recht verwalten."
"Die Idee dazu stammte von Berater Sh'uleiman. Ich glaube seine Worte waren: "Dann ist sie wenigstens noch zu etwas nütze"."
Sie blinzelte überrascht und wohl auch misstrauisch. "Woher wisst ihr das?"
"Ein Freund von mir ist ein Gott", antwortete Usagi mit einem Achselzucken.
Damit hatte er sie tatsächlich verblüfft. Aber natürlich war sein Triumph nur von kurzer Dauer. "Ihr glaubt das tatsächlich. Aber ist er wirklich ein Gott?"
Usagi zuckte erneut mit den Schultern. "Für einen Sterblichen wie mich ist der einzige Unterschied, dass er mit mir spricht, während das die meisten Götter, zu denen ich bisher gebetet habe, nicht taten. Aber was seine Macht betrifft, so denke ich, dass sie nahe an die eines Gottes heranreicht, dass eine Diskussion darüber so etwas wie Haarspalterei ist."
"Würde er mir mein Königreich wiedergeben, wenn ihr ihn darum bitten würdet?"
"Vermutlich nicht."
"Warum?"
"Für ihn sind andere Dinge wichtig. Er ist einmal mit mir in einem ungeheuer teuren Restaurant essen gegangen, nur damit ein Bauer etwas Geld erhalten würde."
"Was war so besonders an dem Bauern?"
"Sein Kind würde krank werden und mit dem Geld konnte er die Medizin bezahlten. Das Kind hat überlebt und wird in etwa 400 Jahren etwas wichtiges tun."
"Er plant über grosse Zeiträume."
Usagi nickte. "Wenn er herausfindet, dass der Schaden, den euer Bruder im Moment anrichtet, am Ende einen Vorteil birgt, dann wird er nichts unternehmen."
"Warum ist er euer Freund?"
"Da müsst ihr in selbst fragen", antwortete Usagi. "Aber ich weiss im Moment selbst nicht, wo er sich aufhält."
"Zudem müsst ihr bedenken," fuhr Usagi fort, "dass er Informationen über diese Welt sammelt. Aus diesen habe ich das Wissen, wer ihr seid und was euer Schicksal ist. Wenn es ihm also wichtig wäre, dann wäre er sicher schon hier und würde etwas tun."
"Woher wisst ihr, dass er nicht euch geschickt hat?"
Usagi überlegte einen Moment. "Das wäre möglich", gab er zu.
"Und? Werdet ihr mir helfen?"
"Ja", sagte Usagi sofort.
Er hatte es geschafft, sie nochmal zu überraschen.
"Karla, bitte geht zum Fenster", sagte er lächelnd. Verwirrt gehorchte sie. Noch immer war er Talia einen kleinen Schritt voraus.
"Schliesslich seid ihr mein Eigentum und ich fühle mich für euch verantwortlich", fügt er hinzu und Talia rastete aus.
Mit einer überraschenden Schnelligkeit sprang sie aus dem Bett und stürzte sich auf Usagi. Eine krallenbewehrte Hand fuhr durch leere Luft, wo sich gerade noch sein Kopf befunden hatte.
Usagi rollte sich ab und stand kampfbereit hinter ihr, während sie herumfuhr. Wieder stürzte sie sich auf ihn. Er unterlief ihren Angriff und schlug ihr mit der Faust in den Magen. Nach Luft ringend, klappte sie zusammen, während er sich wieder in den Stuhl fallen liess.
Das Ganze war so schnell gegangen, dass Karla erst jetzt entsetzt aufschrie. Da Usagi nur für wenigen Augenblicke sein Chi eingesetzt hatte, hatte er praktisch keine Beschwerden.
"Karla", lächelte er seine Sklavin beruhigend zu, "bitte massiert mich weiter."
Zögernd kam sie zurück, hielt sich furchtsam hinter Usagi.
"Das ist der Grund", sagte Usagi, als Talia sich langsam und drohend wieder aufrichtete, "warum ich euch euer Reich nicht zurückgeben kann."
"Ihr seid genauso schlimm wie euer Bruder. Die Leute würden unter eurer Herrschaft genauso leiden, wie unter seiner."
"Ihr wisst, dass ich diese Demütigung nicht auf mir sitzen lassen werde", drohte sie ihm und Usagi lachte.
"Was wollt ihr dagegen tun?" fragte er amüsiert.
"Ich werde euch töten", versprach sie.
"Was macht euch glauben, dass das möglich ist?"
"Dann werde ich Karla etwas antun!" drohte sie und Karla zuckte zusammen.
"Das könntet ihr tun", gab Usagi zu, "aber ihr werdet es nicht."
"Warum nicht?"
"Ihr hättet keine Vorteile davon", antwortete Usagi ruhig. "Da ihr mich nicht töten könnt, würde alles andere, was ihr tut, um mich zu treffen, nur die Wirkung haben, mich zu verärgern. Ihr wisst zwar nicht, wie mächtig ich wirklich bin, aber ihr wisst, dass ich einiges tun könnte, wenn ich nur will. Also wäre es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich an euch rächen würde für das, was ihr mir angetan habt."
"Das würdet ihr nicht tun", sagte sie ruhig, denn sie hatte sich bereits wieder unter Kontrolle. "Ihr seid nicht in der Lage grausam zu sein."
"Das stimmt nicht und das müsste ich auch nicht. Im anderen Zimmer liegt ein Sklave, den ich habe auspeitschen lassen und ich würde euch nicht quälen. Ich würde euch einfach töten, wie meinen Sohn Nega, der auch nicht gelernt hat, dass es Grenzen gibt, die man nicht überschreiten darf."
"Diese Grausamkeit hat euch viel gekostet. Ihr seid nicht in der Lage, so etwas einfach zu tun."
Usagi seufzte. "Das muss ich auch nicht. Es zeigt nur, dass ich dazu in der Lage bin, wenn es nötig ist. Es muss mir nicht gefallen, um es notfalls tun zu können."
"Euer Zögern ist eine Schwäche von euch."
"Eine, die ihr nicht nutzen könnt, denn ich zögere nur bei Leuten wie Karla oder Joska, nicht bei euch."
Talia fauchte, denn er hatte sie in die Enge getrieben. Zitternd vor Wut legte sie sich wieder hin.
"Überlegt euch mein Angebot", sagte Usagi ruhig. "Ich kann euch helfen mit diesem Dämon zu leben. Ihr seid keine schlechte Herrscherin, aber zu unbeherrscht. Akzeptiert meine Hilfe und ihr werdet bekommen, was ihr euch wünscht und wohl noch mehr."
"Kommt, Karla", bat er seine Begleiterin und sie gingen, um nach Joska zu sehen.
"Ich habe Angst, Herr", gestand Karla zitternd auf dem Gang.
"Sie ist eine gefährliche Frau", gab Usagi zu.
"Karla, hört mir jetzt genau zu", sagte er und sah sie wieder offen an. Wenn die Situation nicht so ernst gewesen wäre, hätte er gerne gelächelt, weil sie ihn anblickte, ohne dass er sie dazu auffordern musste.
"Sollte dieser Körper sterben oder vernichtet werden oder etwas in der Art, dann geht in den Rosengarten. Ich werde dort nach spätestens drei Tagen wieder auftauchen", versprach Usagi ernst.
Sie war entsetzt, nickte aber tapfer. "Macht euch keine Sorgen", lächelte Usagi, "mir kann wirklich nichts passieren. Dieser Körper ist nur eine Puppe und genausowenig, wie man den Puppenspieler verletzen kann, wenn man seine Puppe zerstört, genausowenig kann mir hier passieren."
"Ja, Herr", sagte sie ein wenig traurig.
"Was habt ihr, Karla?"
"Ihr seid gar nicht wirklich hier, Herr", antwortete sie. Es dauerte einen Moment, bis er verstand, was sie meinte.
"Das Bild des Puppenspielers ist vielleicht doch nicht so gut, wie ich dachte", versuchte Usagi sie zu trösten. "Vielleicht stellt Ihr euch besser vor, dass ich mehrere Körper habe und nicht nur den einen wie Ihr. Ich kann zwischen ihnen wechseln, wenn ich will oder wenn der Körper getötet wird, in dem ich gerade bin."
"Das habe ich z.B. getan, als ich vorhin meditierte. Ich bin in einen anderen Körper gewechselt und habe dort etwas über Talia gelesen."
"Dann", fragte sie scheu, "habt ihr meinen Kuss gespürt?"
