Usagi Yojimbo and Pau Tai Teil 13: Tenno

Der zwölfte Teil der Geschichte

Zwischenspiel

"Wie konnte das passieren?" fluchte Dan Katsumi, der Chunin der Neko Ninjas, der den Angriff auf Fürst Noriyuki geführt hatte.

'Der Befehl für den Angriff auf Noriyuki ist doch direkt von Hikiji selbst gekommen!' dachte er wütend. 'Dennoch liegen jetzt viele meiner Männer Tot im Wald! Erschlagen von Hikijis Männern! Wenn das Ganze nur eine Finte von Fürst Hikiji war, um Fürst Noriyuki in seine Gewalt zu bekommen, warum hat er uns das dann nicht gesagt? Wir hätten unseren Tod genauso gut vortäuschen können!'

Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, Idane Makiko, die Anführerin der Neko Ninjas, zu hintergehen. Er seufzte. Schon Kagemaru, der letzte Chunin, der versucht hatte, die Macht über die Neko Ninjas an sich zu reissen, war an Chizu, der Mutter von Makiko gescheitert. 'Glücklicherweise hat die Tochter bisher keine Ahnung, dass ich Kagemarus Werk fortsetze.'

In seinem Bericht würde stehen, dass sie auf eine überlegene Truppe von Kämpfern von Fürst Hikiji getroffen waren, die sie angegriffen hatten. 'Nahe genug an der Wahrheit, um keinen Verdacht zu erregen.' Er entspannte sich etwas. 'Wenigstens haben wir die Verfolger vorerst abgehängt.'

"Was ist passiert?" schnitt da auf einmal eine Stimme durch den Wald.

'Makiko', stöhnte Katsumi, erhob sich sofort und kniete vor seiner Anführerin nieder. 'Heute ist nicht mein Tag.'

Glücklicherweise konnte ihn niemand mehr mit dem feigen Mord an ihrem Ehemann Arinori in Verbindung bringen. Irgendwann würde er seine Chance bekommen auch sie zu beseitigen und die Neko Ninjas endlich zu neuer Grösse zu führen.

"Wir sind auf Soldaten von Fürst Hikiji gestossen", berichtete er fast wahrheitsgemäss.

"Und was hat es mit den Toten mit dem Wappen von Fürst Noriyuki auf sich?" fragte sie scharf.

Während sich Katsumi noch eine Antwort zurechtlegte, sagte eine unbekümmerte Stimme vom Rand der Lichtung: "Die sind auf Katsumi gestossen."

Entsetzt blickte Katsumi auf. Locker an einen Baum am Rand der Lichtung, die ihnen als Rastplatz diente, lehnte eine schmächtige Figur. Sie stand da, als wäre es das natürlichste auf der ganzen Welt.

'Wie ist er unbemerkt an den Wachen vorbeigekommen?' fragte sich Katsumi noch erstaunt, als sich schon der erste Ninja auf den Fremden stürzte.

Mit einer lockeren Bewegung packte der Fremde den Angreifer am Hals, konnte aber nicht mehr verhindern, dass der Ninja ihn mit seinem Schwert am Kopf traf.

Mehrere Ninjas stöhnten auf, als das Schwert vom ungeschützten Kopf des Fremden abprallte ohne eine sichtbare Verletzung zu verursachen. Der Fremde ignorierte den Angriff.

Der Ninja zappelte im Griff des Fremden, der ihn völlig problemlos festhielt. Das Schwert zuckte nach dem ungeschützten Hals, dem Gesicht, der Hand, die den Ninja festhielt. Immer ohne eine Wirkung. Selbst ein direkter Stoss ins Auge des Fremden blieb ohne Reaktion.

Dann bewegte sich der Daumen des Fremden nur eine Kleinigkeit und mit einem trockenen Knacken gab das Genick des Ninjas nach. Er erschlaffte, als wäre er eine Marionette, bei der man die Fäden abgeschnitten hatte.

Der Fremde stiess sich vom Baum ab und zog dem Ninja die Maske vom Gesicht. "So jung und schon tot", sagte er unbekümmert. Dann holte er ein wenig aus und warf den toten Körper 8 Ken(1) weit über die Lichtung. Als er aufprallte, überschlug er sich mehrmals und kam dann neben Katsumi zu liegen.

1. 15m

Leere Augen starrten Katsumi an. Katsumi erkannte das Gesicht. Es gehörte einem der wenigen Ninjas, die ihn bei seinen Plänen unterstützten.

Er wollte schon den Befehl geben, sich auf den Fremden zu stürzen, aber Makiko kam ihm zuvor: "Tötet ihn!" befahl sie.

Nichts geschah.

"Tststs", machte der Fremde. "Scheint ja ein schwerer Fall von Gehorsamsverweigerung zu sein", witzelte er.

'Wer ist das?' fragte Katsumi sich entsetzt. 'Was ist er? Und was will er?'

Dann begann der Fremde zu ihnen herüberzukommen. Katsumi wollte nach seinem Schwert greifen, aber er konnte seine Arme nicht mehr bewegen! Und seine Beine auch nicht! Die Muskeln gehorchten, aber trotzdem konnte er sich nicht rühren.

Leise pfeifend und ab und zu leise murmelnd ging der Fremde auf der Lichtung herum. Bei manchen Ninjas blieb er stehen, manchmal nickte er anerkennend oder schüttelte den Kopf. Dann berührte er einen Ninja mit dem Zeigefinger am Kopf.

Der Ninja verschwand spur- und geräuschlos.

Kaltes Entsetzen hatte Katsumi gepackt. Verzweifelt versuchte er sich zu befreien, aber was auch immer ihn hielt, es gab nicht nach.

Noch acht weitere Ninjas lies der Fremde verschwinden, dann waren Makiko und er dran. Lächelnd kam der Fremde zu ihnen. Angstschweiss stand Katsumi auf der Stirn, als der Fremde langsam seine Hand ausstreckte und ihn auf der Stirn berührte.

"Abayo(2)!" rief der Fremde den übrigen Ninjas fröhlich zu und löste sich in Nichts auf.

2. Bis dann

Alte Freunde und neue Feinde

"Ich bitte euch, lasst es mich versuchen", bat Fürst Hirano inständig.

Wütend verzog Fürst Hikiji das Gesicht. "Was sollte das nützen?"

"Warum habt ihr ihn dann nicht gleich getötet?" wollte Fürst Hirano wissen.

Das fragte Hikiji sich auch. Das Schwert schnitt mit dem Widerstand, den er haben wollte und tötete, verwundete oder betäubte seine Feinde, ganz wie er es befahl. Warum er Noriyuki verschont hatte, war ihm selbst nicht klar.

Soldaten hatten den reglosen Körper nach draussen geschleift und für die Hinrichtung angepflockt. Noch lag er bewusstlos im Gras, aber ein Gedanke von Hikiji genügte und er würde erwachen. 'Ein letztes Mal', dachte Hikiji bei sich.

'Warum hat er mich auch angegriffen? Es macht einfach keinen Sinn!' wunderte er sich. Nach allem, was er über Fürst Noriyuki gehört hatte, passte so ein unehrenhaftes Verhalten nicht zu ihm.

Aber ihre Begegnung hatte schon von Anfang an unter einem schlechten Stern gestanden. Hikiji hatte sich schon gestern darüber gewundert, dass Noriyuki so abweisend gewesen war. Als die anderen Fürsten sich vom Shogun abgewandt und ihren Treueid auf den Imperator geleistet hatten, hatte es nie solche Probleme gegeben.

Noriyuki hatte richtig erkannt, dass es kein Zufall gewesen war, dass Hikiji rechtzeitig zur Stelle gewesen war, um ihn zu retten. Wie schon öfter in den letzten Monaten hatte Kusanagi Hikiji geführt.

Bis er um die Biegung der Strasse geritten war, hatte Hikiji keine Ahnung gehabt, wem er helfen sollte, aber als er das Wappen der Geishus sah, war er überglücklich gewesen. Schliesslich war Noriyuki der Letzte der grossen Fürsten, die den Shogun noch bei seinem sinnlosen Versuch unterstützten, das Unvermeidliche aufzuhalten.

Kusanagi hatte ihn zum Imperator erkoren. Hikiji-Tenno würde sein Titel sein, schon in wenigen Tagen. Nichts konnte das noch verhindern. Ausser natürlich ein dummer Zufall, der ihn das Leben kostete.

Doch das Schwert hatte ihn wie immer zuverlässig geschützt. Noch bevor Noriyuki den Entschluss gefasst hatte, ihn anzugreifen, war Hikiji gewarnt gewesen. 'Der Narr', dachte er kopfschüttelnd. 'Wusste Noriyuki nicht, dass es unmöglich war, den Träger von Kusanagi hinterrücks anzugreifen?'

Aber Hirano hatte natürlich recht. Wahrscheinlich war Fürst Noriyuki immer noch verwirrt, weil er glaubte, dass Hikiji hinter dem feigen Anschlag auf ihn steckte. Es war wirklich seltsam, dass er nicht mit sich reden liess. Alle anderen Fürsten, die sich ihm angeschlossen hatten, waren am Anfang auch abweisend gewesen, aber man hatte wenigstens miteinander reden können.

Am Ende hatte er mit jedem von ihnen eine Lösung gefunden, die beide Seiten zufriedengestellt hatte. Nur Noriyuki weigerte sich aus irgendeinem Grund standhaft, auch nur zuzuhören. Fast hätte Hikiji ihn zum Shogun zurückgeschickt, aber nachdem Noriyuki ihn angegriffen hatte, war das nicht mehr möglich.

Es würde selbst jetzt noch schwer genug sein, die wütenden Fürsten und anderen Verbündeten wieder zu beruhigen, sollte sich Noriyuki ihnen wirklich anschliessen. Aber Noriyuki war wichtig.

Wenn er auf ihre Seite wechselte, dann wäre es vielleicht sogar möglich, dass das Land ohne weiteren Kampf an ihn fiel. Sicherlich würde der Shogun nicht gegen eine vierfache Übermacht und Kusanagi kämpfen wollen. Hikiji könnte ihn dann zu Verhandlungen zwingen.

"Versucht es", stimmt er deshalb zu, "sprecht ihr mit ihm."

"Aber wenn er auch nicht auf euch hört, dann kann ich nichts mehr für ihn tun", fuhr Hikiji fort.

"Ich verstehe", sagte Hirano erleichtert. "Ich werde tun, was ich kann."

"Vielleicht wäre es aber möglich alleine in einem Zelt mit ihm zu sprechen?" schlug er vor. "Fürst Noriyuki wird sicher zugänglicher sein, wenn er hier nicht wie ein Tier angebunden mit mir sprechen muss."

"Natürlich", entschied Hikiji und gab den Wachen einen Wink. Diese banden den immer noch bewusstlosen Fürsten wieder los und trugen ihn in ein leeres Zelt. Dort legten sie ihn auf ein Lager und zogen sich dann auf Wunsch von Hirano zurück.

Draussen wartete Hikiji, bis alle Wachen das Zelt verlassen hatten und gab Kusanagi dann die Anweisung, den Fürsten erwachen zu lassen. Wie immer bestätigte das Schwert den Befehl demütig.

Im Zelt schlug Noriyuki die Augen auf. 'Was ist passiert? Bin ich tot?' dachte er verwirrt. Er fühlte keinen Unterschied.

"Ihr wart nur kurz ohnmächtig", erklärte eine Stimme, die Noriyuki nie mehr hören wollte.

"Fürst Noriyuki", sagte Hirano eindringlich, "wir waren fast 25 Jahre enge Verbündete. Ich bitte euch im Andenken an diese lange Zeit mir zuzuhören."

Noriyuki blickte ihn nicht an. Kein Muskel regte sich in seinem Gesicht. Trotzdem spürte Hirano die Wut, die Verzweiflung in dem Fürsten. Es war wirklich so wie Pau ihm einst gesagt hatte. Selbst wenn man seine Gefühle sorgfältig von seinem Gesicht fernhielt, so sagte das nur noch deutlich aus, was man eigentlich verbergen wollte.

Er seufzte. Pau hätte gewusst, wie man die Ablehnung von Noriyuki durchbrechen konnte. Er kannte seinen alten Freund Noriyuki zu gut, als dass er sich viele Hoffnungen gemacht hätte. Noriyuki war intelligent und liess mit sich reden, aber von seinen Prinzipien wich er nicht ab.

Zum wiederholten Mal fragte er sich selbst, warum er die Fronten gewechselt hatte. Und wie schon zuvor war er sich einfach sicher, das Richtige getan zu haben. Er konnte es nicht erklären. Aber Pau hatte ihm geraten seinen Gefühlen mehr zu vertrauen als seinem Verstand. Also tat er das nun.

"Ich höre euch zu", antwortet der Fürst ohne sich von seinem Bett zu erheben.

"Wollt ihr wissen, warum ich mich von Shogun abgewandt habe?" fragte Hirano seine alten Freund.

"Warum?" kam die knappe Antwort.

"Ich weiss es selbst nicht", gestand Hirano ruhig.

Damit überrascht er Noriyuki. Der Fürst runzelte die Stirn und blickte ihn zum ersten Mal an. "Das soll ich glauben?"

"Es ist die Wahrheit", schwor Hirano und Noriyuki, der seinen Freund inzwischen schon fast so gut kannte, wie sich selbst, hatte wirklich den Eindruck, dass Hirano es so meinte, wie er es sagte.

"Ich weiss nur ganz sicher, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe", fuhr der alte Fürst fort.

"Ihr erinnert euch sicher, wie ich euch erzählt habe, wie Pau Tai mich behandelt hat. Sanshobo hat ja mit euch das Gleiche getan."

Noriyuki nickte und hörte weiter zu.

"Pau Tai hat mir damals gesagt, dass ich mich auf meine Gefühle verlassen kann und meine Gefühle sagen mir, dass ich hier an der richtigen Stelle bin."

"Könnte es nicht sein, dass Hikiji euch mit irgendeinem Zauber belegt hat und ihr euch täuscht?" fragte Noriyuki mit neutraler Stimme.

"Das habe ich mir auch schon überlegt", gab Hirano zu, "aber ich finde keine Anzeichen. Fürst Hikiji behandelt seine Verbündeten gut, er verlangt nichts, was er nicht selbst bereit wäre zu geben, er verhandelt fair und steht zu seinem Wort."

"Seht euch selbst an! Der alte Fürst Hikiji hätte keinen Augenblick gezögert euch nach einem solchen Angriff auf sich zu töten. Aber der Tenno bat mich, noch einmal mit euch zu sprechen. Ich schwöre, dass er an dem Anschlag der Ninjas völlig unschuldig ist!"

"Ihr wollt mir wirklich sagen, dass er rein zufällig im letzten Moment aufgetaucht ist?"

"Nein, das ist er nicht. Kusanagi hat ihn zu euch geführt", erklärte Hirano, "um euer Leben zu retten."

"Kusanagi", lachte Noriyuki ironisch. "Nun, dass erklärt natürlich alles."

Hirano gab sich noch nicht geschlagen. "Wisst ihr, was ich gehört habe? Es soll unser Freund Usagi gewesen sein, der das Schwert ursprünglich gefunden hat!"

"Tatsächlich?" sagte Noriyuki, aber er klang nicht sehr interessiert. 'Was Pau Tai wohl sagen würde, wenn er wüsste, wie schlecht wir die Chance für Frieden genutzt haben, die er uns gegeben hat', dachte er bei sich.

"Ich verstehe es einfach nicht", sagte Hirano frustriert. "Was ist mit euch? Warum hört ihr mir nicht zu?"

"Ich höre euch zu", gab Noriyuki zurück.

"Nein", antwortete Hirano, "nein, das tut ihr nicht. Wohl hört ihr meine Worte, aber was ich sagen will, dass stösst bei euch auf taube Ohren."

Noriyuki fand, dass es endlich an der Zeit war, diese Farce zu beenden. "Würdet ihr jemandem zuhören, der alles verraten hat, an das ihr geglaubt habt?" fragte er kalt.

Hirano sackte in sich zusammen. Er hatte versagt.

Hoffnungslos startete er einen letzten Versuch: "Ich habe den Shogun nicht verraten", sagte er ruhig.

"Ach, nicht?" spottete Noriyuki. Mit einer Mischung aus Trauer und Genugtuung sah er, wie er seinen alten Freund mit diesen Worten verletzte. "Sicherlich ist Fürst Hikiji in Wahrheit ein heimlicher Verbündeter des Shoguns und all das hier ist nur ein Spiel."

"Ich weiss, dass ich nach allem Anschein den Shogun verraten haben. Aber ich empfinde es nicht so", verteidigte sich Hirano. "Ich kann es nicht erklären. Ich habe das Richtige getan."

