Usagi Yojimbo and Pau Tai Teil 14: Usagis Schlacht

Der 13. Teil der Geschichte

Die grosse Schlacht

"Ist alles bereit?" fragte Hikiji ein letztes Mal von seinem Pferd aus. Wie ein kompliziertes Muster breitete sich seine Armee vor ihren Augen auf dem Schlachtfeld aus. Banner flatterten im leichten Wind. Der Himmel war grau, aber es würde wohl nicht regnen.

Das Schwert, dass Usagi ihm gegeben hatte, steckte in der Scheide auf seinem Rücken. Usagi hatte Kusanagi an sich genommen, es wieder verschwinden lassen, und war dann irgendwo im nun menschenleeren Lager verschwunden, um seinen Teil des Planes umzusetzen. Hikiji wünschte ihm noch einmal Glück.

Für sie alle.

Dann ritt er an die Spitze seiner Truppen, wie er es immer tat. Er zog das Schwert, das genauso leuchtete, wie Kusanagi und gab damit das Signal für den Angriff.

Usagi war währenddessen im Lager unterwegs. Er näherte sich einem bestimmten Zelt, das sich von aussen von keinem der anderen Zelte der Fürsten unterschied. Das Banner von Hikiji flatterte an der Standarte, die zum Zelt gehörte.

Eine grössere Menge an Wachen stand um das Zelt herum und bewachte es sorgfältig, obwohl alle Fürsten auf dem höchsten Hügel waren und von dort aus die Schlacht beobachteten. Usagi hatte überlegt unsichtbar an den Wachen vorbeizuschleichen oder sich von Qu'ral ins Zelt bringen zu lassen, aber das Risiko, dass der einzige Bewohner die Wachen um Hilfe rief und er dann in der Enge des Zeltes kämpfen musste, war zu gross.

Seufzend machte er Kusanagi erreichbar und griff danach. Dann wechselte er ins Tai Chi und griff an.

Wie schon immer in diesem Zustand, wurde die Waffe in seiner Hand zu einem Teil von ihm. Usagi/Kusanagi schnitten durch die überraschten Wachen wie eine Sense durch Gras.

Etwas war anders, aber Usagi konnte sofort nicht sagen, was es war. Während er emotionslos Wachen tötete, dachte er darüber nach. Langsam stolperten die Wachen um ihn herum, während er leicht und blitzschnell zuschlug.

Er war schnell, das war ungewöhnlich. Normalerweise fühlte sich sein Körper träge und langsam an, nur die Gedanken waren leicht und schnell.

Nach wenigen Augenblicken waren die fünfzig Wachen tot. Da sich ausser ihnen fast niemand mehr im Lager aufhielt, hatten die Schreie der Wachen niemanden alarmiert. Keine weiteren Wachen kamen gelaufen, um zu sehen, was da vor sich ging.

Usagi betrachtete die saubere Klinge von Kusanagi nachdenklich. Kein Blut, keine Erde, nichts haftete an ihr. Sie war immer noch so sauber, so unberührt, wie vor dem Kampf.

Das war jetzt nicht wichtig. Er hatte nicht viel Zeit, wenn er möglichst viele Leben retten wollte. Er betrat das Zelt.

Mehrere Diener starrten ihn an. Wegen Kusanagi wusste er, dass sie keine Gefahr für ihn darstellten. Er trat an das Lager, wo jemand lag, der schon viel zu lange lebte.

Fürst Hikiji atmete röchelnd. Sein Körper war von irgendeiner Krankheit furchtbar entstellt worden, aber er lebte immer noch. Usagi hätte ihn fast nicht erkannt, wäre da nicht die Narbe über seinem Auge gewesen und der Blick. Hikiji hatte ihn ebenfalls erkannt.

"Usagi", sagte er kraftlos.

"Fürst Hikiji", antwortete Usagi.

"Dann ist es wahr", sagte der Sterbende mühsam, "ihr seid unsterblich."

Usagi antwortete nicht. Emotionslos blickte er auf seinen Feind herab. 'Wenn die Leute seinen Kopf auf einer Stange sehen, werden sie vor Freude tanzen', dachte Usagi. 'Was für eine Verschwendung.'

Er schlug seinem Feind den Kopf ab und nahm ihm mit sich.

Etwas entfernt stand sein Pferd, wo er es angebunden hatte. Schnell ritt er zu dem Hügel zurück, auf dem die Berater und Fürsten die Schlacht beobachteten und die Signalgeber ihre Befehle weiterleiteten. Überrascht blickte man ihn an, als er mit dem Kopf in der Hand angeritten kam.

Usagi sah zum Schlachtfeld hinunter. Die ersten Einheiten hatten Feindkontakt, aber die Schlacht hatte gerade erst begonnen. 'Gut', dachte Usagi bei sich und dann: 'Jetzt, Kusanagi! Gib sie alle frei! Verwirre den Rest!'

Sofort breitete sich Chaos auf dem Schlachtfeld aus. Diejenigen, die unter Kusanagis Kontrolle gestanden hatten, realisierten, was sie getan hatten und die anderen rannten kopflos durcheinander. Die Formationen lösten sich auf und Freund und Feind waren nicht mehr zu unterscheiden.

Gleichzeitig drückte der junge Fürst Hikiji den Auslöser an seinem Schwert. Mit einem beeindruckenden Funkenregen löste sich die Klinge seines Schwerts und der Leuchteffekt in Nichts auf.

Usagi wartete eine Weile, bis sich die Soldaten wieder etwas beruhigt hatten. Sein Plan schien aufzugehen. Es hatten so viele Soldaten die Seiten gewechselt, dass jetzt niemand mehr wusste, ob der Soldat mit dem Wappen von Fürst Hirano jetzt auf der Seite des Shogun oder von Hikiji kämpfte. Verwirrt standen sich Freund und Feind gegenüber und wussten nicht so recht, was sie jetzt tun sollten.

Dann hallte Usagi Stimme über das Schlachtfeld. "Mein Name ist Miyamoto Usagi. Ich bin ein Priester der Gottheit Ookaa'h." Erschreckt fuhren die Soldaten zusammen und blickten sich um, um herauszufinden, woher die Stimme kam.

Usagi hob Kusanagi und liess es einmal hell aufblitzen. Schreie ertönten und Köpfe wandten sich ihm zu.

"Der alte Fürst Hikiji ist tot", er hielt den Kopf hoch, "und damit ist der Zauber gebrochen, mit dem er euch alle kontrolliert hat."

Während er sprach, begannen die Leute, die sie in den letzten Tagen schon vom Einfluss von Kusanagi befreit hatten, auf die anderen einzuwirken, damit sie die Ruhe bewahrten und sich nicht im Schreck des Augenblicks selbst töteten.

"Dies hier", er hielt Kusanagi hoch und liess es in einem unirdischen Glanz erstrahlen, "ist Kusanagi-no-tsurugi, das echte Schwert der Götter. Mit Hikijis Tod endete auch diese Täuschung von ihm."

"Ich möchte die Anführer der Armeen bitten, die Soldaten in ihre Lager zurückzurufen und sich dann mit mir zu treffen, damit ich ausführlich berichten kann, was geschehen ist. Es ist meine Hoffnung, dass dieser Krieg sich ohne weiteres Blutvergiessen beenden lässt."

Damit senkte Usagi das Schwert wieder und wandte sich Hikijis Verbündeten zu. Diese hatten inzwischen realisiert, dass sie direkt neben einigen ihrer Todfeinde standen. Lautstarke Auseinandersetzungen hatten sich entwickelt, die wohl in einem Blutbad geendet hätten, wenn Usagi nicht dazwischengegangen wäre.

Allerdings ging ihm langsam die Zeit aus. Er konnte nicht genau sagen, wie lange er jetzt schon in diesem Zustand war, aber bald würde wieder der Zeitpunkt kommen, wo sein Körper unter der Belastung einfach zusammenbrach. Qu'ral hielt sich bereit ihn auf ein Zeichen von ihm zum Mond zu bringen, wo ein Heiltank bereit stand.

Usagi betete, dass er noch genug Zeit hatte, die Streithähne hier zu beschwichtigen, bevor er spürte, dass er das Tai Chi verlassen musste.

Ein Fürst erwies sich als besonders uneinsichtig. Am Ende griff er sogar nach seinem Schwert, um Usagi zu töten.

Aber da war nichts mehr. Perplex starrte er auf die leere Scheide.

"Ein schönes Schwert", sagte Usagi ruhig und drehte das Schwert im Licht.

Dann stand er plötzlich direkt vor dem Fürst und hielt ihm das entwendete Schwert hin. "Ich hoffe doch nicht, dass ihr danach gegriffen habt", sagte er freundlich, "um mich damit etwa anzugreifen?"

Der Fürst schluckte hart und nahm sein Schwert entgegen. Dafür hielt Usagi plötzlich Kusanagi in der Hand. Er war sich sicher, dass keiner der Fürsten gesehen hatte, wie er sich bewegt hatte, so schnell war er gewesen.

"Denn dann müsste ich euch leider töten", fuhr er freundlich und zuvorkommend fort, während er Kusanagi nachdenklich ansah.

Dann hob er den Blick und starrte dem Fürst direkt in die Augen. "Sicherlich nicht, Miyamoto-San", beeilte sich der Fürst zu sagen.

"Gut", akzeptierte Usagi und stieg wieder auf sein Pferd. "Ich bin ganz sicher", fuhr er leichthin fort, "dass ich sie alle später zusammen mit dem Shogun begrüssen kann, damit wir gemeinsam eine Lösung für unsere ... Situation finden können."

Dann ritt er so schnell er konnte zurück zu Qu'ral.

Zwischenspiel

"Guten Morgen", begrüsste der Fremde die beiden Ninjas. Er hatte Katsumi an einer Leine bei sich.

Zu sehen, wie ein Mitglied ihres Klans so gedemütigt wurde, brachte Makiko in Rage. 'Wie ein Tier nackt an einer Leine herumgezerrt zu werden', dachte sie wütend.

Katsumi dagegen war locker und entspannt. Er schien zufrieden zu sein und Makiko fragte sich besorgt, ob dieses Schicksal auch ihnen bevorstand. 'Wie hat er es in nur drei Tagen geschafft, Katsumis Willen so zu beeinflussen? Welche Macht hat dieser entsetzliche Ring um seinen Hals?'

"Bitte setzen wir uns doch", lud der Fremde ein.

Sie setzten sich auf Stühle, die um einen Tisch aus einem durchsichtigen Material gruppiert waren. Katsumi setzte sich neben seinen Herrn auf den Boden. Der Fremde streifte sein Ende der Leine achtlos um die Lehne seines Stuhls, aber als er sie losliess, fiel sie herunter.

Sofort griff Katsumi danach und befestigte sie sorgfältig, damit sie nicht mehr herunterfiel. Der Fremde schien den Vorgang nicht bemerkt zu haben.

Sie plauderten ein wenig, aber Makiko konnte sich nicht wirklich auf das Gespräch konzentrieren. Fassungslos beobachtete sie, wie der Fremde Katsumi auf den Kopf tätschelte, wie einen braven Hund. Und wie Katsumi sich hinhielt.

Der Fremde kraulte Katsumi ein wenig und Katsumi schloss selig die Augen.

Irgendwann tat der Fremde so, als würde er ihre Blicke bemerken.

"Faszinierend, nicht wahr?" fragte er.

"Abstossend ist das passendere Wort", antwortete Makiko angewidert.

"Hm", machte der Fremde. "Ihr denkt sicher, Katsumi ist nur deswegen so hingebungsvoll, weil der Sklavenring ihn dazu zwingt."

"Katsumi, bitte nehmt euren Sklavenring ab und legt ihn auf den Tisch," befahl er.

Sofort kam Katsumi dem Befehl nach. Sorgfältig legte er das Band auf den kleinen Tisch. Unwillkürlich lehnten sich die beiden Ninjas zurück, als könnte sich das Band unvermittelt auf sie stürzen.

"Jetzt seid ihr nicht mehr gezwungen, meinen Befehlen zu gehorchen", sagte der Fremde sanft.

"Ja, Herr", antwortete Katsumi ruhig.

"Bitte tötet doch Makiko für mich."

Er hielt plötzlich einen Dolch in der Hand und hielt ihn Katsumi hin, aber Katsumi rührte sich nicht.

"Ich möchte nicht mehr töten, Herr", bat er stattdessen im gleichen Tonfall wie zuvor.

"Dann legt bitte wieder den Ring an, damit ich euch zwingen kann, das zu tun."

Katsumi, der die Hand schon nach dem Ring ausgestreckt hatte, zog sie wieder zurück.

"Bitte nicht, Herr", bat er demütig.

"Ich könnte sie für euch töten", bot der Fremde an.

"Herr, ich danke euch, aber bitte lasst sie leben", antwortete Katsumi.

"Hm", machte der Fremde und überlegte.

"Dann möchte ich euch bitten", begann er und sagte Katsumi, was er tun sollte.

Begeistert machte sich Katsumi ans Werk.

Angeekelt hörte Makiko den Befehl und sie musste ihre ganze Willenskraft aufbieten, um nicht vor Ekel schreiend wegzulaufen, als Katsumi dem Befehl nachkam. Durch den durchsichtigen Tisch konnte sie alles ganz genau beobachten.

Kimi neben ihr übergab sich geräuschvoll.

Sitzordnung

Die Soldaten hatten sich wieder zurückgezogen. Nachdem Usagi die Schlacht so überraschend beendet hatte, war es noch zu kleineren Kämpfen gekommen, wenn Einheiten aufeinander getroffen waren, die man eindeutig hatte zuordnen können, aber Offiziere waren in der Regel schnell dazwischengegangen und hatten dafür gesorgt, dass die Soldaten den Rückzugsbefehl befolgten.

Nun sass er alleine auf seinem Pferd irgendwo in der Mitte des riesigen Schlachtfeldes. Die Verwundeten und Toten waren abtransportiert worden. Eine Handvoll Soldaten sammelte nun die zerbrochenen Waffen ein und säuberte einen Bereich, wo das grosse Zelt aufgebaut werden sollte, in dem sich die Fürsten beider Seiten mit ihrem Gefolge zu treffen gedachten, damit Usagi ihnen berichten konnte, was vorgefallen war.

Usagi beobachtete sie zufrieden. Sein Plan war voll aufgegangen und er war nicht wenig stolz auf seine Leistung. Innerhalb weniger Tage hatte er dafür gesorgt, dass Kusanagis Pläne durchkreuzt wurden und nun wieder Frieden im Land herrschen konnte. 'Eine exzellente Leistung, vor allem, wenn man bedachte, wie wenig Zeit ich für die Vorbereitungen gehabt habe,' gratulierte Usagi sich selbst.

Während er wartete, unterhielt er sich mit dem Schwert. Er liess sich erklären, wozu das Schwert in der Lage war. Das meiste wusste er schon von Käl.

'Kannst Du mich eigentlich belügen?' fragte Usagi. Das Schwert verneinte das. Da sie über Gedanken verbunden waren, wusste Kusanagi nicht nur, was Usagi von ihm wollte, sondern auch immer, was er exakt meinte, wenn er etwas dachte. Das gleiche galt in der anderen Richtung.

Sich mit dem Schwert zu unterhalten, war eine seltsame Angelegenheit. Noch immer hatte Usagi sich nicht wirklich daran gewöhnt. Es war nicht so, dass eine Stimme zu ihm sprach, sondern er ... erinnerte sich jeweils an die Antwort.

Das Schwert manipulierte ihn, ohne dass er es bemerkte und das beunruhigte ihn. Das hatte schon damit begonnen, dass er aus dem Tai Chi wieder in den Normalzustand gewechselt war. Qu'ral hatte bereit gestanden, um ihn zum Mond zu bringen, aber Usagi hatte verblüfft festgestellt, dass er nichts spürte.

Da war kein Schmerz. Er fühlte sich so, wie immer. Obwohl er wirklich sehr lange im Zustand des Tai Chi geblieben war, blieben die gefürchteten Nebenwirkungen diesmal aus. Er fragte Kusanagi und erfuhr, dass das Schwert von sich aus seinen Energiehaushalt ausgeglichen hatte. So lange er Kusanagi hatte, würde er so lange im Zustand des Tai Chi bleiben können, wie er wollte, ohne irgendwelche Schäden befürchten zu müssen.

Nur unsterblich konnte ihn das Schwert nicht machen. Wahrscheinlich waren die Erschaffer davon ausgegangen, dass jemand, der würdig war Kusanagi zu verwenden, schon unsterblich sein würde. Und bei anderen Leuten war es wohl besser, wenn sie Kusanagi nicht allzulange benutzen konnte.