Usagi lachte freundlich und berührte sie sanft an der Schulter. "Ja, Karla und er hat mir sehr viel bedeutet."
Karla lächelte ihn dankbar an.
Joska war noch nicht erwacht und das war gut so. Lahmar hatte seinen Rücken inzwischen ebenfalls grossflächig bandagiert.
"Habt ihr das selbst getan?" fragte sie.
"Nein", schüttelte Usagi den Kopf, "ich habe ihn auspeitschen lassen, damit ich in seinen Augen sehen konnte, wann es genug ist."
"Der Mann versteht sein Handwerk", meine Lahmar ruhig, "Joska hat keine tiefen Verletzungen davongetragen. Soll ich ihm ein Schmerzmittel geben?"
"Gebt ihm etwas gegen Selbstmitleid", sagte Usagi mit Galgenhumor. "Ich will nicht, dass er unnötig leidet", präzisierte er, als Lahmar nicht lachte.
"Er ist kein Kämpfer wie ihr", antwortete die alte Frau, während sie etwas passendes heraussuchte. "Für ihn ist Schmerz kein Zeichen, dass er noch lebt, sondern etwas, unter dem man leidet."
"Dann wird es Zeit, dass er etwas dazulernt."
Lahmars Hand stoppte. Sie drehte den Kopf und blickte Usagi an. "Es ist eure Entscheidung."
Usagi lachte. "Das heisst nicht, dass ich einen guten Rat ablehnen würde. Was ratet ihr mir?"
"Lasst ihm seine Zeit."
"Gebt ihm etwas, damit er es ertragen kann", entschied Usagi.
Lahmar lächelte kurz, aber Usagi sah es nur daran, dass sich ihre Ohren bewegten.
"Was haltet ihr nun von eurem anderen Fang?"
"Jeder von ihnen ist eine Herausforderung für mich."
"Tatsächlich?"
"Bei Karla werde ich lernen, Vertrauen aufzubauen, bei Joska wie ich jemandem den Sinn für die wichtigen Dinge im Leben erzeuge und bei Talia, wie man Respekt für die Dinge empfindet, die für andere wichtig sind."
"Ihr habt viel vor", sagte Lahmar ohne Spott.
Kengas Zug
Der Wirt war überglücklich, als Usagi ihm mitteilte, dass er sein Geld bekommen würde. Nach einem sehr guten Abendessen mit noch besserem Service und einem Krug Wein auf Kosten des Hauses, ging Usagi mit Karla auf sein Zimmer. Er musste jetzt langsam anfangen zu planen, was er als nächstes tun würde.
Er benötigte ein weiteres Zimmer, denn für vier Leute war es hier zu eng. Ausserdem musste er sich etwas einfallen lassen, um seine Sklaven zu beschäftigen, damit ihnen nicht langweilig wurde. Zudem sollte er sich etwas ausdenken, um seine Ziele zu erreichen, die er sich selber gesteckt hatte.
Nachdenklich blickte er zum Fenster hinaus, die kleine, verwinkelte Gasse hinunter.
"Herr?"
"Hmm?" machte Usagi ohne seinen Blick vom Horizont zu lösen.
"Darf ich euch jetzt lieben?"
Die Frage traf Usagi völlig unvorbereitet. Er blickte zu Karla, die sich, unbemerkt von ihm, ausgezogen hatte und nun darbot. Sie war wirklich sehr schön und er spürte sein Verlangen nach ihr. Dennoch hielt er sich eisern zurück.
"Karla", antwortete er ernst, "das ist etwas, das ich niemals von Dir verlangen werde."
Enttäuschung machte sich auf ihrem Gesicht breit und er fuhr hastig fort: "Das ist etwas, dass nur Du entscheiden sollst. Wenn es Dein Wunsch ist, mich zu lieben, dann werde ich dieses Geschenk dankbar annehmen. Aber es soll Deine Entscheidung sein."
"Hast Du mich verstanden?"
"Ja, Herr", sagte sie nachdenklich.
"Gut. Dann entscheide Dich und sage er mir, wenn Du Dich entschieden hast."
Sie dachte einen Moment darüber nach, stand auf und küsste ihn innig.
Usagi akzeptierte ihren Wunsch und hoffte, dass sie es nicht nur tat, weil sie sein Eigentum war oder weil sie heute Furchtbares erlebt hatte, sondern weil sie es wirklich selbst wollte. Dass er es nicht nur tat, weil er sie nicht verletzen wollte.
Aber je länger sie ihn küsste, desto unwichtiger wurden solche Gedanken. Jetzt wollte er nur für sie da sein.
Sie war wirklich sehr gut. Und unersättlich.
Irgendwann musste Usagi sie stoppen, weil er einfach nicht mehr konnte. Ihr Ausbilder hatten ganze Arbeit geleistet und dies schien auch das zu sein, was ihr am meisten Spass machte. Das bereitete Usagi nicht geringe Sorgen.
Falls sich das nicht in kurzer Zeit legen sollte, dann hätte er ein weiteres, ernsthaftes Problem. Er fühlte sich so befriedigt, wie noch selten zuvor in seinem Leben, aber er schaffte es kaum, sich nach dem Liebesspiel nochmal aufzuraffen und Karla für die Nacht anzuketten. Und an den nächsten Morgen wagte er erst gar nicht zu denken!
Er schlief rasch ein und erwachte im Netz der TAURUS. Ein störender Signalton zeigte einen ankommenden Anruf. Verwirrt öffnete Usagi den Kanal. Es war Tep.
"Tep? Was ist los?"
"Vor einigen Minuten wurde die Marionette getötet, Herr! Ich bin gerade dabei, einen Ersatz zu aktivieren. Er wird in ca. 17 Minuten bereit sein für das Training", berichtete Tep hastig.
'Karla', dachte Usagi sofort. "Was ist passiert?"
"Ihr seid wohl im Schlaf ermordet worden, Herr,", antwortete Tep.
"Was ist mit Karla?" rief Usagi.
"Sie hat das Gasthaus kurz nach eurem Tod verlassen und bewegt sich jetzt in Richtung des Sklavenmarktes. Eine Person ist bei ihr, die Bilder sind undeutlich, aber ..."
"Bilder? Zeigen!" bellte Usagi. Sofort öffnete sich ein weiterer Kanal.
Jezko. Er schleifte eine stumm weinende Karla durch die dunklen Strassen. Verdammt!
"... Es ist wahrscheinlich ein Mann Namens Jezko. Er arbeitet für ...", berichtete Tep.
"Kenga", fluchte Usagi. "Wie lange, bis ich wieder dort sein kann?"
"Minimal drei Stunden, Herr."
"Und wenn ich selbst gehe?"
"Etwas länger, weil es nach einem so langen Aufenthalt im Tank etwas dauert, bis sich der Körper wieder daran gewöhnt hat, selbst aktiv zu sein."
Fluchend rief Usagi nach Käl. Glücklicherweise meldete sich dieser sofort.
"Was kann ich für Dich tun?"
"Karla ist entführt worden und ich kann frühestens in drei Stunden wieder dort sein. Habt ihr einen Rat für mich?"
"Ja. Schicke ein paar Spionsonden, damit Du die Situation im Blick behalten kannst. Dann musst Du Dir langsam überlegen, was Du tun willst, wenn Du wieder dorthin gehst, was mit Deinem alten Körper passiert ist und wie Du ihn verschwinden lassen willst, und welche neue Ausrüstung Du mitnehmen willst."
"Tep?"
"Euer alter Körper ist von Hauptmann Kaut gefunden worden. Kaut ist jetzt ebenfalls auf dem Weg zu Kenga. Er hat 15 Wachen bei sich", begann Tep seinen Bericht. Eine Karte der Stadt erschien mit vielen Symbolen. Tep hatte etwa 20 Sonden auf dem Weg geschickt, einige davon waren bereits bei Kenga eingetroffen und begannen in den Gebäudekomplex einzudringen, Pläne der Gebäude anzulegen und sich zu verstecken.
Ein Kanal, erschien, in denen Kaut zu sehen war und ein anderer mit Jezko. Bei beiden war eine Zeitangabe, wann sie voraussichtlich bei Kenga eintreffen würden. Jezko brauchte noch 45 Minuten und Kaut 55. Allerdings versuchte Jezko den Nachtwachen aus dem Weg zu gehen, daher würde er vielleicht noch etwas länger brauchen. Kaut dagegen wurde von seinen Männern behindert.