"Noch etwas?" versetzte Noriyuki und Hirano schüttelte nur stumm den Kopf.

Noriyuki erhob sich und ging zum Ausgang des Zeltes ohne seinen ehemaligen Freund noch eines Blickes zu würdigen. Von heute an und in alle Zeit würde der Name Hirano im Klan der Geishu nur noch mit Verachtung ausgesprochen werden. 'Zumindest, wenn noch ein Wunder geschieht und ich es irgendwie schaffen sollte, Hikijis Lager lebend zu verlassen.'

Dann trat er in die Mittagssonne, bereit für seine Hinrichtung.

Mit etwas Abstand folgte ihm Hirano. Auf Hikijis Frage schüttelte der alte Fürst nur stumm den Kopf. Aufrecht blickte Noriyuki Hikiji in die Augen. Er würde sich nicht noch weiter vor seinen Feinden erniedrigen.

Hikiji seufzte. "Ein Wort von euch genügt", machte er einen letzten Versuch, "und ich gebe euch freies Geleit aus meinem Heerlager heraus."

"Ich werde nicht um mein Leben betteln", wies Noriyuki ihn entschlossen ab.

Hikiji kapitulierte vor so viel Verbohrtheit. Wenn er das jetzt durchgehen liess, war er selbst erniedrigt und das konnte er in der aktuellen Situation nicht zulassen. Zu viel stand auf dem Spiel.

Wortlos wies er auf den Hinrichtungsblock und Noriyuki setzte sich kommentarlos und mit hoch erhobenem Haupt in Bewegung.

Auf die Frage nach einem letzten Wunsch schüttelte Noriyuki nur stumm den Kopf.

"Ich verstehe immer noch nicht", sagte Hirano leise zu Himesama, "warum er sich so verändert hat. Es war Selbstmord Fürst Hikiji anzugreifen und trotzdem hat er es getan."

"Viele seltsame Dinge sind in den letzten Monaten geschehen", antwortete sie abwesend.

'Kusanagi, ich möchte, dass er ohne Schmerzen stirbt', befahl Hikiji. Nach einem kurzen Zögern bestätigte das Schwert den Befehl wie immer. Hikiji wunderte sich, denn das war noch niemals zuvor passiert, beschloss aber, später herauszufinden, was der Grund für Kusanagis Zögern gewesen war.

Er holte mit der in sanftem gelb leuchtenden Klinge weit aus und schlug zu.

Zwischenspiel

Ein weites Meer rauschte mit leichter Dünung an den Strand. Verwirrt blinzelte Katsumi in das grelle Tageslicht. Gerade war noch Nacht gewesen und jetzt stand die Sonne hoch am Himmel. Erstaunte Ausrufe zeigten ihm, dass er nicht alleine war.

Er blickte sich um und sah Makiko und die anderen neun Ninjas mit ihm am Strand stehen.

"Wo sind wir?" fragte sie, nachdem sie sich von der Überraschung erholt hatte.

"Bei mir Zuhause", erklang die fröhliche Stimme des Fremden.

Wie aus dem Nichts war er wieder aufgetaucht und stand nun ein paar Schritte entfernt im Sand.

"Wer seid ihr?" forderte Makiko zu wissen, "was wollt ihr von uns? Warum habt ihr uns entführt?"

Der Fremde antwortete nicht, sondern kam die paar Schritte zu ihnen gelaufen und begann den maskierten Ninjas die Masken vom Kopf zu ziehen. Ein paar Ninjas wollten ihre Waffen ziehen, aber Makiko schüttelte den Kopf. Stattdessen gab sie den Befehl die Masken abzunehmen.

"Ah", machte der Fremde, "ist doch gleich viel angenehmer in dieser Hitze."

Katsumi konnte sein Glück gar nicht fassen! Zufällig oder absichtlich, der Fremde hatte alle Ninjas mitgebracht, die ihm treu ergeben waren! So eine gute Gelegenheit Makiko aus dem Weg zu räumen würde er nicht so bald wieder bekommen.

"Tötet sie!" rief er und griff nach seinem Schwert.

Sofort folgten seine Getreuen seinem Beispiel, nur Kimi stürzte sich auf ihn statt auf Makiko. Erschreckt erkannte er, dass sie ihn verraten haben musste oder schon die ganze Zeit für Makiko gearbeitet hatte!

Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr. In wenigen Augenblicken würden beide tot sein und niemand konnte dann seinen Anspruch auf die Führung des Neko Klans mehr in Frage stellen.

Geraume Zeit später musste er frustriert zugeben, dass er die Rechnung ohne den mysteriösen Fremden gemacht hatte. Der Fremde hatte sich auf einen grossen Stein gelegt und liess sich von der Sonne wärmen. In einer Hand hielt er eine Traube mit unbekannten Beeren, von der er immer wieder ein paar abriss und sich in den Mund schob. Nicht sonderlich interessiert hatte er ihnen beim Versuch zugesehen, sich gegenseitig zu töten.

Wie schon bei ihm prallten ihre Schwerte wirkungslos an ihren Körpern ab. Auch Tritte ins Gesicht oder andere, empfindliche Körperteile zeigten keine Wirkung.

"Ist etwas nicht in Ordnung?" fragte der Fremde.

"Über Deinen Verrat sprechen wir später", zischte Makiko Katsumi zu und wandte sich dann wieder dem Fremden zu.

"Och, nö", machte der Fremde, "sprechen wir doch jetzt darüber!"

"Makiko, Kimi, kommt doch bitte her und setzt euch zu mir", sagte er und patschte mir der flachen Hand auf eine Stelle neben sich auf dem Fels.

Makikos Augen wurden zu schmalen Schlitzen, aber sie gab sich keinen Illusionen hin, dass der Fremde bekommen würde, was er verlangte. Wenn sie einen Überblick über die Situation hatte, konnte sie anfangen sich zu widersetzen, aber im Moment wäre das töricht gewesen.

Wortlos setzte sie sich in Bewegung und Kimi mit einigen Schritten Abstand. Steif setzten sie sich neben den Fremden.

"Hallo", sagte der Fremde, der seinen Kopf plötzlich auf ihre Schulter legte. Während sie sich noch fragte, wie um alles in der Welt er sich so schnell bewegen konnte, fuhr er fort: "Ihr seid aber zwei besonders hübsche! Habt ihr heute Abend schon etwas vor?"

'Flirtet er mit mir?' dachte Makiko ungläubig.

"Nichts, was euch einschliessen würde", antwortete sie schliesslich ruhig.

"Oh", sagte er enttäuscht, "bin wohl nicht ganz euer Typ, was?"

Er seufzte theatralisch. "Das Schicksal ist einfach ungerecht!" klagte er. "Da habe ich es endlich geschafft einer der mächtigsten Magier des Universums zu werden! Ich könnte eine Frau mit Macht, Reichtum und allem, nach dem es ihr verlangen könnte, überhäufen. Aber jetzt bin ich ihnen unheimlich!"

Geschlagen schleppte er sich wieder an seinen alten Platz zurück. "Tja, was soll man da machen?"

"Hier", sagte er und warf Katsumi eine kurze silberne Schnur zu. Sie fiel vor seine Füsse in den Sand.

Ohne den Blick von dem Fremden zu nehmen bückte sich Katsumi und hob die Schnur auf. Er warf einen Blick darauf. Sie schien aus einem Stück zu sein, war ziemlich schwer und flexibel, obwohl keine Glieder oder etwas in der Art zu sehen war. Auf den ersten Blick sah sie aus wie eine massive, runde Stange Silber, aber sie verhielt sich eher wie ein dickes Seil.

"Legt es euch bitte um den Hals", wies der Fremde ihn an.

"Warum?" fragte Katsumi misstrauisch.

Der Fremde seufzte wieder übertrieben. "Seht mal. Die Regeln sind hier ganz einfach: Ich bitte euch um etwas und ihr tut es. Alle anderen Optionen, von denen ihr vielleicht denkt, ihr hättet sie, sind nur eine Illusion."

Misstrauisch starrte Katsumi auf das Schmuckstück. Er konnte keinen Verschluss erkennen, also hängte er es sich hinten um den Hals und liess die beiden Endstücke vorne an seinen Schultern herunterhängen.

"Ihr müsst die beiden Endstücke nur aneinanderhalten, dann verschliesst es sich", erklärte der Fremde hilfsbereit.

Katsumi tat wie ihm geheissen. Tatsächlich verschmolz das Band zu einer Einheit. Er fuhr mit den Fingern über die Stelle, wo es offen gewesen war, aber da war nichts mehr.

"Wie öffnet man es wieder", fragte er.

"Oh, ich kann es öffnen, aber ihr werdet es bis zu eurem Tod tragen, schätze ich. Der übrigens erst in vielen, erfüllten Jahren sein wird."

"Und warum soll ich es tragen?"

"Ach, es vermeidet nur unnötige Diskussionen. Seht ihr, ich kann euch zwingen, alles zu tun, was ich will. Aber der Sklavenring bringt euch dazu, es freiwillig zu tun. Das ist sehr komfortabel für mich."

"Sklavenring", ächzte Katsumi und zerrte an dem Halsschmuck, der plötzlich enger geworden zu sein schien. Er riss sein Schwert aus der Scheide und schob es unter den Ring, aber er liess sich nicht zerschneiden.

"Helft mir!" schrie er und die anderen Ninjas versuchten den Ring mit vereinten Kräften wieder zu öffnen. Aber was sie auch versuchten, es brachte überhaupt nichts. Sie konnten nicht einmal Katsumis Genick brechen oder ihn erwürgen.

"Wie die kleinen Kinder", kommentierte der Fremde, während Makiko das grausame Spiel fassungslos verfolgte.

Nach geraumer Zeit gaben die Ninjas auf. "Fertig?" fragte der Fremde höflich. Eisiges Schweigen antwortete ihm.

"Hier, fangt das bitte", sagte er und warf Katsumi den Griff eines Katanas zu. Geschickt folgte Katsumi der Anweisung. An seinem Gesichtsausdruck war abzulesen, dass er das eigentlich gar nicht wollte, aber er tat es dennoch.

"Auf der Unterseite ist ein Knopf. Drückt ihn bitte", wurde Katsumi angewiesen. Mit einem unheimlichen Zischen fuhr eine lange, leuchtende Klinge aus dem Griff heraus.

"Das ist ein Lichtschwert", erklärte der Fremde fröhlich. "Es schneidet alles. Jetzt möchte ich euch bitten die Ninjas, die um euch herum stehen, zu töten", fuhr der Fremde gnadenlos fort.

Sofort schlug Katsumi zu. Innerhalb weniger Augenblicke hatte er seine sieben letzten Getreuen getötet. Hoffnungsvoll blickte er auf die leuchtende Klinge, aber bevor er sie gegen sich selbst einsetzen konnte, sagte der Fremde: "Passt auf, dass ihr euch nicht selbst verletzt."

Frustriert heulte Katsumi auf.

"Schaltet es wieder ab und gebt es mir bitte zurück."

Katsumi folgte auch diesem Befehl. Wie die Klinge im Griff verschwand, so schwand auch seine Hoffnung. Tränen liefen über sein Gesicht, als er den Griff zurückgab.

"Das ganze Leben besteht aus Regeln", erklärte der Fremde weiter, "manche werden einem gesagt, andere muss man selbst herausfinden. Hier sind ein paar neue Regeln für euch."

"Ihr werdet nur noch sprechen, wenn ihr angesprochen werdet." Katsumis Mund schloss sich und er verstummte.

"Wenn ihr angesprochen werdet, dann antwortet ihr höflich und demütig. Wenn ein männliches Wesen euch anspricht, dann antwortet ihr mit Herr und wenn eine Frau euch anspricht, dann mit Herrin. Habt ihr das soweit verstanden?"

"Ja, Herr", sagte Katsumi demütig und nur noch seine Augen zeigten sein Entsetzen.

"Sehr schön. Wenn ihr etwas gefragt werdet, dann antwortet ihr offen und ehrlich."

"Wie lange paktiert ihr nun schon mit Hikiji?" erkundigte sich der Fremde beiläufig.

"Seit fünf Jahren, Herr", antwortete Katsumi gegen seinen Willen.

Der Fremde quetschte ihn in der Folge völlig aus. Was auch immer Katsumi versuchte, um sich dem Verhör zu entziehen, am Ende musste er jede Frage offen und ehrlich beantworten. Unerbittlich holte der Fremde seine ganze dunkle Vergangenheit ans Licht.

Jeden Verrat, den er jemals an irgendjemand begangen hatte.

Der Mord an Makikos Ehemann.

Die Pläne für ihren Sturz.

Einfach alles.

Am Ende konnte er nicht sagen, wen Makiko entsetzlicher fand: Ihn oder den Fremden.

"Was werdet ihr jetzt mit ihm machen?" fragte Makiko.

Der Fremde sagte(3) es ihr lächelnd ins Gesicht.

3. Eine kleine Übung für den geneigten Leser: Was könnte der Fremde Makiko gesagt haben?

"Das ist nicht euer Ernst!" antwortet sie angewidert.

"Doch, doch!" versicherte der Fremde enthusiastisch. "Auf diese Weise ist er wenigstens noch zu etwas nütze und kann Leute glücklich machen, statt sie immer nur ins Unglück zu stürzen."

Katsumi wollte einfach nur sterben. Alles war besser als das, was der Fremde mit ihm vorhatte. Er hätte sogar Folter vorgezogen oder einen langen, qualvollen Tod.

"Seid ihr bereit?" fragte der Fremde. "Hier sind eure letzten Regeln."

"Ihr dürft keine Waffe besitzen oder berühren, weder um euer eigenes Leben zu verteidigen noch um jemand anders zu verletzen."

Voller Verzweiflung nahm Katsumi seine Waffen ab und liess sie in den Sand fallen.

"Ihr dürft keine Kleidung mehr tragen."

Katsumi wollte aufstöhnen, aber kein Laut kam über seine Lippen. Er wollte sich wehren, aber seine Hände begannen ihn auszuziehen. Nach wenigen Augenblicken stand er völlig nackt am Strand.

"Was ihr bisher gewesen seid, spielt nun keine Rolle mehr. So, jetzt brauchen wir nur noch jemanden, der euch einweisen kann", freute sich der Fremde. "Marena? Kommst Du bitte mal?"

Wenige Augenblicke später stand eine unglaublich erotische Erscheinung auf dem Strand. "Ihr habt mich gerufen, Herr?" fragte sie mit einer Stimme, die unermessliche Freuden versprach.

"Hallo Marena", grüsste der Fremde die Frau, die in ein wallenden Nichts von einem Gewand gehüllt war, durch welches immer wieder Teile ihres Körpers darunter aufblitzten.

"Wir haben einen Neuzugang. Kümmerst Du Dich bitte um ihn und bereitest ihn auf seine neue Aufgabe vor?"

Tiefbraune Augen verschlangen Katsumi. Voller Vorfreude leckte sie sich über ihre dünnen, schwarzen Lippen. Der Fremde gab ihr noch eine Art Schnur, dann schwebte sie auf Katsumi zu.

Sie umrundete ihn mehrmals, ihre Hände streichelten geschickt über sein Fell und er erzitterte unter der Berührung. Mit einer gekonnten Bewegung liess sie ein Ende der Hundeleine, die der Fremde ihr gegeben hatte, an seinem Halsreif einschnappen.

"Ihr werdet alles tun, was Marena von euch verlangt", wies der Fremde ihn noch an.

"Na dann komm, mein Süsser", sprach sie und setzte sich in Bewegung. Hilflos folgte das Lebewesen ohne Vergangenheit ihr in eine Zukunft, der es mit Schrecken entgegensah.

Miyamoto-Tenno

Als Qu'ral mit Ferdo erschien, setzten sich die Soldaten in Bewegung, um zu töten, was auch immer da in ihr Lager eingedrungen war. Seufzend errichtete Hanshiro einen kleinen Schild, um sie aufzuhalten.

Die ganze Szene verwandelte sich in einen Stummfilm. Sanraku, der solche Dinge nicht gewohnt war, starrte auf die Soldaten, die sich auf einmal völlig lautlos bewegten, deren Schreie zu sehen, aber nicht mehr zu hören waren.

"Macht euch keine Sorgen", beruhigte T'he ihn und erklärte in kurzen Worten, was geschehen war.

Usagi, der immer noch spürte, dass etwas Schreckliches geschehen würde, blickte sich nervös um. Wenn man von der Aufregung der Soldaten absah, dann schien hier alles in Ordnung zu sein.