Usagi machte sich Sorgen, wie lange er vermeiden könnte, Kusanagi zu missbrauchen. 'Aber so lange ich mir Sorgen mache, bin ich sicher', dachte er leicht amüsiert.

Qu'ral auf der anderen Seite war sehr erleichtert gewesen, als die Schlacht abgebrochen worden war. Für ihn war der Gedanke, dass sich intelligente Lebewesen einfach so aufeinander stürzten, um sich gegenseitig zu töten, schwer zu verkraften. Anscheinend waren Aggressionen in seiner Kultur durchaus bekannt, aber während man aufwuchs wurde viel Zeit darin investiert, damit die Kinder lernten, sinnvoll damit umzugehen.

"Hass, Wut und Angst sind starke Motivatoren, die uns erlauben, Dinge zu tun, die normalerweise nicht möglich sind", erklärte er, während sie warteten. "Aber man muss immer in der Lage sein, sie zu kontrollieren. Wenn sie die Kontrolle haben, dann sind immer nur mehr Hass, mehr Wut, mehr Angst das Ergebnis."

"Aber sind das nicht zerstörerische Kräfte, die man meiden sollte?" wunderte sich Usagi. "Sagen die Weisen nicht, dass man Gutes tun soll und dass Hass einen nur verdirbt?"

"Dieser Rat mag für einen Weisen gut sein, aber was nützt er dem armen Bauern, dessen Ernte gerade von einer Armee zertrampelt wird?" fragte Qu'ral statt einer Antwort.

Er machte eine weit ausholende Geste: "Ist es der Hass selbst, der die Leute zugrunde richtet oder die Tatsache, dass sie nicht damit umgehen können? Wir denken, dass Hass zum Leben gehört, wie Liebe oder Tod. Daher lernen wir von unseren Lehrern den Hass zu beherrschen statt ihn zu meiden. Denn was man meidet, das ist immer noch da und wartet nur auf einen Moment der Schwäche. Man muss sich damit auseinandersetzen, oder es wird einem irgendwann Schaden. Und meist passiert das noch zu einem Zeitpunkt, wo man es überhaupt nicht gebrauchen kann."

Dem konnte Usagi nur zustimmen. Das war auch der Grund, warum er Kämpfe nach Möglichkeit vermied und warum er seine Gegner tötete, wenn es doch zum Kampf kam. 'Jeder Überlebende könnte sich beleidigt vorkommen und sich an mir rächen wollen.'

"Aber was tun, wenn man sich selbst unter Kontrolle hat, aber der Andere nicht?" fragte er.

"In diesem Fall gebietet unsere Kultur sich zu unterwerfen", antwortete Qu'ral.

"Sich töten zu lassen?" fragte Usagi ungläubig.

"Im Extremfall: Ja", sagte Qu'ral bestimmt. "Aber das ist nur ein konstruiertes Problem. Normalerweise kann man seine Gegner auf anderen Wegen besiegen, als durch das Schwert. Aber Kämpfer, die mit Waffen unterwegs sind, denken immer, dass ihre Waffen das beste Mittel sind. Wozu haben sie schliesslich viele Jahre damit verbracht, den Einsatz ihrer Waffen zu üben, wenn sie sie nie einsetzen?"

"Daher betrachten wir es als gefährlich, Waffen zu besitzen", fuhr er fort. "Sie verleiten einen immer dazu, zu glauben, dass man Probleme mit ihrer Hilfe lösen kann."

"Manche Menschen lassen sich nicht davon abhalten Waffen gegen andere zu verwenden", hielt Usagi dagegen.

"Sie werden auch nicht davon abgehalten, wenn ihr auch eine Waffe besitzt" wehrte Qu'ral ab. "Eher im Gegenteil: Menschen, die denken, dass sie eine Waffe brauchen, etwa weil sie sich dann sicherer fühlen, werden sich eher eine Waffe beschaffen, wenn sie sehen, dass andere bewaffnet sind."

"Aber wenn ihr keine Waffe besitzt, dann könnt ihr sie auch nicht einsetzen. Wenn ihr nun auf eine andere bewaffnete Person trefft, dann bleibt euch keine Wahl: Ihr müsst den Konflikt auf eine andere Art und Weise lösen. Wenn ihr aber eine Waffe habt, dann scheint es nur noch eine Lösung zu geben: Kampf."

Usagi musste zugeben, dass dieser Gedanke etwas für sich hatte. "Das ist wohl der Grund, warum es auf der TAURUS so friedlich zugeht", dachte er laut.

Qu'ral lachte. "Das kommt nun wirklich auf den Standpunkt an. Auf der TAURUS werden jeden Tag mehr Lebewesen bei bewaffneten Konflikten verletzt oder getötet, als hier heute auf diesem Schlachtfeld."

"Aber dort leben auch sehr viel mehr Lebewesen", gab Usagi zu bedenken.

Qu'ral nickte. "So ist es. Verglichen mit dieser Welt werden auf der TAURUS wirklich nur sehr wenige Lebewesen durch Gewalt verletzt."

Inzwischen war das Zelt aufgebaut und einige Berater beider Seiten hatten sich zusammengefunden, um so wichtige Dinge wie die Sitzordnung zu besprechen. Die Berater des Shoguns lehnten es rundweg ab, dass die Verräter auf der Seite des Shoguns sassen. Wenn es dem Shogun schon zugemutet werden musste, diese Personen zu treffen, dann würden sie auf keinen Fall neben oder gar hinter ihm sitzen.

"Dann setzt den Shogun doch nach ganz hinten", schlug Usagi gelassen vor.

Entgeistert starrte man ihn an.

"Ihr seid Meister Miyamoto, nehme ich an?" fragte einer der Berater des Shogun, als sie sich von dem Schock erholt hatten.

"Der bin ich."

Der Berater ging nicht auf Usagis lächerlichen Vorschlag ein. "Für das Protokoll wäre es wichtig zu wissen, was euer Rang ist?"

"Halb-Gott", antwortete Qu'ral trocken. Der Berater ignorierte das.

"Ich bin nur ein Priester der Gottheit Ookaa'h", antwortete Usagi gelassen.

"Nun", antwortete der Berater, "normalerweise würde der Shogun niemals einen einfachen Priester empfangen ..."

Usagi lachte amüsiert. "Ich denke, es wird ihm nicht Schaden, wenn er für mich eine Ausnahme macht, so wie für Pau Tai vor 25 Jahren."

Offensichtlich hatte der Berater davon gehört, was damals geschehen war, denn er zuckte zusammen. "Werdet ihr alleine mit dem Shogun sprechen wollen?" fragte er vorsichtig.

"Oh", lachte Usagi, denn er hatte nicht an die kleine Zusatzkonferenz gedacht, die sie am Abend gehabt hatten, "das wird nicht nötig sein, denke ich."

"Was haltet ihr von folgendem Vorschlag", fuhr Usagi fort, "statt zwei Gruppen machen wir drei. Neben und hinter dem Shogun sitzen seine Verbündeten und Ratgeber. Zu meiner Linken sitzen die Fürsten, die den Shogun verraten haben und zu meiner Rechten sitzt Fürst Hikiji mit seinen Verbündeten und Ratgebern."

"Fürst Hikiji", fuhr einer seiner Berater auf, aber Usagi schnitt ihm das Wort ab: "wird sicher nicht begeistert sein, aber sicherlich wird er sich genau überlegen, ob er meinen Wunsch abweisen kann."

Der Berater erbleichte. Wütend blickten seine Begleiter Usagi an, der gelassen auf seinem Pferd sass. Auf diese Weise konnte er auf sie herabsehen, was ihnen überhaupt nicht gefiel.

"Da dies nun geklärt ist", fuhr Usagi fort, "möchte ich euch bitten, zu euren Herren zurückzukehren, damit wir beginnen können. Meine Zeit hier ist begrenzt."

Die Berater öffneten empört den Mund, um lautstark zu protestieren. Usagi liess Kusanagi erscheinen und grell leuchten. "Wenn meine Hilfe nicht gewünscht wird", sagte er ruhig, während den Beratern ihr Protest im Halse stecken bliebt, "werde ich mich natürlich sofort zurückziehen."

Die Berater wogen ihre Optionen ab und teilten Usagi dann reserviert mit, dass sie seinen Wunsch an ihre Herren weiterleiten würden, aber nicht versprechen konnten, wie sie darauf reagieren würden. Damit war Usagi einverstanden und sie zogen sich zurück.

Als sie fort waren, verfluchte Usagi sich dafür, dass er sich wieder nicht hatte beherrschen können. Aber als die Berater angefangen hatten sich wegen irgendwelcher unwichten Kleinigkeiten zu streiten, da hatte er sich nicht mehr zurückhalten können. Nachdenklich blickte er Qu'ral an. Wieder einmal hatten seine Gefühle die Kontrolle übernommen und jetzt war er zum wiederholten Mal in einer Situation, die er hatte vermeiden wollen.

Zwischenspiel

Als Katsumi mit seinem abstossenden Werk fertig war, dankte der Fremde ihm. "Das war sehr gut", lobte er. "Wie ich sehe, hast Du viel gelernt."

"Danke, Herr", antwortete Katsumi glücklich lächelnd.

"Wenn ihr wollt", fuhr der Fremde fort, "dann könnt ihr den Sklavenring jetzt wieder anlegen."

Katsumi nahm ihn vom Tisch, zögerte dann aber. "Werdet ihr mir befehlen, jemanden zu töten, Herr?" fragte er.

"Nein", versprach sei Herr.

"Ich danke euch, Herr", sagte Katsumi erleichtert und schloss den Ring erneut um seinen Hals.

"Nun, ich muss gehen", sagte der Fremde bedauernd, "warum kümmert ihr euch nicht um meine Gäste?"

"Es wäre mir eine Freude, Herr", stimmte Katsumi sofort zu.

"Ihr werdet alles tun, was man von euch verlangt, ausser eine Waffe berühren oder jemanden Gewalt antun", befahl der Fremde und ging dann.

Wieder an den Stuhl angebunden blieb Katsumi mit den beiden erschütterten Ninjas zurück.

"Womit könnte ich euch eine Freude bereiten, Herrin?" fragte Katsumi demütig.

Hoffnung auf Frieden

Kopfschüttelnd blickte Usagi den Beratern nach. Er musste zugeben, dass das Leben viel einfacher war, wenn alle zusammen versuchten ein Problem zu lösen als wenn jeder immer nur dem Vorteil des Anderen nachtrauerte. In solchen Momenten erkannte er erst, wieviel weiter die Zivilisation der TAURUS wirklich war.

Und wie wenig es eigentlich brauchte, damit alle glücklich waren.

"Wenn ihr sinnlose Gewalt ablehnt", fragte er Qu'ral, um die Zeit bis zur Ankunft des Shogun zu überbrücken, "warum seid ihr dann hier?"

"Das hat zwei Gründe", antwortete Qu'ral. "Zum einen gebietet meine Lebensart, dass ich helfe, wenn jemand in Not ist und zum anderen habe ich in den offen zugänglichen Berichten über euch gelesen, dass ihr ein umsichtiger Anführer seid, der nicht unnötig Leben gefährdet."

"Das stand da?" lachte Usagi. "Kaum zu glauben."

"Warum?" fragte Qu'ral. "Bisher entsprecht ihr der Beschreibung."

"Vielen Dank", sagte Usagi lächelnd, "ich frage mich nur, wer die Berichte ins Netz gestellt hat."

Eine Stunde später trafen der Shogun, Fürst Hikiji und die grosse Gruppe der Fürsten ein, die zu Hikiji übergelaufen waren. Während Usagi ihre Ankunft beobachtete, lieferte Kusanagi ihm Informationen über sie. Als das Treffen begann, wusste er, wer auf seiner Seite war und wer nicht.

Die Fürsten schienen über die Sitzordnung nicht sehr glücklich zu sein, aber sie hatten sich tatsächlich seinem Willen gebeugt.

Anders als die Berater vorhergesagt hatten, waren es aber die Fürsten, welche den Shogun verraten hatten, die am unglücklichsten waren, denn ihre Position war gleichbedeutend mit einer Verurteilung. Wenn der Shogun ihnen erlaubt hätte, sich auf seine Seite zu setzen, dann hätten sie eine Chance gesehen, den heutigen Tag zu überleben. Diese Chance war nun deutlich gesunken.

Usagi machte sich deswegen keine Sorgen. Er hatte diese Sitzordnung vorgeschlagen, weil der Shogun sie akzeptieren würde und Hikiji auch. Wenn er überzeugend genug war, dann würde der Shogun die Verräter begnadigen müssen. Und weil er Kusanagi trug, hatte er auch keine Probleme damit, Hikijis Leute in seinem Rücken zu haben, von den sogenannten Verrätern ganz zu schweigen.

Er ging durch die Lücke zwischen den beiden Gruppen zu seinem Platz in der Mitte direkt vor dem Shogun. Respektvoll grüsste er den Herrscher und wartete darauf, dass man ihm das Wort erteilte.

Während ein Sprecher des Shogun kurz zusammenfasste, warum sie zusammengekommen waren, erinnerte sich Usagi, dass auch Pau Tai sich bei solchen Treffen immer respektvoll verhalten hatte. Wahrscheinlich machte es für jemanden wie Pau keinen Unterschied, aber es würde ihm helfen, seine Macht nicht auszunützen.

"Ich danke dem Shogun und den versammelten Fürsten", begann Usagi seine Vorstellung, "dafür mich zu empfangen, damit ich berichten kann, was ich weiss."

"Die Geschichte beginnt vor etwa 30 Jahren." Kurz und bündig berichtete Usagi, wie er Kusanagi gefunden und dann zum Atsua Schrein gebracht hatte, damit es nicht missbraucht werden konnte. Er erwähnte auch, dass er dabei von Neko Ninjas angegriffen worden war.

Dann behauptete er, dass Pau Tai damals gekommen war, weil Kusanagi ihn als rechtmässigen Herrscher von Japan ansah und um ihn auszubilden, das Schwert zu verwenden. Dazu hätten sie das Schwert aus dem Atsua Schrein entwendet und durch eine Replik ersetzt. Seitdem würde er, Usagi, sich im Besitz von Kusanagi befinden.

"Das war vor etwa 25 Jahren", beendete Usagi seinen Bericht über die Vergangenheit. Einzelne Fürsten aus Hikijis Gruppe und bei den Verrätern wussten, dass dem nicht so war, aber mit Kusanagis Hilfe kontrollierte Usagi die einen und die Verräter wussten, dass ihr Leben davon abhing, dass der Shogun Usagi glaubte.

Vielleicht würden die Fürsten aus Hikijis Gruppe irgendwann ihr Wissen preisgeben, aber dann würde ihnen niemand mehr glauben.

"Über die Neko Ninjas hat dann Fürst Hikiji Kaneda, der Vater des hier sitzenden Fürsten Hikiji Tomoyuki, vom Auftauchen Kusanagis erfahren. Die Ninjas stahlen das Schwert und so kam es in den Besitz des Hikiji Klans", fuhr Usagi fort.

"Der alte Fürst lernte von den Möglichkeiten, die das Schwert bot und machte sie sich zunutze. Er hatte keine Ahnung, dass er nicht das echte Schwert in den Händen hielt."

"Wie erklärt ihr euch, dass die Replik so ungewöhnliche Eigenschaften hatte?" fragte einer der Berater des Shogun.

"Das weiss ich nicht", log Usagi, "ich vermute, dass Pau Tai damals eine spezielle Replik hergestellt hat, aber die Gründe sind mir unbekannt. Ich bin davon ausgegangen, dass die Replik ein ganz normales Schwert ist, das einfach nur genauso aussieht wie Kusanagi."

"Und ihr wart seid 25 Jahren im Besitz von Kusanagi?"

"Ja", log Usagi glatt.

"Wie kommt es, dass das niemand jemals bemerkt hat?"

"Ich habe das Schwert jetzt auch bei mir", antwortete Usagi und liess Kusanagi erscheinen. Erstaunte Ausrufe waren zu hören, als das Schwert plötzlich hinter seinem Rücken in der Luft schwebte.

"Es ist unsichtbar?"

"Eigentlich ist es unerreichbar bis ich es rufe", korrigierte Usagi ungerührt.

"Bitte fahrt fort", sagte der Shogun.

Usagi lies das Schwert wieder verschwinden. "Während den ersten 20 Jahren habe ich Kusanagi praktisch nur besessen, aber nicht verwendet. Meine Frau und ich waren mit der Führung meiner Kampfschule voll ausgelastet, und als sie dann starb, habe ich Pau Tais Angebot genutzt, mit ihm zu gehen und sein Schüler zu werden."

"Wohin seid ihr gegangen?"

"An einen Ort jenseits der Sterne", erzählte Usagi.

"In den Himmel?" fragte ein Fürst ungläubig.