Ausserdem wurde eine weitere Anzeige eingeblendet. 2 Stunden 54 Minuten bis er bereit für den Transport war. Noch 15 Minuten, bis er sich voll darauf konzentrieren musste, seinen neuen Körper zu trainieren.
"Kann ich mit Kaut sprechen?"
Tep nickte. Ein Symbol mit Kauts Kopf erschien. Er aktivierte es und Schritte, die in einer Gasse widerhallten, waren zu hören sowie das laute Atmen und Fluchen von Kaut.
"Kaut, hier spricht Usagi. Könnt ihr mich hören?"
Vor Überraschung wäre Kaut beinahe gestolpert. Verwirrt blickte er in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Da war nur eine Hauswand.
"Usagi?" fragte er laut.
"Ja. Mein Körper wurde getötet und es wird noch drei Stunden dauern, bis ein neuer einsatzbereit ist."
"3 Stunden ...", wiederholte Kaut tonlos. Usagi hatte Mitleid mit dem armen Mann. So hatte er sich auch immer gefühlt, wenn Pau Tai ihm etwas unmögliches gesagt hatte.
"Jezko ist mit Karla auf dem Weg zu Kenga. Er hat knapp 10 Minuten Vorsprung vor euch. Bitte beeilt euch!" flehte Usagi.
Sofort setzte Kaut sich wieder in Bewegung. Seine Männer folgten zuerst zögernd, dann setzte sich die Routine wieder durch. Im Laufschritt folgten sie ihrem Anführer und der körperlosen Stimme.
"Was habt ihr vor?" fragte Kaut.
"Das weiss ich noch nicht. Es gibt eigentlich zwei Möglichkeiten. Ich kann versuchen so schnell wie möglich persönlich vor Ort zu sein, oder ich kann euch von hier aus unter die Arme greifen. Ich habe ein paar Spione im Haus von Kenga und kann euch führen."
Dann hatte er eine Idee.
"Links", wies er Kaut an.
"Das ist eine Sackgasse", sagte Kaut, bog aber ab.
"Ja. Tep, ein Transportfeld von hier nach hier."
Kaut bog mit seinen Leuten um die Ecke und stand verblüfft in einer kleinen Nebengasse in der Nähe von Kengas Haus.
"Eine kleine Spielerei von mir", sagte Usagi leichthin, um die Leute zu beruhigen. "Jezko wird in etwas mehr als einer halben Stunde bei euch eintreffen, d.h. wir haben jetzt Zeit uns etwas zu überlegen."
Kaut lachte leise und schickte zwei seiner Leute an den Ausgang der Gasse, um zu beobachten.
"Das kann ich auch von hier aus tun", bot Usagi an.
"Könnt ihr Jezko auch aufhalten, wenn er vorbeiläuft?"
"Nun, nein", gab Usagi zu.
"Gut", antwortete Kaut sarkastisch, "ich hatte schon Angst, ich wäre vollkommen überflüssig."
"Tut ..."
"Oder die ganzen Leute, deren Angehörige ich trösten muss, wären umsonst gestorben", unterbrach Kaut ihn.
Usagi blieb stumm.
"Ziemlicher Aufwand für eine Sklavin", überlegte Kaut laut.
"Nein, ...", begann Usagi, wurde aber wieder von Kaut unterbrochen.
"Seht mal", sagte Kaut, "ich denke ihr Götter habt einfach zu viel zu tun, um jeden Menschen zu retten, der hier sein Leben opfert. Und es wäre wohl auch etwas langweilig, wenn alle nett und friedlich wären. Ich schlage euch ein Geschäft vor."
"Ja?"
"Morgen ist Kenga entweder tot oder sitzt in einer Zelle. Dafür tue ich, was ihr mir sagt."
"Das ist nicht fair!" protestierte Usagi leicht amüsiert.
"Nein?"
"Nein! Ich will Kenga auch tot sehen! Und ihr habt den ganzen Spass während ich nur zusehen darf!"
"Grausame Welt."
"Ja, furchtbar. Was schlagt ihr also vor?" fragte Usagi.
"Tja", überlegte Kaut, "wegen welchem Verbrechen sollte ich Jezko anklagen, wenn ihr noch lebt?"
"Sachbeschädigung", antwortete Usagi trocken, "oder mutwilliges Ärgern eines Unsterblichen."
"Dummheit ist hier kein Verbrechen", lachte Kaut, "ist das bei euch anders?"
"Keine Ahnung", stimmte Usagi ein, "bin auch erst kurz hier."
"Tja, was auch immer wir Kenga vorwerfen", fuhr Kaut fort, "es wird nur wenig nützen. Zumindest hat es das in der Vergangenheit nicht."
"Moment", bat Usagi seinen Freund und rief die Akte Kenga wieder auf.
"Hier steht, dass die Stadträte Volmur, Takar und Tauber ihre Hand über ihn halten."
"Stehen da auch seine ganzen Verbrechen?"
"Hmmm... Einige davon."
"Und wo man die Beweise dazu finden kann?"
"Moment ... Nein, nichts."
"Also?"
"Tja, ich könnte den ganzen Komplex von hier aus dem Erdboden gleichmachen."
"Würde die meisten seiner Sklaven wohl nicht stören."
"Die Nachbarn wohl auch nicht, aber ich würde das nur ungern tun."
"Warum? Ist es nicht ein kleines Opfer, um einer grösseren Sache zu dienen?"
"Würdet ihr es tun?"
"Müssig, darüber zu spekulieren, denn ich kann so etwas ja nicht."
"Ein Wort von euch würde im Moment genügen."
Kaut schwieg.
"Tja, das gleiche Problem habe ich auch", gestand Usagi.
"Also?"
"Angst?" schlug Käl vor.
"Aha, eine neue Stimme. Wir sind uns noch nicht vorgestellt worden?"
"Ich bin Käl und wie Usagi ein Schüler von Philmann Dark", stellte Käl sich kurz vor.
"Eine interessante Idee. Hologramme?" fragte Usagi.
"Ja."
"Tep?"
"Ich kann Projektoren hinunterschicken."
"Im Haus?" fragte Usagi.
"Schwierig", überlegte Käl.
"Äh, Hallo?" fragte Kaut.
"Seid ihr abergläubisch, Hauptmann?" fragte Usagi ruhig.
"Warum? Und wer ist Tep?"
"Tep ist ein Sklave von Philmann Dark", erklärte Usagi kurz. "Und um die andere Frage zu beantworten: Habt ihr schon einmal etwas von Heimsuchung gehört?"
"Rache aus dem Reich der Toten?" fragte Kaut nachdenklich.
Kampf mit Kenga
Wieder einmal hatte seine Vorsicht ihm das Leben gerettet. Er zerrte die Sklavin weiter, die sich nur schwach wehrte. Sein Instinkt hatte ihn gewarnt und trotzdem war er der Falle der Stadtwache auf dem Fünferplatz nur knapp entkommen.
Zumindest der lästige Reisende Usagi war beseitigt. Jezko wusste nicht warum, aber er hatte das untrügliche Gefühl, dass der Fremde etwas mit der Falle zu tun hatte. Nun, falls dem so war, würden sie es schon bald aus seiner Sklavin herausgeholt haben. Und die anderen Sklaven, die der Fremde gekauft hatte, würden auch bald gefunden sein.
Der Mann bei der Stadtwache, der Joska hätte kaufen sollen, hatte sich als wahre Fundgrube erwiesen. Schon bald würden auch die beiden anderen Sklaven wieder in ihrem Besitz sein und damit alle Spuren endgültig ausgelöscht.
Vorsichtig, aber nicht auffällig, warf er einen Blick die Strasse hinunter. Bisher hatte er es vermeiden können, einer Patrouille in die Arme zu laufen. Trotzdem hatte er wohl nur wenig Zeit. Sollte der Fremde wirklich hinter der Falle am Fünferplatz stehen, dann würde seine Leiche vor morgen früh gefunden werden und vielleicht wurde er bereits verfolgt.
Sobald er im Haus von Kenga war, war er in Sicherheit. Kenga würde, schon aus Selbstschutz, jede Durchsuchung des Besitzes ablehnen.
Nebel zog auf. Ungewöhnlich für diese Jahreszeit, würde ihm aber nützen. Dann blieb er stehen. 'Hat jemand gerade meinen Namen gerufen?'
Wohl eine Sinnestäuschung. Rasch ging er weiter. Der Nebel schien schnell dichter zu werden. 'Dabei ist es gar nicht so kalt. Seltsam.'