Sein Blick fiel auf das Lager von Hikiji und ihm wurde klar: Es passierte dort drüben! Er fluchte und rief: "Ein Fernglas!"

Wortlos reichte Khassar ihm einen Feldstecher aus seiner Ausrüstung. Nervös begann Usagi das Lager auf der anderen Seite abzusuchen. Da, eine ungewöhnliche Leuchterscheinung. Hastig drehte er an der Vergrösserung.

Da stand ein junger Fürst in voller Rüstung mit dem Wappen von Hikiji. 'Das musste der neue Fürst sein', dachte Usagi. Anscheinend führte der Fürst gerade eine Hinrichtung durch.

Usagi schnaubte. 'Wahrscheinlich hat sich einer seiner Verbündeten nicht tief genug verbeugt', dachte er bitter.

Dann fiel sein Blick auf das Opfer und das Blut gefror in seinen Adern. Noriyuki!

"Nein!" schrie Usagi gegen jede Vernunft, "Nein! Kusanagi! Du darfst ihn nicht töten! Nicht Noriyuki!"

Erschreckt starrten die anderen ihn an. "Fürst Noriyuki?" fragte Sanraku entsetzt.

Er war viel zu weit weg, als dass Kusanagi ihn hören konnte.

Zu wenig Zeit, um Qu'ral zu bitten, ihn hinüber zu bringen.

Ferdo hätte Noriyuki vielleicht zusammenflicken können, wenn er eine entsprechende Ausrüstung dabei hätte. Wenn sie ihn hätten hinüberbringen können. Wenn er eine Chance gehabt hätte, überhaupt etwas zu tun, bevor Hikiji oder einer seiner Männer ihn auch getötet hätte.

Das Schwert zuckte nach oben und sauste herunter.

Usagi musste ohnmächtig zusehen.

Biss ins Nackenfell von Noriyuki.

Und blieb stecken.

Usagi musste die Verwirrung in Hikijis Gesicht nicht sehen, um zu wissen, dass er es geschafft hatte.

Kusanagi hatte ihn gehört.

Hatte sich seinem Willen gebeugt.

Jetzt fingen seine Probleme erst richtig an.

Vor Erleichterung zitterte er so stark, dass er sich setzen musste. Das Fernglas fiel fast aus seiner Hand.

"Was ist ...?" wollte Sanraku entsetzt wissen, aber Ferdo winkte ab.

Rasch untersuchte der Arzt Usagi. "Nur der Schreck", verkündete er schliesslich, "der ist gleich wieder auf den Beinen. Hier, lutschen!" Er drückte Usagi eine Tablette in die Hand.

Gehorsam folgte Usagi der Anweisung.

Inzwischen hatte sich eine stattliche Anzahl von Soldaten um das unsichtbare Hindernis versammelt, welches sie von den Eindringlingen fernhielt. Die ersten Offiziere tauchten auf, um sich ein Bild der Lage zu machen.

"Qu'ral, ihr müsst mich ins andere Lager bringen!" befahl Usagi.

"Jetzt?" fragte der Zauberer unbehaglich.

"Ja. Kusanagi hat mir gehorcht und Noriyuki nicht getötet. Aber vielleicht findet Hikiji irgendeinen Trick, um meine Anweisung zu umgehen."

"Er könnte ein normales Schwert nehmen", überlegte Khassar laut.

"Nur das nicht!" stöhnte Usagi auf.

"Ich kann uns schon hinüber bringen, aber dann geraten wir vom Regen in die Traufe", antwortete Qu'ral.

"Nein, wenn Kusanagi mir gehorcht, dann gehört die Armee da drüben mir", argumentierte Usagi.

"Und wenn nicht?"

"Dann werden wir beim Versuch sterben fast einhundertausend Leben zu retten", versetzte Usagi.

Qu'ral seufzte. "Ich hoffe wirklich, ihr wisst, was ihr da tut. Wohin?"

Usagi setzte den Feldstecher wieder an. Er suchte nach einer auffälligen Landmarke. "Hier", gab er den Feldstecher an Qu'ral weiter.

"Oben auf einem Hügel steht ein Zelt und darum sind viele verschiedene Banner aufgeflaggt", erklärte er.

"Ja, ich sehe sie", antwortete Qu'ral.

"Vor dem Zelt stehen einige Wachen und mehrere Fürsten. Einer davon ist Noriyuki. Am Boden liegt ein grosser Holzklotz."

Qu'ral nickte, dass er bereit war. "Sanraku, ich verlasse mich darauf, dass es hier nicht zu einem Blutbad kommt, während ich fort bin, um Noriyuki und uns alle zu retten", sagte Usagi eindringlich.

"Ihr könnt euch auf mich verlassen, Vater", versprach Sanraku.

"Dann los."

Auf der anderen Seite

'Dachte ich es mir doch', dachte Noriyuki bitter, 'er quält mich noch ein wenig, bevor er mich endgültig tötet.'

Fürst Hikiji war verwirrt. Aus irgendeinem Grund konnte er Noriyuki mit Kusanagi nicht verletzen. Das Schwert fühlte sich an, wie immer, aber es schnitt nicht einmal die Haare im Fell von Noriyuki.

Er war sich sicher, dass es etwas mit dem seltsamen Zögern des Schwertes zu tun hatte.

'Was ist los?' dachte er verärgert. 'Warum verweigert ihr euch mir?'

'Ich darf Noriyuki nicht töten', antwortete Kusanagi.

'Warum nicht?' fragte Hikiji verblüfft zurück.

'Mein Herr hat es mir verboten', kam die unglaubliche Antwort.

'Dein Herr? Ich bin Dein Herr!'

'Ihr seid nur ein Werkzeug, das den Plänen meines Herrn dient', war die Antwort im gleichen demütigen Tonfall wie immer. Jetzt klang es wie ein Hohn.

Hikiji starrte auf das Schwert. "Nur ein Werkzeug?" fragte er laut.

Gewaltsam beherrschte er sich. 'Ihr sagtet, dass die Götter mich ausgewählt haben, das Land zu einen.'

'Das ist richtig.'

'Dass ich der Tenno wäre!'

'Ich sagte, dass ich dem Tenno diene', korrigierte das Schwert demütig und ungerührt.

'Und wer ist der Tenno?'

'Ihr kennt ihn nicht', kam die niederschmetternde Antwort, 'aber er wird in wenigen Augenblicken hier eintreffen.'

Hikiji senkte das Schwert. 'Was soll ich nun tun? Was kann ich noch tun?'

Ihm war völlig klar, dass er gegen die Macht des Schwertes nichts ausrichten konnte. Es hatte ihn in der Hand, vielleicht noch viel stärker als irgendjemand sonst auf dieser Welt.

'Ich habe euch an mich gebunden', machte er einen letzten Versuch. 'Ihr müsst mir gehorchen.'

'Der Ritus um ein Schwert zu binden', war die Antwort, 'hat keine Wirkung auf mich. Ich gehorche euch so lange, wie mein Herr mir keine andere Anweisung gibt.'

Hikiji war klar, dass er am Ende war. Er konnte nur hoffen, dass der Herr von Kusanagi ihm wohlgesonnen war. Mit einer frustrierten Bewegung nahm er die kostbare Schwertscheide von seinem Rücken und steckte Kusanagi hinein. Nachdenklich hielt er es einen Moment in der Hand. Aber er wollte die Hoffnung noch nicht aufgeben.

"Steht bitte auf, Fürst Noriyuki" bat er und wunderte sich, wie er es schaffte, so ruhig zu bleiben. Nur wenige Momente zuvor war er der unumstössliche Herrscher über ganz Japan gewesen und nun nur noch ein Werkzeug des Schwertes.

Aber es war natürlich Kusanagi, welches ihn beeinflusste. Da er nicht der wirkliche Besitzer des Schwertes war, konnte Kusanagi seine ganze Macht gegen ihn einsetzen. Darum war er so ruhig.

Mit unbewegtem Gesicht stand der Fürst auf. "Ist euch noch etwas eingefallen, mit dem ihr mich quälen könnt, bevor ihr mich endgültig tötet?" fragte Noriyuki bitter.

"Ich kann euch nicht töten", antwortete Hikiji missmutig.

"Warum nicht?" fragte Fürst Hirano erstaunt und die anderen Lords stiessen Rufe des Erstaunens aus..

"Kusanagi weigert sich", antwortete Fürst Hikiji.

"Wie kann es sich euch, dem grossen Hikiji-Tenno verweigern?" fragte Noriyuki gehässig.

"Anscheinend habe ich es falsch verstanden. Als es meinen Befehlen gehorchte und es sagte, dass es nur dem Tenno diene, da ging ich davon aus, dass es mich meinte. Aber das war nicht der Fall. Ich bin nur ein Werkzeug von Kusanagi, um das Land für den Tenno zu erobern."

"Und wer soll das sein?" erkundigte sich Fürst Hirano erstaunt.

"Kusanagi sagte, ich würde ihn nicht kennen, aber er würde in wenigen Augenblicken hier sein."

Ein lautes Knallen lies ihn aufblicken. Wie aus dem Boden gewachsen stand da ein schneeweisser Hase und ein Hund dessen ebenfalls weisses Fell mit komplizierten, schwarzen Mustern durchsetzt war. Beide trugen Rüstungen mit dem Wappen des Fürsten Noriyuki.

Es hätte des Gedankens von Kusanagi nicht bedurft, dass sein Herr jetzt eingetroffen war. Hikiji spürte seine starke Ausstrahlung.

"Usagi?" fragten Fürst Hirano und Fürst Noriyuki wie ein Mann.

"Fürst Noriyuki, Fürst Hirano", grüsste der Hase, der in Hikijis Augen nur ein einfacher Samurai war, die beiden Fürsten.

Fürst Hikiji hielt sich nicht mit diesem Rätsel auf. Er wandte sich direkt dem Tenno zu und kniete vor ihm nieder. "Willkommen, Tenno", grüsste er respektvoll und hielt Kusanagi vor sich.

"Ich muss euch enttäuschen", sagte der Hund und trat rasch einen Schritt zurück, als hätte er Angst. "So gerne ich dieses Schwert auch einmal näher betrachten würde, so ist es doch sein Eigentum. Hoffe ich jedenfalls."

Hikiji fluchte innerlich über sein Missgeschick. Er hätte abwarten sollen, bis die Ankömmlinge sich vorgestellt hatten. Er wandte sich dem Hasen zu. "Verzeiht, Tenno. Es war nicht meine Absicht Respektlos zu sein", bat er.

"Ich verstehe", sagte der Hase ruhig und nahm das Schwert entgegen.

"Mein Name ist Miyamoto Usagi", stellte sich der Hase vor, "und mein Begleiter ist der Zauberer Qu'ral. Ihr seid Fürst Hikiji, nehme ich an?"

"So ist es, Miyamoto-Tenno", bestätigte Hikiji.

"Bitte erhebt euch", bat Usagi. Hikiji stand auf und betrachtete den Tenno heimlich genauer, während Usagi Kusanagi aus der Scheide zog.

Bei ihm leuchtete das Schwer nicht. Als Hikiji schon fürchtete, er hätte das Schwert zum zweiten Mal der falschen Person gegeben, hielt Usagi es hinter seinen Kopf, als wäre dort eine Scheide dafür. Aber die Scheide hielt er nach wie vor in der Hand. Dann liess Usagi das Schwert los und der Teil, den Hikiji sehen konnte, verschwand.

Automatisch sah er nach unten, aber das Schwert fiel nicht auf den Boden.

"Das benötige ich nicht", sagte Usagi freundlich und gab Hikiji die leere Scheide zurück.

"Natürlich, Tenno", antwortete dieser und gab die Scheide an einen Diener weiter, der rasch hinzusprang und sie entgegennahm.

Als Usagi an ihm vorbeiging, konnte Hikiji sehen, dass das Schwert tatsächlich verschwunden war.

Zusammen mit dem Zauberer folgte er dem Tenno. Er war ein wenig erleichtert, dass es bisher ganz gut gelaufen war. Anscheinend nahm der echte Tenno es ihm nicht übel, dass er Kusanagi verwendet hatte. Neue Hoffnung keimte in Hikiji auf.

Usagi hatte währenddessen seine eigenen Probleme. Obwohl er seinen Hass auf den früheren Fürst Hikiji abgelegt hatte, war er misstrauisch. Er würde unauffällig mit Fürst Hirano und Fürst Noriyuki sprechen müssen, um herauszufinden, ob und wie weit man dem neuen Hikiji trauen konnte.

Kusanagi dagegen war anscheinend glücklich. Zufrieden hing es unsicht- und unerreichbar für jeden ausser ihm auf seinem Rücken, wie Pau es auch mit seinem Schwert hielt. Zumindest hatte Usagi den Eindruck, auch wenn er nicht genau sagen konnte, warum. Wenigstens konnte man es ihm jetzt nicht mehr entwenden.

Blieb nur die Frage, wie man dieses riesige Gespinst aus Intrigen und Verrat, Misstrauen und Angst, wieder entwirren konnte.

Er spürte die Spannung unter den Anwesenden. Da war ein Bruch zwischen Fürst Noriyuki und Fürst Hirano. Während Fürst Hirano erfreut war ihn zu sehen, schien Noriyuki eher entsetzt zu sein.

"Fürst Noriyuki", grüsste Usagi seinen alten Freund.

Verzweifelt schüttelte Noriyuki den Kopf. "Nicht auch noch ihr", flüsterte er, "nicht ihr."

Verwirrt blinzelte Usagi. "Was meint ihr?"

"Sagt mir, dass ihr nicht auch noch zum Feind übergelaufen seid", flehte der Fürst und Usagi fürchtete, dass er gleich in Tränen ausbrechen würde.

"Das bin ich nicht", sagte Usagi beruhigend.

Er seufzte. "Die Situation ist leider viel komplizierter."

Usagi wandte sich an Fürst Hikiji. "Ich gehe davon aus, dass ihr den Oberbefehl über alle Teile eurer Truppen habt, und dass ihr alle wichtigen Entscheidungen trefft."

"Nun, nicht ganz", gab Hikiji zu, "wenn es zum Kampf kommt, dann habe ich den Oberbefehl, aber andere Entscheidungen werden von einer Versammlung der Fürsten getroffen."

"Ich verstehe", sagte Usagi leicht überrascht, "euer Vater hätte das anders gehandhabt."

"Mit Verlaub, Tenno, aber ich bin nicht mein Vater", antwortete Hikiji beherrscht.

Dann fiel ihm etwas ein. "Mein Vater hat mir oft von jemandem erzählt, der euch sehr ähnlich gesehen haben muss. Er hiess sogar genauso wie ihr. War der Todfeind meines Vaters euer Vater, Tenno?"

"Nicht ganz", antwortete Usagi ruhig und war gespannt auf die Reaktion auf seine Antwort. "Ich bin es selbst."

Hikiji war offensichtlich verblüfft. "Ich hätte euch für älter gehalten, Tenno."

"Ich bin viel älter, als ich aussehe", gab Usagi zurück.

Aber Hikiji beschäftigte jetzt etwas anderes. "Ich vermute, dass mein Schicksal damit besiegelt ist, Tenno."

Nachdenklich blickte Usagi den jungen Hikiji an. Auch wenn er es nicht wollte, der junge Mann gefiel ihm. 'Aber kann ich ihm trauen?'

Dann fiel ihm ein, dass er jetzt ja jemanden fragen konnte, der ihn nicht belügen würde.

'Kusanagi! Kann ich ihm trauen?'

'Er kann ein wertvoller Verbündeter von euch werden oder ihr könnt ihn töten und seinen Platz einnehmen', antwortete das Schwert sofort. Sein demütiger Tonfall war Usagi unheimlich, wie schon bei Paus Freundlichkeit.

'Hat er etwas mit dem Überfall der Ninjas auf Fürst Noriyuki zu tun?'

'Nein, das war sein Vater.'

"Der lebt noch?" entfuhr es Usagi.

'Ja', antwortete das Schwert lautlos während die umstehenden Usagi irritiert ansahen.

"Verzeihung", entschuldigte sich Usagi, "ich bin noch ungeschickt darin, mich mit Kusanagi zu unterhalten."

"Kusanagi sagt, dass euer Vater noch lebt", sagte er zu Hikiji.

Der junge Fürst machte ein unglückliches Gesicht. "Das stimmt, Tenno", gab er zu.

"Wirklich? Er muss inzwischen uralt sein!" sagte Fürst Hirano überrascht.

"Er klammert sich an sein Leben", seufzte Hikiji und in Usagi reifte die erste, zarte Idee zu einem Plan.

"Wo ist er?" fragte Usagi.

"Hier im Lager, Tenno", antwortete Hikiji. "Ich nehme an, ihr wollt ihn sehen?"