"Es ist nicht der Himmel, in dem die Götter wohnen", antwortete Usagi, "dieser Ort wurde von Menschen geschaffen, aber er kommt dem Paradies, so wie ich es verstehe, sehr nahe."

"Dort habe ich die letzten fünf Jahre verbracht, bis ich davon erfuhr, was hier geschehen ist. Ich bin zurückgekehrt, um mir ein Bild der Lage zu machen und zu sehen, ob und wie ich helfen kann."

"Als ich hier ankam, habe ich zuerst Fürst Noriyuki gesucht. Ich fand ihn schliesslich im Lager von Fürst Hikiji. Als ich dort eintraf, machte er sich gerade auf den Weg zurück zu euch, Shogun. Ich folgte ihm nicht sofort, sondern untersuchte ein Phänomen, auf das der Zauberer Qu'ral mich aufmerksam gemacht hat."

"Anscheinend lebte Fürst Hikiji Kaneda noch und er hatte sich mit etwas verbündet, das ich in Ermangelung anderer Worte als Oni(1) bezeichnen möchte. Mit Hilfe dieses Wesens kontrollierte er die Fürsten und Soldaten, die euch verraten haben. Das ist der Grund, warum die Fürsten sich keiner Schuld bewusst waren, so lange der Zauber bestand."

1. Böser Dämon, der Emma (Satan) dient.

"Mit Hilfe von Qu'ral und Kusanagi war es mir möglich diesen Oni zu bannen und Fürst Hikiji Kaneda zu töten. Dadurch wurde der Zauber aufgehoben. Die Auswirkungen davon haben sie alle heute morgen erlebt. Die Replik von Kusanagi wurde zerstört, die beeinflussten Menschen erhielten ihren eigenen Willen zurück und durch die Verbannung des Oni verloren viele Menschen kurz die Orientierung."

Damit beendete Usagi seinen Bericht, der eine geschickte Mischung aus Lüge und Wahrheit war und wartete auf Fragen.

"Dann waren die Fürsten nicht beeinflusst, so wie Pau es mit Berater Nokohama vorgeführt hatte, als er den Verräter Okii überführte?" fragte der Shogun.

"Nein Shogun, diese Technik, die man Hypnose nennt, kann nur eingesetzt werden, wenn die zu hypnotisierende Person damit einverstanden ist und ich kann mir beim besten Willen nicht denken, dass Fürst Hirano sich zu so etwas einverstanden erklärt hätte. Ausserdem kann man die Hypnose aus eigener Kraft durchbrechen, wenn man will. Daher wäre die Wirkung spätestens zu Ende gewesen, wenn Fürst Hirano mit seinen Leuten das Lager von Hikiji betreten hätte."

"Ich vermute, dass er bei der Erforschung der Hypnose auf den Oni gestossen ist und sich dessen Fähigkeiten zunutze gemacht hat. Allerdings hat er sich geweigert mir etwas darüber zu verraten, daher kann ich ihnen keine weiteren Details mitteilen."

"Somit besteht also die Gefahr, dass dieses Wissen weiter existiert und diese Vorkommnisse sich wiederholen?"

"Leider ja, Shogun", log Usagi. "Allerdings kennt ihr nun die Zeichen und könnt schneller und besser reagieren, falls das noch einmal passieren sollte."

"Das ist nur ein kleiner Trost", gestand der Shogun ein. "Wäre es möglich, dass Pau Tai uns hierzu Auskunft gibt? Ich sehe ihn nicht unter euren Begleitern."

"Ich weiss selbst nicht, wo Pau Tai sich im Moment aufhält", antwortete Usagi, obwohl er einen Verdacht hatte. "Und er würde das wohl auch nicht tun."

"Ihr als sein Schüler wisst nicht, wo euer Meister sich aufhält?" fragte ein Fürst ungläubig.

"Ich bin sein Schüler", bestätigte Usagi, "aber er bildet mich noch nicht aus. Diese Aufgabe wird im Moment noch von einigen seiner Schüler übernommen, da mein Wissen und Können noch viel zu gering ist, als dass es sich für Pau Tai selbst lohnen würde, sich selbst mit mir zu beschäftigen."

"Und warum würde er sich weigern uns Auskunft zu geben?"

Usagi lächelte unglücklich. "Pau Tai hätte das nun viel besser formulieren können, aber ich muss meine Wort verwenden. Die Antwort ist, dass ihr für ihn unwichtig seid."

Unmut machte sich breit. "Ich kann die Tatsachen nicht ändern", sagte Usagi bedauernd. "Als Pau vor 25 Jahren hier erschien, da hatte er nur das Ziel mich so weit zu verändern, dass ich sein Schüler werden konnte."

"Das hätte ich damals aber nicht akzeptieren können, also entwickelte er das ganze Jahr, das wir zusammen waren, eine hektische Aktivität, um mich abzulenken. Auf diese Weise dauerte es fast 20 Jahre, bis ich endlich dahinter kam, was er getan hatte und warum."

"Als es soweit war, hatte ich keine Wahl mehr. Ich musste sein Schüler werden. Es ist sogar möglich, dass Pau damals schon wusste, dass wir heute hier sitzen würden", erklärte er.

"Vor 25 Jahren?" rief jemand ungläubig.

"Pau Tai ist fast 100'000 Jahre alt", antwortete Usagi, "er plant nicht in Jahrzehnten sondern in Jahrhunderten. Und warum sonst sollte er Fürst Hikiji Kaneda zeigen, was Hypnose ist? Er hätte so viele andere Wege gehabt, um Okii zu beseitigen!"

"Er hätte einfach in den Palast des Shogun gehen und Okii das Genick brechen können, niemand wäre in der Lage gewesen ihn aufzuhalten! Er hätte nicht einmal gehen müssen! Wie Hanshiro und Qu'ral kann er teleportieren und so an jeden Ort gelangen. Trotzdem wählte er den viel umständlicheren Weg über den Shogun. Das muss einen Grund haben, auch wenn ich ihn nicht kenne."

"Und wie lautet euer Rat, Priester Usagi"

"Ich möchte euch bitten, sorgfältig zu prüfen, ob man diesen Krieg nicht ohne weiteres Blutvergiessen beenden kann", antwortete Usagi. "Diese Fürsten hier, die euch häufig seit vielen Jahren treu gedient haben, waren nicht sie selbst, als sie euch verrieten. Sie trifft keine Schuld an den Geschehnissen."

"Bei den Verbündeten des Hikiji Klans, fürchte ich, werdet ihr bei jedem einzelnen entscheiden müssen, ob sie sich eines Verbrechens schuldig gemacht haben oder nicht. Das gilt natürlich auch für Fürst Hikiji selbst."

Usagi beantwortete danach noch eine Weile Fragen des Shogun und verschiedener Fürsten.

"Was gibt uns die Gewähr, dass ihr nicht eines Tages entscheidet, euch selbst zum Tenno ausrufen zu lassen?" war eine davon.

"Nun, ich hätte das in den letzten 25 Jahren tun können", antwortete Usagi, "aber ich habe keine Ambitionen zu herrschen. Das können andere besser. Ich sehe meine Aufgabe eher darin zu verhindern, dass Kusanagi missbraucht werden kann. Daher war ich auch so beunruhigt, als ich von den Gerüchten hörte, dass Kusanagi sich in den Händen von Fürst Hikiji befinden sollte. Das war eigentlich der Grund, warum ich überhaupt zurückgekommen bin. Ansonsten hätte ich wohl nicht eingegriffen."

"Wir sind wohl auch nicht wichtig für euch."

"So solltet ihr es nicht sehen. Aber ich hätte mir sicher nicht angemasst, in eine laufende Schlacht einzugreifen, sondern einfach nur meine Schule besucht und alte Freunde und Bekannte wiedergesehen."

Nachdem alle zufriedengestellt waren, begann eine heftig geführte Debatte, was nun zu tun sei. Usagi setzte sich zu seinen Begleitern und beobachtete. Er setzte Kusanagi nicht ein; die Anwesenden mussten von alleine auf eine Lösung kommen.

Zwischenspiel

Es dauerte lange, bis sich die beiden Ninjas von dem Schock über das erholt hatten, was sie gerade hatten mit ansehen müssen. Katsumi wartete geduldig darauf, dass man ihn ansprach.

Makiko war hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen. Auf der einen Seite wollte sie Katsumi befehlen, sich etwas anzuziehen, sich nicht mehr so unterwürfig zu verhalten und dieses entsetzliche Ding um seinen Hals wegzuwerfen.

Auf der anderen Seite war sie nur so lange sicher vor ihm, wie er den Sklavenring trug. Und solange er den Ring trug, musste er die Wahrheit sagen.

Sie verfluchte sich selbst, aber zu viel stand auf dem Spiel.

"Warum habt ihr das getan?" fragte sie.

"Ich wollte meinem Herrn eine Freude machen, Herrin."

"Nach allem, was er euch angetan hat?" wollte sie ungläubig wissen.

Katsumi zögerte. "Ich kann es nicht erklären, Herrin. Ich bin einfach nur glücklich. Zufrieden."

"Was haben sie mit euch angestellt, während ihr fort wart?" fragte Kimi.

"Herrin Marena hat viel mit mir gesprochen und mir geholfen mich selbst und meinen Körper zu entdecken. Zu sehen, was ich kann und was ich wirklich will. Was mir Freude macht."

"Am Anfang habe ich mich gesträubt. Es war mir unangenehm, aber eigentlich nur, weil ich keine Wahl hatte. Auf der anderen Seite sehe ich jetzt, dass ich freiwillig wohl nicht in der Lage gewesen wäre, diese Ausbildung durchzustehen. In Nachhinein bin ich nicht unglücklich über das, was mir geschenkt wurde, Herrin."

Makiko hatte aufmerksam zugehört und sie fragte sich ernsthaft, was sie jetzt tun sollte. Sie entschloss sich zu einem Kompromiss.

"Kommt her zu mir, Katsumi."

Folgsam band Katsumi sich los und setzte sich neben sie. Als sie die Hand ausstreckte, legte er seine Leine in ihre Hand. Sie konnte nur den Kopf schütteln.

Makiko untersuchte den Verschluss der Leine an seinem Halsring, bis sie herausgefunden hatte, wie man ihn öffnete und machte Katsumi los. Die Leine warf sie auf den Tisch.

"Könnt ihr euch etwas ordentliches zum Anziehen besorgen?" fragte sie.

"Ja, Herrin."

"Dann tut das."

Sofort sprang Katsumi los. Kurze Zeit später kam er angekleidet zurück. Er trug einfache Kleidung in einem hellen Braunton, der gut zu seinem gelblichen Fell passte.

"Wisst ihr, wie man diesen Ort verlässt?"

"Wohin wollt ihr gehen, Herrin?"

"Zurück nach Hause."

"Ich verstehe", antwortete Katsumi etwas traurig. "Ich werde fragen, Herrin."

"Halt!" rief Makiko, als er sich umdrehte. "Wen wollt ihr fragen?"

"Meinen Herrn, Herrin. Ich denke, er ist der einzige, der eure Frage beantworten kann."

"Wir versuchen es zuerst auf eigene Faust. Erst, wenn wir alle unsere Möglichkeiten ausgeschöpft haben, wenden wir uns an diese ... Person", entschied Makiko.

"Wie ihr wünscht, Herrin."

"Und hört auf uns Herrin zu nennen", sagte sie verdriesslich.

"Wie ihr wünscht, Makiko", antwortete Katsumi mit dem gleichen demütigen Tonfall wie zuvor. Makiko knirschte mit den Zähnen, beherrschte sich aber. Sie würde sich später in Ruhe überlegen, wie sie aus Katsumi wieder einen Menschen mit etwas Würde und Selbstachtung machen konnte.

"Fangen wir dort an zu suchen, wo wir angekommen sind", befahl sie und sie setzten sich in Bewegung.

Gerüchte

Als alle Argumente vorgetragen worden waren und die Diskussionen sich in endlosen Wiederholungen zu verlieren drohten, beendete der Shogun die Audienz. Er entschied, dass alle Fürsten, die, aus welchen Gründen auch immer, gegen ihn gekämpft hatten, unter Arrest standen, bis er über ihre Schuld oder Unschuld entschieden hatte.

Natürlich waren die Fürsten unter Hikijis Führung damit nicht glücklich, aber Fürst Hikiji selbst erklärte sich einverstanden.

Die Verräter waren ebenfalls uneins. Einzig Noriyuki, der wusste, dass Usagi sie nicht im Stich lassen würde, nahm die Entscheidung gelassen hin.

Nachdem die Versammlung sich aufgelöst hatte, trat Usagi zu seinem Freund. Sie würden ein paar Worte wechseln, die Wachen würden sie weitergeben, was wiederum die Entscheidung des Shogun beeinflussen würde.

"Fürst Noriyuki", verbeugte sich Usagi, wie es sich gehörte. "Ich bin überrascht euch nicht neben dem Shogun zu sehen", fuhr er fort, als hätte er wirklich keine Ahnung, warum das so war.

"Usagi, mein Freund", sagte Noriyuki erfreut. "Leider gibt es dafür einen guten Grund", gestand der Fürst unglücklich. "Mir wurde gesagt, dass ich am Abend vor der Schlacht ein Attentat auf den Shogun verübt habe. Ich kann mich zwar an nichts erinnern, aber es war mein Wakizashi, an dem Blut klebte."

"Das tut mir sehr Leid", antwortete Usagi betroffen. "Ich hätte Fürst Hikiji schon früher töten und damit diese ganze Situation früher beenden können, aber ich hatte bis zum Schluss die Hoffnung, dass ich erfahren könnte, wie er das genau angestellt hat."

"Macht euch nicht zu viele Sorgen", beruhigte der Fürst ihn. "Das Attentat war nicht erfolgreich und ich hätte an eurer Stelle genauso gehandelt. Sollte der Shogun mich für Schuldig befinden, so gehe ich im Wissen, alles getan zu haben was in meiner Macht stand, um meinen Untertanen zu dienen. Mehr kann niemand von mir verlangen."

"Es wäre aber dennoch ein unehrenhafter Tod", widersprach Usagi.

"Nun, vielleicht", gestand der Fürst, "aber weil ich kurz die Marionette von Fürst Hikiji war, habe ich etwas gelernt. Es ist zwar furchtbar, wenn andere jemanden für unehrenhaft halten, aber wirklich wichtig ist nur die Ehre, die man in sich selbst spürt. Diese kann man einem Menschen nicht ohne seine Zustimmung nehmen und es ist nur diese Ehre, auf die es letztendlich ankommt."

"Weise Worte", bedankte sich Usagi. "Ich werde dafür sorgen, dass sie nicht vergessen werden."

Der Fürst verabschiedete sich und kehrte mit seinen Bewachern zum Lager des Shogun zurück. Nachdenklich sah Usagi seinem Freund nach. Pandas wurden sehr alt und Noriyuki hatte jetzt in etwa die Hälfte seines Lebens hinter sich. Am Anfang war Usagi der Ältere gewesen und Noriyuki hatte ihn insgeheim wegen seiner Erfahrung bewundert. Jetzt hatte sich das ausgeglichen.

Fürst Hirano auf der anderen Seite war schwer angeschlagen. Er hatte sich in den letzten drei Tagen, nachdem Usagi ihn ebenfalls freigegeben hatte, enorm zusammennehmen müssen, um seine Rolle glaubwürdig weiterzuspielen. Aber jetzt litt er sehr stark darunter, seinem Todfeind fast drei Monate lang mit ganzem Herzen gedient zu haben. Nicht davon zu reden, dass er viele seiner Untergebenen mit in diese Sache hineingezogen hatte.

Dazu kam, dass Fürst Hirano jetzt sehr alt war und ein Tod in Schande für den stolzen Fürsten inakzeptabel gewesen wäre.

"Ah, Usagi", grüsste der Fürst ihn erschöpft.

"Fürst Hirano, ich freue mich euch wiederzusehen", antwortete Usagi und verbeugte sich.

Zwischenspiel

Nach kurzer Suche hatten sie den Strand wiedergefunden, in dem sie angekommen waren. Zusammen begannen sie ihn genauer zu untersuchen. Makiko kam nicht umhin zuzugeben, dass Katsumi mit vollem Einsatz bei der Sache war. Fast bedauerte sie es, ihm den Sklavenring abnehmen zu müssen. Sicher, am Anfang wäre er noch unterwürfig, aber bald wäre er wieder sein altes, unehrenhaftes Selbst. Dann würde sie wieder vorsichtig sein müssen, wenn sie ihm den Rücken zuwandte.

Leider ergab die Untersuchung des Strandes gar nichts. Es schien ein ganz normaler Strand mit Sand, ein paar Felsen und Meer zu sein. Frustriert brach Makiko die Suche ab.