Hohle Schritte kündigten einen anderen, nächtlichen Spaziergänger an, lange bevor Jezko ihn im dichter werdenden Nebel ausmachen konnte. Jezko ging einfach weiter. Um die Sklavin machte er sich keine Sorgen, sie war viel zu verängstigt, um irgend etwas zu versuchen.
Die Schritte des Anderen hallten unnatürlich laut in der Gasse wieder. Unwillkürlich lächelte Jezko. Der Nebel sorgte für seltsame Effekte. Wahrscheinlich fürchtete sich der Andere bereits vor Jezkos unheimlichen Schritten.
Dann war sein Umriss zu sehen. Wie bei allen anderen nächtlichen Spaziergängern, würde Jezko ohne zu grüssen an ihm vorübergehen, damit nicht etwa jemand seine Stimme erkannte.
"Guten Abend Herr Jezko", sagte Usagi höflich, "wie ich sehe, kümmert ihr euch rührend um meine Sklavin."
Sofort stiess Jezko die Sklavin von sich und zog eine beiden langen Messer. Mit einem spitzen Aufschrei verschwand sie im Nebel. Jezko zögerte keinen Augenblick und stürzte sich auf seinen Gegner.
Aber dieser war bereits fort.
Der Nebel trug Geräusche weit. So war es fast unmöglich sich zu verstecken oder unbemerkt anzugreifen, aber Jezko hatte nicht gehört, wie sich Usagi bewegt hatte.
"Sucht ihr etwas Bestimmtes?" erkundigte sich Usagi höflich, der nun hinter Jezko stand. Jezko fuhr herum. Das Messer in seiner rechten Hand stiess nach Usagis Kopf und verfehlte ihn nur knapp.
"Wollt ihr mich etwa noch einmal töten?" fragte Usagi, "Einmal pro Nacht ist euch nicht genug?"
Jezko hielt sich nicht mit nutzlosem Gerede auf. Wieder stachen seine Messer nach Usagi und wieder verschwand dieser spurlos.
Suchend blickte sich Jezko um. Wieder hatte er nichts gehört, als Usagi verschwunden war. Er überlegte, was das zu bedeuten hatte.
Ein Symbol flackerte in Usagis Gesichtsfeld. Er deaktivierte den Ton und meldete sich. Es war Käl.
"Es gibt Probleme bei Lahmar. Fünf bewaffnete Männer dringen in das Haus ein."
Usagi fluchte. "Kümmert euch darum", wies er Käl an, "ich kümmere mich um Jezko."
Käl ordnete sich wortlos unter und nickte. Dankbar kehrte Usagi zu seinem eigenen Spiel zurück.
Er schaltete den Ton wieder an. "Sucht ihr etwas?" hallte seine Stimme durch die Gasse. Jezko blickte sich um, konnte im Nebel aber nicht genug sehen.
Jezko schien etwas zu überlegen, dann steckte er die Messer weg und machte sich im Nebel auf die Suche nach Karla. Usagi aktivierte sein Hologramm wieder.
"Sucht ihr etwas?"
Jezko drehte sich nicht um, sondern ignorierte ihn völlig. Kurz darauf hatte er Karla gefunden, die ihn trotzig anstarrte. Brutal packte er sie und riss sie hoch.
'Scheint, als hätte er die Täuschung durchschaut', dachte Usagi. 'Zeit für Plan B.'
"Ein Geist zu sein hat seine Nachteile", gab Usagi laut zu. Jezko reagierte nicht, sondern zerrte Karla fort.
Usagi liess die Projektion direkt vor Jezko wieder erscheinen. "Aber man ist schnell."
Ohne eine Miene zu verziehen lief Jezko durch ihn hindurch. Karla wand sich in seinem Griff, konnte sich aber nicht befreien.
Usagi blickte Jezko nach. "Was haltet ihr davon, wenn ich die nächsten Tage und Wochen immer bei euch bin?"
Jezko liess nicht erkennen, ob diese Vorstellung ihm irgendwelche Probleme bereitete.
"Und ich dann Hauptmann Kaut berichte", fuhr Usagi ungerührt fort.
Jezko blieb stehen.
"Berichtet ihm, ab jetzt immer mit einem offenen Auge zu schlafen", schlug Jezko vor.
"Drohungen gegen einen Offizier der Stadtwache?"
Jezko lachte nicht einmal. "Tut, was ihr nicht lassen könnt." Der Mann war eiskalt.
"Er wird sicher begeistert sein, wenn ich ihm erzähle, was auf den Treffen zwischen Kenga und dem Stadtrat Volmur so gesprochen wird", sagte er zu dem Rücken, der langsam davonging. "Oder mit Stadtrat Takar."
"Oder Tauber."
Jezko blieb wieder stehen. "Ich frage mich", sagte der Mann langsam, "was ihr tun würdet, wenn ich eure geliebte Karla ein wenig ..."
"In diesem Zustand bin ich ein wenig machtlos", gab Usagi zu. "Aber in ein paar Stunden kann ich einen neuen Körper haben. Dann würde ich bei euch vorbeischauen und meinem Unmut Luft machen."
"Den werde ich genauso leicht töten, wie den letzten."
Usagi lachte. "Das wäre dann kein Körper, mit dem ich mich auf der Strasse zeigen würde."
Er grinste. "Ich will doch keine Panik auslösen."
"Was wollt ihr?"
"Nun, warum gehen wir nicht zu Kenga? Ich rede mit ihm und dann werden wir ja sehen, ob wir eine Einigung erzielen können", schlug Usagi vor.
Jezko runzelte die Stirn. "Dieser ganze Aufwand, damit ich euch zu Kenga bringe?"
"Nein, ich weiss schon, wo Kenga sich genau aufhält", lächelte Usagi. "Ich wollte ihn nur nicht zu Tode erschrecken." Er winkte mit der Hand und der Nebel verschwand spurlos.
Wortlos zerrte Jezko Karla weiter. Usagi war nirgendwo mehr zu sehen.
Am Ausgang einer Gasse auf der anderen Strassenseite standen einige Stadtwachen. Kaut war unter ihnen und Usagi auch. Jezko behielt sie unauffällig im Auge, aber sie unternahmen nichts, beobachteten ihn nur.
Trotzdem wurde er langsam nervös. Das ganze war zu undurchsichtig. Er machte sich noch keine Sorgen; Kenga hatte schon schlimmere Krisen gemeistert. 'Woher hat Usagi von dem Treffen mit Lero gewusst? Wer hat geredet? Wer wusste von der Verbindung zwischen Kenga und Tauber?'
Als er das nächste mal hinblickte, war Usagi fort und die Wachen rührten sich immer noch nicht. 'Was haben sie vor?'
Dann sah er Usagi wieder. Dieser stand vor einem Eingang zu Kengas Grundstück. Als Jezko sich näherte, ging er durch die Wand ins Innere. Jezko nahm es ungerührt hin. Solange Usagi nichts anfassen konnte, war er keine grosse Bedrohung.
Im Hof wartete der Hase wieder. Als Jezko näherkam, sagte er ruhig: "Die Männer, die ihr ausgeschickt habt, um meine beiden anderen Sklaven zu verschleppen, waren nicht erfolgreich."
Jezko runzelte die Stirn. 'Worauf sind die Männer gestossen? Wahrscheinlich die Stadtwache. Das ist ärgerlich, aber kein echter Beinbruch.' Usagi zeigte auf etwas und Jezko erstarrte.
Da lagen fünf dunkle Körper auf dem Hof.
Nun zögerte Jezko. 'Was tun? Die Körper untersuchen oder ins Haus?' Er musste Gewissheit haben.
Vorsichtig drehte er einen der Körper um. 'Tarl. Verdammt.'
"Wie habt ihr ...?" fragte er, aber Usagi war fort.
Jezko fluchte nicht, sondern lief mit der Sklavin, die kaum hinterherkam, ins Haus. Das weisse Fell des Hasen verschwand gerade um die Ecke, als er das Haus betrat. Nach unten. Zu den Katakomben.
Auf den Treppen ging es langsamer. Jezko war kaltblütig, aber nicht dumm. Irgendwie hatte Usagi seine Männer ausgeschaltet und hierher transportiert. Er konnte also irgendwie etwas manipulieren, auch wenn er nichts anfassen konnte. Nicht auszudenken, wenn die Sklavin die Treppe heruntergefallen und sich den Hals gebrochen hätte.
Unten angekommen stand der Hase abwartend vor der Tür zu Kengas Räumen. Einige Wachen kümmerten sich erfolglos um den Eindringling. Ihre Waffen glitten widerstandslos durch seinen Körper. Usagi ignorierte sie völlig. Auf eine morbide Art fing das Ganze an Jezko Spass zu machen.