"Wer weiss, dass er hier ist?" wollte Usagi stattdessen wissen.

"Nun, nur die Personen, die uns jetzt gehört haben und ein paar seiner persönlichen Leibdiener", antwortete Hikiji.

"Perfekt!" freute sich Usagi. "Einfach perfekt! Sorgt dafür, dass das so bleibt!" befahl er.

"Natürlich, Tenno", antwortete Hikiji verwirrt.

Je länger Usagi über seine Idee nachdachte, desto besser gefiel sie ihm. Sie war einfach, am Ende würde niemand übrig bleiben, der davon wusste oder einen Vorteil davon hatte, wenn er sein Wissen ausplauderte. Er grinste. Pau selbst hatte vor langer Zeit den entscheidenden Anstoss gegeben.

'Ob er wohl vorausgesehen hatte, dass ich das, was er Hikiji damals gezeigt hat, nun brauchen würde?' dachte er amüsiert. 'Wem will ich etwas vormachen? Das ist ja nun nur knapp 20 Jahre her. Natürlich war es ihm klar.'

"Fürst Noriyuki, Fürst Hikiji, wir müssen uns kurz unterhalten, ohne dass uns jemand stört", sagte Usagi.

"Natürlich, Tenno", sagte Hikiji sofort. "Hier in diesem Zelt sind wir ungestört."

Die anderen Fürsten und Berater blickten finster, beugten sich aber dem Willen des Tenno. Usagi wünschte sich, er könnte ihnen befehlen aufzuhören ihn so zu nennen. Aber wenn er sie alle retten wollte, dann mussten sie tun, was er sagte.

Zumindest eine kleine Weile.

"Qu'ral, könnt ihr einen Schild erzeugen, dass man uns nicht belauschen kann?"

"Ja", sagte Qu'ral.

Sie gingen in das Zelt und Qu'ral bat sie, sich eng zusammen in die Mitte des Zelts zu setzen. "Ich kann leider nur sehr kleine Schilde erzeugen", entschuldigte er sich. "Und meine Schilde sind anderer Natur als die von Hanshiro. Daher wird es im Innern dunkel sein."

"Dagegen kann ich etwas tun", sagte Usagi und liess Kusanagi wieder erscheinen. Er hielt es vor sich und bat es zu leuchten. Wie bei Hikiji erstrahlte das Schwert in seinem gelben Glanz.

"Wenn ihr wollt, dass ich den Schild aufhebe, dann berührt ihn vorsichtig mit dem Schwert", sagte Qu'ral, "sonst hebe ich ihn alleine in etwa 17 Minuten auf."

"Warum so kurz?" wunderte sich Usagi.

"Dann ist die Luft in seinem Innern verbraucht", erklärte Qu'ral. "Ach ja, den Schild darf man nicht berühren."

"Oh", sagte Usagi. Bei Pau hatte immer alles so einfach ausgesehen. "Wir sind soweit."

Die Welt wurde schwarz.

"Also, ich habe folgendes vor", begann Usagi.

Da sie nur wenig Zeit hatten, erklärte Usagi hastig die Grundzüge seines Plans.

"Wenn das so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, dann sollten wir alle mit einem blauen Auge davonkommen", schloss er.

Die beiden Fürsten starrten ihn an, aber aus verschiedenen Gründen.

"Ihr wollt nicht herrschen?" fragte Fürst Hikiji.

Usagi schüttelte den Kopf. "Es sind die Leute, die denken, dass derjenige, der Kusanagi besitzt gleichzeitig der Tenno ist. Für Kusanagi ist das irrelevant. Es dient einfach nur seinem Herrn."

"Da die bisherigen Tennos alle versucht haben, das Land zu einen, ging Kusanagi davon aus, dass ich das auch will und hat versucht meinen vermuteten Wunsch zu erfüllen, damit ich mich quasi ins gemachte Nest setzen kann, wenn ich zurückkomme."

"Ich eigne mich nicht als Herrscher und ich habe auch keine Ambitionen, meinen Horizont in dieser Richtung zu erweitern. Alles, was ich will, ist den Schaden reparieren, den Kusanagi angerichtet hat und dann wieder zu verschwinden."

"Diesmal nehme ich das Schwert aber mit", beruhigte er Noriyuki.

"Wenn ich daran denke, dass das Schwert uns die ganze Zeit manipuliert hat", sagte Noriyuki verdriesslich, "und wir haben es nicht bemerkt."

"Das tut ihr immer noch nicht", antwortete Usagi, "dachtet ihr wirklich, dass Fürst Hirano freiwillig hier ist?"

"Wie macht es das?"

"Ich habe keine Ahnung", gab Usagi zu, "aber wahrscheinlich genauso wie die Waffe von Pau Tai, die uns alle in Angst und Schrecken versetzt hat."

Noriyuki erschauerte, als er sich wieder erinnerte. "Und ihr meint also, ihr könnt euch auf den Fürst Hikiji hier verlassen?" wechselte er das Thema.

"Das empfiehlt Kusanagi mir zumindest."

"Und wenn es euch auch täuscht, wie uns alle?"

"Ich hoffe, das kann es gar nicht, aber wenn ihr später ins Lager des Shoguns zurückkehrt, dann könnt ihr T'he fragen. Er ist mit meinem Sohn Sanraku und meinen anderen Begleitern hierher gekommen und kann diese Frage vielleicht beantworten. Ich muss gestehen, dass ich auch neugierig bin."

Dann verschwand der Schild. Als sie wieder frische Luft atmeten merkten sie erst, wie stickig es inzwischen unter dem Schild geworden war.

"Wenn ihr mehr Zeit braucht", sagte Qu'ral erschöpft, "dann muss ich mich erst einmal erholen."

"Vielen Dank", sagte Usagi, "aber ich denke, alles wichtige ist besprochen. Oder?"

"Ich habe keine Fragen mehr, Tenno", schloss sich Hikiji dem an und auch Noriyuki verneinte.

"Und ich darf das jetzt dem Shogun klarmachen", seufzte Noriyuki.

"Wer wäre besser geeignet", lächelte Usagi.

"Glaubt ihr wirklich, dass es funktionieren wird?"

"Für bessere Vorschläge bin ich immer offen."

"Gut", entschied sich Noriyuki, "in diesem Fall sollte ich mich auf den Weg machen. Wenn man im Lager des Shoguns die Leichen meiner Begleiter gefunden hat, dann wird man inzwischen schon ganz krank vor Sorge sein."

"Nichts könnte der Shogun im Moment weniger gebrauchen, als mich auch noch zu verlieren."

"Was werdet ihr tun, wenn der Shogun sich gegen meinen Plan entscheidet?" fragte Usagi leise.

Noriyuki sah zu Boden. "Es tut mir Leid", antwortete er schliesslich unglücklich.

"Dann bleibt mir nur, euch viel Glück zu wünschen", verabschiedete sich Usagi von seinem Freund.

"Möge es nur ein kurzer Abschied sein", versuchte Noriyuki die Stimmung wieder etwas aufzulockern.

Draussen gab Hikiji Befehl, eine Eskorte für Noriyuki zusammenzustellen. Der Fürst sah Usagi noch einmal ernst an, dann ritten sie den Hügel hinunter, zum Lager des Shoguns.

Hikiji liess sich die kostbare Schwertscheide für Kusanagi zurückbringen und Usagi gab ihm das Schwert zurück. Verwirrt folgten die anwesenden Fürsten und Berater dem Geschehen.

"Aufgrund der aktuellen Lage", erklärte Hikiji ihnen, "hat der Tenno entschieden, dass ich Kusanagi noch eine Weile tragen soll, bis wir die Schlacht für uns entschieden haben. Ausserdem behalte ich bis auf weiteres meine Aufgabe als Oberbefehlshaber."

Einige Fürsten waren sichtlich erleichtert. So kurz vor einer wichtigen Schlacht den Anführer auszutauschen, bedeutete immer unnötige Probleme und das wiederum bedeutete, dass mehr Soldaten sterben würden.

Zwischenspiel

"Was sind eure Pläne mit uns?" fragte Makiko düster. "Werdet ihr uns das gleiche antun, wie Katsumi?"

"Nein", sagte der Fremde leichthin, "das ist nicht notwendig."

Er streckte sich ächzend. "Ich werde erst einmal ein paar Runden im Meer schwimmen. Ihr könnt währenddessen tun, was ihr wollt."

Unbemerkt war eine nackte Echse zu ihnen getreten. Wie Katsumi trug sie nur einen silbernen, flexiblen Ring um den Hals. In der Hand balancierte sie ein Tablett mit mehreren Gläsern und einer Karaffe mit einem hellen, gelben Fruchtsaft.

"Ah, Tep, wie aufmerksam", freute sich der Fremde und der nackte Sklave lächelte.

Geschickt goss er Saft aus der Karaffe in drei Gläser und bot dann das Tablett den beiden Ninjas an. Zurückhaltend nahmen Makiko und Kimi beide ein Glas, tranken aber nicht daraus.

Als letztem bot Tep dem Fremden ein Glas an. Dieser nahm es und trank es auf einen Zug halb aus.

"Köstlich", kommentierte er, während er das Glas zurückstellte, und der Sklave strahlte.

"Falls ihr etwas benötigen solltet", sagte der Fremde, während er sich auszog, "dann wendet euch einfach an Tep." Der Sklave verbeugte sich.

Angewidert von dieser schamlosen Zurschaustellung seiner Macht verzog Makiko das Gesicht, während Kimi einen vorsichtigen Schluck trank. Es schmeckte sehr ungewöhnlich und angenehm. Kimi spürte, wie es sie erfrischte. 'Zumindest ist es wohl nicht vergiftet', schloss sie.

"Es schmeckt sehr gut", lobte sie, während der Fremde ins Meer sprang.

"Ich danke euch, Herrin", antwortete Tep demütig.

"Dient ihr eurem Herrn schon lange?" fragte Makiko und stellte das Glas neben sich auf den Felsen.

"Ja, Herrin, mehrere tausend Jahre."

Kimi verschluckte sich an ihrem Getränk und hustete. Makiko dagegen zeigte sich nur kurz überrascht, brachte ihre Gesichtszüge aber schnell wieder unter Kontrolle.

"Dann müsst ihr euren Herrn sehr gut kennen."

"Ja, Herrin", antwortete Tep.

"Hat er auch einen Namen?"

"Ich bitte vielmals um Entschuldigung, Herrin, aber wenn er sich euch nicht selbst vorgestellt hat, dann wage ich es nicht, seinen Willen zu ignorieren", bedauerte Tep.

"Woher wollt ihr wissen, dass er nicht wünscht, dass wir seinen Namen kennen?" fragte Makiko weiter.

"Alles, was mein Herr tut, hat einen tieferen Sinn, Herrin."

"Und ihr könnt uns sicher auch nicht sagen, was er mit uns vorhat?"

"Das ist mir nicht bekannt, Herrin", bedauerte Tep. "Meine Aufgabe ist es, die Wünsche der Gäste meines Herrn zu erfüllen."

"Was ist das für ein Saft?" fragte Kimi, um Makiko Zeit zum Nachdenken zu verschaffen.

"Es ist klares Wasser mit den Säften von verschiedenen Früchten", erklärte Tep, "und grüner Tee."

"Es schmeckt wirklich interessant", sagte Kimi und hielt ihr Glas hin, damit Tep ihr nachschenkte. Noch immer hatte Makiko ihr Glas nicht angerührt.

"Woher stammt ihr?" fragte Kimi.

"Von weit her, Herrin", antwortete Tep lächelnd.

"Weiter als Europa?"

"Viel weiter, Herrin."

"Wo sind wir hier?"

"Dies ist das Heim meines Herrn, Herrin", antwortete Tep.

"Und wo auf Honshu liegt dieses Heim?"

Tep zögerte mit der Antwort.

"Wir sind nicht mehr auf Honshu, nicht wahr?" schaltete Makiko sich wieder in das Gespräch ein.

"Nein, Herrin", antwortete Tep unglücklich. "Bitte fragt nicht weiter, Herrin."

Aus dem Nichts tauchte plötzlich ein riesenhafter Krieger auf dem Strand auf. Wie Tep war er eine Echse, aber er trug einen schwarzen Panzer und mehrere Schwerter. Er sah sich mit kurzen Blicken um, dann kam er zu ihnen herüber. Die Leichen den Ninjas, die im Sand lagen, ignorierte er vollkommen.

"Tep", nickte er dem Sklaven zu und richtete seinen stechenden Blick auf die beiden Ninjas. Als er mit seiner Musterung fertig war, wandte er sich wieder an Tep. "Wo ist er?"

"Er schwimmt eine Runde im Meer, Herr", antwortete der Sklave.

Der Neuankömmling verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Weder Makiko noch Kimi konnten den Ausdruck zuordnen, so fremd war er für sie.

"Ich bin Makiko von den Neko Ninjas und dies ist meine Untergebene Kimi", stellte Makiko sie beide vor. "Und ihr seid?"

Der Krieger beachtete sie nicht, sondern sah auf das Meer hinaus. Kurze Zeit später tauchte der Fremde zwischen den Fluten auf.

"Käl, Hallo!" rief er und winkte. Ungerührt stand Käl da.

Der Fremde nahm sein Handtuch von den Felsen und begann sich abzutrocknen. "Wie ist es gelaufen?" fragte er.

"Problemlos", antwortete Käl kurz angebunden.

"Gut, sehr gut, damit sind die Komori und Mogura Ninjas komplett ausgelöscht", murmelte der Fremde.

"Vielen Dank für Deine Hilfe", sagte er zu Käl und dieser verschwand wieder spurlos.

"Ihr wollt uns töten", sagte Makiko tonlos.

"Wozu dann so ein Aufwand?" fragte der Fremde zurück, während er seine Beine abtrocknete. Er gab Tep das nasse Handtuch und streckte die Hand aus. Er lächelte schelmisch und hatte plötzlich ein frisches Handtuch in der Hand.

Als wäre es die natürlichste Sache auf der Welt, breitete er es auf dem Felsen neben den Ninjas aus und legte sich darauf, um sich von der Sonne vollends trocknen zu lassen.

Als Makiko schon aus der Haut fahren wollte, fuhr der Fremde fort: "Die Zeit der Ninjas ist vorbei."

Er winkte Tep und liess sich sein Glas wiedergeben. Halb aufgerichtet trank er einen Schluck.

"Das Problem der Komori und Mogura Ninjas war, dass sie sich zu sehr spezialisiert hatten. Ein Zauberer hatte bei den Komori Ninjas die Knochenstruktur verändert, damit sie leicht genug wurden, um zu fliegen und die Mogura Ninjas vertragen kein Sonnenlicht mehr."

"Die Neko Ninjas dagegen sind eigentlich ganz normale Leute, die problemlos ihre Vergangenheit hinter sich lassen und ein neues Leben anfangen können."

"Das ist es, was ihr von uns verlangt?" vergewisserte sich Makiko. "Wir sollen den Neko Ninja Klan auflösen?"

"So ist es. Wenn ihr nachher zu eurer Burg zurückkehrt, werdet ihr dort alle Neko Ninjas vorfinden. Der leuchtende Ring um die Burg kann von einem Ninja nicht lebend durchschritten werden, wohl aber von jemanden, der sich entschieden hat, ein normales Leben zu führen."

"Was ist, wenn wir uns weigern?"

"Diese Option existiert nur in eurer Einbildung", antwortete der Fremde schlicht, trank aus und legte sich wieder hin.

Betroffen blickten sich die beiden Ninjas an.

Im Lager des Shogun

Die Eskorte brachte Noriyuki bis zum Lager des Shogun. Ein Bote war vorausgeritten, um ihre Ankunft anzukündigen. Eine Eskorte seiner eigenen Leute erwartete ihn bereits und nahm ihren Fürsten erleichtert in Empfang. Allerdings war sich Noriyuki der unsicheren Blicke bewusst, die man ihm hinter seinem Rücken zuwarf.

'Kommt unser Fürst zurück, oder ein Verräter, der uns an Hikiji ausgeliefert hat', dachte Noriyuki bitter. Er betete, dass Usagis Plan aufging, sonst wäre der Schaden für das Land enorm.

Auf dem Weg zu dem Teil des Lagers, wo der Geishu Klan seine Zelte aufgeschlagen hatte, stiess ein Bote des Shogun zu ihnen und teilte Noriyuki mit, dass der Herrscher ihn so bald wie möglich zu sprechen wünschte. Noriyuki dankte ihm und liess ausrichten, dass er nur rasch angemessene Kleidung anlegen und dann zur Verfügung stehen würde.