"Nichts gefunden?" fragte der Fremde höflich. Sie fuhren herum. Wieder war er wie aus dem Nichts aufgetaucht, ohne dass sie ihn bemerkt hatten. "Darf ich fragen, was ihr sucht?"

"Ihr seid Pau Tai, nicht wahr?" fragte Makiko. "Meine Mutter hat mir von euch erzählt."

"Ich war einmal Pau Tai", gab der Fremde zu. "Aber nur für kurze Zeit. Jetzt bin ich jemand anders, aber ihr könnt mich weiterhin Pau Tai nennen, wenn ihr wollt."

"Wir wollen zurück", verlangte Makiko.

Statt einer Antwort wurde es dunkel. Als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, standen sie wieder auf der Lichtung, von der sie aufgebrochen waren. Der Unterschied war, dass die anderen Ninjas sich jetzt wieder bewegen konnten. Sie hatten ihre Waffen gezogen, aber noch nicht angegriffen.

Dann verschwand die Lichtung und sie standen in ihrer Burg. Überraschte Ausrufe wurden laut. Auf dem Boden lagen dutzende von schlafenden Ninjas, manche nackt und andere maskiert. Einige waren umgefallen, sie hatten sich zum Schlafen wohl an etwas gelehnt oder waren durch die Rufe geweckt worden und blickten sich nun verwirrt um. Aus dem ganzen Land hatte Pau sie mit Hilfe eines Zaubers hierhergebracht, egal was sie gerade getan hatten.

Dann wurde es unnatürlich hell. Makiko blickte auf uns sah eine bläulich schimmernde Blase aus Licht, die die Burg umgab. "Ihr habt drei Tage", erinnerte Pau Tai. Irgendwo weinten Kinder.

"Einen Moment noch", sagte Makiko zu ihm.

"Nehmt den Sklavenring ab", befahl sie Katsumi. Sofort folgte er ihrem Befehl, aber sein Gesicht war tatsächlich traurig, als er ihn ihr gab.

Sie musste sich überwinden, ihn anzufassen. Es war warm, glatt und schwer. Schön. Seine entsetzliche Macht sah man ihm nicht an.

Angewidert warf sie es Pau Tai vor die Füsse. "Das gehört euch. Nehmt es mit, wir wollen es nicht!"

Pau rührte sich nicht.

"Makiko?" fragte Katsumi.

Sie wandte sich Katsumi zu. "Bitte lasst mich mit ihm gehen, Makiko", flehte Katsumi.

"Ihr würdet freiwillig mit ihm gehen?" fragte sie entrüstet. "Ihr seid im Moment gar nicht in der Lage eine solche Entscheidung zu treffen."

"Katsumi", sagte Pau sanft, "gebt ihr mehr Zeit. Wir sehen uns in drei Tagen wieder."

"Ja, Herr."

Pau streckte die Hand aus und der Ring sprang hinein. Dann verschwand er spur- und lautlos.

Gen

Usagi wechselte einige Worte mit Fürst Hirano. Dann fragte er, was aus Gen geworden war.

"Gen-San ist kurz nach eurem Verschwinden schwer verletzt worden und hat ein Bein verloren. Ich habe seit einer Weile nichts mehr von meinem Hof gehört, aber wenn sich in der Zwischenzeit nichts geändert hat, dann kümmert er sich immer noch um meinen Sohn Rikiya."

"Kaum zu glauben", sagte Usagi amüsiert, "dass der stürmische Gen jemals die Ruhe finden würde, jemanden etwas beizubringen."

"Ja", gab der Fürst lächelnd zu, während er sich erinnerte, wie er Gen kennengelernt hatte. "Alle bei Hofe waren angenehm überrascht, als er begann meine Soldaten auszubilden. Er hat sich schnell einen ausgezeichneten Ruf als Ausbilder erarbeitet."

Usagi vermutete, dass Gens Beliebtheit bei den Soldaten eher darauf zurückzuführen war, dass er ein so trinkfester Saufkumpan war, aber er behielt seine Gedanken für sich. Bei allen schlechten Eigenschaften, die Gen hatte, war er doch ein ausgezeichneter und listenreicher Kämpfer. Usagi hätte es nur lieber gesehen, wenn Gen auf die allzu schmutzigen Tricks verzichtet hätte.

An die glückliche Zeit erinnert zu werden, die er gehabt hatte, munterte Hirano sichtlich auf, aber er wurde schnell von der Realität eingeholt, als die Soldaten des Shogun ihn in die Mitte nahmen und abführten.

Zwischenspiel

Erschöpft setzte sich Makiko. Die letzten drei Tage waren sehr anstrengend gewesen. Es hatte sie fast einen halben Tag gekostet, bis sie alle Neko Ninjas, die auf einmal in der Burg aufgetaucht waren, irgendwo untergebracht, mit Kleidung und Essen versorgt hatten. Bis alle sich wieder beruhigt hatten und sie ihnen erklärt hatte, was das Ganze auf sich hatte.

Eine Gruppe hatte bis zuletzt versucht, einen anderen Weg aus der Burg zu finden, aber das Feld ging durch alle ihre Fluchttunnel und auch ein neu gegrabener Tunnel war schliesslich am Feld gescheitert.

Tatsächlich schien das Feld so zu funktionieren, wie Pau Tai versprochen hatte. Jeder, der sich entschieden hatte, sein Leben als Ninja aufzugeben und ein neues Leben zu beginnen konnte problemlos hindurchtreten. Manchmal veränderte es sich auch und man konnte kurze Zeit an der Stelle, wo ein ehemaliger Ninja hindurchgetreten war, einen anderen Ort sehen, möglicherweise weit von ihnen entfernt.

Jeder, der sich nicht von seinem alten Leben lossagte oder nur zum Schein, für den war das Feld undurchdringlich. Kein Schwert oder Pfeil konnte es auch nur ritzen. Es widerstand Feuer genauso wie einer provisorischen Ramme. Schiesspulver zeigte ebenfalls keine Wirkung, ja sie hatten sogar verschiedene Gifte probiert. Ohne Ergebnis.

Als eine der Letzten schickte sie Kimi durch das Feld und Katsumi. Er war ihr in den letzten Tagen eine grosse Hilfe gewesen und damit sah sie seine Schuld als erledigt an. Gefasst sah sie ihnen nach, wie sie problemlos durch das Feld traten und sich entfernten.

Kimi hatte sie angefleht, mit ihnen zu kommen, ihr altes Leben aufzugeben und ein neues anzufangen. Diese einmalige Chance nicht sinnlos zu vergeben.

'Vielleicht, wenn alle Neko Ninjas sich dafür entschieden hatten', überlegte sie erschöpft. Aber sie konnte ihre Untergebenen nicht einfach im Stich lassen.

Dann warteten sie auf Pau Tai.

Auf ihr Ende.

Im Lager des Shogun

Sie waren kaum im Lager des Shogun angekommen, als der Shogun Usagi zu sich bitten liess. Unterwegs hatte Usagi sich mit seinen Begleitern abgesprochen und so waren sie zumindest ungefähr auf einem Stand. In den beiden Wochen, wo sie Vorbereitungen getroffen hatten, hatte Qu'ral die drei Chey Brüder hertransportiert, die langsam angefangen hatten, sich Sorgen zu machen, als er am nächsten Tag nicht erschienen war.

Hanshiro hatte den Vorgang mit einem Schild abgeschirmt, damit die lauten Knalle niemanden irritierten.

Und nun begleitete Hanshiro Usagi zum Shogun, um sie notfalls abzuschirmen.

"Shogun", begrüsste Usagi den Herrscher.

"Priester Miyamoto, wir danken euch, dass ihr unserem Ruf so schnell gefolgt seid." Der Shogun machte eine Pause. "Wir haben noch einige Fragen. Können wir davon ausgehen, dass ihr, wie euer Meister, keine weiteren Personen bei diesem Gespräch haben wollt?"

"Ich bin nicht Pau Tai, Shogun", antwortete Usagi demütig. "Ich bin nicht in der Lage die Konsequenzen meiner Handlungen vollständig zu überblicken. Aber auch ich würde erst euch alleine informieren wollen, damit ihr selbst entscheiden könnt, wie gefährlich die Antworten sind und wer von euren Untergebenen in der Lage ist mit diesem Wissen weiterzuleben."

Der Shogun lächelte unmerklich und gab seinen Begleitern zu verstehen, dass sie ihn alleine lassen sollten. Als alle fort waren, setze sich Hanshiro so, dass er einen Schild um sie drei errichten konnte, ohne jemand anders zu verletzen.

Zwischenspiel

"Ihr seht erschöpft aus", sagte Pau mitfühlend.

"Es ist alles erledigt", antwortete Makiko ihm. Wie üblich stand er einfach plötzlich da.

"Ich danke euch", sagte Pau, "damit gibt es in Japan jetzt keine Ninjas mehr. Niemand kann euch jetzt noch für seine Zwecke missbrauchen."

"Was werdet ihr mit uns tun?" fragte sie, aber eigentlich war es ihr egal.

"Seid ihr immer noch wütend auf mich, wegen dem, was ich Katsumi eurer Meinung nach angetan habe?"

"Was spielt das noch für eine Rolle?" fragte sie zurück. "Nein, ich war nie wütend. Entsetzt. Abgestossen. Angewidert. Nicht wütend."

"Warum?"

"Bitte", sagte sie, "ich habe wirklich keine Lust mehr für solche Spielchen."

"Ihr denkt, es ist nur ein Spiel für mich? Weil ich so mächtig bin, dass es mir egal sein kann, was aus euch wird? Dass es mir egal ist, weil ich so mächtig bin, dass niemand mich aufhalten kann?" fragte Pau. "Das ist nur so, weil ihr nicht versteht, was ich tue. Ich spiele keine Spielchen. Das habe ich noch nie getan."

Er machte eine ausschweifende Bewegung. "Wie ein Schwert oder ein Speer wurde ich nicht geboren, sondern erschaffen. Ich bin gar nicht in der Lage Vergnügen zu empfinden oder gar Vergnügen daran zu empfinden, andere zu quälen."

Makiko lehnte sich erschöpft zurück. "Und warum tut ihr es dann?" erkundigte sie sich desinteressiert.

"Ich habe Katsumi nichts angetan; ihr interpretiert meine Handlungen nur auf diese Weise."

Makiko lachte ungläubig. "Katsumi soll wohl noch glücklich darüber sein, was ihr ihm angetan habt!"

"Er ist glücklich darüber, wie ich ihn verändert habe", antwortete Pau ruhig. "Sicherlich, am Anfang hat er sich gesträubt und er empfand die Veränderung noch viel unangenehmer als ihr, aber jetzt geht es ihm viel besser als jemals zuvor."

"Das glaube wer will."

"Ich kann es euch beweisen", behauptete Pau.

"Wie?"

Wortlos hielt er ihr einen Sklavenring hin.

Wahrheit

"Ich habe die alten Berichte über Pau Tai studiert", begann der Shogun das Gespräch. Usagi antwortete nicht; er war davon ausgegangen, dass der letzte Shogun das Gespräch mit Pau Tai irgendwo niedergeschrieben hatte, damit sein Nachfolger vorbereitet war, wenn er nochmals auf Pau Tai treffen sollte.

"Da ihr damals angeblich ebenfalls anwesend wart, möchte ich darauf verzichten, ins Detail zu gehen. Vor allem der Punkt, dass Pau Tai sehr kreativ ist, wenn es darum geht, die Wahrheit zu umschreiben, scheint mir bemerkenswert. Ich frage mich nun, ob das bei seinem Schüler ebenso der Fall ist."

"Wie Pau Tai", antwortete Usagi, "bemühe ich mich, bei der Wahrheit zu bleiben, auch wenn sie unangenehm ist. Aber wie er opfere ich nicht sinnlos Leben, nur um der Wahrheit willen."

"Dann kann ich davon ausgehen, dass die Geschehnisse auch noch eine andere Interpretation zulassen?" fragte der Shogun.

'Eine vornehme Art zu fragen, ob ich gelogen habe', dachte Usagi amüsiert. "Nun, ich habe vor etwas mehr als einem Monat erfahren, dass Kusanagi versucht, zu mir zurückzukehren. Zu diesem Zweck hat es die Machtgier des alten Fürsten Hikiji ausgenützt. Als ich sah, dass hier wieder Krieg herrscht, musste ich zurückkommen und damit hatte Kusanagi sein Ziel erreicht."

"Allerdings hege ich keine Absichten mich selbst zum Herrscher machen zu lassen. Ich mag ein recht guter Schwertkämpfer sein und vielleicht werde ich dereinst ein guter Diener der Gottheit Ookaa'h sein, aber herrschen werde ich nie."

"Wie Pau Tai wollt ihr euch im Hintergrund halten und eure Fäden ziehen", übersetzte der Shogun.

"Ja", stimmte Usagi zu.

"Warum sollte ich euch am Leben lassen?"

"Ich möchte euch bitten, die Möglichkeiten zu sehen, welche die aktuelle Situation euch bietet. Ihr habt jetzt alle Fürsten des Landes in eurer Hand und könnt eure Gegner mit einem glaubhaften Vorwand eliminieren. Der Versuch mich zu töten würde dagegen auf heftigen Widerstand von meiner Seite stossen."

Usagi überlegte einen Moment. "Ich denke nicht, dass ihr mit irgendwelchen Toten rechnen müsstet, denn meine beiden Zauberer sind problemlos in der Lage euch uns so lange vom Hals zu halten, bis wir diese Welt wieder verlassen haben. Aber ein Kampf gegen mich würde einige unangenehme Fragen aufwerfen."

Der Shogun ging nicht weiter darauf ein. "Warum hat Fürst Hirano wirklich die Seiten gewechselt?"

"Kusanagis Plan war nicht nur, zu mir zurückzukehren, sondern auch meine Herrschaft zu sichern. Daher hat er alle meine möglichen Verbündeten auf eine Seite gebracht. Damit hätte ich mich nach einem Sieg des jungen Fürst Hikiji über euch nur noch ins gemachte Nest setzen müssen."

"Kusanagi kann also Menschen zwingen zu tun was es will?"

"Ja."

"Ihr könntet also auch mich einfach zwingen, zu tun, was ihr wollt?"

Usagi bestätigte das.

"Das ist beunruhigend."

Usagi nahm einen Zettel hervor, schrieb etwas darauf und reichte ihn dem Shogun: "Bitte lest das erst, wenn ich euch darum bitte."

Der Shogun runzelte die Stirn, nahm den Zettel aber entgegen. Er stand auf und ging nachdenklich ein paar Schritte auf und ab, wobei er darauf achtete, dem Schild nicht zu nahe zu kommen.

"Ihr könnt den Zettel jetzt lesen, wenn ihr wollt", sagte Usagi.

Der Shogun runzelte die Stirn ungehalten, las den Zettel aber trotzdem. "Ihr werdet aufstehen und ein paar Schritte gehen," stand da.

Zwischenspiel

"Was soll ich damit?" fragte sie und versuchte unwillkürlich mehr Distanz zwischen den Ring und sich zu bekommen.

"Es anlegen", antwortete Pau als handle es sich um ein Geschenk statt um ein Folterinstrument.

"Ihr seid verrückt!"

Pau seufzte. "Es anzulegen würde für euch zwei Dinge bedeuten. Zum einen würde es euren Willen zu leben zeigen. Und zum anderen eure Bereitschaft mir zu vertrauen."

Makiko lachte trocken. "Damit ich euer Sklave bin? Damit ihr das gleiche mit mir machen könnt, wie mit Katsumi?"

"Das wäre sinnlos", antwortete Pau, "denn ihr seid nicht Katsumi. Das gleiche mit euch zu tun, was ich mit ihm getan habe, würde euch schaden."

"Warum tötet ihr uns nicht einfach? Warum quält ihr mich noch?"

"Das tue ich nicht; es sind nur eure Vorurteile, die euch die Sicht auf die Realität verstellen."

"Warum wollt ihr mich unbedingt retten? Was versprecht ihr euch davon? Und warum gerade ich? Warum sollte ich leben, wenn diese Ninjas, die mir treu gedient haben, sterben müssen?"

"Weil euer Weiterleben einen positiven Einfluss auf Japan haben würde, während euer Tod bedeutungslos wäre. Die anderen Ninjas haben sich entschieden zu sterben; für sie kann ich nichts tun. Aber ihr seid nur hier, weil ihr eine sinnlose Verbundenheit mit diesen Toten verspürt. Euch kann ich noch helfen."

"Helfen", sagte sie tonlos. "Was werdet ihr mit mir tun? Was werde ich sein, wenn ich freiwillig zu eurem willenlosen Eigentum werde?"