Offensichtlich waren Usagi Möglichkeiten stark begrenzt. Jezko war gespannt auf das Duell zwischen dem Hasen und Kenga. Eine Wache hatte ihn bemerkt und kam, um ihn zu warnen.
Jezko schickte die Wachen fort und klopfte an die dicke Holztür. Dann trat er ein.
Kenga blickte etwas überrascht, als statt dem erwarteten Jezko auch Usagi den Raum betrat. Aber sofort kehrte sein zuvorkommendes Lächeln zurück.
"Herr Miyamoto", sagte er ohne verräterischen Seitenblick auf Jezko, "welch unerwarteter Besuch."
"Karla", sagte Usagi ruhig und wies auf einen freien Stuhl, "setzt euch bitte dorthin."
Jezko überlegte einen Moment, was wohl passieren würde, wenn er sie nicht losliesse. Dann war Karla frei. Etwas unsicher ging sie zu dem angewiesenen Stuhl und setzte sich. Obwohl sie ihrem Herrn vertraute, zitterten ihre Knie.
Usagi sah sich gemächlich um. Einige Kerzen erhellten den runden Raum nur unzureichend. Einige Schriftstücke lagen auf dem Tisch, an dem Kenga sass und ein Bett stand an einer Wand. Bis auf einige Stühle war der Raum kahl und leer.
"Ihr Mitarbeiter hier", Usagi wies auf Jezko, "hat mich vor etwa einer Stunde ermordet. Dies liess in mir die Vermutung aufkommen, dass wir uns vielleicht einmal unterhalten sollten."
Kenga lächelte noch immer. "Nun, ich bin sicher, dass es sich dabei um ein bedauerliches Missverständnis handelt ..." Er brach ab, als Usagi einfach durch einen Stuhl lief.
"Wie ihr sehen könnt", Usagi lies seine Hand langsam durch die Rückenlehne eines Stuhls gleiten, "bereiten mir seit dem gewisse Handlungen ... Schwierigkeiten."
"Ich verstehe", antwortete Kenga und blickte Jezko an, der mit den Schultern zuckte.
"Das wird aber nicht ewig so bleiben, sondern nur für ein paar Stunden."
"Ich verstehe", sagte Kenga langsam.
"Die Frage, die ich mir jetzt natürlich stelle, ist, ob ich in dieser Form zurückkehre, oder, sagen wir einmal, so ..."
Usagi ersetzte seine Projektion durch eine von Käl. Als erstes musste er seinen Kopf aus der niedrigen Decke ziehen. Der Raum war plötzlich deutlich kleiner. Oder voller, je nach Standpunkt. Er nahm nun einen ziemlich grossen Standpunkt ein.
Als er sicher war, dass das Argument verstanden worden war, verwandelte er sich zurück. "Aber ich denke, das wird nicht notwendig sein. Wir sind ja schliesslich alle intelligent und erwachsen und haben es nicht mehr nötig, unsere Differenzen mit Gewalt beizulegen."
"Was schwebt euch vor?"
"Heute Nacht hat sich Herr Jezko mit Herrn Lero getroffen, ihm ein Bestechungsgeld übergeben und ist dabei von der Stadtwache verhaftet worden", schlug Usagi vor.
"Und wenn eure Sklavin verletzt werden sollte?"
Gedankenverloren stupfte Usagi einen Stuhl mit dem Finger an. Ab und zu bewegte dieser sich ein bisschen. "Die sichere Rückkehr von Karla in den Rosengarten steht ausser Frage." Er machte eine Handbewegung und die Sklavin verschwand mitsamt dem Stuhl, auf dem sie sass.
"Aber ich sehe schon, ich verschwende hier meine Zeit", sagte Usagi und machte sich auf den Weg zur Tür.
"Wartet", sagte Kenga, noch immer lächelnd aber ein wenig zu hastig. "Ich bin mir ganz sicher, dass wir eine Einigung erzielen können."
Usagi blickte unverwandt auf die Tür. Klaffende Wunden bildeten sich an seinem Körper und Blut strömte auf dem Boden. In kurzer Zeit hatte sich eine ansehnliche Lache gebildet. Dann brach der Hase zusammen und blieb in der Lache liegen.
Erstaunt blickten Kenga und Jezko auf das Schauspiel. 'Was hat Usagi jetzt wieder vor?' dachte Jezko.
Da hämmerte es auch schon an die Tür. Die beiden blickten sich an. Dann nickte Kenga und Jezko ging, um zu öffnen.
Es war Kaut. Er hatte viele Männer dabei, die sofort in den Raum strömten, als die Tür sich öffnete und entlang der Wände verteilten.
"Was hat das zu bedeuten?" fragte Kenga erstaunt.
Kaut ignorierte ihn. Zusammen mit dem Stadtrat Venari betrat er den Raum und ging zu dem leblosen Usagi.
"Er hat versucht mich anzugreifen", verteidigte sich Kenga, bevor Kaut überhaupt etwas gesagt hatte.
Kaut griff wortlos nach einer Schulter des toten Hasen und drehte ihn langsam um.
Seine Hände waren gefesselt. Die Füsse waren an einem Ring im Boden festgebunden.
Stadtrat Venari stiess einen Laut der Empörung aus. "Bevor oder nachdem ihr ihn gefesselt und gefoltert habt?" fragte Hauptmann Kaut mit unterdrücktem Zorn in der Stimme.
Jezko reagierte blitzschnell. Bevor eine der Wachen an der Wand reagieren konnte, hatte er sich auf den Hasen gestürzt. Der Triumph in seinem Gesicht wandelte sich aber schnell in Schrecken, als der Körper sich nicht als Illusion entpuppte, sondern seinen Händen Widerstand leistete.
Blut klebte an seinen Händen, als die Wachen ihn fortzerrten. Kenga liess sich widerstandslos festnehmen.
Traurig starrte Kaut auf das entspannte Gesicht seines Freundes. Dann stutzte er.
"Einen Wagen!" hallte seine Stimme in den Gang, "er lebt noch!"
Vorsichtig wurde der schwerverletzte Usagi auf einen Wagen geladen und zur Heilerin Lahmar gefahren. Nachdem sie begonnen hatte, seine Verletzungen zu versorgen, machte sich Kaut auf den Weg ins Hauptquartier, um die letzten Spuren für Kengas Unschuld zu verwischen.
Usagis toten Körper verschwinden zu lassen, war am einfachsten. Wie Usagi versprochen hatte, verschwand der Körper spurlos, nachdem Kaut den Knopf an dem kleinen Kästchen gedrückt und es auf dem Körper deponiert hatte.
Als nächstes suchte er alle Wachen auf, die den toten Usagi gesehen hatten und schärfte ihnen ein, dass nichts geschehen war. Die Wachen murrten, fügten sich aber, weil sie Kaut vertrauten. Trotzdem war Usagi bereits eine Legende. Kaut fragte sich, was für Gerüchte morgen verbreitet werden würden.
Als nächstes ritt er zum Rosengarten, um Karla zu beruhigen. Inzwischen war es spät und Kaut entsprechend müde und erschöpft, aber er hätte das wohl auch getan, wenn Usagi ihn nicht darum gebeten hätte.
Die Frau, welche ihm öffnete, schaute ihn mit grossen Augen an, vor allem, als er ihr mitteilte, dass sie den Wirt beruhigen könne. Usagi würde überleben und seine offenen Rechnungen bezahlen können.
Dann ging er nach oben und klopfte an die Tür von Usagis Raum.
"Karla? Ich bin es, Hauptmann Kaut", sagte er leise.
Eine Weile geschah nichts, dann kam eine zaghafte Stimme von Innen.
"Hauptmann Kaut?"
"Ja, Karla?"
"Seid ihr es wirklich?"
Während Kaut den Mund öffnete, um die Sklavin zu überzeugen, klang plötzlich Usagis Stimme aus dem Zimmer: "Er ist es wirklich, Karla. Du kannst die Tür ruhig öffnen."
Karla schrie überrascht auf, öffnete dann aber schnell die Tür.
Kaut sah ihre Augen voller Angst und blieb ruhig stehen.
"Darf ich eintreten, Karla?" fragte er.
"Natürlich Hauptmann Kaut", sagte die Sklavin und gab hastig den Weg frei.
"Vielen Dank."
Wie schon auf der Strasse stand Usagis Projektion im Raum. Wie schon zuvor musste Kaut diesen Anblick bewundern.