Der Bote verbeugte sich und eilte davon. Noriyuki sah ihm einen Augenblick hinterher und setzte dann seinen Ritt fort. Ihm etwas über Usagis Begleiter zu sagen, wäre wohl zu früh gewesen. Er musste sich erst selbst ein Bild von der Lage machen, bevor er etwas unternehmen konnte, um ihnen zu helfen. Da Usagi ihm versichert hatte, dass sie sich problemlos gegen alles schützen konnten, was der Shogun aufbieten könnte, stellte Noriyuki dieses Problem erst einmal hintenan.

Einer seiner Männer war vorausgeritten und so war bereits alles vorbereitet, als Fürst Noriyuki bei seinem Zelt eintraf. Am Verhalten seiner Diener war nichts auszusetzen, aber er spürte auch ihre Angst, ihren Fürsten vielleicht für immer verloren zu haben.

Mit Trauer und Bestürzung wurde die Nachricht aufgenommen, dass Ninjas seine Begleiter ermordet hatten und noch dazu so nahe vom Lager des Shogun. Seine Leute waren etwas erleichtert, dass Fürst Fujishima sich entschieden hatte an der Seite des Shogun zu kämpfen, aber allen, die bereits einmal an einer Schlacht gegen Hikiji teilgenommen hatten, war klar, dass sie selbst mit seiner Hilfe keine grosse Chance hatten.

Hilflos musste der Fürst Berichte über weitere Desertationen entgegennehmen. Obwohl Fürst Hikiji aktiv nichts unternahm, wuchs seine Armee dennoch täglich, während die Macht des Shogun schrumpfte.

Neu gekleidet machte sich Noriyuki auf den Weg zum Shogun. Die Stimmung im Lager war gedrückt aber nicht viel schlimmer, als er es in Erinnerung hatte.

Unterwegs kam er an der Stelle vorbei, wo Usagis Leute aufgetaucht waren. Wie Usagi gesagt hatte, war der Schild, unter dem sie sich verbargen, völlig unsichtbar. An ein paar Stellen konnte er Soldaten graben sehen, aber der Schild setzte sich auf im Boden fort. Andere Soldaten umgaben den Schild in einem respektvollen Abstand, um sofort angreifen zu können, wenn er fiel.

"Was hat das zu bedeuten?" fragte er einen seiner Begleiter und gab vor unwissend zu sein.

"Wir wissen es nicht genau, Mein Fürst. Sie sind vor wenigen Stunden wie aus dem Nichts und mit lautem Getöse hier aufgetaucht. Aus irgendeinem Grund tragen sie unser Wappen und jemand, der Sanraku sehr ähnlich sieht, ist bei ihnen. Wir haben versucht zu ihnen vorzudringen, aber bisher ohne Erfolg. Auch ist es nicht möglich mit ihnen zu sprechen, weil die unsichtbare Mauer um sie herum anscheinend keine Geräusche durchlässt."

"Was ist mit schriftlichen Botschaften?"

"Darüber weiss ich nichts, Mein Fürst."

Noriyuki sah noch einmal hinüber und ritt dann weiter. So weit er die Situation beurteilen konnte, hatten Usagis Begleiter noch keine Probleme, bei denen sein Eingreifen notwendig gewesen wäre.

Beim Zelt des Shoguns nahm ihn ein Offizier in Empfang und führte ihn hinein. Respektvoll verbeugte sich Noriyuki vor dem Shogun und wartete darauf, angesprochen zu werden.

"Fürst Noriyuki, Willkommen", begrüsste ihn der Shogun mit ruhiger Stimme. "Bitte berichtet uns, was ihr erreicht habt."

Knapp berichtete Noriyuki seinem Herrn, wie die Verhandlungen mit Fürst Fujishima verlaufen waren, welche Zugeständnisse er hatte machen müssen und was sie nun als Gegenleistung erwarten konnten.

"Das ist erfreulich zu hören. Fürst Fujishima ist eine höchst willkommene Verstärkung unsere Truppen", dankte der Shogun. "Allerdings wurde uns berichtet, dass eine Eskorte von Fürst Hikiji euch zum Lager begleitet hat. Könnt ihr uns sagen, wie es dazu kam?"

Noriyuki berichtete von dem Überfall der Ninjas und wie er dabei auf Fürst Hikiji getroffen war. Ausführlich erzählte er, was er im Lager von Hikiji gesehen hatte. Er ging auf den Streit ein, den er mit Hikiji gehabt hatte und dass dabei seine letzten Begleiter getötet worden waren. Ausserdem berichtet er vom Versuch von Fürst Hirano ihn zu beruhigen.

"Als Fürst Hirano mich nicht umstimmen konnte, hat Fürst Hikiji mich aus seinem Lager bis hierher eskortieren lassen", schloss er seinen Bericht. Den erfolglosen Versuch von Hikiji ihn zu enthaupten verschwieg er wie auch, dass Usagi eingegriffen hatte.

"Welchen Eindruck hat Fürst Hikiji auf euch gemacht?"

"Es ist schwer sich in der aktuellen Situation auf seine Gefühle zu verlassen", antwortete Noriyuki ernst, "aber er machte einen offenen und ehrlichen Eindruck auf mich. Obwohl der Anschlag der Ninjas auf mich so deutlich die Handschrift seines Vaters zeigt, neige ich dazu ihm zu glauben, wenn er sagt, dass er ihn nicht befohlen hat."

"Allerdings heisst das natürlich nicht, dass nicht einer seiner Berater oder ein anderer Verbündeter sich damit die Anerkennung des Fürsten verdienen wollte", fuhr er fort.

"Was habt ihr von Fürst Hirano erfahren?"

Noriyukis Unbehagen war ihm deutlich anzusehen. "Es war sehr schwer für mich diesen Mann, den ich immer für seine Integrität und Loyalität bewundert habe, dort zu sehen. Um so mehr, als er keinerlei Reue oder Schande über seinen Verrat zu empfinden scheint."

Ein Murmeln ging durch die Anwesenden.

"Habt ihr etwas erfahren, was mit den Gerüchten über das Auftauchen eines neuen Tenno zusammenhängt?"

"Fürst Hikiji selbst trägt ein sonderbares Schwert bei sich, das er selbst als Kusanagi-no-tsurugi bezeichnet. Ob es wirklich das legendäre Schwert der Götter ist, kann ich nicht sagen. Es ist aber so, dass Fürst Hikiji sich als neuer Tenno sieht."

"Dann ist es also wahr", sagte der Shogun.

"Allerdings gibt es vielleicht wieder Hoffnung", fuhr Noriyuki vorsichtig fort.

"Während meinem Aufenthalt im Lager von Hikiji bin ich auf Miyamoto Usagi getroffen, der anscheinend jetzt ein Schüler von Pau Tai geworden ist. Er versprach mir, dass er an einer Lösung arbeitet."

"Handelt es sich um den gleichen Pau Tai, der damals mit euch nach Edo gekommen ist und mit dessen Hilfe der Anschlag auf euer Leben aufgeklärt werden konnte?"

"Ja, Shogun."

"Er versprach damals, dass es eine lange Periode des Friedens und des Wohlstands geben würde."

"Ich erinnere mich", antwortete Noriyuki. "Leider hat er uns nicht gesagt, wann diese Periode anfängt."

"Denkt ihr, dass er uns etwas verschwiegen hat?"

"Ich gehe davon aus", antwortete Noriyuki. "Bei Pau Tai hat alles mindestens eine versteckte Bedeutung."

"Ist Pau Tai auch zurückgekehrt?"

"Nein, Usagi sagte, er sei mit acht anderen Begleitern hier. Ich vermute, dass die Personen, die sich hinter der unsichtbaren Mauer dort draussen aufhalten, einige seiner Begleiter sind."

"Könnt ihr euch erklären, warum die Begleiter von Usagi euer Mon(4) tragen?"

4. Wappen

"Das weiss ich nicht; ich konnte leider nur kurz mit Usagi sprechen. Daher kenne ich auch keine Details seines Plans. Aber Usagi hatte einen seiner Begleiter dabei, also sollten hier sieben Personen sein. Ich habe aber fünf gezählt und die Frage ist nun natürlich, wo der Rest ist. Wir können hoffen, dass die Person, die Usagis Sohn Sanraku so ähnlich sieht, tatsächlich mein Untergebener Sanraku ist. Er könnte die Situation dann vielleicht aufklären."

"Dazu müssten wir aber die Mauer irgendwie überwinden können", warf ein Berater ein.

"Vielleicht können Usagis Begleiter die Mauer von innen niederreissen."

"Bisher machen sie keine Anstalten das zu tun", antwortete ein Offizier.

"Wenn Usagi mich gesucht hat und Sanraku wirklich unter den Personen dort draussen ist, dann wird er mich erkennen. Vielleicht sprechen sie dann mit mir", schlug Noriyuki vor.

"Versucht es", befahl der Shogun. "Aber da wäre noch eine Sache."

"Eine Frage des Vertrauens, vermute ich?" antwortete Noriyuki.

"Ja. Nachdem selbst ein Mann wie Fürst Hirano uns verraten hat, dem wir genauso vertraut haben wie euch, fällt es uns schwer euch nach wie vor uneingeschränkt zu vertrauen."

Noriyuki seufzte. "Während ich ... Gast von Fürst Hikiji war und auch auf dem Rückweg habe ich mir ähnliche Gedanken gemacht. Leider muss ich sagen, dass ich ebenfalls keine Lösung sehe und, obwohl ich an mir keine Veränderung feststellen kann, ich dennoch Schwierigkeiten habe, mir selbst zu vertrauen."

"Daher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es wohl am besten ist, wenn ich euch das Oberkommando über meine Truppen anbiete", fuhr Fürst Noriyuki fort. "Auf diese Weise kann ich euch zumindest nicht mehr viel schaden, sollte ich tatsächlich zum Feind übergelaufen sein."

"So schwer es mir auch fällt, die Verantwortung für meine Untergebenen abzugeben, so fällt mir dennoch keine andere Lösung ein", schloss Noriyuki.

Viele Berater und Fürsten entspannten sich sichtlich und auch der Shogun schien aufzuatmen. "Wir haben ähnliche Überlegungen angestellt", gab der Shogun offen zu. "Allerdings dachten wir daran, jemanden aus eurem Klan zu eurem Vertreter auf Zeit zu bestimmen, bis wir herausgefunden haben, wie Fürst Hikiji unsere treuesten Verbündeten zu Verrätern machen konnte."

"Ich danke euch", sagte Noriyuki dankbar. "Leider sind die fähigsten meiner Begleiter bei dem Anschlag der Ninjas umgekommen."

"Wir denken, dass Berater Jotaro der geeignete Mann wäre."

"Jotaro?" fragte Noriyuki überrascht.

"Wer wäre besser geeignet?"

"Nun", sagte Noriyuki, "er müsste erst hierher gerufen werden und so, wie ich die Situation einschätze, wird der Angriff von Fürst Hikiji nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ausserdem habe ich dann niemanden mehr, der dafür sorgt, dass der Nachschub aus meiner Provinz nicht ins Stocken gerät."

"Wen schlagt ihr stattdessen vor?"

Noriyuki lachte bitter auf. "Als Verräter würde ich natürlich jetzt jemanden vorschlagen, der meinen Plänen dient, aber es gibt in meinem Klan einfach niemanden mehr, der meinen Platz einnehmen könnte. Sie sind entweder tot oder ..." 'haben uns bereits verraten', dachte er den Satz zu Ende, sprach es aber nicht aus.

"Dann gibt es nur noch zwei Lösungen", meinte der Shogun, "aber sie sind beide unbefriedigend. Entweder bestimme ich eine Person aus einem anderen Klan oder ich stelle euch jemanden zur Seite, dem ich vertraue und der eure Entscheidungen überwacht."

"Können wir überhaupt noch jemanden vertrauen?" stellte Noriyuki deprimiert die Frage, die sich insgeheim alle stellten. "Selbst Himesama, die nach dem Mord an ihren Kindern zu einem erbitterten Feind von Fürst Hikiji wurde, ist jetzt dort drüben. Und was die Folgen wären, wenn jemand anders den Oberbefehl über meine Truppen übernehmen würde, ist auch jedem hier klar."

"Aber wir können euch auch nicht in eurer Position belassen, falls sich herausstellen sollte, dass ihr euch täuscht und Fürst Hikiji euch doch irgendwie unter seine Kontrolle gebracht hat," sagte der Shogun.

"Dann möchte ich vorschlagen, dass wir zuerst mit den Begleitern von Usagi sprechen. Vielleicht können diese uns mehr dazu sagen, wie man andere Menschen so kontrollieren kann", schlug Noriyuki vor.

"Das könnte natürlich auch eine Falle sein", warf ein Berater ein.

"In dem Moment", sagte der Shogun mit fester Stimme, "in dem wir beginnen, unter jedem Stein einen Feind zu vermuten, sind wir verloren."

"Fürst Noriyuki, wir möchten euch bitten, zu versuchen, mit den Personen hinter der unsichtbaren Mauer zu sprechen. Berater Tekkan hier wird euch begleiten, um euch zu unterstützen", entschied der Shogun.

"Ja, Shogun", verneigte sich Noriyuki. Bisher verlief alles nach Plan. Dass er einen Aufpasser dabei hatte, war zwar unglücklich, aber damit hatte er gerechnet. Irgendwie würde er damit klarkommen.

Mit seiner Leibwache, dem Berater und Schreibern, die Pinsel, Tusche und Papier dabei hatten, macht er sich auf den Weg.

Im Schild

"Beide sind angekommen. Sie haben kurz mit den Leuten gesprochen. Jemand hat Usagi ein Schwert in einer Scheide ausgehändigt. Wahrscheinlich Hikiji. Jetzt sind Usagi, Qu'ral, Noriyuki und Hikiji in einem Zelt verschwunden", berichtete Khassar knapp.

"Jemand hat einen Schild der Klasse Vier errichtet", erklärte Hanshiro kurz darauf. "Ich würde vermuten, dass es Qu'ral war."

Zum wiederholten Mal verfluchte Khassar innerlich die Tatsache, dass sie keine Funkgeräte hatten mitnehmen können. Sie hätten sich zumindest telepathische Implantate einsetzen lassen sollen. Dann könnten sie zumindest Gedanken austauschen.

Nach den ersten heftigen Angriffen auf den Schild, hatten sich die Soldaten der Armee des Shoguns jetzt etwas zurückgezogen. Die sinnlosen Versuche den Schild durch Graben zu unterwandern, wurden im Innern ebenfalls ignoriert.

Es hatte eine Weile gedauert, bis die Leute ausserhalb des Schildes gemerkt hatten, dass Schall den Schild nicht durchdringen konnte. Ein Offizier, der sie wahrscheinlich zur Aufgabe hatte überreden wollen, war schliesslich erschöpft vom Brüllen wieder abgezogen und durch einen Offizier mit Schreiber ersetzt worden.

T'he hatte ein Blatt in seinem wertvollen Notizbuch geopfert und sie hatten dem Offizier mitgeteilt, dass sie mit Fürst Noriyuki sprechen wollten. Die Antwort des Offiziers war wie erwartet gewesen, dass sie nichts zu verlangen hätten und sich augenblicklich ergeben müssten.

Damit war das kurze Gespräch mit der Aussenwelt auch schon zu Ende gewesen. Seitdem warteten sie auf die Rückkehr von Fürst Noriyuki, Usagi oder Qu'ral, wobei letztere kaum vor morgen früh hier auftauchen würden, wenn Qu'ral sich wieder erholt hatte.

'Glücklicherweise kann Hanshiro den Schild tagelang aufrecht erhalten', dachte Khassar, während er weiter Hikijis Lager beobachtete. Durch seine integrierte Panzerung, sein verbessertes Immunsystem und die künstlich gesteigerte Kraft und Ausdauer, wäre er zwar in der Lage gewesen, sich einen Weg aus dem Lager freizukämpfen, aber er hätte Ferdo, Hanshiro und T'he zurücklassen müssen.

Zumindest T'he war ganz in seinem Element. Wie aus einem Schaukasten betrachtete er das Treiben um sich herum und machte weiter Notizen. Immer wieder bat er Khassar erfolglos um dessen Fernglas, weil er etwas in der Ferne entdeckt hatte, das ihn interessierte.

Ferdo lief nervös immer auf und ab und irritierte damit Sanraku, der versuchte zu meditierten.

"Noriyuki kommt zurück", sagte Khassar, als Noriyuki sich mit seiner Eskorte auf den Weg machte. "Nanu? Usagi gibt Hikiji das Schwert zurück?" wunderte er sich.