"Was auch immer ihr wollt", versprach Pau. "Ich werde euch zu nichts zwingen. Das ist wiederum etwas, das beim alten Katsumi notwendig war. Es ist weder beim neuen Katsumi nötig noch bei euch."

Seufzend nahm sie das Band aus seiner Hand und drehte es unschlüssig in den Fingern. Wie Katsumis Band auch war es warm und schwer.

Sie öffnete den Mund, um weitere Fragen zu stellen, aber sie erkannte, dass es sinnlos war. Sie konnte Pau das Band einfach zurückgeben oder es gleich anlegen. Am Ende würde der Zauberer bekommen, was er wollte, egal ob sie nun einverstanden war, oder nicht. Oder was sie wollte.

Also strich sie sich die Haare aus dem Nacken und legte sich den Sklavenring freiwillig um den Hals.

Wahrheit

"Das ist sehr beunruhigend", sagte der Shogun mühsam beherrscht.

"Wenn ich das wollte, könnte ich euch einfach zwingen, mich in Ruhe zu lassen", gab Usagi zu.

Wütend zerknüllte der Shogun den Zettel: "Und was schlagt ihr mir vor, was ich nun tun soll?"

"Verurteilt alle Fürsten, die gegen euch sind, zum Tode." Usagi griff wieder in seinen Ärmel. Er hielt dem Shogun ein Dokument hin. "Hier findet ihr eine Liste von Fürsten, denen ihr nicht trauen könnt und, sofern ich es herausfinden konnte, auch Gründe, warum nicht. Eventuell seid ihr auch in der Lage die Gründe zu verwenden, um einen Fürsten zu kontrollieren."

Schweigend nahm der Shogun das Dokument entgegen und las es.

Zwischenspiel

Sie spürte nichts. Sie hatte weder das Gefühl, sie müsste sich Pau Tai um den Hals werfen, noch sonst etwas tun.

Pau hatte sich währenddessen den noch lebenden Neko Ninjas zugewandt. Finster blickten sie ihn an, aber er schien es nicht zu beachten.

Er streckte eine Hand aus. Ein enormer Feuerball sprang aus ihr hervor und verschlang die Ninjas. Es ging so schnell, dass sie nicht einmal Zeit hatten, zu schreien. Pau senkte die Hand und der Feuerball verlosch.

Der Boden kochte und von den Ninjas war keine Spur mehr zu sehen. Makiko konnte die enorme Hitze spüren und das Holz um den Hof hatte Feuer gefangen. An den Balken des Vordachs, unter dem sie stand, leckten Flammen gierig empor.

"Was wollt ihr nun tun?" fragte er Makiko.

"Sterben", antwortete sie sarkastisch.

"Wie schade", antwortete er bedauernd.

Sie seufzte und erhob sich. "Ich schätze, ihr wollt nun gehen?" fragte sie.

"Ja, es gibt hier nichts mehr zu tun."

"Dann los", entschied sie gleichgültig.

Der Schild war irgendwann unbemerkt erloschen. Pau hatte von irgendwoher neue Kleidung für sie besorgt und sie warf die schwarze Ninjakleidung in die lodernden Flammen.

Nackt und mit stolz erhobenem Kopf stand sie vor Pau, aber die Wirkung war nicht so wie erhofft. Er schien weder Vergnügen noch Scham zu empfinden, sie nackt zu sehen.

"Möchtet ihr nicht, dass ich euch ohne Kleidung folge?" versuchte sie ihn aus der Reserve zu locken.

"Es ist für mich gleichgültig, ob ihr Kleidung tragt, oder nicht", antwortete Pau und sah sie direkt an. Sein Gesicht gab keinen Hinweis, ob er die Wahrheit sagte oder nicht.

So schnell gab sie nicht auf. "Findet ihr mich nicht schön?" fragte sie weiter und nahm eine verführerische Pose ein.

"Euer Körper ist schön, aber eure Seele ist schöner", antwortete er rätselhaft.

Sie war einen Augenblick verwirrt. Dann zuckte sie mit den Schultern und zog sich an. Sie war sicher nicht die Schönste im ganzen Land, aber dass er sich überhaupt nichts aus ihr zu machen schien, irritierte sie. Sein Blick änderte sich einfach nicht, egal ob sie nun Kleidung trug oder nicht.

Sie versuchte sich zu erinnern, ob das bei Katsumi anders gewesen war oder bei Marena, aber auch da war Pau locker und gelassen geblieben, als wäre überhaupt nichts dabei. 'Das Schwert empfindet auch nichts, wenn es tötet', dachte sie bei sich.

"Ihr habt gesagt", sagte sie laut, während sie ihm folgte, von den prasselnden Ruinen ihres vorherigen Lebens fort, "dass ihr nicht geboren sondern hergestellt worden seid."

"Ja?"

"Wer führt euch?"

"Die Gottheit Ookaa'h."

"Wirklich? Wie ist sie so?"

"Fremdartig."

"So wir ihr?"

Pau lachte und es klang echt. "Sie ist für mich noch viel fremdartiger, als ich auf euch wirken muss."

"Warum dient ihr ihr?"

"Es macht Sinn ihr zu dienen."

"Und was habt ihr davon?"

"Ich lebe."

"Wie soll ich das verstehen?"

"Ich bin krank. Sie erhält mich am Leben."

"Wenn ihr also nicht spurt, dann sterbt ihr?"

"Sehr vereinfacht ausgedrückt, ja. Aber ich diene ihr freiwillig, so wie ihr mir."

Makiko lachte auf. "Das kann man wohl nicht vergleichen?"

"Nicht?" fragte Pau und sah sie an. "Obwohl ich euch einfach befehlen könnte mit mir zu kommen, euch anzuziehen, mich nicht mit dummen Fragen zu belästigen, tue ich es nicht. Ich habe gewartet, bis ihr gehen wolltet, bis ihr euch freiwillig umgezogen habt und ich beantworte eure Fragen, obwohl ich das keineswegs müsste."

Makiko blieb vor Überraschung stehen und starrte Pau sprachlos an.

Wahrheit

Schliesslich blickte der Shogun wieder auf. "Woher wisst ihr das alles?"

"Mit Kusanagis Hilfe habe ich die Personen auf der Liste ermittelt und dann mit ihnen gesprochen. Kusanagi hat sie gezwungen, offen zu mir zu sein."

"Wenn ich dieses Wissen gegen sie verwende, wird man sich dann nicht an euch rächen wollen?"

"Ich werde diese Welt bald wieder verlassen", sagte Usagi. "Damit wäre ich für eventuelle Racheakte unerreichbar. Ausserdem achtet Kusanagi darauf, dass mir nichts zustösst."

"Zuletzt möchte ich nur darauf hinweisen, dass ich ziemlich viel Aufwand darin investiert habe, den Plan von Kusanagi zu vereiteln obwohl ich eigentlich nur ein paar Tage hätte abwarten müssen", fuhr er fort.

"Was ist mit dem Anschlag von Fürst Noriyuki auf mich?" fragte der Shogun.

"Auch dafür bin ich verantwortlich. Ich möchte euch bitten, Fürst Noriyuki nicht dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Er hat es nur getan, um meinem Plan mehr Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Es war niemals vorgesehen, dass der Anschlag erfolgreich sein sollte."

Der Shogun ging nicht weiter darauf ein und beendete die Audienz.

Zwischenspiel

Pau verwendete wieder seinen Transportzauber und so hatten sie Kimi und Katsumi schnell eingeholt. Kimi war sichtlich erleichtert, sie lebend wiederzusehen, konnte aber einen entsetzten Aufschrei nicht unterdrücken, als sie den silbernen Ring um Makikos Hals sah.

Katsumi dagegen war nur erleichtert, aber Makiko konnte nicht sagen, ob der Sklave sich mehr freute sie zu sehen oder Pau. Anders als Kimi nahm er keinen Anstoss an ihrem Sklavenring.

"Was ist geschehen?" fragte Kimi, als sie wieder sprechen konnte.

"Die Neko Ninjas existieren nicht mehr", berichtete Makiko, da Pau schwieg.

"Und ..." Kimi brach ab.

"Eine vertrauensbildende Massnahme", antwortete Pau an Makikos Statt.

"Bitte?"

"Den wahren Charakter einer Person erkennt man dann, wenn sie etwas nicht tun muss", erklärte Pau. "So lange sie den Ring trägt, muss sie alles tun, was ich ihr sage. Wenn ich das nicht ausnütze, dann kann sie mir auch vertrauen, wenn sie den Ring nicht mehr trägt."

Kimi war nicht so ganz überzeugt, aber Makiko war sehr nachdenklich geworden.

"Makiko?" fragte Katsumi unterwürfig.

Sie blickte auf.

"Darf ich Pau Tai bitten, mir meinen Sklavenring wiederzugeben?"

"Warum?"

Katsumi überlegte. "Nun, der Ring hat noch andere Funktionen, als einen zu zwingen, alles zu tun, was einem befohlen wird. Er schützt einen auch und mein Herr weiss dann immer, wo ich bin."

"Er schützt einen?" fragte Makiko und erinnerte sich daran, dass der Holzbalken neben ihr Feuer gefangen hatte, aber sie nur die enorme Hitze des Feuerballs gespürt obwohl ihr Fell eigentlich noch vor dem Balken hätte in Flammen aufgehen müssen.

"Es hat Grenzen", gab Pau Tai zu. "Wenn ihr direkt von dem Feuerball getroffen worden wärt, dann hätte der Ring euch auch nicht mehr retten können. Aber für Pfeile und Schwerter ist der Schutz unüberwindbar."

"Praktisch", murmelte Makiko.

Pau lachte. "Ich werde keinen Ring auf dieser Welt zurücklassen. Gebt eure Träume als unverwundbarer Killer auf."

Makiko schmunzelte. "Und was für versteckte Funktionen hat er noch?"

"Der Sklave versteht, was der Herr will und der Herr versteht die Antwort des Sklaven", sagte Pau knapp. "Dabei ist es unerheblich, ob beide die gleiche Sprache sprechen. Er sorgt auch dafür, dass feine Nuancen nicht verlorengehen. Nur so ist gewährleistet, dass ein Befehl oder eine Antwort nicht missverstanden werden kann."

"Und ich kann auf eure Körperfunktionen Einfluss nehmen. Wenn ich will, dann seid ihr wunschlos glücklich oder am Boden zerstört. Mit der Funktion, dass ich immer herausfinden kann, wo ihr gerade seid und was ihr tut, wisst ihr nun alles, was der Ring tun kann."

"Er kann euch sagen, was ich gerade tue?" fragte Makiko nach.

"Er liest eure Gedanken und kann sie beeinflussen. Daher kann er mir auch sagen, was ihr denkt."

Makiko schluckte. "Das klingt nicht sehr angenehm", sagte sie unbehaglich.

"Absolute Macht", sagte Pau lächelnd.

Wahrheit

Usagi war ziemlich zufrieden mit sich selbst. Dafür, dass er nur so wenig Vorbereitungszeit gehabte hatte, hatte er die Situation hervorragend gemeistert fand er. So war er guter Dinge und unterhielt sich ausgelassen mit Hanshiro, während sie sich auf den Rückweg machten. Unterwegs trafen sie auf T'he, der wie schon so oft in den letzten Tagen im Lager unterwegs war und sich Notizen machte.

Usagi verabschiedete sich von Hanshiro und ging eine Weile neben T'he her. Er las ein paar von den Notizen mit, die T'he machte und beantwortete seine Fragen.

Als sie ausser Hörweite waren, fragte Usagi: "Und, wie war ich?"

T'he lächelte. "Ganz gut, würde ich sagen."

"Wie fandet ihr meine Lösung?"

"Hervorragend", lobte T'he. "Natürlich hat Kusanagi einen grossen Anteil daran, aber es war dennoch am Ende eure eigene Leistung, denn ihr habt die Möglichkeiten von Kusanagi nur sehr sparsam genutzt."

"Wie meint ihr das?" fragte Usagi leicht verwirrt.

"Kusanagi war sich nicht sicher, ob ihr nun selbst herrschen wolltet, oder nicht. Daher hat es den Ausweg, den ihr schliesslich verwendet habt, um euren Hals aus der Schlinge zu ziehen, sorgfältig vorbereitet."

Das dämpfte Usagis Stimmung deutlich. "Kusanagi hat geplant, dass ich den alten Fürst Hikiji zum Sündenbock mache?"

"Nein, nein", wehrte T'he ab, "es hat es nur ermöglicht. Ihr habt am Ende selbst entschieden, das zu tun, aber wenn ihr Kusanagi gefragt hättet, statt selbst zu überlegen, dann hätte es euch etwas vorgeschlagen, das eurer eigenen Lösung sehr nahe gekommen wäre."

Dennoch war Usagi enttäuscht. Er hatte schon geglaubt, dass er diese Situation ohne fremde Hilfe gelöst hatte. Nun musste er hören, dass Kusanagi es genau so plant hatte. Das frustrierte ihn.

Usagi musste aber zugeben, dass T'he seine Rolle hervorragend spielte. Er konnte selbst nicht genau sagen, was ihn am Schluss davon überzeugt hatte, dass T'he in Wirklichkeit Pau Tai war. Oder Philmann Dark, wie er sich auf der TAURUS nannte.

Zwischenspiel

Makiko brauchte lange, um sich von diesem Schock zu erholen. "Ihr habt mir jetzt immer noch nicht gesagt, was eure Pläne mit mir sind."

"Ich habe keine", sagte Pau, "euer Tod war nur sinnlos und daher habe ich euch einen Grund gegeben, zu leben. Aber ihr müsst euch schon selbst überlegen, was ihr mit eurem neuen Leben anfangen wollt."

"Aber ihr habt doch sicher einen Vorschlag", vermutete Makiko.

Pau lachte. "Natürlich."

Wahrheit

"Was hast du eigentlich mit Khassar angestellt?" fragte Usagi.

"Ich habe seine Rasse ausgelöscht und ihn unsterblich gemacht", antwortete Pau.

Usagi wartete, dass er weiter ausholte.

"Die offizielle Version ist, dass Khassar mir eines schönen Morgens über den Weg gelaufen ist und mich nicht ordentlich gegrüsst hat. Als Reaktion habe ich alle Mitglieder seiner Rasse getötet, ihre Städte dem Erdboden gleichgemacht, ihre Kultur ausgelöscht und alle Informationen beseitigt, dass sie jemals existiert haben."

"Alle Leute, die damals zu den gut informierten Kreisen gehört haben, mussten feststellen, dass ich nicht nur in der Lage war, eine Zivilisation zu vernichten, sondern auch alle Informationen über diese Zivilisation. Ein paar Jahre später erinnerte sich niemand mehr daran, wie Khassars Zivilisation sich nannte oder irgendetwas sonst über sie. Man wusste nur, dass da mal etwas gewesen war, weil in den entsprechenden Informationsmedien Lücken zu finden waren."

"Du hast ein Exempel an ihnen statuiert", sagte Usagi nüchtern.

"Genau. Viele von den Möchtegern-Unholden im Universum waren plötzlich mit einem brutalen Beispiel meiner Macht konfrontiert und die meisten haben sich entschieden, dass ihre persönlichen Ziele so viel Ärger nicht wert sind."

"Und Khassar?"

"Er ist quasi der letzte Beweis, dass seine Rasse jemals existiert hat. Auch er erinnert sich an nichts mehr, nur daran, was ich ihm angetan habe und warum. Seine Unsterblichkeit ist übrigens von ganz anderer Natur als Deine. Bei Dir habe ich nur dafür gesorgt, dass Du Deine maximale Lebenserwartung von etwa 120 Jahren erreichen kannst. Wirklich unsterblich bist Du noch nicht."

"Khassar auf der anderen Seite, muss in einem künstlich erzeugten Körper leben, der sich nie verändert. Durch ein paar Tricks habe ich ausserdem dafür gesorgt, dass er nicht sterben kann, egal was er auch versucht. Ich zwinge ihn zu einer endlosen, monotonen Existenz ohne Sinn und Ziel."

"Hat er nicht langsam seinen Zweck erfüllt? Wäre es nicht an der Zeit ihn zu erlösen?" fragte Usagi mitfühlend.

Pau lächelte. "Noch nicht. Aber bald."

Zwischenspiel

Sie folgten einem Weg, bis es dunkel wurde und sie anhielten, um die Nacht hier zu verbringen. In der Ferne konnten sie sehen, wie der Weg auf eine Strasse traf.

Pau gab Makiko Proviant, Geld und zwei Schwerter. "Folgt dieser Strasse nach Südosten. In ein paar Tagen treffen wir uns wieder."

Makiko gab Kimi eines der Schwerter und befestigte ihres an ihrem Gürtel.