"Wie ist es gelaufen?" fragte Usagi obwohl Kaut sich sicher war, dass er alles genau mitbekommen hatte.
"Gut. Stadtrat Venari war erwartungsgemäss empört, als er euch dort verletzt auf dem Boden liegen sah. Ich denke nicht, dass Kenga sich aus dieser Sache noch einmal wird herausreden können."
"Sehr schön. Sobald die Wachen weg sind, werde ich dafür sorgen, dass da wirklich ein Ring im Boden sein wird, falls Kenga sich zu der Behauptung versteigen sollte, da wäre keiner gewesen", antwortete Usagi.
"Wann werdet ihr hier eintreffen?"
"Morgen früh. Ich denke, ab Mittag würde ich für ein kurzes Gespräch mit dem Stadtrat zur Verfügung stehen."
"Wo?"
"Ich werde bei Lahmar sein."
"Hmm", machte Kaut, "das wird ihr vielleicht nicht recht sein."
"Warum?" fragte Usagi erstaunt.
"Nun, ich bin selbst ganz erstaunt, dass sie euch mit so offenen Armen empfangen hat. Normalerweise ist Lahmar da sehr zurückhaltend. Sie wird es nicht zu schätzen wissen, wenn eine Horde von Räten mit ihren Schreibern, Assistenten und Wachen bei ihr einfällt."
"Ich verstehe. In dem Fall werde ich mit ihr reden. Notfalls werde ich mich einfach hierher bringen lassen und die Räte hier im Gasthof empfangen."
"Ja. Dann wäre wohl alles gesagt", verabschiedete sich Kaut. "Gute Nacht, Herr Miyamoto."
"Vielen Dank für alles, Hauptmann und auch eine Gute Nacht. Vielleicht ..."
"Ja?"
"Darf ich euch nach Hause bringen?"
Kaut überlegte. Tatsächlich hatte die Vorstellung in wenigen Augenblicken zu Hause zu sein etwas sehr verlockendes.
"In die Habemengasse", antwortete er.
"Gute Nacht Hauptmann Kaut", verabschiedete sich Usagi. "Ich würde ihnen ja gerne die Hand geben, aber ..." Usagi zuckte entschuldigend mit den Schultern.
Kaut lachte. "Gute Nacht, Karla", verabschiedete er sich und ging nach unten zu seinem Pferd. Er sass auf und sah vor sich zwischen den Markierungen in der Luft sein Haus. Er lenkte sein Pferd durch das Portal und fiel kurze Zeit später in Bett.
"Karla, Du warst heute sehr tapfer", bedankte sich Usagi.
"Danke, Herr", sagte sie. "Es tut mir Leid, dass ich zu spät aufgewacht bin und euch nicht warnen konnte."
"Das macht nichts", tröstete Usagi sie. "Auf diese Weise hat Kenga sich sein eigenes Grab geschaufelt. Nun haben wir etwas gegen ihn in der Hand und können ihm vielleicht sogar das Handwerk legen."
"Und wenn nicht, Herr?"
Usagi lächelte beruhigend. "Du musst Dir keine Sorgen machen. Ab jetzt weiss ich immer, wo Kenga und Jezko sich aufhalten. Sollten sie etwas versuchen, werde ich es wissen, kurz nachdem sie es ausgesprochen haben. Sie werden weder Dir noch sonst einem von uns vier etwas antun können."
"Ja, Herr. Danke."
"Ich danke Dir, Karla. Ohne Dich wäre das nicht möglich gewesen", sagte Usagi und verneigte sich vor ihr.
Es war ihr peinlich. Sie wurde sichtlich rot und sah verlegen zu Boden.
"Du solltest jetzt schlafen", sagte Usagi sanft. "Iss morgen früh hier und geh dann zur Heilerin Lahmar. Dort werde ich auf Dich warten."
"Ja, Herr."
Usagi blieb noch eine Weile bei Karla, bis er sicher war, dass sie nicht mehr aufwachen würde. Ein paarmal hatte sie kurz geblinzelt und er hatte beruhigend gelächelt, damit sie besser einschlafen konnte. Dann war er in seinen eigenen Körper zurückgekehrt um ebenfalls ein paar Stunden zu schlafen.
Es war merkwürdig in seinen Körper im Fernsteuertank zurückzukehren, der das alles nur träumte. 'Ich schlafe im Traum ein', dachte er amüsiert bevor er selbst erschöpft in den Schlaf fiel.
Kengas Untergang
Mit Teps Hilfe dämpfte Usagi seine Schmerzwahrnehmung und wechselte dann in seine neue Marionette, die in Lahmars Räumen lag. Wie immer war es ein sehr seltsames Gefühl, als sich die Wahrnehmung von dem, was er als "Oben" empfand, so plötzlich änderte. Dazu der Druck der Bandagen und das Gefühl des harten Bettes unter sich.
Usagi atmete ein paarmal tief durch, bis sich seine Körperwahrnehmung einigermassen beruhigt hatte. Dann schlug er die Augen auf. Karla sass neben seinem Bett und blickte ihn besorgt an. Usagi lächelte, als er sie sah und sie lächelte zurück. Doch die Besorgnis in ihren Augen blieb.
Anders als bei der ersten Marionette begann Usagi mit den Stimmübungen. In sehr viel kürzerer Zeit als beim ersten Mal konnte er sprechen. Tep hatte nicht übertrieben, als er davon gesprochen hatte, dass die Feinabstimmung diesmal viel schneller ablaufen würde.
"Guten Morgen Karla", begrüsste er seine treue Sklavin.
"Guten Morgen, Herr. Wie geht es euch?"
"Gut. Sehr gut sogar. Lahmar hat sehr gute Arbeit geleistet. Ich habe fast keine Schmerzen", antwortete Usagi und Karla beruhigte sich ein wenig.
Dann bat er sie ihm beim Aufstehen zu helfen. Karla war nicht erfreut von der Vorstellung, aber Usagi musste sich bewegen. Rasch brachen die Wunden wieder auf und Blut tropfte auf den Boden. Auch hier stellte Usagi zufrieden fest, dass seine Koordination nach sehr kurzer Zeit zumindest so gut war, dass er die Räte würde begrüssen können.
Talia sass auf einem Stuhl und sah aus dem Fenster. Als er aufgestanden war, hatte sie ihm einen kurzen, undeutbaren Blick zugeworfen. Joska lag auf einem zweiten Bett und schlief noch.
Als Usagi zufrieden war, legte er sich wieder hin. Das Bluten seiner Wunden würde bald wieder aufhören und mit Verbänden voller Blut würde er einen noch mitleiderregenderen Anblick bieten. Karla war unterdessen zur Tür gelaufen und rief nach Lahmar.
"Lahmar! Er blutet sehr stark!!"
"Karla", lachte Usagi, "das stimmt doch überhaupt nicht."
Aber sie war sehr besorgt. Natürlich war sie kein Kämpfer. Usagi konnte gut einschätzen, wie stark Käl ihn verletzt hatte, aber für sie mussten die vielen, schwach blutenden Wunden ein schrecklicher, furchteinflössender Anblick sein.
Lahmar kam sofort. "Wie ich sehe, seid ihr bereits sehr darum bemüht, meine Arbeit zunichte zu machen", sagte sie unfreundlich.
"Ich muss mich ein wenig bewegen, sonst denken die Räte am Ende noch, dass ich doch schon tot bin", verteidigte sich Usagi.
"Dann nehmt wenigstens Rücksicht auf Karla."
"Das tue ich, soweit es eben möglich ist. Alles von ihr fernzuhalten, würde ihr auch nicht gut tun."
Lahmars Schultern sanken herab. "Es tut mir Leid", entschuldigte sie sich und Usagi wollte seinen Ohren fast nicht trauen.
"Als diese Männer hier eindrangen und kurze Zeit später Kaut mit eurem leblosen Körper hier ankam, da fürchtete ich das Schlimmste."
"Es geht mir gut, auch wenn es anders aussieht", beruhigte Usagi sie.
"Ja", sagte die Heilerin, "ich hätte es mir eigentlich denken können. Aber ich behandle nur selten Unsterbliche."
"Es ist kein lohnender Geschäftszweig", antworte Usagi grinsend, "wir werden so selten krank."
"Was ist überhaupt passiert?"
"Kenga liess mich gestern Nacht durch Jezko ermorden."
"Das sieht mir nicht nach Jezko aus", sagte die Heilerin, "Er ist eigentlich niemand, der andere quält."