"Zumindest versuchen sie ihn dort nicht umzubringen", lästerte Ferdo, ohne sein Gerenne einzustellen. "Wie lange haben wir noch Luft?" fragte Ferdo.

"Wenn ihr weiter so viel davon verbraucht, nicht mehr viel", sagte Sanraku.

"Lange genug", antwortete Khassar knapp.

"Ich kann immer noch nicht glauben, dass mein Vater mit Hikiji gemeinsame Sache machen würde", warf Sanraku gereizt ein.

"Manchmal muss man ein persönliches Opfer bringen, wenn man ein Ziel erreichen will", antwortete T'he nebenbei, während er sich Notizen machte, wie ein Offizier mit einem Untergebenen sprach.

"Das wäre kein Opfer", verteidigte Sanraku seinen Vater, "das wäre Selbstaufgabe."

"Für alle Ookaa'h Priester sind Wahrheit und Ehre nur Mittel zum Zweck", sagte Khassar hart und Sanraku knirschte mit den Zähnen.

"Zumindest nach einer gewissen Zeit", schränkte T'he überraschend ein. "Euer Vater hält sich gut."

"Was wisst ihr über Ookaa'h und ihre Priester?" fragte Khassar wider besseres Wissen.

"Nun, als ich auf die TAURUS kam, da beschäftigte ich mich natürlich als erstes mit ihrer Geschichte. Der Priester der ersten Linie oder Philmann Dark, wie er sich im Moment nennt, ist eine überaus schillernde und interessante Person", antwortete T'he ihm.

"In eurer Kultur ist es nicht üblich, Untergebene für gute Ideen und Vorschläge zu belohnen, habe ich recht?" fragte er Sanraku.

"Nun", antwortete Sanraku nach einem giftigen Blick auf Ferdo zurückhaltend, "das hängt ganz vom Vorgesetzten ab."

"Das tut es immer. Aber es ist kein Teil der Kultur, so wie sich zu verbeugen oder etwas in der Art."

"So gesehen ist es nicht Teil meiner Kultur", gab Sanraku zu, "aber ein guter Anführer fördert seine Untergebenen natürlich. Leider gibt es nicht sehr viele wirklich gute Anführer."

"Das unterschreibe ich", lachte Khassar trocken.

"Würdet ihr Usagi auch dazu zählen?" fragte T'he und blickte Khassar unschuldig an.

Khassar runzelte die Stirn und setzte das Fernglas ab. "Usagi weiss zumindest, wo seine Schwächen liegen."

"Und er weiss, wie man vertraut", fügte Ferdo mit einem Seitenblick auf Khassar zu.

Khassar nickte nur und setzte das Fernglas wieder an, um zu sehen, wo Fürst Noriyuki jetzt war.

T'he nutzte die Wartezeit um einige Fragen mit Sanraku durchzusprechen. Eifrig machte er Notizen in seinem Büchlein.

"Er kommt", sagte Khassar knapp und wies in die Richtung, aus der Noriyuki mit einigen Begleitern kam. Er sprach etwas mit einem Offizier und alle Soldaten zogen sich vom Schild zurück.

"Ich frage mich, ob Noriyuki jetzt hier in Ungnade gefallen ist", dachte T'he laut.

"Wie meint ihr das?" fragte Sanraku erstaunt.

"Naja, es ist doch so. Viele sehr vertrauenswürdige Leute sind zu Fürst Hikiji übergelaufen. Und jetzt ist Fürst Noriyuki aus dem Lager von Fürst Hikiji zurückgekehrt. Ich frage mich, was die Verbündeten des Shoguns und der Shogun selber jetzt denken."

"Ihr meint ...", sagte Sanraku schwach.

"Ja. Ist das Fürst Noriyuki oder eine Marionette von Fürst Hikiji?"

Bestürzt betrachtete Sanraku seinen Fürsten. Der Fürst schien niedergeschlagen zu sein, aber ansonsten konnte er keinen Unterschied ausmachen.

"Tja", sagte Khassar mit einem Schulterzucken, "nützt alles nichts. Gehen wir ihm entgegen."

Alle bis auf Hanshiro gingen zum Rand des Schilds.

Fürst Noriyuki blieb auf der anderen Seite stehen, während Sanraku sich vor seinem Fürsten verbeugte, wie es sich gehörte. "Bitte verbeugt euch vor meinem Fürsten", zischte er, als niemand Anstalten machten, seinem Beispiel zu folgen.

"Verbeugen ist aus der Mode", antwortete Khassar, seufzte und nahm dann eine ähnliche Haltung ein, wie Sanraku.

T'he war amüsiert, verneigte sich aber ebenso. "Und wie lesen wir jetzt, wann wir uns wieder aufrichten dürfen?" fragte er.

Da hielt auch schon ein Schreiber die hastig geschriebenen Worte: "Fürst Noriyuki bittet sie, sich zu erheben", in die Nähe des Bodens.

"Wer sind eure Begleiter, Sanraku?" stand auf dem nächsten Blatt.

"Sie kamen mit meinem Vater Miyamoto Usagi hierher, um uns zu helfen", kritzelte Sanraku auf den einzigen Zettel, den T'he herausgerückt hatte, und hielt ihn an den Schild, damit sein Fürst ihn lesen konnte.

"Könnt ihr diese unsichtbare Mauer einreissen?"

Sanraku nickte.

"Nur, wenn er für unsere Sicherheit garantiert", präzisierte Khassar. Sanraku leitete die Bedingung weiter.

"Ich bürge für eure Sicherheit", antwortete der Fürst.

"Können wir ihm trauen?" fragte Khassar.

"Ich bürge mit meinem Leben für die Vertrauenswürdigkeit meines Herrn", antwortete Sanraku ernst.

"Wird viel nützen, wenn er plant uns zu hintergehen", sagte Khassar zynisch und Sanraku verzog wütend das Gesicht.

"Hanshiro, auf mein Kommando den Schild senken, aber bereithalten", befahl Khassar dann, während er sich mental auf einen Kampf vorbereitete.

"Ausführung!" Sofort wurde der Lärm des Lagers hörbar.

"Ihr seid Fürst Noriyuki?" fuhr er Noriyuki an.

"Der bin ich", antwortete der Fürst gemessen, während Sanraku ob des Tonfalls aus allen Wolken fiel.

Mit einer Handbewegung schnitt Khassar Sanrakus Proteste ab. "Ich bin Xut Khassar und während Usagi nicht hier ist, habe ich das Kommando. Habt ihr eine Botschaft für uns?"

"Usagi hat kurz mit mir gesprochen", antwortete der Fürst, "aber nichts, was euch betrifft."

"Schön. Was nun?"

"Habe ich euer Wort, dass ihr euch friedlich verhalten werdet?" fragte der Fürst.

"Solange Usagi uns keine anderslautenden Befehle gibt, werden wir uns nur verteidigen, wenn wir angegriffen werden. Das bedeutet auch, dass wir uns in keine Kampfhandlungen dieser Armee einmischen werden", antwortete Khassar.

"Gut, das genügt mir. Ich möchte euch und vor allem euren Zauberer bitten, uns einige Fragen zu beantworten. Kommt, lasst uns an einen ruhigeren Ort gehen."

Ein Soldat führte sie zu einem leeren Zelt. Decken und Kissen waren auf dem Boden ausgebreitet und sie liessen sich nieder.

"Wer von ihnen ist Zauberer?" eröffnete Noriyuki das Gespräch.

"Das bin ich. Mein Name ist Hanshiro."

'Dann wollen wir mal sehen, ob er so reagiert, wie Usagi es vorhergesagt hat', dachte Noriyuki.

"Wie ihr vielleicht wisst", begann Noriyuki seinen Eiertanz, "haben wir seit einiger Zeit Probleme damit, dass vertrauenswürdige Personen aus unerklärlichen Gründen Verrat begehen. Als erschreckenstes Beispiel möchte ich hier den Verrat von Fürst Hirano nennen, der vor nicht einmal drei Monaten noch als treuer und verlässlicher Verbündeter vom Shogun und mir selbst galt."

"Ich bin im Lager von Fürst Hikiji auf ihn getroffen", fuhr Noriyuki fort, "und auf mich machte er weder den Eindruck, dass er die Schande empfindet, die sein Verrat bedeutet, noch schien er überhaupt richtig zu realisieren, was er getan hatte. Es war fast so, als ob er sich immer noch auf der Seite des Shoguns befinden würde oder als hätte er noch nie etwas anderes getan, als Fürst Hikiji zu dienen."

"Nun machen wir uns natürlich alle Sorgen", sagte Noriyuki bedrückt.

"Man fragt sich, wer da im Körper von Fürst Noriyuki hierher zurückgekehrt ist", vermutete Hanshiro.

"Ja", antwortete Noriyuki leise, "bin ich noch ich selbst? Kann ich meinen Handlungen noch selbst trauen? Spreche ich mit euch, weil ich mir Sorgen mache oder ist das nur ein Trick, um meine Glaubwürdigkeit wieder zu steigern, damit ich wieder in eine Position komme, in der ich mehr Schaden anrichten kann?"

Hanshiro dachte einen Moment darüber nach. "Ich bin nur ein sehr schlechter Telepath, meine Stärken lieben auf den Gebieten der Telekinese und Teleportation, daher kann ich euch nicht untersuchen und ein sicheres Urteil fällen. Alles, was ich euch anbieten kann, wäre euch ein paar Techniken zu erklären, die man verwenden kann, um den beobachteten Effekt zu erzielen."

"Daraus ergeben sich einige Ansatzpunkte, mit denen man arbeiten kann, um jemanden, den man unter Verdacht hat, zu testen, aber sie sind unsicher. Nur ein Telepath der Stufe Vier oder höher könnte euch eine einigermassen sichere Antworten geben, aber selbst dort gibt es noch Unwägbarkeiten."

"Wir sind für jede Hilfe dankbar", ermunterte Noriyuki ihn, "und sei sie noch so klein."

"Lasst mich überlegen", sagte Hanshiro langsam.

"Ich denke,", fuhr er nach einer Weile fort, "das wichtigste wäre, zuerst herauszufinden, ob man etwas mit euch angestellt hat. Dazu brauche ich jemanden, der euch gut kennt."

"Die meisten Personen, die mich gut kannten, sind tot", antwortete Noriyuki traurig. "Sanraku kennt mich recht gut und natürlich Jotaro, der aber nicht hier ist."

"Wie wäre es, wenn wir Fürst Arakawa hinzuziehen würden?" schlug Berater Tekkan vor. "Er hat auch viel Zeit mit euch verbracht."

"Mehrere Personen sind besser", bestätigte Hanshiro. "Häufig fällt einer Person etwas auf, was jemand anders übersieht."

Tekkan wies einen Soldaten an, Fürst Arakawa zu suchen und ihn zu ihnen zu bitten.

T'he beugte sich zu Hanshiro herüber und sagte ihm etwas leise ins Ohr. Hanshiro überlegte und nickte dann.

Sie nutzten die Wartezeit, um sich gegenseitig ausführlich vorzustellen. Als der Soldat mit Fürst Arakawa zurückkam, erklärte Hanshiro, was er von ihnen beiden erwartete: "T'he wird sich jetzt mit Fürst Noriyuki unterhalten. Ich möchte, dass sie beide die Reaktionen des Fürsten beobachten und werde ihnen später ein paar Fragen dazu stellen. T'he?"

"Falls ihr erlaubt, Fürst Noriyuki", sagte T'he, "ich hätte da ein paar Fragen ..."

T'he befragte den Fürsten ausführlich zu der Position eines Fürsten in der Gesellschaft und zum korrekten Protokoll bei Hofe. Ausführlich liess er sich erklären, wie man sich zu bewegen hatte und sie stellten auch einige Situationen nach.

Wie üblich machte T'he sich viele Notizen und fertigte auch einige Skizzen an. Dann fing er an Fragen zum Tod der Begleiter von Fürst Noriyuki zu stellen und wie Noriyuki sich fühle.

"Hm", machte er, "ich hatte bisher den Eindruck, dass das Leben eines Einzelnen in dieser Kultur nur eine geringe Bedeutung hat. Trotzdem scheint ihr euren Untergebenen nachzutrauern. Ist das nicht ungewöhnlich?"

"Es mag sein, dass der Einzelne im Vergleich zur ganzen Gesellschaft wenig zählt, aber ich bin nicht die Gesellschaft", antwortete Noriyuki verärgert. "Für mich ist der Tod jedes meiner Begleiter ein hoher persönlicher Verlust."

"Gut. Noch eine letzte Frage: Unter welchen Umständen wärt ihr bereit den Shogun zu verraten?"

"Niemals!" sagte Noriyuki wütend.

"Selbst, wenn es den Tod aller eurer Untergebenen bedeuten würde, wenn ihr es nicht tut?"

"Selbst dann nicht!"

"Wenn er euch darum bitten würde?"

"Wie meint ihr das?"

"Viele Personen sind anscheinend freiwillig zum Feind übergelaufen. Könnte es nicht sein, dass der Shogun es ihnen befohlen hat, um den Feind quasi von innen angreifen zu können?"

"Das ist kein ehrenhaftes Verhalten! Der Shogun würde so etwas niemals von einem seiner Verbündeten verlangen!" verteidigte Noriyuki seinen Herrn.

"Mag sein. Meine Frage war aber, ob ihr eure Prinzipien opfern würdet, wenn ihr den Befehl dazu erhalten würdet."

Noriyuki schwieg wütend. Unbeeindruckt wartete T'he auf eine Antwort.

"Ich denke, es käme sehr stark auf die Umstände an", gab Noriyuki schliesslich zu. "Letztendlich würde ich mein Leben für so einen Befehl opfern, wenn der Shogun es mir direkt befehlen würde und wenn ich die Gründe akzeptieren könnte."

"Ich interpretiere diese Einschränkung so, dass ihr nicht jeden Befehl des Shogun ausführen würdet."

"Ich bin ein Fürst und als solcher trage ich grosse Verantwortung", erklärte Noriyuki immer noch ungehalten. "Sollte der Shogun mir einen Befehl erteilen, bei dem ich mich nicht in der Lage sehe, ihn auszuführen, dann ist es meine Pflicht meine Bedenken in geeigneter Form vorzubringen."

"Sollte der Shogun aus irgendeinem Grund entscheiden meine Bedenken zu ignorieren, was sein Recht als Herrscher ist, dann müsste ich mich entscheiden, ob ich meinem Leben ein Ende setzen soll oder ob ich in der Lage wäre, mit den Konsequenzen einer anderen Entscheidung zu leben. Aber wie ihr genau wisst, gibt es auf eure Frage keine allgemeine Antwort."

"Nun, manche Leute würde da widersprechen", antwortete T'he, "aber egal. Hat der Shogun euch schon einmal so einen Befehl erteilt?"

"Was meint ihr?"

"Ich meine das klassische Motiv des Verräters: Verletzter Stolz."

"Mein Verhältnis mit dem Shogun ist ausgezeichnet", gab Noriyuki knapp zurück. "Es wurde erst durch den aktuellen Vorfall belastet und ich hege auch jetzt keinen Groll gegen ihn, denn seine Entscheidung mir zu misstrauen ist richtig. An seiner Stelle hätte ich genauso gehandelt."

"Ich danke euch", verbeugte sich T'he, "für eure Geduld, mit der ihr meine Fragen beantwortet habt."

Noriyuki nickte nur. Noch immer war er durch die Fragen ziemlich aufgebracht.

"Ich werde jetzt einige Fragen stellen," sagte Hanshiro zu Lord Arakawa und Sanraku. "Es bringt am meisten, wenn ihr einfach das erste antwortet, das euch in den Sinn kommt. Wenn ihr erst lange nachdenken müsst, dann verfälscht ihr damit das gewünschte Ergebnis."

"Einige Fragen werden euch sehr ungewöhnlich oder gar beleidigend vorkommen, das ist normal, denn ich bin nicht in Japan aufgewachsen und daher fehlt mir das Gespür für die Feinheiten, die hier so wichtig sind. Ich möchte sie daher alle bitten, Nachsicht mit mir zu üben. Es steckt keine böse Absicht dahinter."

"Fürst Arakawa, Sanraku-san, meine erste Frage lautet: Was war euer erster Eindruck, als ihr Fürst Noriyuki heute wiedergesehen habt?"

"Er erschien mir ruhig", antwortete Fürst Arakawa, "oder vielleicht wäre gefasst das bessere Wort."

"Mein Eindruck war, dass ihn etwas bedrückt, aber ich denke, das sind wir alle hier", beschrieb Sanraku seinen Eindruck. "Er schien mir etwas niedergeschlagener zu sein, als wie vor zwei Monaten, als wir uns zuletzt gesehen haben, aber nicht sehr viel."