"Benötigt ihr sonst noch etwas?" fragte Pau.

Makiko nickte. "Gebt mir Katsumis Halsring", bat sie ruhig.

Wahrheit

Auf dem Rückweg überlegte Usagi, ob er mit Khassar sprechen sollte. Er seufzte. Khassar hatte recht gehabt; er konnte ihm nicht helfen. Er würde nur alte Wunden wieder aufreissen.

Zurück bei den Soldaten des Geishu Klans, wurde er wie ein Held empfangen. Man war sichtlich erleichtert, dass es heute nicht zu der grossen Schlacht gekommen war, auch wenn die Gründe nicht so klar waren. Weder der Shogun noch einer der anderen Fürsten hatte bisher die einfachen Soldaten informiert.

Auch Usagi hielt sich zurück, um nicht etwas zu sagen, was die Entscheidung des Shogun vorwegnehmen oder, schlimmer noch, dieser entgegen stehen könnte. Er liess sich feiern und die Soldaten im Glauben, dass sie heute noch einmal davon gekommen waren. Morgen würde man weitersehen.

Natürlich konnte er sich nicht ganz entziehen. Jeder Soldat erkundigte sich bei ihm, ob er etwas über das Schicksal ihres Fürsten wisse. Die meisten Soldaten hielten den Angriff Noriyukis auf den Shogun für ein übles Gerücht, das von einem rivalisierenden Fürsten in die Welt gesetzt worden war.

Sie waren schockiert zu erfahren, dass Noriyuki den Shogun tatsächlich angegriffen hatte. Usagi bemühte sich redlich klarzumachen, dass der alte Fürst Hikiji dafür verantwortlich war, aber es hätte nicht viel gefehlt und die Soldaten wären auf eigene Faust losgezogen, um sich am Hikiji Klan zu rächen.

Usagi versprach sein möglichstes zu tun, um Noriyuki zu retten und die Soldaten dankten ihm. 'Sie danken mir, obwohl ich derjenige bin, der Noriyuki in diese Situation gebracht hat', dachte er betreten, während die Soldaten dachten, sein Gesicht brächte seine Bescheidenheit zum Ausdruck.

Zwischenspiel

Wie gewohnt war Pau nicht überrascht. 'Schliesslich weiss er ja, was ich denke', dachte Makiko säuerlich. Wortlos hielt er ihr einen Beutel hin und verschwand, nachdem sie ihn genommen hatte. Sie öffnete ihn und schüttelte seinen Inhalt heraus.

Nachdenklich hielt Makiko Katsumis Ring in der Hand. Als sie Pau um den Ring gebeten hatte, hatte Katsumi gelächelt, aber nichts gesagt. Obwohl sich ihr immer noch die Nackenhaare sträubten, sagte ihr Gefühl doch, dass er den Ring zurück haben wollte. Er schien sich wirklich zu freuen, wieder ein Sklave zu werden, der alles tun musste, was man von ihm verlangte.

"Warum wollt ihr ihn zurück?" fragte sie ihn.

Katsumi dachte einen Moment nach. "Mein ganzes Leben habe ich nach ... Höherem gestrebt, Makiko. Ich wollte immer besser sein, als andere. Sie beherrschen. Macht und Kontrolle schienen mir erstrebenswert."

"Ich war so sehr damit beschäftigt, besser zu sein, dass ich mich nie gefragt habe, was ich eigentlich erreichen will."

Er brach ab und starrte zu Boden. "Es ist schwer zu erklären, Makiko."

Überraschend sprach Kimi. "Es ist wie in einem Fluss schwimmen. Man kann an einer ruhigen Stelle schwimmen und es einfach geniessen oder an einer Stelle, wo das Wasser wild und reissend ist. Es ist aufregend, aber ein Fehler und man wird fortgespült."

Katsumi nickte. "Am Ende hatte ich mein ganzes Leben mit hektischer Aktivität gefüllt, aber nichts erreicht", sagte er leise.

"Ihr wart meine Rechte Hand", erwiderte Makiko.

"Ich war nur eure Rechte Hand, weil ich hoffte euch dadurch einfacher beseitigen zu können, Makiko", gab Katsumi zu. "Ich habe euer Glück bedenkenlos zerstört, um meinem Ziel näherzukommen."

"Nur hatte ich kein Ziel. Ich war zu beschäftigt es zu erreichen, um darüber nachzudenken, was ich eigentlich wollte."

"Als ich dann in die Hände von Marena fiel, da war es, als wäre ich fortgespült worden. Verzweifelt versuchte ich wieder in den Strom zu kommen. Wieder damit zu beginnen, zu strampeln."

"Marena hielt mich fest. Lies mich nichts tun. Ich trieb in einem ruhigen Seitenarm in einer Oase des Glücks und der Freude. Aber ich empfand es nicht. Es kam mir vor, als sei ich am entsetzlichsten Ort gelandet, den ich mir vorstellen könnte. Meine eigene private Hölle."

"Ich wollte nicht glücklich sein. Freude zu empfinden schien mir gefährlich. Etwas zu tun, das mir Spass macht, war undenkbar."

"Marena hat mir geholfen zu sehen, was aus mir geworden war."

"Ein Monster", sagte er traurig.

Wahrheit

Abends kam T'he zurück und sie sassen noch eine Weile am Lagerfeuer. Khassar unterhielt sich ungezwungen mit T'he und Usagi fragte sich, wie er reagieren würde, wenn er ihm sagen würde, dass er in Wirklichkeit mit Pau sprach.

Aber wie schon so oft war die Wahrheit nicht wertvoll genug, um dafür ein Leben zu opfern. Oder ein so kurzes Glück, wie Khassar es im Moment empfand.

Als sie zu Bett gingen, trat T'he zu Usagi. "Sie möchte euch jetzt kennenlernen", sagte er schlicht.

Er musste ihre Namen nicht sagen; Usagi wusste, von wem er sprach.

Ookaa'h.

Usagi verspürte eine grosse Nervosität.

Angst.

Zwischenspiel

"Um kein Monster mehr zu sein, bist Du ein anderes Monster geworden", sagte Makiko bitter.

"Vorher hat man nur nicht gesehen, dass ich ein Monster bin, Makiko", antwortete Katsumi. "Jetzt bin ich nur ein Monster, weil mein Verhalten ... unerwünscht ist. Aber jetzt muss niemand mehr unter mir leiden."

"Warum willst Du ihn zurück?" fragte Makiko zum wiederholten Mal.

"Ich habe Angst, Makiko", sagte Katsumi leise. "Angst, dass ich nicht stark genug sein könnte. Dass es wieder passiert."

"Der Ring schützt andere vor mir, Makiko. Darum möchte ich ihn zurück."

Wahrheit

'So nervös bin ich seit meiner Hochzeit nicht mehr gewesen', dachte Usagi und atmete tief durch.

Trotzdem konnte er sich nicht beruhigen. Er würde eine Göttin kennenlernen. Eine richtige, echte Göttin mit unendlicher Macht. So weit von ihm entfernt, dass er nicht in der Lage sein würde, das einfachste Wort zu verstehen, dass sie aussprechen konnte.

'Was, wenn ich ihrer nicht würdig bin? Wenn ich sie nicht verstehe? Was, wenn sie mich verstösst?'

Tausend Fragen schwirrten in seinem Kopf.

Als T'he ihn fragte, ob er bereit sei, grinste er nur kläglich. Im nächsten Moment standen sie an einem breiten, weissen Strand.

Zwischenspiel

Müde schüttelte Makiko dem Kopf. Schon seit langer Zeit hatte sie vermutet, dass Katsumi sie hinterging und daher Kimi gebeten, ein Auge auf ihn zu haben. Kimi hatte sein Vertrauen gewonnen und ihr regelmässig über seine Umtriebe berichtet. Sie hatte keinen Beweis dafür gehabt, dass Katsumi etwas mit dem Tod ihre Mannes zu tun hatte, aber sie hatte es bereits vermutet.

Aber jetzt, wo sie den Mörder ihres Mannes in der Hand hatte, konnte sie sich nicht entscheiden. 'Soll ich ihn bestrafen, indem ich ihm den Ring nicht wiedergebe oder dadurch, dass ich ihn ihm zurückgebe?' überlegte sie.

Aber die grosse Wut, die sie empfunden hatte, war erloschen. Sie hatte sich ausgemalt, wie sie den Tod ihres Mannes rächen würde, wenn sie den Mörder endlich gefunden hatte.

Aber Katsumi war schon tot.

Zumindest der Katsumi, der ihren Mann getötet hatte.

Sie liess den Ring wieder in den Beutel gleiten und warf ihn zu Katsumi hinüber.

"Danke, Makiko", verbeugte sich Katsumi.

Mit einem glücklichen Lächeln nahm er den Ring aus dem Beutel, aber als er ihn um den Hals legte, zögerte er. Makikos Gesicht verfinsterte sich, aber der Grund war nicht der, an den sie dachte.

"Bevor ich den Ring wieder anlege, habe ich eine Bitte, Makiko", sagte er und blickte sie an.

"Und?" forderte sie ihn auf.

Katsumi liess den Ring wieder im Beutel verschwinden und reichte ihn Kimi. "Ich möchte das tun, bevor ich den Ring anlege, weil es sonst keine Bedeutung mehr hat", erklärte er. Kimi nahm den Beutel zögernd.

"Ich habe ein grosses Unglück über euch gebracht, Makiko, und ich bin bereit jede Strafe auf mich zu nehmen, die ihr mir auferlegen wollt", sagte Katsumi.

Ookaa'h's Sanktum

Träge leckten Wellen am flachen Strand. Eine freundliche Sonne stand hoch am Himmel und es war angenehm warm. Neugierig sah sich Usagi um. Ein paar kleine Wolken waren am Himmel zu sehen und der Blick über das Meer reichte bis zum Horizont.

"Bist Du auch schon tot?" fragte eine bekannte Stimme, die Usagi schon lange nicht mehr gehört hatte.

Usagi wirbelte herum. Und da stand seine Göttin.

Tomoe.

Pau hielt sich im Hintergrund, während sie sich umarmten.

"Nein, ich lebe noch. Hoffe ich zumindest", lachte Usagi. "Wenn ich gewusst hätte, dass Du hier bist, wäre ich schon viel früher hierher gekommen."

"Früher?" fragte Tomoe, die viel jünger aussah, als Usagi sie in Erinnerung hatte.

"Zeit und Raum sind hier etwas sehr ... individuelles", warf Pau ein.

Fragend blickten die beiden ihn an. "Ihr seid beide erst seit wenigen Augenblicken hier, auch wenn für Usagi seit Deinem Tod fünf Jahre vergangen sind."

"Du hast es so lange ohne mich ausgehalten?" fragte Tomoe neckisch.

"Ähm", machte Usagi und erinnerte sich daran, wie oft er mit Karla geschlafen hatte. "Ich hatte Hilfe", gab er schliesslich zu, aber er schämte sich nicht dafür. "Karla würde Dir gefallen."

Wie er gehofft hatte, nahm Tomoe es ihm nicht übel. "Davon gehe ich aus", sagte sie milde.

"Wie kommst Du hierher, wenn Du nicht tot bist?" fragte sie weiter. "Oder bist Du auf der Suche nach jemandem ins Reich der Toten hinabgestiegen, wie in einer der alten Legenden?"

"Pau sagte, dass Ookaa'h mich sehen wollte", erklärte Usagi.

"Aha", machte Tomoe, "bringt er wieder Dein Leben durcheinander."

Usagi lachte. "Es scheint, dass ich jetzt zu einem Priester von Ookaa'h gemacht werde."

"Warum bin ich dann hier?"

Usagi blickte Pau an, aber dieser zuckte nur mit den Schultern. "Wir befinden uns in Ookaa'hs innerem Sanktum. Nur sie entscheidet, wer hier ist und warum."

"Und ihr seid?" fragte Tomoe, die T'he noch nie zuvor gesehen hatte.

T'he verbeugte sich. "Mein Name ist Tsuku Heramabitiano, aber nennt mich einfach T'he."

"Oder Pau Tai", fügte Usagi hinzu, "oder Philmann Dark."

"Jetzt hast Du mir den ganzen Spass verdorben", sagte Pau pikiert.

"Gut so", ermunterte Tomoe Usagi.

"Warum mag mich nur keiner?" rief Pau in gespielter Verzweiflung.

"Tja, warum wohl", erwiderte Tomoe unbeeindruckt.

Pau seufzte. "Wollen wir?"

"Wo genau sind wir?"

"In einem Traum von Ookaa'h. Nichts hier ist real", erklärte Pau, "zumindest nicht in dem Sinn, wie ihr es versteht. Aber da Ookaa'h eine Göttin ist, scheint es für uns durchaus real zu sein."

Usagi liess etwas Sand zwischen den Fingern durchrieseln. Er konnte keinen Unterschied feststellen und auch Kusanagi hielt die Umgebung für echt.

"Aber wo ist dann der Unterschied?"

"Kommt", sagte Pau und ging voran.

Nach dem ersten Schritt verstanden sie, was er meinte. Wenn man ging, dann veränderte sich die Landschaft.

Plötzlich standen sie in einem Wald. Anders als bei einem Transport war der Übergang aber fliessend und nicht abrupt. Der Strand und das Meer schienen wegzufliessen, während der Wald sich entfaltete. Enorme Bäume und Bambushaine reckten sich in den Himmel. Irgendwo zwitscherten Vögel.

Dann standen sie auf einem Hügel, auf dessen Spitze unvermittelt eine breite Strasse anfing. Beim nächsten Schritt änderte sich die nähere Umgebung nicht mehr, sondern sie gingen an der Strasse entlang. Nur am Horizont konnte man noch sehen, wie die Umgebung verfloss.

Dann tauchte jemand aus dem Nichts auf und ging vor ihnen auf der Strasse. Als sie sich näherten, drehte er sich um und sah sie an.

"Katsuichi-sensei(2)", sagte Usagi erfreut und verbeugte sich vor ihm.

2. Lehrer

Zwischenspiel

Schwer atmend liess Makiko Katsumi los. Schlaff fiel er um und schlug hart auf dem Boden auf. Blut lief aus einer Platzwunde an der Stirn über sein Gesicht, seine Lippen waren aufgeschlagen und ein dünner Faden Blut lief aus seinem Mundwinkel.

Er hatte sich geweigert sich mit einem Schwert zu verteidigen. Also war sie mit blossen Fäusten auf ihn losgegangen.

Er hatte sich nicht gewehrt.

War nur wieder aufgestanden, wenn sie so fest zugeschlagen hatte, dass er gestürzt war.

Das hatte sie wahnsinnig gemacht. Egal, wie sehr sie ihn auch anschrie, egal, wie hart sie zuschlug, er hatte alles ertragen, ohne sich zu wehren.

Obwohl er als Ninja trainiert war ohne Waffen zu kämpfen und er problemlos in der Lage gewesen wäre, ihre Schläge zu kontern, hatte er nichts dergleichen getan.

Irgendwann konnte sie sich einfach nicht mehr dazu bringen, ihn weiter zu schlagen.

Sie fühlte sich leer und verbraucht; Katsumi zu misshandeln hatte ihr keine Erleichterung verschafft. Als sie die Hand aufhielt, warf Kimi ihr den Beutel zu.

Ohne Triumph zu empfinden, holte sie den Ring heraus und beugte sich zu Katsumi hinunter.

Katsumi hustete und stöhnte leise. Er richtete sich halb auf und sah dann, dass sie seinen Ring in der Hand hielt. Trotz seiner Schmerzen setzte er sich hin und verbeugte sich.

"Vielen Dank, dass ich dies für euch tun durfte, Makiko", sagte er.

Makiko weinte, als sie den Ring um seinen Hals schloss.

Usagis Weg

"Ah, Usagi-sensei", begrüsste Katsuichi ihn freundlich. Es erfüllte Usagi mit Stolz diese Worte aus dem Mund seines Meisters zu hören.

"Nun, wie ist es euch inzwischen ergangen?" fragte Katsuichi. "Habt ihr die Ausbildung meiner Schüler beendet?"

"Ja, Katsuichi-sensei."

"Ich hoffe", sagte Katsuichi, "dass sie euch nicht allzu viele Schwierigkeiten bereitet haben."

"Wenn ein Schüler schlecht ist, liegt es am Lehrer", antwortete Usagi schlicht. "Sie waren sehr gute Schüler. Ich hatte nie einen Grund mich zu beklagen."

Katsuichi zog eine Augenbraue hoch. "Soll ich das jetzt so verstehen, dass ich für all den Ärger, den ich mit euch hatte, selbst verantwortlich bin?" sagte er, aber ein ganz kleines Lächeln spielte um seine Mundwinkel.