"Diese Wunden hat mir Käl zugefügt, ein Freund."
"Ihr erzählt und ich höre zu", seufzte die alte Frau.
"Jezko hat mich getötet und dann Karla entführt. Kaut war ihm auf den Fersen, aber wegen der Entführung einer Sklavin würde er Kenga nicht verhaften können."
"Also beschlossen wir, einen weiteren Körper von mir zu Misshandeln und Kenga unterzuschieben. Der Stadtrat Venari begleitete Kaut, als dieser mich "fand" und nun wird Kenga einige Schwierigkeiten haben, sich herauszureden."
Lahmar lachte ungläubig. "Ihr habt euch foltern lassen, damit Kenga verhaftet werden kann?"
"Nein, eigentlich nicht", gestand Usagi. "Solange ich den Körper nicht beseele, spüre ich nicht, was mit ihm geschieht und ich kann meine Schmerzwahrnehmung frei einstellen, so dass ich selbst dann nichts spüren würde, wenn ich noch Schmerzen hätte. Ihr habt ausgezeichnete Arbeit geleistet."
"Danke", sagte die Heilerin trocken. "Was habt ihr nun vor?"
"Nun, in ein paar Stunden werden einige Stadträte mich besuchen kommen, um mir ein paar Fragen zu stellen. Diesen werde ich dann eine schmackhafte Geschichte erzählen, wie Kenga mich hat entführen lassen und dann gefoltert hat."
Lahmar wurde sehr ruhig bei diesen Worten.
"Kaut sagte mir, dass ihr es nicht gerne sehen würdet, wenn ich die Räte hier empfange", half Usagi ihr.
"Seht ihr, es gibt nicht viele Leute, die überhaupt wissen, dass ich in der Stadt bin. Es hat da in der Vergangenheit ... Missverständnisse gegeben, und es wäre mir recht, wenn das so bliebe."
Sie seufzte. "Aber ich will nicht zuviel verlangen. Wenn das der Preis für Kengas Untergang ist, dann bin ich bereit ihn zu zahlen."
Offen blickte Usagi sie an. "Warum hasst ihr Kenga so sehr?"
Die alte Frau seufzte schwer. "Es sind alte Geschichten, alte Wunden. Ich will sie nicht wieder aufreissen, vor allem, wenn es bald vorbei sein könnte."
"Vor allem, wenn es wider Erwarten nicht vorbei sein sollte", setzte sie hinzu.
Als Usagi schon fast nicht mehr mit einer Antwort gerechnet hatte, fuhr sie doch fort. "Ich war einst selbst eine Sklavin. Kenga besass mich. Ich wusste damals schon viel um Heilkunde und so musste ich andere Sklaven heilen. Manche waren auf dem Weg hierher verletzt worden."
"Andere wurden hier verletzt. Kenga hat einige üble Gesellen um sich geschaart und manchmal haben sich diese an den Sklaven vergnügt. Oder er selbst."
Sie schwieg einen Moment. "Ich habe Menschen retten müssen, für die der Tod eine Erlösung gewesen wäre, Herr Miyamoto."
"Und aus Angst habe ich es getan", fügte sie bitter hinzu.
Usagi dachte an die Zeit bei den Taja Ninjas zurück. "Ich habe ähnliches erlebt", bekannte er ruhig und Lahmar sah ihn traurig an. "Aber ich habe dabei auch etwas gelernt."
"Es braucht Stärke, um seine Angst zu überwinden. Und es braucht auch Stärke, um die Hölle zu überleben."
Er blickte nachdenklich an die Decke. "Meistens blicken wir nur auf diese erste Form der Stärke, weil sie so offensichtlich und deutlich ist. Aber die zweite Form existiert ebenfalls und vielleicht ist es die bessere Form."
Lahmar lachte leise. "Heilt ihr jetzt mich, Herr Miyamoto?"
"Es ist nur so wenig, das ich hier tun kann, aber das tue ich gern", antwortete Usagi.
Dann fiel ihm etwas ein. "Waren bei diesen Folterungen auch wichtige Personen aus der Stadt dabei?"
"Nun, Tauber hat sich besonders hervorgetan", sagte die alte Frau, die auf einmal sehr müde wirkte.
"Was sagt ihr da?" rief Usagi. "Lahmar! Ich muss sofort fort von hier! Ich bin sicher, dass er unter den Räten sein wird, die hier auftauchen werden! Wenn er euch sieht!"
"Macht euch keine Sorgen um eine alte Frau", lächelte Lahmar. "Das alles ist lange her, er wird mich kaum wiedererkennen."
"Lahmar, ich bin nicht bereit, so ein Risiko einzugehen", entschied Usagi. "Ruft einen Wagen. Karla, nehmt meine Kleider!"
"Wohin wollt ihr gehen?" fragte Lahmar, während Karla den Beutel mit Usagis Kleidung holte.
"Könnt ihr mir einen anderen Heiler nennen, dem wir vertrauen können?"
"Nein", bedauerte die Frau, "ich habe mich hier ziemlich verkrochen und eigentlich ist Kaut mein Kontakt zur Aussenwelt. Er wüsste vielleicht jemand, aber dazu müsste man jemanden zu ihm schicken und ihn fragen."
Usagi dankte den Göttern, dass er die Spione noch nicht zurückgezogen hatte. Rasch legte er sich wieder hin, ging ins Netz und aktivierte die kleine Sonde, die Kaut unsichtbar begleitete.
"... und wo hält sich Herr Miyamoto jetzt auf?" hörte er gerade noch.
Kaut zögerte einen Moment mit der Antwort. "Er ist entweder noch bei seinem Heiler oder wieder in seinem Gasthof, dem Rosengarten."
"Und welcher Heiler wäre das?" fragte die andere Stimme.
'Timing ist alles', dachte Usagi, richtete die Schallquelle auf Kauts Ohr und reduzierte die Lautstärke. "Sagt es und ich werde dort sein", flüsterte er Kaut quasi ins Ohr.
"Heiler Mrakvar in der Rosengasse 5", antwortete Kaut geistesgegenwärtig.
Ein Plan erschien vor Usagis geistigem Auge. Die Rosengasse 5 war markiert. 'Zu weit von seinem jetzigen Standort, um noch mit einem Wagen dorthin zu gelangen', dachte Usagi.
Er wählte eine weitere Sonde und brachte sie vor Ort. 'Wenn die Räte jetzt aufbrachen, dann würden sie in etwa 25 Minuten dort sein,' schätzte Usagi.
"Nun, dann schickt bitte jemanden, der den Aufenthaltsort von Herrn Usagi herausfindet und unterrichtet uns dann", wurde Kaut in diesem Moment angewiesen.
"Ich bin unterwegs", teilte er Kaut mir und kehrte in seinen Körper zurück.
Lahmar war fort, nur Karla sass noch an seinem Bett. "Karla, der Wagen würde zu lange brauchen. Holt Lahmar bitte wieder zurück!" wies er die Sklavin an, die sofort das Kleiderbündel fallen liess und hinter der Heilerin hereilte.
Usagi ging wieder ins Netz. Das nächste mal würde er erst einmal üben gleichzeitig in seinem Körper und im Netz zu sein. Das ständige Hin- und Herwechseln ging ihm auf die Nerven.
Über die Sonde kundschaftete er die Lage aus. Durch einen breiten Spalt in der Tür drang er ins Haus ein. Anders als bei Lahmar wiesen Schilder den Weg. Leider war in der Tür zu seinen Räumen kein Spalt zu entdecken. Aber er konnte Karla in den Gang schicken. Wenn nicht gerade zufällig jemand dort auftauchte, dann würde ihr plötzliches Erscheinen kein Aufsehen erregen.
Dann kehrte er in seinen Körper zurück. Es dauerte eine Weile, bis Karla zurückkam. Als er schon anfing, sich Sorgen zu machen, öffnete sie die Tür und lief in den Raum.
"Ich kann sie nirgends finden, Herr!" klagte sie.
"Das macht nichts", beruhigte Usagi sie. "Talia, wenn Lahmar zurückkehrt, dann sagt ihr, dass ich beim Heiler Mrakvar in der Rosengasse 5 bin!"
Talia hielt ihre Gefühle wie immer von ihrem Gesicht fern und nickte nur.
"Karla, lasst etwas Geld da, damit Lahmar dem Fuhrmann etwas für seine Mühen geben kann", wies Usagi die Sklavin an. "Ich werde jetzt noch einmal fortgehen, um nachzusehen, ob die Luft am Zielort rein ist. Sobald das der Fall ist, werde ich einen Durchgang für Dich öffnen."