"Ist euch etwas ungewöhnliches an ihm aufgefallen? Etwas, dem ihr vielleicht gar keine Bedeutung beimesst, das euch aber einfach aufgefallen ist?"

"Er hat sich früher nicht so häufig an den Kopf gefasst", sagte Fürst Arakawa. Schuldbewusst hörte Noriyuki auf sich zu kratzen und zog seine Hand zurück.

"Es mag nichts zu bedeuten haben", antwortete Sanraku unsicher, "aber mir scheint, dass er sich ein kleines bisschen langsamer bewegt, als ich es in Erinnerung habe."

"Wieviel?" fragte Hanshiro interessiert.

"Es ist wirklich minimal", verteidigte sich Sanraku.

"Also würdet ihr sagen, dass sich sein Verhalten nicht auffällig verändert hat?"

Die beiden bestätigten das.

"Wie fühlt ihr euch, Fürst Noriyuki?"

"Erschöpft, müde, traurig", fasste Noriyuki zusammen.

"Ist es eine entspannte Müdigkeit? Vielleicht wie nach einem langen und erfolgreichen Tag?"

"Nein, eher traurig. Oder sogar hoffnungslos."

"Gut. Es ist wahrscheinlich keine Hypnose oder ein einfacher Psychoblock. Dabei sind die Betroffenen häufig locker, glücklich und entspannt oder sie wirken träge, lustlos und apathisch."

"Ich möchte nun euch beide bitten, euch an etwas zu erinnern, das eigentlich nur Fürst Noriyuki selbst wissen kann. Idealerweise etwas, dass unwichtig war."

Fürst Arakawa dachte eine Weile nach. "Es ist etwas sehr persönliches", sagte er schliesslich. Er erhob sich und ging zu Noriyuki hinüber, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern. Beschämt sah Noriyuki zu Boden. Dann flüsterte er eine Antwort in Arakawas Ohr.

"Das ist richtig", bestätigte Fürst Arakawa und setzte sich wieder.

Sanraku dachte noch länger nach, dann grinste er. "Es ist vor etwa zwei Jahren passiert. Nur ihr und ich waren anwesend. Jotaro kam uns unerwartet besuchen und ihr habt etwas gesagt, das uns alle ziemlich überrascht hat."

"Vor zwei Jahren", murmelte Noriyuki während er nachdachte. "Es tut mir Leid, aber ich erinnere mich nicht."

"Fürst Fujishima war auf Besuch und hat mit euch über den Kauf von einer grösseren Menge Reis verhandelt", half Sanraku.

"Oh, ah ja", sagte der Fürst und lächelte amüsiert, als die Erinnerung wieder hochkam.

"Usagi?" sagte er mit einem überraschten, hoffnungsvollen Tonfall.

"So ist es", lachte Sanraku, "aber ich muss zugeben, in dem Augenblick habe ich Jotaro tatsächlich auch mit Usagi verwechselt."

"Gut", sagte Hanshiro zufrieden. "Ihr scheint also nicht jemand zu sein, der nur so aussieht, wie Noriyuki. Gestaltwandler kopieren manchmal die Erinnerung der Person, die sie ersetzen, aber Details, vor allem unwichtige, werden dabei häufig weggelassen."

"Ist euch bei dem Gespräch zwischen Fürst Noriyuki und T'he etwas aufgefallen? Ganz gleich, was?"

Fürst Arakawa und Sanraku dachten darüber nach und verneinten dann.

"Dann gibt es nur noch drei Dinge, die passiert sein könnten", sagte Hanshiro, "aber die kann ich nicht herausfinden."

'Hoffentlich hat Usagi ihn richtig eingeschätzt', dachte Noriyuki sorgenvoll, aber ohne seinen Gesichtsausdruck zu ändern, 'sonst verrät er jetzt alles.'

"Entweder haben sie gar nichts mit ihm gemacht und er ist wirklich der Noriyuki, der euch vor ein paar Wochen verlassen hat. Oder vielleicht ist er "besessen"."

"Was meint ihr damit?" fragte Berater Tekkan.

"Nun, man kann die Seele eines Lebewesens durch die eines anderen Lebewesens ersetzen. Die andere Seele kann dann auf die Erinnerungen des Körpers zugreifen und auf diese Weise selbst Personen täuschen, die die ursprüngliche Seele sehr gut gekannt haben."

"Manchmal kann sich so eine Seele auch am "Rand" des Bewusstseins einnisten und auf einen günstigen Augenblick warten, um die Kontrolle an sich zu reissen, aber ich spüre nur ein Bewusstsein in Noriyukis Körper."

"Aber ihr könnt nicht herausfinden, ob es immer noch Noriyuki ist, der hier bei uns sitzt?"

"Leider nicht. Dazu müsste ich vorher einmal auf Noriyuki getroffen sein. Ich müsste quasi wissen, wie seine Seele normalerweise aussieht."

"Und die dritte Möglichkeit?"

"Nun, er könnte es freiwillig tun."

"Ich würde niemals freiwillig gegen die Interessen meines Herrn verstossen!" ereiferte sich Noriyuki.

"Mag sein", antwortete Hanshiro leichthin, "aber was ist, wenn man euch gezeigt hat, dass ihr auf diese Weise den Interessen eures Herrn dient?"

Noriyuki entspannte sich wieder. Wie Usagi vorausgesagt hatte, hatte Hanshiro die letzte Möglichkeit verschwiegen. Die erste Klippe war umschifft. Jetzt konnte er sich entspannen, bis Fürst Fujishima eintraf. Dann war es Zeit für den nächsten Schritt in ihrem Plan. Hoffentlich hatte man bis dahin wieder so viel Vertrauen in ihn, dass er das geplante Attentat auf den Shogun ohne grossen Aufwand durchführen konnte.

Während Noriyuki in seine Gedanken versunken war, hatte Berater Tekkan sich bei Fürst Arakawa und Hanshiro bedankt.

"Ich werde nun zum Shogun zurückkehren und ihm berichten, was ich erfahren habe. Fürst Noriyuki, wir möchten euch bitten, das Lager nicht zu verlassen, bis der Shogun eine Entscheidung getroffen hat."

"Natürlich, Berater Tekkan. Wenn ihr gestattet, dann würde ich mich jetzt gerne zurückziehen. Die letzten Wochen waren sehr belastend."

"Selbstverständlich, Fürst Noriyuki. Wir werden euch Nachricht geben, sobald der Shogun sich entschieden hat."

"Wir werden bei Fürst Noriyuki bleiben, da Usagi sicher irgendwann zu ihm gehen wird, wenn er wieder zurückkommt. Ausserdem", Khassar grinste schief, "sind dann alle Probleme an einem Platz."

"Damit wären wir einverstanden", antwortete Berater Tekkan indigniert.

Fürst Arakawa und Fürst Noriyuki verbeugten sich und verliessen das Zelt. Sanraku schloss sich ihnen an und Khassar mit seinen Leuten.

Die beiden Fürsten verabschiedeten sich voneinander. Fürst Arakawa brachte noch seine Hoffnung zum Ausdruck, dass Noriyuki noch immer er selbst war.

"Nicht nur wegen dem enormen militärischen Verlust, den die anderen Möglichkeiten bedeuten würden", fügte er hinzu.

Noriyuki lächelte erschöpft. "Ich danke euch für eure Anteilnahme."

Fürst Arakawa nickte ermutigend und schloss sich dann wieder Berater Tekkan an, der zum Shogun zurückging.

Noriyuki stieg auf sein Pferd, das ein Soldat für ihn hielt und machte sich mit seiner Leibwache und den anderen auf den Rückweg. Stichwortartig berichtete Sanraku, in wie weit er die Aufträge, die sein Fürst ihm mitgegeben hatte, hatte ausführen können.

Irgendwann winkte Noriyuki erschöpft ab. "Machen wir morgen weiter. Im Moment will ich nur schlafen."

"Natürlich, Mein Fürst", entschuldigte sich Sanraku.

Schweigend ritten sie. Nachdenklich betrachtete Noriyuki den riesigen Khassar, der neben seinem Pferd lief. Obwohl Noriyuki voll ausgewachsen war und auf einem Pferd sass, reichte Khassar ihm fast bis zur Brust. Viele Soldaten blickten dem Hünen überrascht und neugierig nach. Wenn Noriyuki stand, dann überragte Khassar ihn immer noch um gut zwei Köpfe.

'Irgendwie muss ich ihnen sagen, was Usagi von ihnen erwartet, damit sie unseren Plan nicht aus Versehen zum Scheitern bringen.' dachte Noriyuki müde. Bis jetzt war alles gut gegangen, aber es war zu riskant sich nur auf sein Glück zu verlassen.

'Ob wohl Kusanagi vorhin auf Hanshiro eingewirkt hat? Seine letzte Aussage war so nahe an der Wahrheit gewesen und hatte so perfekt zu unseren Plänen gepasst. Zufall?' überlegte er. Dann zuckte er mit den Schultern. Sicherlich unterstützte das Schwert Usagi, so wie er auch. Aber Usagi hatte nichts dazu gesagt, dass er Kusanagi befehlen würde, ihre Pläne hier zu unterstützen, also war es sicher besser davon auszugehen, dass er auf sich alleine gestellt war.

Er seufzte. 'Das wäre alles so viel einfacher, wenn man schlicht offen miteinander sprechen könnte.'

Dann waren sie angekommen und Noriyuki freute sich darauf, seinen Gedanken endlich für ein paar Stunden entkommen zu können.

Zwischenspiel

"Ihr habt uns in der Hand", beschwerte Makiko sich bitter.

Der Fremde seufzte. "Warum beschweren sich immer alle, wenn ich ihnen etwas Gutes tue?"

"Etwas Gutes? Wie kommt ihr dazu, zu behaupten, ihr würdet Katsumi etwas Gutes tun?"

"Er ist jetzt unglücklich", erläuterte der Fremde ernst. "Nicht wegen dem, was ich ihm eurer und seiner Ansicht nach antue", winkte er ab.

"Er ist krankhaft ehrgeizig. Er strebt nach mehr und immer mehr Macht. Aber unter all diesen krankhaften Auswüchsen, will er einfach nur glücklich sein. Er strebt nach Sicherheit und denkt, dass, je mehr Macht er hat, desto sicherer ist er am Ende."

"Aber je mächtiger einer ist, desto mehr Feinde hat er. Um sich zu schützen wird er also versuchen noch mächtiger zu werden und irgendwann entsetzlich scheitern."

"Aber das ...", begann Makiko, aber der Fremde winkte wieder ab.

"Warum macht ihr nicht Folgendes: Bleibt ein paar Tage hier und seht euch dann an, was aus ihm geworden ist. Dann könnt ihr euch selbst ein Bild machen."

"Ein paar Tage?" fragte Kimi überrascht. "Sicherlich braucht so etwas viel mehr Zeit!"

"Keineswegs", antwortete der Fremde selbstsicher, "wenn man genau weiss, was man tut, dann ist es ganz einfach. Schliesslich tue ich ja etwas, das Katsumi in seinem tiefsten Innern selbst will. Er hat einfach bisher keine Gelegenheit gehabt, es zu tun."

"Ausserdem", er lächelte wissend, "ist Marena überaus fähig."

"Was passiert in der Zwischenzeit mit meinen Leuten?" fragte Makiko. "Sicherlich machen sie sich schon Sorgen, wohin wir verschwunden sind. Wenn ich zu lange fortbleibe, dann werden die Ninjas einen neuen Anführer bestimmen und ihr werdet erst ihn überzeugen müssen."

"Macht euch deswegen keine Sorgen", lachte der Fremde amüsiert, "eure Leute haben noch nicht einmal bemerkt, dass ihr fort seid. Seid ihr die Lichtung mit mir verlassen habt, ist noch nicht einmal ein Atemzug vergangen."

"Wie meint ihr das?" fragte Makiko würgend.

"Ihr könnt so lange hier bleiben, wie ihr wollt. Wenn ihr zurückkehrt, dann genau an den Zeitpunkt, an dem ihr eure Welt verlassen habt. Niemand wird merken, dass ihr überhaupt fort wart."

Usagis Vorbereitungen

Zusammen mit den anderen Fürsten und Beratern hatten Hikiji und Usagi Pläne für die kommende Schlacht gemacht. Einige Berater hatten auf einen Angriff gedrängt, bevor Fürst Fujishima eintraf, aber sowohl Hikiji als auch Usagi hatten das abgelehnt. Nach aussen hin wollten sie eine einzige, grosse Entscheidungsschlacht.

Die Beratungen dauerten bis spät in die Nacht. Als sie endlich vorbei waren, ging Usagi müde in sein Zelt. 'Miyamoto Usagi, Berater von Fürst Hikiji', dachte er noch amüsiert, bevor er in den Schlaf sank.

Am nächsten Morgen sah er sich das Lager zusammen mit Qu'ral und Himesama genauer an. Himesama hatte einige ihrer Leute mitgebracht, die jetzt wohl so etwas, wie eine Leibwache für ihn darstellten. Damit es nicht zu viel Unruhe gab, war er jetzt offiziell ein Berater von Fürst Hikiji, der sich immer noch Tenno nannte.

Die Stimmung der Soldaten war gut, sehr gut sogar. Sie lachten und scherzten und keiner schien sich Sorgen wegen der bevorstehenden Schlacht zu machen. Usagi war zufrieden. Die Art und Weise, wie der junge Fürst Hikiji seine Männer führte, gefiel ihm. Er gestand sich sogar ein, dass er den jungen Fürsten mochte und beschloss zu versuchen, ihn zu retten, wenn das irgendwie machbar war.

Qu'ral verzog mehr als einmal das Gesicht, wenn Soldaten sich lautstark darüber unterhielten, wie mutig sie in vorangegangenen Schlachten gewesen waren und wieviele Gegner sie genau getötet hatten. Vor allem die ausführlichen Schilderungen des Vorgangs selber erregten seinen Unmut.

"Es sind Kinder, Meister Qu'ral", beschwichtigte Usagi ihn.

"Kein Lebewesen sollte Gefallen am Töten eines anderen empfinden", antwortete Qu'ral düster. "Es schadet ihrer Seele."

"Da stimme ich euch zu, aber ihr müsst ihnen die Zeit zugestehen, sich zu entwickeln. Wie Kinder brauchen sie einfach Zeit, um zu lernen, dass Töten ein Mittel der Schwachen und Hilflosen ist."

"Auf meinen langen Wanderungen durch das Land," fuhr Usagi fort, "bin ich häufig Leuten begegnet, die glauben, dass es für einen Samurai nichts Wichtigeres gibt, als andere zu töten, ruhmreiche Schlachten zu schlagen. Es ist schwer ihnen zu vermitteln, dass ein Samurai nur tötet, wenn er dazu gezwungen ist", erklärte Usagi.

"Dann können das hier keine Samurai sein", gab Qu'ral zurück.

"Der Krieg fordert seinen Preis", stimmte Usagi zu. "Nur wenige der Soldaten hier sind richtig ausgebildet worden. Es gibt wohl sogar solche unter ihnen, für die Bushido einfach nur ein Wort und keine Lebenseinstellung ist. Aber wenn ihr sie verurteilt, statt ihnen eure Hilfe anzubieten, dann verurteilt ihr sie auch dazu, immer wieder die gleichen Fehler zu machen, die ihr ihnen vorwerft."

Nachdenklich blickte Qu'ral Usagi an, sagte aber nichts mehr.

An Nachmittag traf Usagi auf die anderen vier seiner Kinder, die zu Hikijis Armee übergewechselt hatten. Usagi erkannte, dass er ihren Verrat inzwischen nicht mehr als solchen ansah. Er wusste nicht, ob er sich über seine Toleranz freuen sollte, oder nicht. Wenn er das ganze am Ende auflösen würde, würden viele Leute mit einer grossen Menge an Schuldgefühlen nach Hause gehen.

'Immer noch besser als tot und vielleicht sind danach viele meine Landsleute etwas toleranter', dachte er bei sich.

Es wurde ein recht ausgelassenes Familientreffen, wenn man die Umstände berücksichtigte. Seine Kinder berichteten ihm ausführlich, was sich in den Jahren zugetragen hatte, in denen er fort gewesen war. Danach wollten sie natürlich wissen, wo er gewesen sei und was er erlebt hatte.

Usagi erzählte ihnen von seiner Begegnung mit Tep und von den Wundern der TAURUS. Voller Staunen hingen sie an seinen Lippen. Amüsiert erinnerte er sich an seine eigenen Reaktionen, als er diese Dinge erlebt hatte und verglich sie mit denen seiner Kinder. Pau Tai hatte gute Arbeit an ihm geleistet. Verglichen mit seinen Kindern war er viel toleranter und konnte viele Dinge einfach akzeptieren, während sie sehr stark in Vorurteilen und japanischen Wertvorstellungen verhaftet waren.