"Ihr habt mich als Schüler akzeptiert", erwiderte Usagi.

"So so ...", machte Katsuichi nicht ganz ernst. "Und wer ist das hübsche Kind?"

Usagi stellt die beiden einander vor.

"Und ihr müsste Pau Tai sein", sagte Katsuichi zu Pau.

"Woher wusstet ihr das?" fragte Usagi verblüfft.

"Ihr glaubt gar nicht", lachte Katsuichi, "wie gut es tut, euch immer noch überraschen zu können."

"Irgendwie erkennt Meister Katsuichi Pau immer", erklärte Usagi Tomoe.

"Diesmal war es seine Unscheinbarkeit," erläuterte Katsuichi gut gelaunt. "An ihm war überhaupt nichts besonderes mehr. Er war so durchschnittlich, dass ich mich sofort gefragt habe, wie so jemand hierher kommen könnte. Ich war sicher, dass etwas besonderes an ihm sein musste, aber ich konnte nichts erkennen. Das konnte eigentlich nur bedeuten, dass er ein Meister der Täuschung ist. Und dann kam eigentlich nur Pau Tai in Frage."

"Ich werde das nächste mal daran denken", antwortete Usagi amüsiert.

Katsuichi wurde wieder ernst. "Ihr habt viel erreicht, Meister Usagi. Mehr als ich jemals zu hoffen gewagt hätte. Aber noch immer lasst ihr euch zu leicht vom Offensichtlichen verführen."

"Ja", gab Usagi zu, "ich weiss. Ich arbeite daran."

"Dann ist es gut. Ich hoffe", sagte Katsuichi zu Tomoe gewandt, "er ist euch ein guter Ehemann."

"Ich bin vor fünf Jahren gestorben", wies Tomoe hin, "aber während wir verheiratet waren, war ich die glücklichste Frau auf der Welt. Und ich bin es immer noch."

"Das freut mich", sagte Meister Katsuichi. "Ihr seid ein Kämpfer, wie Usagi. Wie kommt es, dass ihr mit dem Eheleben so gut klargekommen seid?"

Usagi erzählte Katsuichi von seiner Schule und dass Tomoe dort mit ihm die Schüler unterwiesen hatte.

"Eine Frau?" fragte Katsuichi überrascht und Tomoe verzog wütend das Gesicht.

"Verzeiht", verbeugte sich Katsuichi vor Tomoe, "es war nicht meine Absicht euch durch eine unbedachte Äusserung zu beleidigen. Es ist höchst ungewöhnlich, dass eine Frau diese Position inne hat."

Tomoe, die sich erinnerte(3), wie ihr Vater damals ihren jüngeren und ihr deutlich unterlegenen Bruder Tajima zum Leiter der Falling Rain Schule gemacht hatte, nickte finster. In der Zeit als Lehrerin der Schule war sie des öfteren angefeindet worden und auch ihre Schule hatte bei Wettkämpfen häufig Schmähungen der anderen Teilnehmer hinnehmen müssen.

3. Usagi Yojimbo Color Special #1

Doch ihre Schüler waren, nachdem sie sich vom ersten Schock erholt hatten, immer respektvoll gewesen und hatten ihren Anweisungen genauso Folge geleistet, wie denen von Usagi. Nur Aussenstehende hatten sie angegriffen.

Sie hatte ihr Los mit Fassung getragen, auch weil Usagi ihr so viel Kraft gab, aber für die wenigen weiblichen Schüler der Schule war es noch viel härter gewesen. Usagi hatte immer wieder versucht sie bei Wettkämpfen anzumelden oder auf eine andere Art und Weise dafür zu sorgen, dass ihre Leistungen irgendwie gewürdigt wurden.

Doch damit war auch er letztlich gescheitert. Keiko, die Frau von Waytiki, hatte noch das beste Los, denn sie konnte sich, wie Tomoe, in den Schutz der Schule zurückziehen. Die anderen Schülerinnen aber waren der rauen Realität der japanischen Gesellschaft ausgeliefert, in der Frauen einfach nichts zählten.

Fasziniert hatte Meister Katsuichi ihren Berichten gelauscht. Er lobte Usagis Versuche Frauen auszubilden. "Allerdings wäre mir schon vorher klar gewesen, wieviel Leid daraus entsteht. Es ist so schwierig einen einzelnen Menschen zu verändern. Wie konntet ihr nur hoffen die japanische Gesellschaft dazu zu bringen, Frauen als Kämpfer zu akzeptieren? Das wird niemals geschehen."

"In fünfhundert Jahre werden Frauen in eurer Kultur den Männern gleich sein", warf Pau ein. "Es sind Menschen wie Usagi, die Veränderungen anstossen. Sicher, er und die nächsten 20 Generationen werden keinen Unterschied feststellen. Aber es breitet sich aus, so wie eine Krankheit. Manche sind immun, aber andere werden angesteckt, nehmen die Idee an und ändern ihr Leben. Irgendwann ist es dann so normal, wie die Unterdrückung von Frauen, wie sie jetzt geschieht."

Katsuichi war nicht überzeugt.

"Tomoe und Usagi wissen, dass ich auf einer anderen Welt auch ein Art von Shogun bin. Die Armee dort untersteht mir. Etwa 30% der Soldaten sind Frauen und knapp 80% der Offiziere."

Das verblüffte selbst Usagi, der sich in der TAURUS daran gewöhnt hatte, dass Frauen nicht viel anders als Männer behandelt wurden: "So viele?"

"Sie denken, bevor sie Unfug anstellen, sie sprechen sich ab und sie sind vorsichtig. Wenn man einen Mann mit 1000 Soldaten losschickt, um etwas zu erreichen, dann erreicht er es und kommt mit 300 Soldaten zurück. Eine Frau braucht etwas länger, aber auch sie wird Erfolg haben. Nur wird sie mit 900 Soldaten zurückkommen. Es ist einfach einzusehen, in welcher Einheit ein Soldat lieber dient und in welcher Einheit die Soldaten mehr leisten."

"Verblüffend. Und das funktioniert?" fragte Katsuichi. "Haben die Männer nicht andere Dinge im Kopf, wenn sie von einer Frau in die Schlacht geführt werden?"

"Wenn es ans Sterben geht", sagte Pau grinsend, "dann denkt auch der männlichste Mann erst einmal ans Überleben und dann an Fortpflanzung. Aber die Einheiten sind häufig gemischt und die Männer stellen dann eher den Soldatinnen nach, als der Offizierin."

"Sind die dann Nachts nicht mit etwas Anderem beschäftigt, als Wache zu stehen?" vermutete Usagi.

"Sicher. Aber viele davon hüpfen nicht nur für eine Nacht ins Bett, sondern sie haben echte Beziehungen zueinander. Ein Angriff auf so eine Einheit kann selbst für weit überlegene Angreifer ganz schön heiss werden."

"Nehmen wir zum Beispiel mal an, dass ich ein Angreifer bin und ich töte Tomoe. Kurze Zeit später werde ich Dich auf dem Hals haben und Du wirst gar nicht glücklich sein."

Das konnte Usagi sich lebhaft vorstellen.

Zwischenspiel

Zusammen mit Kimi hatte Makiko Katsumis Wunden behandelt. Sie folgten der Strasse, so wie Pau es ihnen gesagt hatte. Katsumi beklagte er sich nicht, gab aber bereitwillig zu Schmerzen zu haben, als sie ihn fragten. Daher kamen sie nur langsam voran.

Aber er klagte nicht, obwohl Makiko ihm erlaubt hatte zu sprechen, wann er wollte. Eigentlich war er derjenige unter ihnen, dem es am schlechtesten ging und trotzdem schien er am glücklichsten zu sein.

In einer kleineren Stadt auf dem Weg liessen sie seine Verletzungen von einer Heilerin untersuchen. Bis auf eine angebrochene Rippe, die bereits dabei war zu heilen, konnte sie nichts finden. Daher gab sie ihm nur etwas gegen die Schmerzen.

Von Paus Geld kauften sie sich weitere Vorräte und machten sich wieder auf den Weg.

Als sie am Abend wieder rasteten, sprach Katsumi Makiko an.

"Gibt es etwas, das ich für euch tun kann, Makiko?"

"Warum wollt ihr etwas für mich tun?"

"Ihr seid unglücklich, Makiko."

Makiko seufzte. "Ich werde euch nicht mehr schlagen", wehrte sie ab.

"Ich danke euch, Makiko. Kann ich euch vielleicht auf eine andere Art und Weise glücklich machen?"

Makiko, der sehr wohl klar war, worauf er anspielte, schüttelte den Kopf. "Nein!" wehrte sie ihn ab.

"Bitte, Makiko", flehte Katsumi.

"Niemals!" schrie sie.

Katsumi brach in Tränen aus. "Verzeiht mir, Makiko! Ich wollte euch nicht quälen! Bitte, es tut mir Leid! Verzeiht mir!" schluchzte er.

Entsetzt starrte Makiko auf das, was sie angerichtet hatte. Obwohl sie es nicht gesagt hatte, hatte Katsumis Sklavenring dafür gesorgt, dass er das Entsetzen und die Verachtung spürte, die sie dafür empfand, was Pau ihm angetan hatte.

"Beruhigt euch, Katsumi", sagte sie tröstend und nahm ihn in den Arm, "es ist alles gut. Alles wird gut."

Hilflos starrte sie Kimi an, die nur mit den Schultern zucken konnte.

Usagis Weg

Sie unterhielten sich noch eine Weile und Usagi tauschte sich mit Katsuichi darüber aus, welche Probleme sie mit ihren Schülern gehabt hatten, und wie sie sie gelöst haben. Dabei stellte Usagi fest, dass Katsuichi ihm gar nicht so sehr überlegen war, wie er immer geglaubt hatte. Im Gegenteil, viele seiner eigenen Lösungen kamen Usagi besser vor.

Katsuichi schien sich nicht daran zu stören. "Ich hatte ja nur wenige Schüler in meinem Leben", gab er bereitwillig zu, "und ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, auf meine Schüler einzugehen. Du dagegen hast Dich nie über Deine Schüler gestellt."

Er lächelte zufrieden. "Der Schüler hat den Meister überflügelt."

Verlegen über das grosse Lob sah Usagi zu Boden und Katsuichi lachte. "So wie es sein sollte."

Sie verabschiedeten sich und gingen weiter. Katsuichi blieb zurück und war nach wenigen Schritten nicht mehr zu sehen. Dafür tauchte jemand anders aus Usagis Leben auf.

"Ihr", knurrte Fürst Hikiji Kaneda wütend und zog sein Schwert.

Zwischenspiel

Katsumi gab nicht auf. Makiko war drauf und dran ihm wieder zu verbieten zu sprechen, wenn er nicht dazu aufgefordert wurde, aber das wollte sie ihm nicht antun.

Sie erfand immer neue Ausreden, um ihn abzuweisen, aber Katsumis Sklavenring verriet sie jedes mal.

"Ich kann nicht", gab sie schliesslich zu. "Allein der Gedanke daran, was man euch angetan hat, ist unerträglich."

"Das weiss ich, Makiko", sagte Katsumi sanft, "aber er hat mir nichts angetan. Es ist wieder der Unterschied zwischen dem, was passiert ist und dem, was ihr denkt, was geschehen ist, der euch quält."

"Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ihr euer Schicksal einfach so akzeptiert."

"Dann lasst es mich beweisen, Makiko", bat Katsumi.

"Wie?" fragte sie, obwohl sie die Antwort schon wusste.

"Befehlt mir den Ring abzunehmen, Makiko."

Makiko senkte den Blick. Das konnte sie nicht. So lange er den Ring trug, musste er tun, was sie sagte und so lange konnte sie ihn sich vom Hals halten.

Usagis Weg

"Ihr könnt hier sterben", warnte Pau Usagi leise. Usagi nickte und zog sein Katana(4).

4. Das lange Schwert eines Samurai

Mühelos wehrte Usagi Hikijis Angriffe an. Der Fürst tat ihm wirklich Leid.

Hikijis Gesicht war wutverzerrt. "Bin ich euch nicht einmal mehr so viel wert, dass ihr mich mit Kusanagi tötet?"

"Nur einmal im Leben", antwortete Usagi.

Immer wieder griff der Fürst an, aber Usagi war inzwischen ein so guter Schwertkämpfer geworden, dass er nicht einmal die Technik des Tai Chi anwenden musste, um sich zu schützen.

Irgendwann brach Hikiji erschöpft zusammen. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und er wäre in Tränen ausgebrochen, weil er gegen Usagi überhaupt nichts ausrichten konnte.

Voller Mitgefühl beugte sich Usagi über den Fürsten, um ihm Trost zu spenden.

Beinahe hätte Hikiji ihn mit einem vergifteten Dolch erwischt.

Zwischenspiel

Kimi verschaffte Makiko schliesslich etwas Erleichterung, indem sie sich um Katsumi kümmerte. Die redete viel mit ihm, während Makiko ihre Gedanken ordnen konnte. Sie waren jetzt vier Tage unterwegs, aber immer noch nicht auf Pau getroffen. Auf der einen Seite war sie sicher, dass sie sich keine Sorgen machen musste, aber es fiel ihr zusehends schwerer nicht ins Grübeln zu verfallen.

Ausserdem mussten sie grössere Städte und unerwartete Patrouillen vermeiden, damit Katsumi nicht in die Armee eingezogen wurde. Nicht auszudenken, wenn jemand versucht hätte ihn dazu zu zwingen ein Schwert in die Hand zu nehmen.

Allerdings hatte es auch seinen Preis, dass Kimi sich um Katsumi kümmerte.

Irgendwann hatte er sie überzeugt zuzulassen, was Makiko nicht akzeptieren konnte. Sie wollte Katsumi befehlen sie in Ruhe zu lassen, aber Kimi bat sie, nichts zu tun.

In der Nacht gellten ihre Schreie durch die Dunkelheit und das war vielleicht noch schlimmer, als wenn Katsumi weiter auf sie eingeredet hätte.

Denn sie spürte, wie ihr Widerstand schmolz.

Usagis Weg

Es war entwürdigend, aber Usagi war nicht mehr bereit weiter auf den Stolz von Hikiji Rücksicht zu nehmen. Er hatte den Fürsten kurzerhand überwältigt und sass nun rittlings auf ihm. Hikiji tobte, konnte sich aber nicht aus Usagis Griff befreien.

Sorgfältig durchsuchte Usagi den Fürsten und förderte allerlei Mordwerkzeuge zu Tage. Schliesslich lies Usagi ihn wieder los und stand auf.

Hikiji war ausser sich vor Wut. Er geiferte und warf Usagi Verwünschungen an den Kopf. Als Usagi nicht reagierte, stürzte sich der Fürst mit blossen Fäusten auf seinen Feind.

Wie bei Talia konnte Usagi ihn irgendwie nicht erreichen. Bedauernd tötete er den Fürsten erneut. Es kam ihm wie eine Niederlage vor.

"Du musst mir unbedingt zeigen, wie ich mit solchen Leuten umgehen kann", sagte er zu Pau.

"Natürlich", akzeptierte Pau sofort.

Tomoe legte den Kopf schief. "Kusanagi?" fragte sie.

"Ah ja, das hast Du ja alles noch gar nicht mitbekommen", sagte Usagi noch immer bedrückt. Er lies das Schwert wieder erscheinen und reichte es ihr.

Vorsichtig nahm Tomoe es entgegen. "Bis auf die Tatsache, dass Du es unsichtbar machen kannst, wie Pau sein Schwert, scheint es ein ganz normales, altes Schwert zu sein."

Usagi bat die Klinge aufzuleuchten und Tomoe lies es vor Schreck beinahe fallen. "Warum leuchtet es?" fragte sie.

"Weil ich es will", antwortete Usagi und Tomoe verzog das Gesicht säuerlich.

"Bitte das nächste Mal vorher warnen", schnappte sie. "Wozu dient das Leuchten?" fragte sie und ging mit dem Schwert durch ein paar Angriffs- und Verteidigungsmuster.

"Keine Ahnung", gab Usagi zu, "es leuchtet einfach, wenn ich es will." Er blickte Pau fragend an.

"Es ist nur Licht", erklärte Pau, während Tomoe das Schwert zurückgab. "Das Schwert kann in verschiedenen Farben leuchten und auf diese Weise kommunizieren. Du kannst ihm sagen, es soll rot leuchten, wenn Gefahr droht oder etwas in der Art. Das ist nützlich, wenn eine telepathische Verständigung nicht möglich oder nicht ratsam ist."

Damit Tomoe es sehen konnte, drehte Usagi sich um und lies das Schwert dann verschwinden.

"Es hat keine Ausstrahlung", wunderte sie sich.