"Du musst mit dem Heiler sprechen. Sobald Du mit ihm alleine bist, komme ich nach. Dann kann ich ihm alles erklären. Es ist nur sehr wichtig, dass Du ihn dazu bringst, alleine mit Dir zu sprechen, damit ich nachkommen kann. Hast Du das verstanden?"
"Ja, Herr."
"Gut." Usagi wechselte wieder ins Netz und bereitete alles für den Transport vor. Der Spion zeigte immer noch den leeren Gang an. Sofort aktivierte Usagi den Durchgang und in der leeren Luft erschien ein Loch, durch das man das Zimmer sehen konnte, in dem er lag. Rasch trat Karla hindurch und Usagi schloss den Durchgang wieder.
Zaghaft klopfte sie an die Tür des Heilers. Nach ein paar Momenten öffnete sie sich und Usagi steuerte sofort den Spion hindurch.
"Mein Herr benötigt eure Dienste, Herr,", sagte Karla.
"Nun", sagte der Heiler, "ich behandle gerade jemanden. Wie schlimm ist es denn?"
"Sehr schlimm, Herr,", sagte Karla hastig.
"Oh, ich verstehe. Hmmm... dann sollte ich wohl gleich mit euch kommen. Nur ..."
"Nein!" rief Karla aus. Verwirrt starrte der Heiler sie an. "Nein, er kommt hierher!" sprudelte Karla hervor, "er ist bereits unterwegs!"
"Oh, aha, ich verstehe", sagte der Heiler, der sich völlig falsche Vorstellungen davon machte, warum Karla so nervös war.
"Nun beruhigt euch erst einmal etwas", redete er auf Karla ein, die nur noch nervöser wurde, je mehr er versuchte sie zu beruhigen.
"Bitte, Herr", flehte Karla, "es ist sehr wichtig, dass ihr euren Patienten fortschickt!"
"Aber, aber, gutes Kind, sicherlich ... nun weint doch nicht gleich, so beruhigt euch doch, kommt doch herein ..."
Er führte Karla in das grosse Zimmer, das gleichzeitig seine Wohnung und Behandlungszimmer war. Ein Mann sass dort mit nacktem Oberkörper auf einem Stuhl und blickte die weinende Karla freundlich an.
Sofort erhob er sich und bot ihr den Stuhl an.
"Nun, äh, es tut mir sehr Leid, Herr Karuscho, aber wie ihr selbst sehen könnt", sagte der Heiler entschuldigend.
"Aber das ist doch keine Sache", sagte der Karuscho freundlich, "ich kann doch morgen noch einmal wiederkommen."
"Das ist wirklich sehr freundlich von euch", sagte der Heiler erleichtert. "Es tut mir wirklich sehr Leid."
"Macht euch keine Sorgen", lachte der Mann heiter und begann sich quälend langsam anzuziehen, "so dringend ist es bei mir ja nicht." Er zwinkerte Karla zu.
"Euer Herr ist bei Heiler Mrakvar ist guten Händen", sagte er, während er sein Hemd umständlich zuknöpfte.
Während Usagi sich schon Sorgen zu machen begann, erwies sich Karla als erstaunlich praktisch. Sie wischte sich die Tränen mit einem Taschentuch aus dem Gesicht und schniefte.
"Ich helfe meinem Herrn morgens beim Ankleiden, Herr Karuscho. Ich würde mich freuen, wenn ich euch helfen dürfte, Herr, quasi als kleine Gegenleistung für euer Entgegenkommen."
"Oho", lachte Karuscho väterlich, "nun, ich würde lügen, würde ich sagen, es wäre mir unangenehm mir von so einer bildschönen jungen Dame helfen zu lassen."
"Ich danke euch vielmals, Herr,", verneigte sich Karla demütig und erstaunlich kurze Zeit später war Herr Karuscho fertig angezogen und aus der Tür.
"Nun", sagte der Heiler freundlich zu Karla, nachdem er Herrn Karuscho aus der Tür begleitet hatte,"sagt ihr mir wenigstens, wer euer Herr ist?"
"Ich", sagte Usagi an ihrer Stelle. Der Heiler fiel fast in Ohnmacht, als er so plötzlich aus dem Nichts auftauchte.
"Was ...? Wer ...? Wie seid ...? Ihr blutet ...", stammelte er.
"Ich dachte, dass nur meine Sklavin immer so nervös ist", antwortete Usagi trocken. "Kann ich mich irgendwo hinlegen?"
"Äh, was? Hinlegen? Oh, äh, sicher, hier, gleich hier, ich meine ..."
Er führte Usagi zu einem Bett, welches sich hinter einem Vorhang verbarg und Usagi legte sich hin.
Der Heiler stand einen Augenblick unschlüssig da und Usagi fragte sich besorgt, was er tun sollte, wenn der Heiler versuchen sollte, zu fliehen. Aber am Ende siegte doch seine Berufsehre und er begann Usagi vorsichtig zu untersuchen.
"Hmmm... ja... gut... das sieht gut aus... hier auch ... Schmerzen?"
"Nein", sagte Usagi.
Der Heiler runzelte die Stirn. "Was kann ich dann für euch tun?"
"Kennt ihr Hauptmann Kaut?"
"Ja", antwortete der Mann vorsichtig.
"Er hat heute Nacht Händler Kenga verhaftet", berichtete Usagi. "Er hat mich in Kengas Haus gefunden und zu euch gebracht. Ihr habt meine Wunden versorgt und ich habe bis jetzt hier geschlafen und mich erholt."
"Meine Wunden waren nicht tödlich, sondern nur viele und wahrscheinlich sehr schmerzhaft. Ihr würdet vermuten, dass ich gefoltert worden bin. Ich habe dabei viel Blut verloren, bin aber ausser Gefahr. Irgendwann am Morgen ist meine Sklavin hier eingetroffen und hat mich seitdem bewacht. Habt ihr das verstanden?"
"Ja", antwortete der Mann, aber es klang überhaupt nicht begeistert.
"Gut, denn in wenigen Augenblicken wird jemand von der Stadtwache hier erscheinen und fragen, ob ich noch hier bin oder schon in den Rosengarten zurückgekehrt bin. Sagt ihm, dass ich hier bin und noch eine Weile hier bleiben werde."
"Später wird dann Hauptmann Kaut selbst mit einigen Räten der Stadt kommen, um mir Fragen zu stellen. Wenn ihr seht, dass Kaut mein Freund ist, dann möchte ich euch bitten, meine Version der Geschichte zu erzählen, falls man euch danach fragen sollte."
"Natürlich", sagte Mrakvar sofort zu, aber Usagi spürte, dass er das nur sagte, damit Usagi ihn nicht sofort umbrachte.
Usagi seufzte. "Was muss ich tun, um euch zu überzeugen?"
"Nichts, nichts", sagte der Mann hastig, "ich glaube euch jedes Wort!"
"Wenn ihr später so schlecht lügt, dann wird Kaut Kenga vielleicht freilassen müssen und Kenga wird sich fragen, was ihr mit der ganzen Sache zu tun habt", sagte Usagi ungerührt, aber der arme Mann tat ihm Leid.
"Nein! Nein! Nein, ich werde ...", begann der Heiler verzweifelt, aber da klopfte es schon an die Tür.
"Ich muss ... aufmachen ...", machte der Heiler und Usagi war schon halb davon überzeugt, er würde die Tür aufreissen und weglaufen, als Karla resolut an ihm vorbeiging und öffnete.
"Verzeihung", kam eine unbekannte Stimme aus dem Gang. "Mein Name ist Tuna Holgar von der Stadtwache. Ich soll mich erkundigen, ob Herr Miyamoto sich noch hier aufhält, oder ob er schon in sein Gasthaus zurückgekehrt ist."
"Mein Herr ist noch hier", antwortete Karla demütig.
"Ah, gut. Darf ich eintreten?" fragte Holgar höflich.
"Natürlich." Karla trat beiseite und liess ihn vorbei.
"Ah, Heiler Mrakvar", begrüsste die Wache den Heiler mit Handschlag, "Hauptmann Kaut war voll des Lobes über ihre Fähigkeiten."
"Oh, äh, tatsächlich?" sagte der Heiler etwas überrascht.
"Ja", sagte Holgar, "und ich soll euch auch sagen, dass ihr ... das ist jetzt wortwörtlich ... dass ihr gefälligst das tun sollt, das Usagi von euch verlangt!"