Sie hatten sich voneinander entfernt, seine Kinder und er. Mit Bedauern realisierte er, dass sie ihm nicht in seine Welt folgen konnten. Bald würden sie entweder gestorben sein oder es würde sich ein unüberbrückbarer Graben zwischen ihnen bilden. Sie waren seine Nachkommen und er würde sich immer mit ihnen und ihren Kindern verbunden fühlen, aber er war jetzt unsterblich.

Er würde sehen, was seine Nachkommen in hunderten von Jahren erschaffen würden.

Sie nicht.

Usagi begann den Fluch der Unsterblichkeit zu entdecken.

Trotz seiner trüben Gedanken, genoss er es unheimlich, bei den Seinen zu sein. Sicher, die Umstände hätten besser sein können, aber für ein paar Stunden würde das keine Rolle spielen. Für ein paar Stunden würden sie einfach nur glücklich zusammen sein. Zufriedenheit und Glück tanken, um sich später mit neuer Kraft den Herausforderungen des Lebens stellen zu können.

Sie assen zusammen zu Abend und sassen danach noch lange Stunden zusammen. Auf dem Weg zu ihren Zelten bat Usagi Goemon zu sich, weil er noch etwas tun musste. Goemon war immer der ruhigste unter seinen Kindern gewesen. Schon als kleines Kind war es schwierig gewesen, ihn aus der Fassung zu bringen.

Beschimpfungen anderer Kinder hatten ihn unberührt gelassen und er hatte sich auch nur selten mit anderen gestritten. Usagi hatte gehofft, dass er einst seine Schule leiten würde; er würde einen ausgezeichneten Meister abgeben, der seine Schüler ein hervorragendes Beispiel sein würde.

Ausgeglichen wie immer, setzte sich Goemon zu Usagi in sein Zelt.

"Warum seid ihr hier, Goemon? Warum dient ihr unserem Todfeind Hikiji?" eröffnete Usagi das Gespräch.

Wie Usagi erwartet hatte, liess sich Goemon nicht aus der Ruhe bringen.

"Das habe ich mir auch schon überlegt, Vater", antwortete er nachdenklich, "und ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Ich bin sicher, dass es richtig ist, aber ich weiss einfach nicht, warum. Ich habe den Shogun verraten und unserer Familie Schande gebracht, aber obwohl ich mich als treu und ehrenvoll beschreiben würde, fühle ich, dass ich dennoch das Richtige tat. Darf ich euch die gleiche Frage stellen, Vater?"

"Ich bin wegen Kusanagi hier", antwortete Usagi schlicht.

"Das Schwert von Fürst Hikiji?"

"Nein", antwortete Usagi, "ich zeige es euch besser."

Goemon blickte seinen Vater neugierig an. während Usagi sich konzentrierte. Er hatte keine Ahnung, ob er etwas besonderes tun musste. Wenn er es schaffte, den jungen Hikiji lebend aus diesem Schlamassel herauszubringen, musste er ihn unbedingt fragen, was er alles über Kusanagi wusste.

'Gib meinen Sohn Goemon frei, Kusanagi!' befahl Usagi und beobachtete das Gesicht seines Sohnes aufmerksam. Kusanagi bestätigte.

Goemons Ruhe fiel in sich zusammen, wie ein Loch am Strand, wenn eine Welle darüber hinwegspült.

"Bei den Göttern! Was habe ich getan!!" flüsterte er entsetzt und Usagi entspannte sich. Wenn die anderen Personen genauso oder noch heftiger reagierten, dann würde sein Plan aufgehen.

"Beruhigt euch!" sagte Usagi eindringlich, während Goemon auf einmal das ganze Ausmass seines Verrats und seiner Schande realisierte. Jetzt, wo Kusanagi ihn nicht mehr beeinflusste, war er dazu in der Lage.

"Goemon! Es ist nicht so schlimm, wie ihr denkt!" redete Usagi auf ihn ein.

"Wie könnt ihr das sagen?" fragte Goemon mit zitternder Stimme. "Ich habe den Shogun verraten! Noriyuki! Euch! Alle, die mir vertraut haben! Mich selbst! Was könnte schlimmer sein?"

"Achtet darauf, was ihr empfindet!" befahl Usagi stattdessen und konzentrierte sich wieder auf Kusanagi.

'Ich möchte, dass er sich beruhigt', befahl er und Kusanagi bestätigte den Befehl.

"Was geschieht hier mit mir? Was macht ihr mit mir?" fragte Goemon plötzlich wieder ruhig. Der Vorgang machte ihm offensichtlich Angst aber er blieb trotzdem ruhig.

"Es ist Kusanagi, Goemon."

"Das Schwert?"

"Es ist eine Waffe, so wie das Ding, das Pau Tai ein paarmal eingesetzt hat."

"Ich verstehe. Es kontrolliert uns. Darum konnten wir uns zu diesem Verrat überwinden", sagte er staunend. Er schnaubte. "Obwohl ich weiss, dass mich jemand oder etwas manipuliert, fühle ich mich so wie immer."

"Das geht allen so. Passt auf, ich habe folgenden Plan ...", begann Usagi und erklärte seinem Sohn, was er vorhatte.

"Was wollt ihr damit erreichen?" fragte Goemon, als Usagi fertig war.

"Diesen Krieg mit möglichst wenig Toten beenden", antwortete Usagi.

Goemon war sofort klar, wo der Schwachpunkt des Plans lag und er fragte Usagi, wie er dieses Problem zu lösen gedachte.

"Da kommt ihr ins Spiel", antwortete Usagi. Aufmerksam hörte Goemon zu.

"Das könnte funktionieren", gab er schliesslich zu.

Zwischenspiel

Nachdem Marena über acht Stunden an Katsumi gearbeitet hatte, liess sie ihn frei. Erschöpft brach Katsumi zusammen. Er war viel zu erschöpft, um sich über sein weiteres Schicksal zu beklagen oder sich auch nur Gedanken darüber zu machen. Er blieb auf dem angenehm weichen Boden so liegen, wie er gestürzt war und fiel sofort in einen erschöpften Schlaf.

Marena betrachtete ihr Werk zufrieden. Natürlich leistete Katsumi immer noch Widerstand, aber bald würde sie ihn soweit haben. Behutsam streichelte sie über seinen regungslosen Körper. Er war fiel zu erschöpft, um darauf zu reagieren. Sie hatte ihn an seine Grenzen gebracht, aber nicht weiter.

Ihre Aufgabe bereitete ihr viel Spass. Erwartungsvoll leckte sie sich die Lippen. Morgen würde es weitergehen.

Fürst Fujishima

Nach zwei Wochen traf Fürst Fujishima ein und wurde mit viel Jubel begrüsst. Erleichtert nahm man seine Ankunft auch als Zeichen, dass Fürst Noriyuki sie nicht verraten hatte.

Noriyuki selbst war es, der ihn empfing und zum Shogun begleitete. Mit Bedauern nahm Fürst Fujishima die Nachricht vom Tod der Begleiter Noriyukis auf und sprach dem Fürst sein Beileid aus.

"Ich hoffe", sagte Fürst Fujishima, "dass dies kein schlechtes Zeichen ist."

"Dass ich als einziger jemals Fürst Hikiji getroffen habe und zurückgekehrt bin, werte ich als gutes Zeichen", antwortete Noriyuki ihm.

"Dann gibt es noch Hoffnung?"

"Ihr habt die Grösse von Hikijis Armee gesehen?" fragte Noriyuki zurück.

"Erschreckend", bekannte der Fujishima.

"Ja", gab Noriyuki zu, "und ja, ich habe noch Hoffnung."

"Darf man fragen, weshalb?"

"Ein alter Freund von mir, Miyamoto Usagi, ist vor kurzem wieder aufgetaucht. Er sagte mir, dass er vielleicht etwas für uns tun kann."

"Meister Miyamoto vom Shiroi Usagi Dojo?"

"Derselbe."

"Man hört erstaunliches über ihn und seine Schüler", gab Fujishima zu, "aber glaubt ihr wirklich, dass er etwas erreichen kann?"

"Wenn ich ihn nur gesehen hätte, dann hätte ich Zweifel, wie ihr", antwortete Noriyuki ehrlich, "aber wenn er sagt, dass er etwas tun kann, dann glaube ich ihm. Und schliesslich hätte ja auch niemand für möglich gehalten, dass Fürst Hikiji die Schlacht bei Ueda übersteht, wo er 10-fach unterlegen war."

"Das ist wahr", gab Fujishima zu.

Dann hatten sie das Zelt vom Shogun erreicht und gingen hinein.

Glücklicherweise hatte Noriyuki es geschafft, in einem unbeobachteten Augenblick mit Hanshiro zu sprechen und ihm hastig die Grundzüge ihres Plans erklärt. Daher wusste noch niemand im Lager des Shogun sicher, ob Hikiji wirklich im Besitz von Kusanagi war und was das Schwert konnte.

Stattdessen machten weitere Gerüchte über dunkle Mächte, mit denen Hikiji im Bunde stehen sollte, die Runde.

Der Shogun indes war ehrlich erfreut über das Eintreffen von Fürst Fujishima und sprach Noriyuki ein weiteres mal seinen Dank dafür aus, dass er erfolgreich mit dem Fürsten verhandelt hatte.

Am Nachmittag traf eine Botschaft von Fürst Hikiji ein, in der er sich höflich erkundigte, ob der Shogun noch weitere Verstärkung erwarten würde und falls nicht, schlug er vor, ihre Auseinandersetzung ein für alle Mal in drei Tagen auf dem Schlachtfeld zu klären.

Diese Unverfrorenheit trieb einigen Fürsten und Beratern die Zornesröte ins Gesicht. Der Shogun liess nur ausrichten, dass sie bereit sein würden.

Damit war Noriyukis Zeitplan klar.

Sie nutzten die verbleibende Zeit, um die Truppen von Fürst Fujishima zu integrieren und den Fürsten über die geplante Strategie in informieren.

Zwischenspiel

Am nächsten Morgen hatte Marena ein kurzes Gespräch mit ihrem Besitzer. Dieser hatte sich eine Aufzeichnung ihrer Sitzung mit Katsumi angesehen und gab ihr einige wenige Hinweise, was sie noch verbessern konnte. Wie immer konnte sie die schlichte Eleganz seiner Überlegungen nur bewundern.

Als sie den Trainingsraum wieder betrat, war Katsumi bereits erwacht. Wie schon am Tag zuvor befestigte sie die Leine an seinem Sklavenring und führte ihn zur Morgentoilette. Nachdem er sich mit ihrer Hilfe gereinigt hatte, gingen sie zurück.

Tep hatte ihnen ein wundervolles, reichhaltiges Frühstück gezaubert, das selbst der widerstrebende Katsumi mit Begeisterung zu sich nahm.

Dann setzte sie seine Ausbildung fort. Noch immer war Katsumi entsetzlich steif und prüde. Aber je länger sie an ihm arbeitete, desto geringer wurde sein Widerstand. Am Abend des zweiten Tages war er soweit.

"Warum widersetzt ihr euch mir so sehr?" fragte sie schmollend, "Macht es euch keinen Spass, mit mir zu lernen?"

Katsumi, der wieder erschöpft am Boden lag, atmete schwer und dachte nach. "Es stört mich, dass ich es tun muss, Herrin. Wenn dieser entsetzliche Ring nicht wäre, dann wäre es viel einfacher für mich", bekannte er ehrlich.

Sie hatte ihn. "Ist das aber nicht einfach deshalb so", schnurrte sie in sein Ohr, "weil Du nicht willst?"

"Ich könnte Dich dazu zwingen, alles zu tun, was ich will", fuhr sie fort und er machte ein unglückliches Gesicht, "aber ich tue es nicht. Habe ich jemals etwas unangenehmes von Dir verlangt?"

"Nun", begann er unsicher.

"Dich zu etwas gezwungen, dass Du wirklich nicht tun wolltest?"

Er schwieg und starrte nur an die Decke.

"Warum gibst Du Deine Angst nicht einfach auf?" fragte sie, "Und Dich mir hin?"

"Vertraust mir?" schnurrte sie wieder mit ihrer verführerischen Stimme.

'Warum nicht?' fragte er sich. Sie hatte ihm von ihrem sorglosen Leben hier erzählt. Wie alt sie wirklich war und was sie schon alles erlebt hatte. Hatte ihm seinen Körper und seine Bedürfnisse näher gebracht, als irgendjemand vor ihr.

Sie leckte vorsichtig über seine Wange und er küsste sie voller Hingabe.

Gab sich ihr und dem Kuss hin.

Ergab sich in sein Schicksal.

In dieser Nacht war er das erste Mal in seinem Leben wirklich wunschlos glücklich.

Attentat

Sorgfältig desinfizierte Ferdo das Wakizashi(5) und die zugehörige Scheide und gab dann beides an Fürst Noriyuki zurück.

5. Das kurze Schwert eines Samurai

"Und ihr seid sicher, dass ich euch nicht begleiten soll, falls etwas unvorhergesehenes passieren sollte?" fragte Hanshiro ein letztes Mal.

Noriyuki schüttelte den Kopf. "Das würde nur alles gefährden. Wenn etwas schief gehen sollte, dann habe ich mein Leben geopfert, um viele zu retten und damit bin ich zufrieden."

Dann ging der Fürst zu seiner Leibwache und machte sich auf den Weg zum Shogun.

Es war die letzte Besprechung vor der morgigen Schlacht. Die meisten Fürsten und Berater waren anwesend und Noriyuki gehörte zu den letzten, die eintrafen. Da man ihm wieder Vertrauen schenkte, sass er nahe beim Shogun.

Letzte Meldungen trafen ein und einige Details des Schlachtplanes wurden angepasst. Im Grossen und Ganzen waren sie zufrieden mit dem, was sie erreicht hatten. Natürlich standen ihre Chancen auf einen Sieg immer noch schlecht, aber Hikiji würde für einen Sieg teuer bezahlen.

Hofften sie zumindest.

Auch wenn keiner davon sprach, so war sich dennoch jeder voll bewusst, dass zu einem Sieg in diesem Krieg mehr gehörte, als sorgfältige Planung. Leider hatte Hanshiro ihnen keine weiteren Hinweise liefern können.

Der Zauberer hatte wahrheitsgemäss berichtet, dass im Lager von Hikiji grosse magische Kräfte am Werk waren, aber konnte ihnen nicht sagen, was sie dagegen hätten tun können.

Dann bedankte sich der Shogun und wünschte ihnen allen Glück für die morgige Schlacht.

'Jetzt', dachte Noriyuki und versuchte dem Shogun sein Wakizashi ins Herz zu stossen.

Es klappte besser, als er gehofft hatte.

Ein Aufschrei des Entsetzens ging durch die Versammlung.

Als Noriyuki schon dachte, er müsse so tun, als würde er sich im letzten Moment zwingen, die Stossrichtung zu ändern, reagierte der Shogun, drehte sich zur Seite und er konnte sein Kurzschwert mit aller Kraft in den Arm des Shogun rammen.

Blankes Entsetzen stand im Gesicht des Shogun.

Noriyuki verzog sein Gesicht zu einer dämonischen Fratze und riss sein Kurzschwert aus der Wunde, als ob er nochmals zustossen wollte.

Endlich löste sich die Erstarrung der Anderen und sie stürzten sich auf Noriyuki.

Vor Erleichterung, dass alles so perfekt abgelaufen war, hätte Noriyuki beinahe vergessen, sich zu wehren.

"Tötet ihn nicht!" rief der Shogun. "Wir brauchen ihn lebend!"

Mehrere Soldaten hielten Noriyuki fest, bis dieser aufhörte zu versuchen, sich aus ihrem Griff zu befreien. Jemand nahm ihm sein Katana ab und durchsuchte ihn grob nach weiteren Waffen.

Ein geringschätziges Lächeln lag auf Noriyukis Gesicht und er blickte den Shogun verächtlich an. Er lachte höhnisch

"Ihr zögert das Unvermeidliche nur hinaus", sagte er mit veränderter Stimme, "morgen früh wird mein Sohn euch alle töten. Und ohne Noriyuki wird das einfacher sein, als einem Kind die Süssigkeiten zu stehlen!"

Wieder lachte er höhnisch und dann liess Noriyuki sich zusammensacken.

Er blinzelte verwirrt und blickte in die entsetzten Gesichter der anderen. Sie hatten seine Täuschung geschluckt. Geschickt hatte er ihre grössten Ängste