"Meine Waffe ist viel mächtiger als Kusanagi und viel gefährlicher in der Anwendung. Daher ist ihre abschreckende Ausstrahlung nützlich", antwortete Pau.

Sie gingen weiter und die Leiche von Hikiji verschwand. Dafür tauchten weitere Personen aus Usagis Vergangenheit auf; Freunde und Feinde. Manchmal wurden ein paar Worte gewechselt oder man grüsste sich nur und ging aneinander vorbei. Manchmal rasteten sie auch ein paar Tage und unterhielten sich lange.

Usagi musste Tomoe natürlich auch alles über Kusanagi erzählen; wie er es gefunden hatte und was er darüber wusste.

"Dann war ich also die ganze Zeit mit dem Tenno verheiratet?" lachte sie am Schluss.

"Naja, in gewisser Weise schon", gab Usagi lachend zu. "Aber ich wusste es ja selbst nicht."

Mit der Zeit machte Usagi sich aber Sorgen. "Was wohl inzwischen auf der Erde passiert ist?"

"Nichts", beruhigte Pau ihn.

"Ah", sagte Usagi erleichtert, "in dem Fall werden Noriyuki und die anderen inzwischen auf dem Rückweg sein."

"Rückweg wovon?" fragte Tomoe.

"Nein", sagte Pau gleichzeitig.

"Nein?" fragte Usagi überrascht.

"Auf der Erde ist keine Zeit vergangen, seit wir das Heerlager verlassen haben. Wenn wir zurückkehren, dann werden wir in exakt dem Augenblick ankommen, der dem folgt, zu dem wir die Erde verlassen haben. Es ist also noch nichts passiert."

"Auch gut", meinte Usagi und erklärte Tomoe, was mit Noriyuki und den anderen geschehen war.

"Ihr habt meinen Fürsten zu einem Verräter gemacht?" vergewisserte Tomoe sich mit einem gefährlich ruhigen Tonfall.

Usagi, dem klar war, was nun folgen würde, hob abwehrend die Hände. "Ich werde alles tun, damit Noriyukis Ruf wieder hergestellt wird", versprach er.

"Gut", sagte sie kurz angebunden und Usagi hoffte, dass er erfolgreich sein würde. Sonst könnte sein Leben nach dem Tod ziemlich unangenehm werden, denn Tomoe fühlte sich ihrem ehemaligen Herrn noch immer stark verpflichtet.

Zwischenspiel

Dass sie Katsumi einfach etwas Geld hätte geben und ihn dann fortschicken können, half Makiko kein bisschen. Im Gegenteil: Seine Hilflosigkeit ihr gegenüber führte zu einer umso stärkeren Verpflichtung, die sie empfand. Diese Treue gegenüber denen, die von ihr abhängig waren, hatte ihr den Respekt und die Treue ihrer Ninjas eingebracht. Aber nun empfand sie sie als grosse Last.

Sie war auch schon eine Last gewesen, als sie noch die Anführerin gewesen war, aber damals hatte sie etwas zurückbekommen. Von Katsumi könnte sie jetzt auch etwas bekommen, aber das wollte sie absolut nicht.

Kimi schien müde, aber glücklich und zufrieden. Sie sparte nicht mit Lob und Anerkennung für Katsumis ... Eifer. Allerdings war sie sehr zurückhaltend, wenn Makiko in der Nähe war.

Dennoch war Makiko klar, dass die Tage ihres Widerstandes gezählt waren. Bald würde auch sie nachgeben müssen. Trotzdem stemmte sie sich mit aller Kraft gegen das Unvermeidliche.

Ookaa'h's Sanktum

Die Strasse endete und sie kamen bei einem kleinen Wäldchen an, welches nahe einem niedrigen Hügel lag. Der Hügel und der Wald wurden von den Ausläufern eines Gebirges sanft umschlossen, so dass sich ein kleines Tal formte.

Anders als bisher schien die Realität hier "fester" zu sein. Auch am Horizont waren keine Schmiereffekte mehr zu sehen, wenn sie gingen.

Wortlos führte Pau sie den Hügel hinauf zu einem Kreis aus Steinen, vielleicht 3 Ken(5) im Durchmesser. Die Steine waren schneeweiss und erhoben sich nur wenig über das Grün. Obwohl keine Verwitterungen oder etwas in der Art zu sehen war, hatte Usagi das untrügliche Gefühl einen sehr alten Ort zu betreten.

5. 1 Ken sind 1.8m

"Ein heiliger Ort", sprach Tomoe seine Gedanken aus. Die Steine und die Umgebung atmeten Ruhe und Erhabenheit aus. Fast meinte man die Anwesenheit von ... etwas ... anderem zu spüren.

"Dies ist Ookaa'hs Tempel", sagte Pau und deutete auf den Steinkreis.

"Was muss ich tun?" fragte Usagi unsicher.

"Tritt in den Kreis. Wenn die Göttin mit Dir sprechen will, dann wird sie es tun", antwortete Pau.

Zögernd trat Usagi vor die Steine. Er hatte Angst vor dem, was kommen würde, aber seine innere Unruhe war wieder da. Sein Antrieb. Der ihm Kraft gab weiterzugehen, wo andere aufgeben mussten. Er wusste, er würde in den Kreis treten. Irgendwann.

Aber er war niemand mehr, der Unangenehmes aufschob. Mit erfahrenen Bewegungen band er seine Waffen ab, denn es schien ihm unschicklich diesen heiligen Ort mit Waffen zu betreten. Er lies Kusanagi erscheinen und legte es daneben.

Dann lächelte er Tomoe noch einmal zu und trat in den Kreis.

Zwischenspiel

Katsumi lächelte glücklich und küsste sie. Und Makiko lächelte zurück und erwiderte den Kuss leidenschaftlich.

Katsumi war wirklich so gut, wie Kimi gesagt hatte. Mit einem Einfühlungsvermögen, das sie bei einem Mann niemals für möglich gehalten hätte, machte er sie glücklich. Er ersann immer neue Varianten des Liebesspiels und schuf in ihr ein Gefühl der Befriedigung, das sie bisher nicht gekannt hatte. Nicht für möglich gehalten hätte.

Wenn er etwas ähnliches empfand, dann wunderte es sie nicht, dass er so bereitwillig ein Sklave von Pau war. Selbst ihr kritischer Verstand, der immer so realistisch und vernünftig gewesen war, wurde von den Wellen der Ekstase fortgespült, wie ein Blatt in einem reissenden Strom.

Er war ein guter Liebessklave. Enthusiastisch. Hingebungsvoll. Grob oder sanft, wie es gerade erforderlich war.

Sie war zufrieden, aber sie machte sich auch Sorgen um ihre Zukunft: 'Werde ich zu einer willenlosen Schlampe werden, die jedem Mann nachläuft, um ihr Verlangen zu stillen?'

Aber Katsumis Kuss liess sie diese Gedanken rasch auf morgen verschieben. Bald gellten ihre Schreie erneut durch die Nacht.

Ookaa'h's Sanktum

Usagi wusste nicht, was er erwartet hatte, aber es war anders. Er konnte nichts mehr sehen oder hören. Er roch nichts, spürte nichts.

Und doch war da etwas.

Auf einem unerfindlichen Weg sprach es zu ihm.

Es war unsagbar fremd. Usagi konnte keines der Worte verstehen, aber etwas in ihm verstand.

Dieses Etwas in ihm half ihm zu verstehen. Nicht auf die Worte zu achten, sondern sie zu begreifen.

Die Worte waren ein Traum. Ein Traum, der noch nicht real war, aber real sein könnte.

Usagi träumte den Traum.

Und das Andere träumte ihn auch. Die andere ... Seite des Traums.

Usagi träumte, dass Noriyuki heiraten würde. Aber der Traum war nur ein Bruchteil dessen, was er erfuhr. Er sah die Frau. Er kannte sie nicht und doch wusste er bestimmt, dass er sich erinnern würde, wenn er sie sah. Dann würde er alles über sie wissen, das er wissen musste.

So wie bei Jezko. Er würde sich erinnern, wenn es soweit war.

Er spürte auch, wie er verändert wurde. Wie Usagi starb und der Priester von Ookaa'h geboren wurde.

Ohne Bedauern trennte sich Usagi von dem, was er verlor und wurde zu dem, was er sein würde.

Er würde einige Jahrtausende mit Pau und anderen Priestern verbringen und ihnen helfen. Dabei würde er lernen und irgendwann seinen eigenen Weg gehen.

Usagi.

Träger von Kusanagi-no-tsurugi.

Die 803. Linie der Priester von Ookaa'h.

Dann stand er wieder im Kreis.

Neugierig blickte Tomoe ihn an und er spürte sie. Wusste jetzt, was Pau meinte, wenn er sagte, dass diese Realität nicht real war.

Jetzt spürte er es auch.

Rückweg

"Nun?" fragte Tomoe neugierig.

"Sie scheint mich zu mögen", antwortete Usagi lächelnd.

Tomoe runzelte die Stirn.

Usagi lachte. "Ich kann es nicht erklären. Wir haben uns unterhalten und sie hat mir eine Aufgabe gegeben. Ausserdem hat sie mich irgendwie verändert. Aber was genau passiert ist, kann ich Dir nicht sagen."

"Wollt ihr es versuchen?" fragte Pau, bevor Tomoe etwas sagen konnte.

"Ich soll in den Kreis treten?" fragte Tomoe überrascht.

"Nur wenige Lebewesen sehen diesen Kreis. Aber jeder, der ihn sieht, darf ihn auch betreten."

Tomoe war jetzt sehr verunsichert und Usagi konnte ihr gut nachfühlen. Vor wenigen Augenblicken hatte er das Gleiche empfunden.

"Versuche es ruhig", ermunterte er sie, während er seine Waffen wieder aufnahm.

Sie starrte den Ring an. Es kostete sie sichtlich Überwindung, einen Fuss hinein zu setzen. Geduckt stand sie schliesslich im Kreis, als würde sie erwarten, dass jeden Moment ein Blitz aus heiterem Himmel herniederfahren würde, um sie für den Frevel zu erschlagen.

Dann leuchtete der Ring plötzlich kurz auf und sie entspannte sich. Als sie heraustrat, lag ein zufriedenes Lächeln auf ihrem Gesicht. Usagi fragte sie nicht, was sie erlebt hatte. Wie er selbst hatte sie sicher keine Worte, um ihre Erfahrung zu beschreiben.

Als letzter trat Pau in den Kreis. Der Ring leuchtete hell, fast grell auf, aber das gleichmässige Leuchten schmerzte nicht in den Augen. Er hielt eine geraume Zeit an und dann erlosch es.

"Bei Dir hat es nur kurz geleuchtet", sagte Usagi zu Tomoe.

"Ich bin wohl nicht wichtig", vermutetet Tomoe, aber es war kein Bedauern in der Stimme. "Meine grösste Befürchtung war, dass nichts passieren würde", gab sie zu. "Vor einen Gott zu treten, die Chance zu haben, die nur ganz wenigen Sterblichen geboten wird."

"Und dann ignoriert zu werden", vervollständigte Usagi den Satz.

Tomoe nickte. "Du warst fast eine halbe Stunde im Kreis."

"So lange?" wunderte Usagi, dem die Zeit wie ein paar Augenblicke vorgekommen war.

"Die Weihe zum Priester dauert immer recht lange", erklärte Pau, während sie sich auf den Rückweg machten.

Obwohl sie fast zwei Monate unterwegs gewesen waren, um den Steinkreis zu erreichen, standen sie nach zehn Schritten wieder am Strand.

Usagi verabschiedete sich von Tomoe. "Werde ich sie wiedersehen?" fragte er Pau.

"Ich werde hier warten, bis Du zurückkommst", antwortete Tomoe überraschend.

Usagi lächelte. "Das wird bald sein", versprach er.

"Du musst Dich nicht beeilen", sagte Tomoe, "für mich wird keine Zeit vergehen."

"Aber mir wird sie endlos vorkommen", klagte Usagi.

Die Guten ins Töpfchen ...

Wie Pau versprochen hatte, war im Lager kein Augenblick vergangen, seit sie aufgebrochen waren. Usagi schlief sich erstmal ordentlich aus. Oder er versuchte es zumindest, aber die harten Schlafstellen im Lager taten ihr bestes, um ihn wach zu halten.

In den nächsten Tagen hielt der Shogun Gericht. Zeugen wurden befragt, Treueschwüre wurden erneuert oder Menschen verurteilt.

Usagi verfolgte die Verhandlungen nur am Rande. Er war sehr erleichtert, als die meisten Fürsten, die Kusanagi zum Verrat gezwungen hatte, vom Shogun freigesprochen wurden. Auch Noriyuki kam so davon.

Das einzige Urteil, welches Usagi bedauerte, war die Verurteilung von Fürst Hikiji selbst. Usagi hatte ihn in den letzten Tagen schätzen gelernt. Er verstand aber auch den Shogun, der ein für alle mal dafür sorgen wollte, dass der Name Hikiji verschwand, der mit so viel Leid, Unglück und Verrat verbunden war.

Hikiji nahm das Urteil ungerührt hin. Usagi spürte, dass der Shogun diesen grossen Mann gerne verschont hätte, aber die Umstände liessen es einfach nicht zu. Unter allen Umständen musste vermieden werden, dass der Anschein entstand, dass er dem Treiben der Hikijis tatenlos zusah.

Fürst Hikiji akzeptierte das, wie Usagi erfuhr, als er einen Tag später mit ihm sprach.

"Ich möchte auch nicht", sagte der Fürst ernst, "dass ihr einen Versuch unternehmt, um mich zu retten. Mein Leben ist nicht so wichtig, als dass es das wert wäre."

Usagi, der tatsächlich mit dem Gedanken gespielt hatte, nickte.

"Ihr habt euch verändert, seid wir uns das letzte mal gesehen haben", wechselte der Fürst das Thema.

"Ich wurde zum Priester von Ookaa'h geweiht", antwortete Usagi nicht ohne Stolz.

"Ich dachte ihr wärt schon lange ein Priester der Gottheit?" erkundigte Hikiji sich leicht amüsiert.

"Nun, sagen wir, ich habe das Ereignis vorweggenommen, um Leben zu retten. Ookaa'h schien es nicht zu stören. Sie hat zumindest nichts in der Richtung erwähnt."

"Sie hat mit euch gesprochen?" fragte der Fürst überrascht.

"Etwas in der Art, ja. Sie hat gesprochen und ich habe es irgendwie verstanden", erklärte Usagi. "Aber man kann es nicht wirklich erklären."

"Ich verstehe", antwortete der Fürst. "Es ist eine grosse Ehre euch gekannt zu haben." Und verbeugte sich.

"Ihr seid nicht sein Sohn, nicht wahr?" fragte Usagi.

Hikiji blickte ihn überrascht an und lachte dann leise. "Es gibt viele Gerüchte über mich", gab er freimütig zu. "Ich weiss nur mit Bestimmtheit, dass mein Vater niemals verheiratet war."

Nachdenklich blickte Usagi ihn an. "Ihr seid der Sohn eines Bauern," sagte er dann mit abwesender Stimme "der von Hikiji entführt worden ist. Ihr solltet bei einem der perversen Spiele des Fürsten und seiner Berater als Opfer dienen. Aber Kaneda hat irgend etwas in euch gesehen und euch verschont", sagte er dann. Er wusste, dass es so war.

"Es wäre möglich", gab Hikiji zu. "Während ich in der Burg aufwuchs, wurde ich des öfteren Nachts Zeuge von den Dingen, auf die ihr anspielt. Ich hörte die Schreie der Opfer und ...", er zuckte mit dem Schultern, "Ich war jung und lernte schnell, mich zu verstellen. Ich täuschte meine Bewacher und fand heraus, woher die Schreie kamen."

"Was sie bedeuteten", fügte er leise hinzu.

"Gibt es etwas, über das ihr mit mir sprechen wollt?" fragte Usagi mitfühlend. "Ich verspreche euch, dass ich niemals jemanden etwas von dem erzählen werde, das ihr mir anvertraut."

Hikiji starrte zu Boden.

Usagi wartete.

Dann erzählte Hikiji von seiner Kindheit und Usagi hörte ihm zu.

Wie es das Gesetz vorschrieb, wurden die verurteilten Verräter sieben Tage später hingerichtet.

Hikiji wurde als letzter zum Richtblock geführt. Stumm, aber mit hoch erhobenem Haupt ging er. Er starb ohne einen Laut und sein Kopf wurde zu den anderen gebracht.

"Seltsames Gefühl, nicht?" fragte Usagi.

"Ja", gab Hikiji zu, der unerkannt in einer Uniform mit den Wappen des Geishu Klans neben ihm stand.

Fortsetzung

Usagi Yojimbo and Pau Tai Teil 14: Usagis Schlacht